Friedrich Heinrich Karl Syrup


Friedrich Heinrich Karl Syrup
Friedrich Syrup, 1927

Friedrich Syrup (* 9. Oktober 1881 in Lüchow (Wendland)/Niedersachsen; † 31. August 1945 im sowjetischen Speziallager 7 (zuvor KZ Sachsenhausen/Oranienburg) war ein deutscher Jurist und Politiker.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Als Sohn eines Postbeamten studierte er Maschinenbau sowie Rechts- und Staatswissenschaften. 1905 trat er in den preußischen Gewerbeaufsichtsdienst ein (bis 1918) und machte sich während dieser Zeit auch durch verschiedene wissenschaftliche Veröffentlichungen zu Fragen des Arbeitsschutzes und der sozialen Lage der Arbeiterschaft einen Namen. Im November 1918 wurde Dr. Syrup vom Preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe zum Demobilmachungsministerium abgeordnet und war dort zuständig für die Wiedereingliederung der Kriegsteilnehmer in das Erwerbsleben. Aus diesem Aufgabenbereich schuf er das Reichsamt für Arbeitsvermittlung, zu dessen Präsidenten er 1920 bestellt wurde. Von 1927 bis Ende 1938 war er Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung. Als die Hauptstelle der bis dahin formal selbständigen Reichsanstalt in das Reichsarbeitsministerium integriert wurde, wurde Dr. Syrup zum Staatssekretär in diesem Ministerium ernannt.

Im Kabinett Schleicher, dem letzten vor Hitler, war er Reichsarbeitsminister (parteilos), wurde aber von Hitler wieder in sein Präsidentenamt zurück versetzt. Hermann Göring ernannte Dr. Syrup in seiner Funktion als Beauftragter für den Vierjahresplan im Jahr 1936 zum Leiter der Geschäftsgruppe Arbeitseinsatz. Um die Arbeitskraft der einsatzfähigen Juden auszunutzen, wurde am 20. Dezember 1938 der "geschlossene Arbeitseinsatz" aller erwerbslosen und sozialunterstützten Juden im Reichsgebiet von Dr. Syrup angeordnet. Um 1939 wurde Dr. Syrup Preußischer Staatsrat (bis 1942). Im Jahre 1941 erlitt Dr. Syrup einen völligen Zusammenbruch. Nach längerer Krankheit nahm er den Dienst nur noch zeitweise auf. Dies war mit Grund für die Ernennung des Gauleiters von Thüringen, Fritz Sauckel, zum Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz (GBA) am 21. März 1942, dem Dr. Syrup nun faktisch unterstellt war.

Bei Kriegsende blieb Dr. Friedrich Syrup in Berlin, obwohl er hätte fliehen können. Im Juni 1945 wurde er in das sowjetische Speziallager 7 (zuvor Konzentrationslager Sachsenhausen/Oranienburg) gebracht, wo er nach wenigen Wochen starb.

Werke (Auswahl)

  • Arbeitseinsatz und Arbeitsbeschaffung / Friedrich Syrup. Berlin, [1939].
  • Der Arbeitseinsatz und die Arbeitslosenhilfe in Deutschland / Friedrich Syrup. Berlin, 1936.
  • Astigmatische Spiegelung im dreiaxigen Ellipsoid / vorgelegt von Friedrich Syrup. Rostock, Univ., Diss., 1905.
  • Probleme des Arbeitsmarktes und der Arbeitslosenversicherung / Syrup. Köln, 1930.

Nachlässe, Sammlung

Manuskripte und unveröffentlichte Manuskriptteile seines Buches „Hundert Jahre staatliche Sozialpolitik“ befinden sich in einem Teilnachlass beim Bundesarchiv in Koblenz. [1] Eine weiterer Teilnachlass mit einer Materialsammlung und einem Manuskript zur Geschichte der Arbeitsverwaltung befindet sich bei der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. [2] Zudem existiert bei der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit in Mannheim eine „Sammlung Dr. Friedrich Syrup“.

Literatur

  • Hundert Jahre staatliche Sozialpolitik 1839 -1939 : aus dem Nachlass von Friedrich Syrup / hrsg. von Julius Scheuble. Bearb. von Otto Neuloh. Stuttgart, 1957.
  • Maier, Dieter G.: Anfänge und Brüche der Arbeitsverwaltung bis 1952 : zugleich ein kaum bekanntes Kapitel der deutsch-jüdischen Geschichte. Brühl, 2004. (Schriftenreihe / Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung ; 43). ISBN 3-930732-97-1.
  • Nürnberger, Jürgen / Maier, Dieter G.: Präsident, Reichsarbeitsminister, Staatssekretär : Dr. Friedrich Syrup ; Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung ; Leben, Werk, Personalbibliografie. Ludwigshafen, 2., wesentl. erw. Aufl., 2007. (Gestalter der Arbeitsmarktpolitik : Bibliografie und Biografie ; Band 1). ISBN 978-3-929153-81-1. (1. Aufl. 2006 ISBN 3-929153-80-7).

Quellen

  1. http://www.nachlassdatenbank.de/search.php? Eintrag in der „Zentralen Datenbank Nachlässe“ des Bundesarchivs
  2. http://www.nachlassdatenbank.de/search.php? Eintrag in der „Zentralen Datenbank Nachlässe“ des Bundesarchivs

Weblinks


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