Freiherren von Vaz


Freiherren von Vaz
Hügel der Burg Nivagl

Die Freiherren von Vaz waren im Hochmittelalter eines der mächtigsten Adelsgeschlechter im Alpenraum. Urkundlich nachgewiesen sind sie ca. von 1135 bis 1338. Die heutige Gemeinde Vaz/Obervaz ist ein Teil ihres Nachlasses. Der Hauptsitz derer von Vaz war die Burg Nivagl südlich von Zorten, später die Burg Belfort. Nivaigl stammt aus dem 10. oder frühen 11. Jahrhundert und gehört somit zu den ältesten Burgenanlagen Oberrätiens.

Inhaltsverzeichnis

Familie

Der Herrschaftskern derer von Vaz ist schon im Churrätischen Reichsguturbar erfasst. Von Nivaigl griff das Geschlecht im Laufe der Zeit über grosse Teile Oberrätiens über und entwickelte sich dort neben dem Bistum Chur zur bedeutendsten politischen Macht. Die Freiherren von Vaz waren bis 1299 Pfandinhaber der Reichsvogtei über das Hochstift Chur, später der sogenannten Grafschaft Laax, einem Lehen des Reichs an Österreich. Ihre Rechte an umfangreichen Ländereien im Linzgau nördlich des Bodensees basierten mehrheitlich auf Eigentumsrechten an der Pfarrkirche Seefelden und wurden im 13. Jahrhundert abgestossen.

Die Freiherren von Vaz besassen in Graubünden Rechte an gut 25 Burgen; von Neu-Aspermont in der Bündner Herrschaft bis Jörgenberg in der Surselva, von Ortenstein im Süden des Domleschgs bis nach Splügen im Rheinwald.

Grablege der Vazer war das Prämonstratenserstift Churwalden, dessen Gründer ein Vazer gewesen sein könnte. Walter, 1135 als Schuldner der Gemeinde Plurs im Veltlin urkundlich festgehalten, war 1158 als Walter de Sevelt Vogt der Kirche Seefelden. Seine Söhne waren Walter und Rudolf, der mit Willibirg, Tochter des Grafen Manegold II. von Veringen verheiratet war und 1192 am Hof König Heinrichs VI. in Hagenau im Elsass nachgewiesen ist.

Ruine Belfort

wichtigste Vertreter

  • Walter I. von Vaz, urkundlich erwähnt von 1135 bis 1160; † vor 10. März 1169
  • Walter II., Sohn von Walter I., erwähnt 1160
  • Rudolf l. von Vaz, Sohn von Walter I., Vogt der Kirche Seefelden † vor 1200, verheiratet mit Willibirg, Gräfin von Veringen
  • Rudolf II. Sohn von Walter I., † vor 1227
  • Walter lll. von Vaz, † 26. November 1254; Sohn von Walter I., verheiratet mit Adelheid von Rapperswil
  • Rudolf III., Sohn von Walter III., † 27. Juli 1262 als Rudolf IV. von Rapperswil, Graf von Rapperswil
  • Walter lV. von Vaz, Sohn von Walter III. verheiratet mit Adelheid von Montfort; † vor 25. April 1255
  • Walter V., Sohn von Walter IV., † 4. November 1284, verheiratet mit Liukarda von Kirchberg, † 24. Mai 1326
  • Donat, Sohn von Walter V., † 23. April 1337/38 in Churwalden, verheiratet mit Guota von Ochsenstein
  • Margarethe, Tochter von Walter V., verheiratet 1. mit Ulrich II. von Matsch, † 1309, 2. mit Ulrich von Aspermont, †1333
  • N, Tochter von Walter V., verheiratet mit Walter IV. von Eschenbach
  • Kunigunde, Tochter des Donat, † 5./6. Februar 1364, verheiratet mit Friedrich V. von Toggenburg
  • Ursula, Tochter des Donat, † 4. April 1367, verheiratet mit Rudolf IV., Graf von Werdenberg-Sargans, † 27.Dezember 1361; ermordet bei Chiavenna

Weitere Angaben

Am 4. März 1213 wird beurkundet, dass Adelheid von Montfort den vom Gemahl Walter von Vaz als Morgengabe erhaltenen Teil ihrer Güter in Seefelden, Maurach und Tüfingen dem Kloster Salem übertragen und als Ersatz ein Gut in Obervaz und Abgaben aus der Alp Sanapans (Lenzerheide) und aus Davos erhalten habe.)

Im Jahre 1275 erhielt Walter IV. vom Bischof von Chur einige Besitzungen im Domleschg als erbliche Lehen, unter anderem auch Tomils mit dem Schloss Ortenstein. Da sie bereits die Burgen Neu-Süns und Alt-Süns bei Paspels und die Burg Heinzenberg besassen, bekamen die Vazer im Domleschg eine überragende Stellung.

Donat von Vaz galt als Befreier und Volksheld Graubündens. Er war von 1295 bis 1298 Rechtsstudent an der Universität Bologna und wurde anschliessend Domherr in Chur. 1300, nach dem Tod seines Bruders Johannes, übernahm er die Herrschaft Vaz. Er lehnte sich politisch an Österreich an und pflegte Beziehungen zu Zürich. Für Wandmalereien in Kirchen erteilte er Aufträge an den Waltensburger Meister. Oft war er in heftige Kampfe gegen den Bischof von Chur verwickelt und wurde deshalb von der liberalen Geschichtsschreibung des 19. und 20. Jahrhunderts sowie in Erzählungen und Volksdramen als Demokrat und Befreier Graubündens gefeiert. Donats Erbe ging über an die Töchter Kunigunde und Ursula, an die Gräfinnen von Toggenburg bzw. von Werdenberg-Sargans. Die Burg Belfort von Lenzerheide wurde an Schwester Kunigunde vererbt und ging damit in den Besitz der Grafen von Toggenburg über.

Der Bischof von Chur, das Schams und Obervaz kauften 1456 das Erbe der Ursula von den verarmten Grafen von Werdenberg-Sargans für 3600 Gulden ab. Obervaz bezahlte für sein Gebiet 600 Gulden, ungefähr 11000 Franken. Im gleichen Jahre konnte sich Vaz/Obervaz loskaufen und wurde eine selbständige Gemeinde.

Literatur

  • Otto P. Clavedetscher, Werner Meyer: Das Burgenbuch von Graubünden. Zürich/Schwäbisch Hall, 1984
  • Jahresbericht Archäologischer Dienst Graubünden 2007; S. 75ff

Weblinks

Freiherren von Vaz im Historischen Lexikon der Schweiz


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Freiherren von Rapperswil — Die Rapperswiler waren ein Ostschweizer Adelsgeschlecht. Der Schwerpunkt ihrer Besitzungen lag in der heutigen Ost und Zentralschweiz. Ihr Stammsitz war die Burg Alt Rapperswil in der Gemeinde Altendorf. Ihre Genealogie ist in der Forschung… …   Deutsch Wikipedia

  • Freiherren von Rhäzüns — Wappen der Herren von Rhäzüns aus der Kirche Sogn Gieri bei Rhäzüns …   Deutsch Wikipedia

  • Freiherren von Belmont — Wappen der Herren von Belmont in der Kathedrale in Chur Die Freiherren von Belmont waren vom 12. bis 14. Jahrhundert ein edelfreies Freiherrengeschlecht aus dem heutigen Kanton Graubünden in der Schweiz. Ihre Besitzungen lagen in der unteren… …   Deutsch Wikipedia

  • Freiherren von Greifenstein — Die Freiherren von Greifenstein waren im 13. und frühen 14. Jahrhundert ein edelfreies Adelsgeschlecht im schweizerischen Kanton Graubünden. Ihr Stammsitz war die Burg Greifenstein oberhalb Filisur im Albulatal. Greifensteiner, die Freiherren von …   Deutsch Wikipedia

  • Vaz/Obervaz — Basisdaten Staat: Schweiz Kanton …   Deutsch Wikipedia

  • Von Toggenburg — Das ältere Wappen der Toggenburger in der Stumpfschen Chronik von 1548 Die Toggenburger waren ein Ostschweizer Adelsgeschlecht. Der Schwerpunkt ihrer Besitzungen lag in der Landschaft, die heute als «Toggenburg» ihren Namen trägt. Der Grafentitel …   Deutsch Wikipedia

  • Grafen von Rapperswil — Die Rapperswiler waren ein Ostschweizer Adelsgeschlecht. Der Schwerpunkt ihrer Besitzungen lag in der heutigen Ost und Zentralschweiz. Ihr Stammsitz war die Burg Alt Rapperswil in der Gemeinde Altendorf. Ihre Genealogie ist in der Forschung… …   Deutsch Wikipedia

  • Grafen von Toggenburg — Das ältere Wappen der Toggenburger in der Stumpfschen Chronik von 1548 Die Toggenburger waren ein Ostschweizer Adelsgeschlecht. Der Schwerpunkt ihrer Besitzungen lag in der Landschaft, die heute als «Toggenburg» ihren Namen trägt. Der Grafentitel …   Deutsch Wikipedia

  • Konrad von Belmont — Konrad III. von Belmont (* 1240/45 in Oberrätien; † Ende August oder Anfang September 1282 in Dieburg) war von 1273 bis zu seinem Tod Bischof von Chur. Leben Konrad entstammte dem in Graubünden begütertem Geschlecht der Freiherren von Belmont. Er …   Deutsch Wikipedia

  • Elisabeth von Habsburg-Laufenburg — Gräfin Elisabeth von Rapperswil (* um 1251 oder 1261; † 1309 vermutlich in Rapperswil) – bekannt auch als Elisabeth von Homberg oder Elisabeth von Habsburg Laufenburg – setzte mit ihrer zweiten Heirat die Linie der Grafen von Rapperswil fort und… …   Deutsch Wikipedia


Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.