Fußballländerspiel Färöer – Österreich 1990


Fußballländerspiel Färöer – Österreich 1990
Färöer – Österreich
Datum 12. September 1990
Stadion/Ort Idrottsparken Stadium / Landskrona (Schweden)
Zuschauer 1230
Schiedsrichter Egil Nervik
Anlass Qualifikation zur Fußball-Europameisterschaft 1992
Tore
1:0 Torkil Nielsen (62.)
Karten
Gelbe Karte für Allan Mørkøre

Das Fußballländerspiel Färöer gegen Österreich 1990 fand am 12. September zwischen den Herren-Nationalmannschaften beider Länder im schwedischen Landskrona statt.

Das überraschende 1:0 der färöischen Elf gegen die österreichische Fußballnationalmannschaft ging als Fußballmärchen in die Sportgeschichte ein. In der Geschichte der Färöer zählt es zu den modernen Mythen der kleinen Inselnation. Der Name Landskrona (1990) reicht oft als Stichwort, um bei Føroyar-Eysturríki Erinnerungen zu wecken. Der Torschütze Torkil Nielsen und der Torwart Jens Martin Knudsen waren die herausragenden Personen des Spiels.

Der ÖFB hingegen verpatzte in der Folge erneut eine EM-Qualifikationsrunde und erlebte an jenem Tage eine seiner größten Niederlagen des Jahrhunderts. Teamchef Josef Hickersberger musste am nächsten Tag seinen Rücktritt erklären und wurde erst 15 Jahre später als Nationalcoach rehabilitiert.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Die Färöer waren erst seit 1988 Mitglied der FIFA und seit 1990 der UEFA. Den Angaben des damaligen Präsidenten des Fußballverbandes der Färöer (FSF), Torleif Sigurðsson zufolge waren die färöischen Fußballvereine zunächst gegen eine Teilnahme. Aus Sicht der Vereine sprachen sowohl finanzielle als auch sportliche Gründe dagegen. Man fragte Experten im Ausland, und diese betonten, dass eine Teilnahme wichtig sei, zumal in der damaligen politischen Situation vorhersehbar war, dass diverse neue osteuropäische Nationalmannschaften entstehen würden, und dass eine Teilnahme der Färöer für diese ein Präzedenzfall wäre, um in die UEFA und FIFA aufgenommen zu werden. Hinzu kam das große Interesse der Spieler der färöischen Nationalmannschaft. Die finanziellen Fragen wurden durch Sponsoren gelöst, und in Zeiten der großen Wirtschaftskrise auf den Färöern war man stolz, die öffentliche Hand mit keiner einzigen Öre belastet zu haben. Auch Nationaltrainer Páll Guðlaugsson sagte: „Wenn wir die Chance jetzt nicht ergriffen hätten, ja, dann wäre sie vielleicht nie wiedergekommen“, und: „Wenn der Mann auf der Straße abstimmen dürfte, würden wir wohl kaum jemals irgendwas erreichen“.

Bei der Qualifikation zur Fußball-Europameisterschaft 1992 in Schweden wurden die Färöer in eine Gruppe mit Österreich, Jugoslawien, Dänemark und Nordirland gelost. Das Spiel gegen Österreich sollte ihr erstes Fußballländerspiel werden, welches kein reines Freundschaftsspiel mehr war.

Aus österreichischer Sicht schien der Spielausgang klar. Toni Polster, damals Spitzenspieler beim FC Sevilla, sprach vor dem Spiel sogar von einem 10:0-Sieg, und auch die Färinger rechneten mit einer vernichtenden Niederlage. Ein 0:5 wäre nach Auffassung von Jens Martin Knudsen schon ein „blendendes Ergebnis“ gewesen.

Normalerweise wäre es ein Heimspiel für die Färöer gewesen, aber damals verfügten sie nur über Kunstrasenplätze und mussten daher auf neutralen Boden ausweichen. Zuerst war geplant, diese Spiele in die dänische Hauptstadt Kopenhagen zu legen, aber da die Färöer zusammen mit Dänemark in derselben Gruppe spielen mussten, wich man nach Schweden aus.

Das Angebot des Bezirksamtes Hamburg-Altona (auf Initiative der „Altonaer Freiheit“), die Heimspiele angesichts der gemeinsamen dänischen Geschichte im Volksparkstadion oder auf der Adolf-Jäger-Kampfbahn auszutragen, lehnte FSF-Präsident Sigurðsson ab. Stattdessen war das schwedische Landskrona Austragungsort aller vier „Heimspiele“, sodass die Färinger faktisch acht Auswärtsspiele spielen mussten.

Das Spiel

Aufstellungen

Färöer Österreich
Färöer EM-Qualifikationsspiel
12. September 1990, 19:00 Uhr MESZ, Idrottsparken Stadium (Landskrona, Schweden)

Zuschauer: 1230
Schiedsrichter: Egil Nervik (Norwegen)

Österreich
Jens Martin Knudsen – Julian Hansen, Mikkjal Danielsen, Jóannes Jakobsen Kapitän der Mannschaft, Tummas Eli Hansen – Allan Mørkøre, Ábraham Hansen, Kári Reynheim, Jan Dam, Torkil Nielsen – Kurt Mørkøre
Trainer: Páll Guðlaugsson
Michael KonselRobert Pecl, Michael Streiter, Jürgen Hartmann – Kurt Russ, Heinz Peischl, Manfred Linzmaier, Andreas Herzog (62. Peter Pacult) – Gerhard Rodax, Toni Polster Kapitän der Mannschaft, Andreas Reisinger (62. Gerald Willfurth)
Trainer: Josef Hickersberger
Tor 1:0 Torkil Nielsen (62.)
Gelbe Karten Allan Mørkøre

Die färöischen Spieler waren Amateure, während die österreichischen Profis im selben Jahr an der WM in Italien teilnahmen. Im Buch Reytt og blátt og hvítt sieht man bei den Spielerportraits Fotos aus ihrem Alltag. Fünf Hochschüler, je ein Kraftfahrer, Fischverkäufer, Postbote, Maschinenschlosser, Gelegenheitsjobber, Handelslehrling, Holzhändler, Bäcker, Bankangestellter, Abiturient, Elektriker, Lebensmittelprüfer in einer Fischfabrik, Tischler, Fischfabrikarbeiter, Flugzeugmechanikerlehrling und der Leiter eines Kühlhauses stellten den färöischen Kader. Einer von ihnen, der zweite Reservetorwart Kaj Leo Johannesen, ist heute ein führender Politiker. Nur der Verteidiger und Mannschaftskapitän Jóannes Jakobsen war damals Fußballprofi – als Trainer seines Vereins Vágs Bóltfelag.

Verlauf des Spiels

Landskrona war als Gastgeber gut vorbereitet. Die färöischen Spieler, Offiziellen und Journalisten waren im Öranäs Slott untergebracht, einem Prachtbau von 1904. Vor dem Rathaus wehte die Flagge der Färöer neben der von Schweden, und überall in der Stadt hingen Plakate für das Spiel.

Im Idrottsparken Stadium (max. 12–14.000 Zuschauer) waren an jenem Mittwoch 1265 Zuschauer, die meisten Färinger, darunter viele mit Wohnsitz in Dänemark. Etwa 100 Journalisten waren anwesend. Das Spiel wurde im ORF live übertragen, und Eurosport hatte die Senderechte für eine spätere Ausstrahlung. Noch nie zuvor besaßen die Färinger eine derartige internationale Aufmerksamkeit.

Als das Spiel um 19:00 Uhr vom norwegischen Schiedsrichter Egil Nervik angepfiffen wurde, war kurz zuvor die Übertragungsleitung des färöischen Radios (Útvarp Føroya) zusammengebrochen. Die beiden färöischen Fußballreporter Jógvan Arge und sein Bruder Magni Arge behalfen sich mit einem Telefon, das sie im Stadion auftreiben konnten. Magni gelang es, den Heimatsender anzurufen, und so berichtete das bei den Färingern beliebte Duo auf diese Weise von der ersten Halbzeit.

Vor dem Anpfiff sagte FSF-Präsident Torleif Sigurðsson die überlieferten Worte: „Nú vendist so ikki við“ – „Nun gibt es kein Zurück mehr“. Nachdem sich die erste Aufregung bei den färöischen Spielern gelegt hatte, merkten sie, dass die Österreicher entgegen allen Erwartungen kein Tor schossen. Daraufhin ging man zum Offensivspiel über und spielte einige gute Pässe nach vorne. Dadurch verschafften sie den Österreichern mehr Platz. Der Buchautor und damalige Sportjournalist Finnur Helmsdal schreibt:

Aber diese [österreichischen] Versuche endeten alle entweder an den Köpfen unserer Abwehr oder in den Handschuhen von Jens Martin. In der 30. Minute hatten die Österreicher die erste und vielleicht einzige wirkliche Torchance der ersten Halbzeit. Das war, als Russ, FCS Tirol, aus sehr kurzer Entfernung den Ball auf das Tor schoss. Jens Martin rettete mit einem Satz im besten Jumping-Jack-Stil.

Das Selbstbewusstsein und die Disziplin der färöischen Mannschaft war Helmsdal zufolge voll erwacht.

Es war bereits eine Sensation, dass es zur Pause 0:0 stand. Die Ehre der Färinger war in jedem Fall gerettet, und man hoffte, diesen Zustand noch möglichst lange in der zweiten Hälfte beizubehalten. Während in der zweiten Halbzeit die Übertragungsleitung zu den Färöern endlich wieder stand, übernahmen die Färinger immer mehr die Initiative. Nun waren die Färöer auch häufiger im Ballbesitz. Für ein Foul an Torkil Nielsen sah Michael Streiter eine Gelbe Karte. Danach waren die Österreicher für einen Moment wieder in der Übermacht, mehr als ein Pfostenschuss durch Russ kam aber nicht dabei heraus.

Dann fiel in der 62. Minute der entscheidende Treffer durch Torkil Nielsen. Er konnte drei Abwehrspieler austricksen und den Ball aus etwa 16 Metern Entfernung mit dem linken Fuß hart und flach mitten in Michael Konsels Tor versenken. Die Österreicher versuchten nun verstärkt Druck auf den unterschätzten Gegner aufzubauen, um wenigstens noch den Ausgleich zu erzielen und einen Punkt zu retten. Auch eine doppelte Auswechslung wurde auf österreichischer Seite vorgenommen. Aber Jens Martin Knudsen mit seiner weißen Pudelmütze stand unbeirrt im Tor, und die färöische Abwehr hielt bis zum Schlusspfiff stand. Der Torwart erinnert sich:

Unsere Anhänger machten sich einen Spaß daraus, die letzten Sekunden jeder Viertelstunde herunter zu zählen, die wir ohne Gegentor überstanden. Je öfter das notwendig wurde, desto mehr stimmten ein. Der Countdown zur 60. Minute war gerade verklungen, da machte Torkil Nielsen das 1:0. Ich war völlig fassungslos. Ich erinnere mich noch, dass wir wie wild durcheinander liefen. Mit erhobenen Armen. Dann landeten wir in einem riesigen Geknäuel von Leibern.

Finnur Helmsdal über Knudsen:

Jens Martin spielte, als wenn er die letzten 20 Jahre nichts anderes gemacht hätte. Er war nicht nur wie ein Berg an diesem Abend. Er war wie ein Eisberg.

…über Kapitän Jakobsen und seine Abwehrkette:

Jóannes leitete nicht nur, er gab 100% und kämpfte wie niemals zuvor. Er spielte [in der Abwehr] mit Tummas Eli [Hansen] und Mikkjal [Danielsen] das Spiel seines Lebens. Ich denke, ich werde die 3 – zusammen mit den 8 anderen – zu den „men of the match“ küren. Und es war ein Wunder, wie Mikkjal den fast 20 Zentimeter größeren Polster neutralisieren konnte. Und das spielend.

…über Mittelfeldspieler Hansen:

Im Mittelfeld sah man deutlich, dass Ábraham unser bester Mann in dieser Position ist. Er probierte es mit Technik und verstand es, das umzusetzen, an dem er arbeitete. Vielleicht verlor er mal einen Ball, aber er gewann umgekehrt eine Unmenge. Auch in der Luft. Ábraham spielte einfach unglaublich gut in Landskrona.

…über Allan Mørkøre:

Der erst 18-jährige Allan Mørkøre spielte, als wenn er zu den Erfahrensten gehörte. Nicht zuletzt ist es ihm zu verdanken, dass das Spiel zur rechten Seite so gut gelungen ist. Die Gelbe Karte, die er bekam, war meiner Meinung nach unangemessen.

…schließlich über den Torschützen:

Torkil war der profilierteste Stürmer auf dem Platz. Wenn Frau Fortuna mit ihm etwas großherziger gewesen wäre an jenem Abend, hätte er nicht weniger als 4 Tore geschossen.

Jógvan Arge erinnert sich an den Abend nach seiner Reportage:

Wir sahen noch gar nicht, wie groß die Sensation war. Aber als wir zurück ins Hotel Örenäs Slott bei Landskrona kamen, und dort auf Eurosport hörten, dass unsere Mannschaft als das Märchenteam bezeichnet wurde, ging es nur so weiter. Der berühmte dänische Sportjournalist Per Højer Hansen bezeichnete gleich nach dem Spiel das Ergebnis als die größte Sensation seit der Fußballweltmeisterschaft 1950, als die USA England mit 1:0 besiegten – aber das konnten wir in der Verwirrung unmittelbar danach alles noch nicht richtig fassen.

Reaktionen in Österreich und auf den Färöern

Vor dem Spiel war die Stimmung auf den Färöern gespalten. Mannschaftskapitän Jóannes Jakobsen schreibt:

Obwohl Einzelne diesen „verrückten Plan“ unterstützten, lässt sich nicht verschweigen, dass man diesbezüglich gespalten war. Viele waren dagegen, einige, wie gesagt, dafür, während der größte Teil erst einmal auf das Ergebnis unseres ersten Spieles wartete. Das würde dann leichter sein, Stellung zu beziehen.

Der damalige Ministerpräsident Jógvan Sundstein greift diese Stimmung auf:

Überschätzten wir uns nicht selber? Machten wir uns nicht zum Gespött? Was wäre gewesen, wenn das Spiel gegen Österreich mit 0:10 geendet hätte, wie es der österreichische Trainer am Tag zuvor tönte? Da können wir uns sicher lange drüber unterhalten, aber die Wirklichkeit war dann die, dass wir gewonnen haben. Am selben Abend hörte man in vielen verschiedenen Sendern vom Spiel. Auf dem Weg zurück aus Landskrona hörte ich eine dänische Radiosendung, und dort wurde die färöische Nationalmannschaft Lob gepriesen. Alle möglichen Sender, dänische, deutsche, britische und viele weitere zeigten Ausschnitte aus dem Spiel. „A star is born“ hieß es auf Eurosport, als Torkil Nielsens Torschuss gezeigt wurde.

Nach dem 1:0 gegen Österreich befanden sich die Inseln nunmehr im Siegesrausch. Alle kritischen Stimmen waren verstummt. Der Hauptsponsor Shell ließ seinen gesamten färöischen Fuhrpark Korso fahren, wie auch alle anderen Färinger ihre Fahrzeuge hupend in Bewegung setzten. Am nächsten Tag wurde überall geflaggt.

Die Siegermannschaft wurde bei ihrer Ankunft aus Landskrona von etwa 20.000 Menschen begrüßt, etwa der Hälfte der Bevölkerung. Der Mannschaft wurde nach Angaben von Jens Martin Knudsen erst dann bewusst, was sie geleistet hatten.

Färinger, die damals Kinder waren, berichten, dass die Telefonleitungen derart überlastet waren, dass man die Gespräche anderer Leute verfolgen konnte. In den Schulen wurde nicht mehr unterrichtet, sondern Lehrer und Schüler erzählten sich immer wieder von dem Spiel. Eine damals 5-jährige Färingerin erzählt, dass sie ab diesem Tag angefangen hat, selber Fußball zu spielen, und jedes Mal, wenn ihr Vater zum Holzhandel von Torkil Nielsen fuhr, dabei sein wollte, um Torkil zu sehen. Jóannes Jakobsen erzählt:

Opas und Omas und andere Leute, die noch nie vorher das Wort Fußball in den Mund genommen haben, waren plötzlich halbe Experten auf dem Gebiet.

Die Spieler, insbesondere Knudsen und Nielsen, gelten seitdem als Nationalhelden. Knudsen beschreibt, wie er sich monatelang nicht auf der Straße bewegen konnte, ohne dass ihm die Menschen auf die Schulter geklopft hätten. Plötzlich kamen Fernsehteams aus der ganzen Welt auf die Färöer, um die Helden zu interviewen. Knudsen betont aber gleichzeitig:

Es braucht seine Zeit, bis man damit klar kommt. Bis man versteht: Ein Land wie das unsere verträgt keine Helden.

Knudsens weiße Pudelmütze hatte ihm angeblich seine Mutter aus färöischer Wolle gestrickt. Er selber sagte später, er habe sie sich extra für das Spiel gekauft. Nach dem Spiel von Landskrona bot ihm angeblich ein englischer Millionär umgerechnet 67.000 Euro für die Mütze – Knudsen lehnte ab. Seine Mutter hingegen musste für die internationalen Fans in der Folge sehr viele solcher Mützen stricken.

Neben der moralischen Komponente, die dem färöischen Selbstbewusstsein einen unschätzbaren Auftrieb gegeben hat und den färöischen Fußball von Anfang an auf der Europakarte platzieren konnte, führte der Erfolg auch unmittelbar zum Bau des Stadions von Toftir für internationale Heimspiele. Das Stadion wurde kurz nach der Qualifikationsrunde eingeweiht und sorgte für einen Aufschwung des Tourismus nach den Färöern. Die Hoffnung, die mit dem Sieg verbunden war, hat sich aus färöischer Sicht erfüllt. Die Färöer standen das erste Mal in ihrer über 1000-jährigen Geschichte im Rampenlicht. Jógvan Sundstein schreibt:

Auch außerhalb der Fußballwelt wurden die färöische Nationalmannschaft und die Färöer als Ganzes bekannt. Die Landesregierung bekam Glückwünsche von verschiedenen Seiten, und viele Firmen bekamen ebenfalls Glückwünsche von ihren Geschäftspartnern im Ausland.

Nicht zuletzt gibt es eine Hymne auf das Spiel, das Lied Reytt og blátt og hvítt („Rot und blau und weiß“ in Anlehnung an die färöischen Landesfarben). Es fängt mit den spöttischen Worten an „Die Färöer gaben Österreich einen Walzer, den hörte man von Wien bis Mikladalur…“ Im Refrain heißt es:

Merkið reytt og blátt og hvítt,
veittrar frítt um heimin vítt.
Fjøllini, fólkini stolt standa rætt,
Dávid her feldi Goliat.
Dávid her feldi Goliat.
Koyrið á…
Koyr á Føroyar…

Zu Deutsch in etwa:

Die Flagge rot und blau und weiß,
weht frei um die weite Welt.
Die Berge und das Volk stolz stehen sie da,
David stürzte Goliath.
David stürzte Goliath.
Vorwärts…
Vorwärts Färöer…

In Österreich hingegen erinnert man sich ungern an diesen Tag, der auch als eine der schwersten Niederlagen des Jahrhunderts bezeichnet wird. Dort erzählt man sich, dass jeder der damaligen Spieler seitdem jedes Jahr vom färöischen Fremdenverkehrsamt einen Räucherlachs zu Weihnachten geschenkt bekommt. Der damalige Trainer Josef Hickersberger bekäme angeblich sogar jeden Monat einen (Quelle: muenchhausen.at[1]). In einem Kicker-Interview vom 14. Oktober 2005 bezeichnete er es aber als eine „maßlose Übertreibung“.

Versöhnliche Töne schlug Hickersberger an, als er sein erstes Testspiel nach seiner Rehabilitierung als Nationaltrainer am 1. März 2006 gegen Kanada spielen sollte. Vor dem Spiel sagte er, dass er am liebsten gegen die Färöer gespielt hätte, es sich aber nicht aussuchen konnte. Die färöische Internetzeitung portal.fo kommentierte: „Das Spiel gegen Kanada gestern abend endete 2:0 für Kanada, so war der Start für Hickersberger nicht der beste. Aber vielleicht bekommt er wieder eine Chance gegen die Färöer…“ ([2])

Weiterer Verlauf der Qualifikation aus färöischer Sicht

Freilich sollte das der einzige Sieg der färöischen Elf in der Qualifikationsrunde bleiben. Das nächste Spiel fand am 10. Oktober 1990 gegen Dänemark statt, den späteren Europameister. Am Ende stand es für Dänemark 4:1. Dies war insofern beachtlich, als der färöische Ausgleichstreffer von Allan Mørkøre in Peter Schmeichels Tor bereits in der 20. Minute erfolgte und fast die ganze restliche erste Halbzeit den Gleichstand bedeutete. Die Kulisse vor 40.000 Zuschauern in Kopenhagen war nicht zuletzt der Sensation von Landskrona zuvor zu verdanken.

Beim darauf folgenden Spiel am 1. Mai 1991 gegen Nordirland in Belfast gelang ein respektables 1:1 durch Kári Reynheim in der 62. Minute. Erst die 0:7-Niederlage gegen Jugoslawien am 16. Mai bedeutete einen Dämpfer im Höhenflug der färöischen Freizeitspieler.

Das Rückspiel gegen Österreich am 22. Mai 1991 in Salzburg ging erwartungsgemäß für Österreich aus. Vor 13.000 Zuschauern brachten die Österreicher ein ungefährdetes 3:0 (2:0) zustande. Die Färinger freuten sich dennoch, denn Salzburg als Stadt war für sie im damaligen Mozart-Jahr ein besonderes Erlebnis.

Es folgten noch ein 0:5 gegen Nordirland (11. September), 0:4 gegen Dänemark (25. September) und 0:2 gegen Jugoslawien (16. Oktober).

Obwohl Jugoslawien Gruppensieger wurde, konnte es – wegen des vom UN-Sicherheitsrat beschlossenen Sportboykotts – nicht mehr an der EM teilnehmen. Dafür rückte der Gruppenzweite Dänemark nach – und wurde Europameister. Der Europameister Henrik Larsen wurde später Nationaltrainer der Färöer.

Der Einstand der Färinger in die große Fußballwelt war gelungen. Man fühlte sich nicht mehr als Anhängsel Dänemarks, der Nationalstolz war größer als je zuvor. Jóannes Jakobsen schreibt:

Zweifelsohne fragen sich viele, wie es geht, dass eine so kleine Nation so achtbare Ergebnisse erzielt. Es gibt sicher viele Gründe. Der Hauptgrund ist meiner Meinung nach der Stolz. Der Stolz, das Volk und die Inseln zu vertreten. Der Stolz, die Flagge in den europäischen Stadien wehen zu sehen. Der Stolz die Nationalhymne zu hören. Und so zu wissen, dass zig Millionen auf unser Ergebnis schauen.

Und schließlich:

Auch ist es unglaublich wichtig, dass wir als Nation bei den kommenden Veranstaltungen zusammen stehen. Wir müssen den ganzen Lokalpatriotismus [untereinander] vergessen, und stattdessen diejenigen unterstützen, die ausgewählt wurden. Wir müssen uns daran erinnern, dass wir wenige und klein sind, und erheben wir uns nicht gemeinsam, erreichen wir nichts.

Sonstiges

Der glückliche Torschütze Torkil Nielsen wurde zwei Tage vor dem Spiel, am 10. September 1990, das erste Mal Vater. Seine Frau Jana gebar daheim die Tochter Sunnrið Egilstoft Nielsen.

In der WM-Qualifikation 2010 spielten Färöer und Österreich wieder gegeneinander, diesmal in Tórshavn (11. Oktober 2008). Wieder konnte Österreich nicht gewinnen, das Spiel endete 1:1.[1]

Literatur

  • Finnur Helmsdal: Reytt og blátt og hvítt – Føroyar og EM-kappingin. Tórshavn 1991 (keine ISBN, auf Färöisch, 192 S. – Das Buch ist mit vielen Fotos versehen und schildert nicht nur alle EM-Qualifikationsspiele der Färöer 1990/91, sondern bietet viele Hintergrundberichte zur Qualifikationsrunde, aus der Geschichte des färöischen Fußballs, Statistiken, Biografien, Gastkommentare.)
    • Englische Ausgabe: Red, blue and white. The Faroes and the European championships, 1992
  • Philipp Köster: Fussballwunder. Wenn Fussball unglaublich wird. Hamburg 2005, ISBN 3-203-85603-4 (153 Seiten mit 26 „Fußballwundern“ der Geschichte, darunter das Spiel Färöer-Österreich)
  • Fritz Neumann et al.: Spiele, die Geschichte schrieben. egoth, Wien 2006, ISBN 3-902480-16-5 (236 Seiten mit 22 historischen Fußballspielen, darunter das hier genannte)

Fußnoten

  1. Färöer - Österreich 1-1, spox.com

Weblinks


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