Friedrich Karl Kaul


Friedrich Karl Kaul
Friedrich Karl Kaul (1956)

Friedrich Karl Kaul (* 21. Februar 1906 in Posen; † 16. April 1981 in Ost-Berlin) war ein deutscher Jurist, Hochschullehrer und Schriftsteller der DDR.

Inhaltsverzeichnis

Stationen

Friedrich Karl Kaul absolvierte zunächst ab 1925 ein Studium der Rechtswissenschaften in Berlin und Heidelberg und promovierte im Jahre 1933. In Berlin wurde er Mitglied der Studentenverbindung Corps Neosilesia. Als Adolf Hitler am 30. Januar 1933 die Macht im Deutschen Reich übernahm, wurde Kaul aus zwei Gründen aus dem Justizdienst entlassen: weil er Kommunist und weil er Jude war. 1935 erfolgte seine Verhaftung durch die Gestapo und die Einlieferung ins KZ Lichtenburg und später Dachau. 1937 konnte er nach seiner Entlassung nach Süd- und Mittelamerika emigrieren.

1941/42 wurde Kaul in Nicaragua interniert und an die USA ausgeliefert.

Kaul (links) während eines Staatsschutzprozesses vor dem Landgericht Lüneburg 1959.

Bald nach dem Ende des Krieges kehrte er noch 1945 nach Deutschland zurück und wählte Ost-Berlin als Wohnsitz. Er trat in die KPD/ SED ein und war als Justitiar beim Berliner Rundfunk und seit 1948 als auch bei den Gerichten im späteren Berlin (West) zugelassener Rechtsanwalt tätig, häufig im Auftrag der SED und der DDR-Regierung vor West-Berliner und westdeutschen Gerichten - beispielsweise vor dem Bundesverfassungsgericht gegen das Verbot der KPD, allerdings erfolglos. Da Kaul noch vor der Trennung der Justizsysteme Berlins am Kammergericht zugelassen worden war, konnte er als auch an allen westdeutschen Gerichten zugelassener Strafverteidiger auftreten. Er war in der Folge an allen Staatsschutzverfahren in der Bundesrepublik Deutschland gegen Kommunisten beteiligt und trat oft als Nebenkläger in Verfahren gegen Täter des NS-Unrechtes auf.[1] 1960 wurde er zum Professor ernannt. Vom ersten Frankfurter Auschwitzprozess an trat er in 17 Strafverfahren gegen NS-Gewaltverbrecher als Vertreter der Nebenkläger für die in der DDR lebenden Opfer auf. So war er von 1963 bis 1965 Nebenkläger im Frankfurter Auschwitz-Prozess, von 1967 bis 1970 im Essener Dora-Prozess und agierte 1970 als Vertreter der Nebenkläger im Düsseldorfer Treblinka-Prozess. In den Jahren 1970 bis 1972 vertrat er Eberhard Czichon und seinen Verleger Manfred Pahl-Rugenstein gegen die Klage von Hermann Josef Abs wegen dessen Rolle im Vorstand der Deutschen Bank während der Zeit des Dritten Reichs. Dabei wurde er in der westdeutschen Presse als „Staranwalt“ bezeichnet.[2][3] Zu seinem antifaschistischen Engagement gehört auch der langjährige Kampf für die gerichtliche Bestrafung des Mordes an Ernst Thälmann. Darüber schrieb er auch ein Buch. [4]Das Auftreten Kauls als Nebenkläger in den Prozessen gegen nationalsozialistische Verbrecher wurde hierbei von Seiten der DDR auch propagandistisch genutzt. Die DDR stellte sich so als Vertreterin der Opfer der NS-Diktatur dar.[1] Kaul war deshalb auch in der Bundesrepublik eine bekannte Persönlichkeit.

Grab von Kaul auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin

In der DDR war der prominente Jurist weit mehr durch seine Fernsehserie „Fragen Sie Professor Kaul“ berühmt, in der er Rechtsfragen aus dem Alltag anschaulich erörterte. Er schrieb auch Kriminalgeschichten, Romane, Hör- und Fernsehspiele, darunter die Kriminalfilmreihe Bonner Pitaval für das DDR-Fernsehen, und in seiner ersten Folge die Affäre Heyde-Sawade, wo Kaul den Skandal eines in Westdeutschland untergetauchten Nazi-Euthanasie-Massenmörders filmisch inszeniert, dokumentiert und im Sinne der DDR-Propaganda der Zeit Walter Ulbrichts nicht zuletzt juristisch aufbereitet. Kaul thematisierte erstmals die Euthanasie-Morde im Nationalsozialismus auch für eine größere Öffentlichkeit in der DDR.

Seine Urne wurde in der Grabanlage Pergolenweg der Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Berliner Zentralfriedhof Friedrichsfelde beigesetzt.

Kaul mit dem Redakteur Albert Grohmann (1960)

Auszeichnungen

Schriften (Auswahl)

  • Funkhaus Masurenallee. Ein Hörspiel , 82 Minuten, 1951
  • Ich sagte die Wahrheit: Lilly Wächter - ein Vorbild der deutschen Frauen im Kampf um den Frieden, Deutscher Frauen Verlag, Berlin 1952
  • Ankläger auf der Anklagebank - Erlebnisse und Erfahrungen mit Westberliner Gerichten. 2 Bände 1952/1953
  • Der Pitaval der Weimarer Republik, Band 1, Justiz wird zum Verbrechen. Berlin 1953
  • Der Pitaval der Weimarer Republik, Band 2, Verdienen wird groß geschrieben. Berlin 1954
  • Der Ring. (ein Kriminalroman), Berlin 1954
  • Der Weg ins Nichts, (Roman), Das Neue Berlin, Berlin 1955, Gelbe Reihe
  • Ich fordere Freispruch. Dietz Verlag, Berlin 1955
  • Der blaue Aktenkoffer oder Mord im Grunewald - ein Unschuldiger soll ins Gefängnis. (Roman zum Attentat auf den damaligen deutschen Außenminister Walter Rathenau), Berlin 1957
  • Kleiner Weimarer Pitaval, Berlin 1959
  • Es wird Zeit, dass du nach Hause kommst. Das Neue Berlin, Berlin 1959
  • Die Doppelschlinge. (Roman), Das Neue Berlin, Berlin 1961
  • Und das von Rechts wegen. VEB Dt. Zentralverlag, Berlin 1961
  • Der Pitaval der Weimarer Republik, Es knistert im Gebälk, Band 3. Berlin 1961
  • Der Fall Eichmann. Das Neue Berlin, Berlin 1963. - Ein Bericht über den Prozess in Jerusalem
  • Vornehme Leute - Der Bonner Pitaval Berlin 1964
  • Der Fall des Herschel Grynszpan. Akademie Verlag, Berlin 1965
  • Von der Stadtvogtei bis Moabit - Ein Berliner Pitaval. Berlin 1965
  • Ein Pitaval. Band 1 Zehn Kriminalfälle und Prozessberichte von 1894 bis 1925. Berlin 1966
  • Ein Pitaval. Band 2 Zehn Kriminalfälle und Prozessberichte von 1926 bis 1964. Berlin 1966
  • Ich fordere Freispruch - Westberliner Prozesse von 1949 bis 1959. Berlin 1966
  • Angeklagter Nr. 6 - Eine Auschwitz-Dokumentation. Berlin 1966
  • Mord im Grunewald - der Weg ins Nichts. Berlin 1966 ISBN/ISSN 622 417 3. (Mord an Rathenau)
  • Ärzte in Auschwitz. 1968
  • So wahr mir Gott helfe - Pitaval der Kaiserzeit. Berlin 1968
  • Ich klage an. Hamburg 1971
  • Dr. Sawade macht Karriere: der Fall des Euthanasie-Arztes Dr. Heyde. Frankfurt/Main 1971
  • Geschichte des Reichsgerichts, Band IV (1933-1945). Berlin 1971
  • In Robe und Krawatte - Vor Gerichten der BRD - Der Verteidiger hat das Wort. Berlin 1972 ISBN/ISSN 622 509
  • Nazimordaktion T4 - Ein Bericht über die erste industriemäßig durchgeführte Mordaktion des Naziregimes. Berlin 1973
  • DINA: die chilenische Gestapo. Berlin 1976
  • Watergate - Ein Menetekel für die USA. Berlin 1976
  • Rechtsfragen für dich und mich. Berlin 1979
  • Die Psychiatrie im Strudel der "Euthanasie". Berlin 1979
  • „… ist zu exekutieren!“ : Ein Steckbrief der deutschen Klassenjustiz. Berlin 1981
Neuausgabe: Berlin 2006 ISBN 3-355-01724-8
  • Menschen vor Gericht - Ein Pitaval aus unseren Tagen. Berlin 1981
  • Menschen vor Gericht: Ein Pitaval aus unseren Tagen. Berlin 1987 ISBN 3-360-00069-2
  • Prozesse, die Geschichte machten: deutscher Pitaval von 1887 bis 1933. Berlin 1988 ISBN 3-360-00164-8

Literatur

  • Annette Rosskopf: Friedrich Karl Kaul: Anwalt im geteilten Deutschland (1906 - 1981). Berlin 2002, ISBN 3-8305-0130-7

Weblinks

 Commons: Friedrich Karl Kaul – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Annette Rosskopf: , Strafverteidigung als ideologische Offensive. Das Leben des Rechtsanwalts Friedrich Karl Kaul (1906–1981). In: forum historiae juris 1998.
  2. N.N.: Prozesse: Abs. Noch'n Ruck. In: Der Spiegel. Nr. 43, 1970, S. 128–131 (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43801130.html).
  3. N.N.: Banken: Abs. Vollkommen rein. In: Der Spiegel. Nr. 46, 1970, S. 119–120 (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43837761.html).
  4. ...ist zu exekutieren!“ : Ein Steckbrief der deutschen Klassenjustiz. Berlin 1981 Neuauflage 2006

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