Friedrich Freiherr von Wieser

Friedrich Freiherr von Wieser
Friedrich von Wieser

Friedrich Freiherr von Wieser (* 10. Juli 1851 in Wien; † 22. Juli 1926 in St. Gilgen bei Salzburg) war ein österreichischer Ökonom und Hauptvertreter der neoklassischen Grenznutzenlehre. Zusammen mit Carl Menger und Eugen von Böhm-Bawerk gilt er als Begründer der Österreichischen Schule der Nationalökonomie.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Nach seiner Matura am Wiener Schottengymnasium kam Friedrich von Wieser 1868 an die Wiener Universität, um Jurisprudenz zu studieren. Nach der Lektüre von Herbert Spencers „Einleitung in das Studium der Soziologie“ galt sein Interesse auch der Volkswirtschaftslehre. Im Jahr 1875 erhält Wieser ein Reisestipendium, das ihn für zwei Semester an die Heidelberger Universität zum Nationalökonomen Karl Knies und für je ein weiteres Semester zu Wilhelm Roscher nach Leipzig sowie zu Bruno Hildebrand nach Jena führt. Nach erfolgreicher Habilitation 1884 mit Über den Ursprung und die Hauptgesetze des wirthschaftlichen Werthes an der Wiener Universität wurde er im gleichen Jahr als Extraordinarius an die deutsche Universität in Prag berufen.

1889 erfolgte Wiesers Ernennung zum ordentlichen Professor und gleichzeitig die Publikation seines Werkes „Der natürliche Wert“, in dem der Wirtschaftsprozess als sich nach exakt formulierbaren Gesetzen vollziehender Kreislauf beschrieben wird.

1903 folgte Friedrich von Wieser einer Berufung an die Universität Wien. Sein wirtschaftswissenschaftliches Hauptinteresse galt in den folgenden Jahren den Problemen der Geldtheorie. Im Jahre 1917 wird er Handelsminister und Mitglied des Herrenhauses bis zum Ende des Weltkrieges 1918.

1926 stellt er in seinem Hauptwerk „Das Gesetz der Macht“ seine ab dem Weltkrieg entstandenen soziologischen und geschichtsphilosophischen Ergebnisse und Ideen dar. Friedrich von Wieser stirbt am 22. Juli 1926 bei Salzburg und wurde in einem ehrenhalber gewidmeten Grab auf dem Dornbacher Friedhof in Wien (Gruppe 11, Numme 1 A) beigesetzt.

Aus dem Vorwort seines Buches „Das Gesetz der Macht“

„Die Menschen stehen unter dem Gesetze der Macht. Das ganze gesellschaftliche Wesen wird durch die Macht regiert, sie ist der höchste Wert, nach welchem die Völker streben und nach welchem sie gezählt, gewogen und gerichtet werden. Doch ist es nicht, wie man in aller Regel annimmt, die äußere Macht, die alles entscheidet, sondern im letzten Grunde ist die innere Macht der Kern der Machterscheinung, der, wie er geschichtlich nach und nach ausreift, das Gehäuse der äußeren Macht sprengt, unter dessen Schutz er seine Reife gewinnt. In dem Buche, das ich hiermit der Öffentlichkeit vorlege, war ich von dem Gedanken geleitet, zu zeigen, wie sich das strenge Gesetz der äußeren Macht im Laufe der Zeit zu den milderen Geboten von Recht und Sittlichkeit wandelt. Diese Wandlung vollzieht sich in folgerichtiger Notwendigkeit, denn die Macht, die den Menschen das Gesetz gibt, steht selbst unter dem Gesetze ihres Werdens. Es war der zweite Gedanke, der mich in diesem Buche geleitet hat, das Gesetz des Werdens der Macht zu entwickeln, das sich unter dem Reichtum der geschichtlichen Tatbestände in eine ganze Reihe von einzelnen Gesetzen auflöst.“

Wesentliche Werke

  • Über den Ursprung und die Hauptgesetze des wirthschaftlichen Werthes (1884)
  • Der natürliche Werth (1889)
  • Die Theorie der städtischen Grundrente (1909)
  • Theorie der gesellschaftlichen Wirtschaft (1914)
  • Das geschichtliche Werk der Gewalt (1923)
  • Das Gesetz der Macht (1926)

Literatur

  • Friedrich A. v. Hayek Institut: Von Menger bis Mises (344 Seiten, ISBN 3-933180-58-9, 2000)
  • Hax, Herbert (Hrsg.): Vademecum zu einem Klassiker der österreichischen Schule. Düsseldorf, Verlag Wirtschaft und Finanzen 1999. ISBN 3-87881-138-1
  • Hans Mayer, R. Reisch, F. A. Fetter (Wien, Springer, 1927): Die Wirtschaftstheorie der Gegenwart (Sammelband mit über 80 Beiträgen internationaler Ökonomen)
  • A. Menzel: Friedrich Wieser als Soziologe (Wien, Springer, 1927)
  • Ewald Schams: Friedrich Wieser und sein Werk in der Zeitschrift für die gesamte Staatswisschenschaft, 81. Bd. 1926
  • Ein von Friedrich Hayek herausgegebener Band gesammelter Schriften Wiesers wird demnächst erscheinen (Verlag Siebeck, Tübingen)

Siehe auch

Weblinks

Englische Seiten:


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