Futterhäuschen

Futterhäuschen

Vogelhäuschen werden landläufig überdachte Futterstellen genannt, worin anlässlich der Winterfütterung der frei lebenden Vögel Körnermischungen dargereicht werden können. In der Regel bestehen Vogelhäuschen aus Holz; zur Abdeckung ihrer meist spitzgiebelig gestalteten Dächer wird Teerpappe oder anderes wetterfestes Material verwendet. Der gartengestalterische Aspekt von Vogelhäuschen wird dagegen beispielsweise an Verzierungen ersichtlich, die für Kennzeichen menschlicher Wohn- oder Aufenthaltsstätten stehen, etwa stilisierte Schornsteine.

Spatzen an einem Vogelhäuschen

Die eben vor allem durch die Vogelhäuser symbolisierte Winterfütterung ist Gegenstand einer fortwährenden Diskussion, weil den wild lebenden Vögeln dadurch eine zusätzliche, eigentlich nicht natürliche Nahrungsquelle geboten wird, auch wenn gewissermaßen einheimische Futtermittel verwendet werden.

Skeptiker argumentieren, dass die Winterfütterung im Grunde überflüssig sei, was sich etwa daran zeige, dass trotz der sehr bereitwilligen Annahme des dargebotenen Futters, die Vögel in der Umgebung ohnehin auch weiter nach Nahrung suchen und selbst bei gefrorenem Boden und Schnee oft noch ausreichend davon finden würden. Außerdem wird eine potenzielle Beeinflussung der natürliche Auslese von schwachen und kranken Tieren durch den Menschen befürchtet. Befürworter weisen dagegen darauf hin, dass die heutige ökonomisch geprägte Zivilisations- und Kulturlandschaft den Vögeln eine ursprüngliche, natürliche Umgebung gar nicht mehr bieten könne. Daher seien sie zumindest zeitweise auf eine Zufütterung angewiesen. Obendrein seien negative Konsequenzen der Winterfütterung tatsächlich nicht nachweisbar. Dazu wird der pädagogische Wert der Winterfütterung hervorgehoben, wonach dem Menschen eine unkomplizierte Begegnung mit der ihm zunehmend fremd gewordenen Natur ermöglicht würde. Innerhalb dieser Diskussion werden von beiden Seiten durchaus auch ornithologisch nicht haltbare Argumente hervorgebracht. Etwa die gelegentliche, skeptische Befürchtung, durch die Winterfütterung würden häufige, ganzjährig vorkommende Vogelarten einen Vorteil gegenüber Zugvögeln erhalten. Denn letztere könnten durch die örtlich hohen Konzentrationen der stationären Arten keinen Brutplatz mehr finden. Eine nennenswerte Nistplatzkonkurrenz besteht zwischen den wenigen für einen solchen Fall überhaupt in Betracht kommenden Zug- und Jahresvogelarten jedoch natürlicherweise kaum. Ebenso ist wohl der Anspruch mancher Befürworter, die Winterfütterung hätte eine grundsätzlich konsolidierende Auswirkung auf im Rückgang befindliche Arten als fragwürdig anzusehen.

Schneemann vor Vogelhäuschen: Winterfütterung

Um sich jedenfalls am Anblick der wilden Vögel auch weiterhin erfreuen zu können, geht ein häufig angeführter Kompromissvorschlag dahin, nur in harten Phasen des Winters zu füttern, nicht aber prinzipiell immer. Eine allemal nützliche und weniger diskussionsbedürftige Maßnahme dürfte es außerdem sein, abgeblühte Stauden den Winter über stehen zu lassen, damit die Vögel verborgene Insekten und Samen herauspicken können.

Die populäre Fütterung mit den Vogelhäuschen ist im Übrigen nicht mit einer mitunter in Forstwirtschaft und Obstanbau durchgeführten Winterfütterung gleichzusetzen. Dabei ist die Winterfütterung Teil eines Gesamtkonzepts, das eine örtlich konzentrierte Ansiedlung von bestimmten Vogelarten zum Ziel hat, damit diese im Frühling der Verbreitung bestimmter Schädlingsraupen entgegenwirken und so ein problematischer Insektizid-Einsatz nach Möglichkeit vermieden wird. Darüber hinaus führen die Vogelwarten und staatlichen Vogelschutzwarten zuweilen eine Winterfütterung zu wissenschaftlichen Zwecken durch.

Siehe auch

Literatur

  • Peter Berthold u. Gabriele Mohr: Vögel füttern - aber richtig. Anlocken, schützen, sicher bestimmen. Kosmos, Stuttgart 2006, 79 S., ISBN 3-440-10800-7
  • Otto Henze (Begr.) u. Johann Gepp: Vogelnistkästen in Garten und Wald. Über die Lebensweise und Bedeutung aller ihrer Bewohner. Ein Sach- und Kontrollbuch. 6. Aufl. Leopold Stocker Verlag, Graz u. Stuttgart 2004

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Нужна курсовая?

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Futterhäuschen — Fụt|ter|häus|chen, das: Häuschen, in dem Vogelfutter ausgelegt wird, das [im Winter] in der Natur fehlendes ↑ 1Futter ersetzen soll; Vogelhäuschen. * * * Fụt|ter|häus|chen, das: Häuschen, in dem Vogelfutter ausgelegt wird, das [im Winter] in… …   Universal-Lexikon

  • Futterhäuschen — Fooderhüüsche (et) …   Kölsch Dialekt Lexikon

  • Futterhäuschen — Fụt|ter|häus|chen (für Vögel) …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Erithacus rubecula — Rotkehlchen Rotkehlchen (Erithacus rubecula)  Gesang in der Morgendämmerung?/i Systematik …   Deutsch Wikipedia

  • Molothrus ater — Braunkopf Kuhstärling Braunkopf Kuhstärling (Molothrus ater) Systematik Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes) …   Deutsch Wikipedia

  • Rotkehlchen — (Erithacus rubecula) Gesang in der Morgendämmerung …   Deutsch Wikipedia

  • anfliegen — einfliegen * * * an|flie|gen [ anfli:gn̩], flog an, angeflogen: 1. ☆ angeflogen kommen: fliegend herankommen; heranfliegen: ein Flugzeug, ein Vogel, ein Ball kam angeflogen. 2. <tr.; hat in Richtung (auf ein bestimmtes Ziel) fliegen: das… …   Universal-Lexikon

  • Futterhaus — Fụt|ter|haus, das: 1. (DDR Landwirtsch.) Gebäude, in dem Futtermittel gelagert u. zum Füttern zubereitet werden. 2. Futterhäuschen. * * * Fụt|ter|haus, das: 1. (DDR Landw.) Gebäude, in dem Futtermittel gelagert u. zum Füttern zubereitet werden …   Universal-Lexikon

  • Vogelhäuschen — Vo|gel|häus|chen, das: Futterhäuschen. * * * Vo|gel|häus|chen, das: Futterhäuschen …   Universal-Lexikon

  • Abendkernbeißer — (Hesperiphona vespertinus) Systematik Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes) Unt …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”