Funktionale Satzperspektive


Funktionale Satzperspektive

Die Thema-Rhema-Gliederung (auch aktuelle Satzgliederung, funktionale Satzperspektive) ist in der funktionalen Grammatik ein Ansatz, den inhaltlichen Aufbau von Sätzen und Texten zu beschreiben.

Das Thema ist die Ausgangsinformation, das schon Bekannte, während das Rhema die darauf bezogenen Ausführungen bzw. das inhaltlich Neue bezeichnet. Einheiten können aus dem vorangehenden Text bekannt und vorher eingeführt sein (Beispiel 1) oder aber sich aus dem Vorwissen ergeben (Beispiele 2 und 3).

(1) Es war einmal ein König (Rhema). Der (Thema) hatte drei Töchter (Rhema).

(2) In Berlin (Thema) hat es heute geregnet (Rhema).

(3) Ich (Thema) habe gerade einen Anruf bekommen (Rhema).

Als Ausdrucksmittel für die Thema-Rhema-Struktur dienen im Deutschen vor allem: die Betonung (des Rhemas), die Satzgliedstellung (Thema am Satzanfang, Rhema am -ende) und besondere grammatische oder lexikalische Mittel der Perspektivierung wie etwa das Passiv. Sowohl das Thema als auch das Rhema können mehrere Satzglieder umfassen, wobei in einem Satz das Thema fehlen kann. Satzglieder mit dem größten Mitteilungswert befinden sich in der Regel am Ende des Satzes.

Der Thema-Rhema-Gliederung (alt – neu) werden folgende Gliederungen zur Seite gestellt:

  • Fokus-Hintergrund-Gliederung (relevant – weniger relevant)
  • Topik-Kommentar-Gliederung (worüber – was)

Molnar teilte die Gliederungen dem Organon-Modell folgendermaßen zu:

  • Senderebene des Ausdrucks: Fokus-Hintergrund-Gliederung
  • Sachebene der Darstellung: Topik-Kommentar-Gliederung
  • Empfängerebene des Appells: Thema-Rhema-Gliederung

In der Textlinguistik wird die Thema-Rhema-Gliederung eingesetzt, um als Thema-Rhema-Progression Typen der Satzverbindung und damit der Kohärenz bzw. Kohäsion zwischen Sätzen zu bestimmen.

Literatur

  • Margot Heinemann, Wolfgang Heinemann: Grundlagen zur Textlinguistik. Interaktion – Text – Diskurs. Niemeyer, Tübingen 2002. ISBN 3-484-31230-0

Siehe auch


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