Fußsoldaten


Fußsoldaten
US-amerikanische Infanterie im Irak
US-amerikanische Infanteriestellung, 1918

Als Infanterie oder Fußtruppe bezeichnet man zu Fuß kämpfende, mit Handwaffen bewaffnete Soldaten der Bodenstreitkräfte. Obwohl der Begriff Infanterie sich erst in der frühen Neuzeit einbürgerte, wird er auch für die entsprechenden Streitkräfte früherer Epochen verwendet. Infanterie ist also einerseits abzugrenzen gegen unorganisierte Kämpfer zu Fuß, etwa Stammeskrieger, andererseits gegen Soldaten, die nicht zu Fuß wie z. B. Kavallerie oder mit schweren Waffen wie Artillerie und Panzer, oder zu Wasser wie die Marine oder in der Luft wie die Luftstreitkräfte kämpfen. Die Bedeutung und das Ansehen der Infanterie wechselten stark im Lauf der Geschichte. Sie bildet heute bei den meisten Armeen die Basis der Streitkräfte.

Inhaltsverzeichnis

Begriffsentstehung

Der Begriff Infanterie stammt aus dem Romanischen Sprachraum und bezieht sich möglicherweise auf den Knappen eines Ritters, welcher im Italienischen als „infante“ bezeichnet wurde. Dieser Begriff entstammt wiederum dem Lateinischen infans („kleines Kind“, auch „Edelknabe“, „Knabe“).

Möglicherweise geht die Bezeichnung Infanterie auch auf die Infantin Isabella Clara Eugenia, Tochter des Königs Philipp II. von Spanien zu Beginn des 17. Jahrhunderts zurück. Das auf ihren Befehl geworbene Fußvolk wurde auf eine neue Art bewaffnet und geübt und der Infantin zu Ehren „infanteria“ genannt. Diese neue Truppe unterschied sich weiter je nach Bewaffnung und Verwendung in die schwere und die leichte Infanterie.

Im deutschsprachigen Raum taucht der Begriff Infanterie erstmals im Jahre 1616 als allgemeine Bezeichnung von Fußtruppen auf. Bis dahin waren für diese die Bezeichnungen „Fußvolk“, „Kriegsvolk zu Fuß“, „Fußknecht“, „Haufen zu Fuß“ und „Landsknecht“ üblich.

Gereon von Köln und der heilige Mauritius gelten im christlichen Volksglauben als die Schutzpatrone der Infanterie / Soldaten.

Geschichte

Antike

Als Vorläufer der Infanterie können die individuell nach eigenem Gutdünken kämpfenden Krieger und Heerhaufen der vorgeschichtlichen Epochen betrachtet werden, von denen uns in Überlieferungen wie der Ilias berichtet wird, wie sie aber auch den Europäern während der Kolonialzeit vor allem in Nordamerika begegneten. Eine Entwicklung zur Infanterie kann aus dem Bemühen abgelesen werden, durch ein koordiniertes Verhalten vieler Fußkämpfer mehr als durch individuellen Erfolg ein Gefecht zu entscheiden. Das Aufkommen längere Zeit stehender Heere und der Reiterei können ebenfalls zu den Entstehungsvoraussetzungen der Infanterie gezählt werden. Die entstehende Professionalisierung und feste Rollenzuweisung rechtfertigen schließlich eine abgrenzende Bezeichnung.

Die Phalanx

Phalanx beim Manövrieren oder Formieren

Als Phalanx bezeichnet man eine taktische Aufstellung schwer bewaffneter und gepanzerter Infanterie, wie sie insbesondere im antiken griechischen Kulturkreis üblich war. Die Phalanx wurde von Hopliten gebildet, die mit einer langen Lanze bewaffnet sowie durch Panzer und Schild geschützt waren. Die häufig viele Tausend zählenden Hopliten waren zur Bildung der Phalanx zehn bis zwanzig Reihen tief, dicht nebeneinander mit vorgestreckten (erste Reihen) bzw. auf die Schulter des Vordermannes aufgelegten (hintere Reihen) Lanzen aufgestellt.
Die Phalanx leitete im griechischen Altertum den Übergang von Einzel- zu Formationskämpfen ein. Sie wurde wahrscheinlich von den Spartanern im 7. Jahrhundert v. Chr. erfunden.
Die Phalanx galt für anders aufgestellte Fußtruppen jahrhundertelang als unüberwindbar, war allerdings wenig beweglich, von hinten und den Seiten ungeschützt und erforderte große Disziplin der Hopliten. In der Schlacht bei Marathon siegte eine griechische Phalanx gegen weit zahlreichere persische Truppen, denen die Motivation und Ausbildung zur Bildung einer so hoch geordneten Formation fehlte.
Die taktische Überlegenheit der Phalanx endete mit Einführung der Schiefen Schlachtordnung durch den Thebanischen Feldherren Epameinondas im 4. Jahrhundert v. Chr.. Sie wurde erstmals 371 v. Chr. im Konflikt zwischen Sparta und Theben in der Schlacht bei Leuktra eingesetzt. Dabei sollen 10.000 Spartaner von 7.000 Thebanern geschlagen worden sein.

Siehe auch: Hypaspist

Die römische Infanterie

Ähnlich wie die Griechen kämpften die Römer etwa seit dem 7. Jhd. v. Chr. in der Phalanx. Im 4. Jhd. v. Chr. löste man die starre Infanterieformation in kleinere geschlossene Einheiten auf (Manipel), die der Gefechtslage angepasst manövrierten und aufgrund ihrer Beweglichkeit griechischen Phalanx-Formationen meist überlegen waren. Im Angriff warfen die römischen Infanteristen zunächst auf eine bestimmte Stelle der Phalanx ihre Wurfspeere (Pila) und stürmten dann mit gezücktem Kurzschwert (Gladius) in die so erzeugte Lücke.

Die Manipel waren Teile von Großverbänden – den Legionen. Eine Legion war ein selbständig operierender militärischer Verband mit einem Kern von 4000 – 6000 Mann schwerer Fußtruppen unterstützt von leicht bewaffneten Hilfstruppen in etwa gleicher Stärke sowie Reiterei. Er kommt in heutigen Begriffen am ehesten der Division nahe. In der langen Geschichte der Legion wandelten sich deren Stärke, Zusammensetzung und Ausrüstung. Die Legion der klassischen römischen Kaiserzeit wurde durch die Heeresreform des Marius ab 107 v. Chr. geprägt.

Siehe auch: Schildkrötenformation

Sowohl bei den Griechen als auch zur Zeit der römischen Republik trugen die Infanteristen wie auch die Reiter die Kosten für ihre Bewaffnung selbst. Es bestand Wehrpflicht, und die freien Bürger erhielten ihre Funktion auf dem Schlachtfeld nach ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zugewiesen.

Mittelalter

Mit dem Ende des Weströmischen Reiches und der Völkerwanderungszeit verfielen die Städte weitgehend und damit die Gesellschaften, die die Infanterieformationen der Antike hervorgebracht hatten. Übrig blieb lediglich der Schildwall als defensive Formation, die in Nordeuropa bis ins 11. Jahrhundert hinein bestimmend blieb. Zu Beginn des 8. Jahrhunderts kam auch in Europa der Steigbügel auf und führte zur Entstehung der schweren Reiterei. Gegen Ende des 10. Jahrhunderts war die Kavallerie die schlachtentscheidende Waffengattung in Europa geworden. Lediglich die wenigen Städte unterhielten Fußvolk als Hauptwaffengattung. Über das gesamte Mittelalter hinweg blieb die Infanterie aber bei den zahlreichen Belagerungen von Burgen und Städten eine bedeutsame Truppengattung.

Warägergarde

Die Warägergarde in der Chronik des Johannes Skylitzes (12. Jahrhundert)

Warägergarde ist der Name für die zumindest anfänglich aus Wikingern bestehende Leibgarde des byzantinischen Kaisers. Die Garde war für ihren bedingungslosen Gehorsam und Loyalität dem Kaiser gegenüber gefürchtet.

Die Warägergarde entstand im Jahre 988, als der Kiewer Großfürst Wladimir I. 6000 Wikinger an Kaiser Basileios II. schickte, der mit ihrer Hilfe seinen Thron verteidigen konnte. Von da an bildeten sie den Kern der kaiserlichen Leibgarde. Zunächst dienten ausschließlich Skandinavier und Rus in der Warägergarde, ab etwa 1066 wurden jedoch auch Angelsachsen aufgenommen. Das bekannteste Mitglied der Garde war der spätere König von Norwegen, Harald Hardråde. Das Ende der Warägergarde kam mit der Eroberung Konstantinopels während des 4. Kreuzzugs 1204.

Der Langbogen

Der englische König Eduard I. strebte im 13. Jahrhundert erstmals wieder eine stärkere Rolle der Infanterie in der Kriegsführung an. Er erkannte, dass Bergbevölkerungen wie in Wales nicht mit kurzdienenden Kavallerieverbänden zu schlagen waren. Deshalb führte er zwei wichtige Neuerungen ein, die lange Zeit Bestand haben sollten: Er stellte ein das ganze Jahr dienendes Berufsheer auf und rüstete es mit dem Langbogen aus, dessen besondere Vorzüge er erkannt hatte. Mit dieser Waffe ließ sich mit einer gewissen Übung ein gezielter Schuss bis auf 240 Meter abgeben, die äußerste Reichweite betrug etwa 350 Meter. Durch einen Pfeilregen ließ sich der Feind zu Beginn einer Schlacht beunruhigen und seine Verbände verloren ihren Zusammenhang. Beim Angriff gaben die Bogenschützen den eigenen Truppen Feuerschutz.

Im 100-jährigen Krieg bildeten die mit dem Langbogen ausgerüsteten englischen Bogenschützen zu Fuß erstmals wieder eine Gefahr für die Ritter des Mittelalters.

Siehe auch: Lehnswesen, Hundertjähriger Krieg, Schlacht von Azincourt

Die Landsknechte

„Die fünf Landsknechte“, Eisenradierung von Daniel Hopfer aus dem frühen 16. Jahrhundert

Die Schweizer bewirkten 1386 durch die Schlacht bei Sempach eine Wende im Verhältnis zwischen Infanterie und Kavallerie. Mit Spießen und Streitäxten gerüstet, straff organisiert und ausgebildet, zeigten sich Fußtruppen den Rittern überlegen. Die Gliederungsform der Infanterie wurde Gewalthaufen genannt. Die Wirkung des Gewalthaufens beruhte auf der Stoßkraft der sich geschlossen vorwärts bewegenden Masse. Die Entscheidung wurde im Angriff gesucht. In dieser Weise führten die Spanier 1485 ihr Fußvolk erfolgreich gegen die Mauren. Sie wurden Vorbild für andere europäische Heere.

Als Schöpfer der deutschen Infanterie werden Kaiser Maximilian I. und Georg von Frundsberg angesehen. Sie waren die bedeutendsten Führer und Organisatoren der Landsknechtheere. Mit ihnen begann das neuzeitliche Kriegswesen. Mit zunehmender Wiederentstehung einer bedeutenden Reiterwaffe und Einführung von Schusswaffen entstand bei den Fußtruppen die Form des Gevierthaufens als Defensivaufstellung. Arkebusiere und Musketiere waren die ersten Feuerwaffenträger der Infanterie.

Man hielt die nun aufkommenden Feuerwaffen zunächst als Waffe des Feiglings und als eine Bedrohung der christlichen Moral und Gesellschaftsordnung. Aber ihre Wirkung war entscheidend, und deshalb verwendete man sie. In seinem militärwissenschaftlichen Werk Nef des Princes et des Batailles (1502) beschäftigt sich Robert de Balzac eingehend mit dem Einsatz von Feuerwaffen, der modernen Truppengliederung und der Notwendigkeit, bei der Aufrechterhaltung der Disziplin und der Anwendung der Taktik der verbrannten Erde rücksichtslos vorzugehen.

Siehe auch: Treffentaktik, Reisläufer

Frühe Neuzeit

Heeresreformen durch den Schwedenkönig Gustav II. Adolf

Schwedens König Gustav II. Adolf konnte sich keine Söldnerarmee leisten, die groß genug gewesen wäre, um sich gegenüber den Armeen seiner Gegner behaupten zu können. Er führte daher die Wehrpflicht ein und schuf die erste vom Staat aufgestellte, bezahlte, ernährte und ausgerüstete Volksarmee. So rekrutierte er mehr als 40.000 Schweden, die „starkgliedrig und, soweit festgestellt werden kann, tapfer waren – im Alter von 18 bis 30 Jahren“. Angehörigen von Sonderberufen, wie der Munitionsherstellung und dem Transportwesen, wurden freigestellt. Die Volksarmee war nicht nur wirtschaftlich und mit einer besseren Kampfmoral ausgestattet als die zumeist aus Söldnern bestehenden Armeen des Gegners. Zusammensetzung und Ausrüstung der schwedischen Armee unterschieden sich von denen anderer europäischer Heere, denn sie entsprachen den taktischen Vorstellungen des Königs, der größten Wert auf Feuerkraft und Beweglichkeit legte. Die wichtigste Waffe wurde die Muskete, und er vermehrte die Kontingente der Musketiere auf Kosten der Pikenträger. Wie Moritz von Nassau teilte er seine Verbände in kleinere Einheiten und Untereinheiten auf. Eine Kompanie bestand aus 72 Musketieren und 54 Pikenträgern. Vier Kompanien bildeten ein Bataillon, acht Bataillone ein Regiment und zwei bis vier Regimenter eine Brigade. Die Muskete wurde kürzer und konnte, da sie leichter geworden war, freihändig in Anschlag gebracht werden. Das Laden wurde vereinfacht, und das Radschloss und die Papierpatrone gehörten zur Standardausrüstung. Auch die Pike war jetzt nicht mehr 5 Meter, sondern nur noch etwa 3,5 Meter lang, und die Rüstungen waren leichter geworden. In solch einer Armee, die aus zahlreichen kleineren Einheiten bestand, gab es natürlich mehr Offiziere als früher, und es entstand eine militärische Rangordnung. Ferner ließ Gustav II. Adolf Nachlässigkeit nicht durchgehen und beförderte seine Offiziere nach Verdienst und Leistung. Der Verantwortungsbereich der Unteroffiziere wurde erweitert. Die Einführung von Uniformen und Rangabzeichen trug wesentlich zur Vereinheitlichung bei und förderte Kampfmoral und Korpsgeist. Von nun ab hing die Feuerkraft der Infanterie von ihren Feuerwaffen ab, auch die Pike war eine Angriffswaffe, aber die Hauptaufgabe der Pikenträger war es, die Musketiere während der Feuerpause beim Laden zu schützen.

Siehe auch: Dreißigjähriger Krieg

Janitscharen

Die Janitscharen (Einzahl der Janitschar, türkisch Yeniçeri, „neue Truppe“) waren im Osmanischen Reich die Elitetruppen der Infanterie. Sie stellten auch die Leibwache des Sultans und erreichten oft höchste Positionen im osmanischen Staatswesen. Die Truppen haben ihren Ursprung im 14. Jahrhundert und wurden 1826 aufgelöst.

Siehe auch: Osmanisches Reich

Strelizen

Strelizen (russ. Strelez „(Bogen)schütze“, von slaw. Strela „Strahl, Pfeil“) ist die Bezeichnung für die von Zar Iwan dem Schrecklichen um 1550 eingeführte, mit Feuerwaffen und Hellebarden (Berdishi) ausgestattete Palastgarde. Sie waren für ihre gute Ausbildung und ihre Loyalität gegenüber dem Zaren bekannt. Die Strelizen wurden bald zu einem stehenden Heer mit zehntausenden Mitgliedern ausgebaut und stellten damit die erste reguläre Berufsarmee in Russland dar.

Siehe auch: Geschichte Russlands

Lineartaktik

Angriff preußischer Infanterie in Lineartaktik

Die Einführung des Bajonetts in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts hatte eine Verbindung der blanken Waffe mit dem Gewehr gebracht. Um die Wende zum 18. Jahrhundert wandelten sich die Fußtruppen aufgrund der technischen Entwicklung von der schweren Infanterie, der Pikeniere mit Schutzausrüstung, zum Feuerwaffenträger. Durch den Wechsel vom Luntenschlossgewehr zum Steinschlossgewehr benötigte der Infanterist weniger Platz auf dem Schlachtfeld. Da die Genauigkeit und Reichweite der Steinschlossgewehre aber noch gering war, kam es in der Schlacht darauf an, möglichst viele Gewehre gleichzeitig zum Einsatz zu bringen. Deshalb wurden die ehemals tiefer gegliederten Formationen des Fußvolkes wie etwa bei einer Treffentaktik durch flachere und breitere Gefechtsordnungen abgelöst. Es entstand die Lineartaktik. Gleichzeitig diente die Aufstellung der gesamten Infanterie in langen, zusammenhängenden Linien dazu, die Desertion zum Dienst gepresster Soldaten zu verhindern. Ihren Höhepunkt erreichte die Linientaktik während des Siebenjährigen Krieges (1756–1763). Bisher war bei der Feuergeschwindigkeit von einem Schuss in drei Minuten das schwerfällige Luntengewehr überwiegend eine Defensivwaffe gewesen. Nun ermöglichte der Flintstein der Musketiere in Verbindung mit einer Verbesserung des Waffendrills eine Kadenz von fünf Schuss in zwei Minuten. Die Feuerwirkung wurde auch weiterhin nicht durch gezielten Einzelschuss, sondern durch Massierung erreicht. Hierbei waren verschiedene Formen der Abstimmung möglich: So konnte ein Truppenkörper bis zur Stärke eines Bataillons – hintere Glieder durch die Lücken der Vorderen – auf einen Schlag feuern, die Halbkompanien konnten im rollenden Feuer peletonweise schießen und sich, diesem Rhythmus angepasst, auch peletonweise vorwärtsbewegen oder – wie z. B. in Österreich – ein sogenanntes Lauffeuer abgeben, das sich von Mann zu Mann fortpflanzte. Die Feuerwirkung ist umstritten. Bei einer Reichweite des Infanteriegewehrs von 400 Schritt war eine befriedigende Feuerwirkung erst ab etwa 300 Schritt (169 m) gegeben. Die Infanterie in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts feuerte unterteilt in Halbkompanien nach einem komplizierten System nach den geraden und ungeraden Zahlen von den Flügeln zur Mitte hin. Die Annäherung erfolgte niemals im Laufen, um die Truppe nicht auseinanderfallen zu lassen, sondern im starken Schritt, Tempo nach dem preußischen Reglement von 1743 mit 75 Schritt pro Minute. Das Feuer wurde auf etwa 300 Schritt Entfernung eröffnet, worauf das Tempo auf 40 bis 45 Schritt bei gleichzeitiger Verkürzung der Schrittlänge reduziert wurde. Hatten sich die gegeneinander vorrückenden Truppen sich auf 30 Schritt einander genähert, wurde das Gewehr mit aufgepflanzten Bajonett gefällt, das heißt: annähernd waagerecht vorgereckt. Hierbei war es in Preußen nicht mehr geladen, während Österreicher und Hannoveraner noch einmal aus der Hüfte zu feuern pflegten.

Siehe auch: Vorderlader, Linientaktik

Die Überwindung der Lineartaktik

Zu einer Veränderung im Einsatz der Infanterie kam es durch den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und die Französische Revolution. Während bis dahin gut gedrillte Soldaten häufig unfreiwillig in der Lineartaktik kämpften, schlossen sich diesen beiden Armeen Freiwillige an, die aber schlecht ausgebildet waren. Die Rekruten des französischen Volksheeres waren zur korrekten Aufstellung in Linien und damit zur Anwendung der bisherigen Taktik gar nicht fähig. Durch die Verbindung des Kampfes in zerstreuter Ordnung und in geschlossenen Kolonnen konnte die fehlende Ausbildung aufgewogen werden. Bald zeigten sich die Vorteile der neuen Gefechtstaktik: Während sich eine an einer Stelle zerrissene Linie taktisch geschlagen geben musste, blieb die Feuerkraft bei einer in mehreren Kolonnen aufgestellten Infanterie weitgehend erhalten, falls einzelne Kolonnen in Unordnung gerieten. Perfektioniert wurde dieses System durch Napoléon Bonaparte und spätestens ab 1813 von allen Armeen Europas übernommen.

In Nordamerika verwischten sich die Grenzen zwischen dem reglementgemäßen Gefecht in geschlossener Ordnung und dem Partisanenkampf, auch „kleiner Krieg“ genannt: leichte Infanterie, mangelhaft gedrillt und wenig diszipliniert, errang im zerstreuten Einsatz gegen die Engländer vielbeachtete Erfolge. Diese Anregungen wurden in Europa aufgenommen. So wurde in Preußen 1787 jeder Infanteriekompanie zehn Schützen zugeteilt. Die Schützen waren abweichend von der Schlachtinfanterie nicht mit Musketen mit glatten Läufen, sondern mit gezogenen Büchsen ausgerüstet, die den gezielten Schuss erlaubten. Sie wurden im Angriff als Schwärme den geschlossen eingesetzten Verbänden vorausgeschickt. Dadurch erzwangen sie eine Auflockerung der feindlichen Linieninfanterie, die nun nicht mehr in geschlossener Front vorrücken konnte. Die geschlossen eingesetzten Verbände rückten echelonweise (staffelweise) vor, die Zwischenräume zwischen den Verbänden vergrößerten sich. Noch bedeutete die Möglichkeit der Schützen, gezielte Schüsse abzugeben, keine nennenswert gesteigerte Feuerwirkung. Ihr Wert lag hauptsächlich im Stören und Verschleiern. Bei Verringerung des Abstands zum Feind hatten die Schützen selbstständig das Feuer zu eröffnen, danach wurden sie von der vorrückenden Linie aufgenommen. Ein entscheidender Anstoß zur Weiterentwicklung der Schützentaktik ging von der Französischen Revolution aus, in deren Gefolge die ungeübten Massen nicht mehr mit der gebotenen Gründlichkeit gedrillt werden konnten. Die Franzosen formierten sich zwar in Linien, schickten ihnen jedoch dichte Schützenschwärme voraus, die die eigentliche Last des Kampfes trugen. Dieses improvisierte Verfahren setzte auf Begeisterung statt Disziplin.

19. Jahrhundert

Napoleons Schlachtordnungen

Napoleon in der Schlacht von Eylau, 1807

Napoleons Schlachtordnungen waren von Anbeginn seiner Feldherrnlaufbahn auf Vernichtung des Gegners ausgerichtet, deren Vollendung allerdings durch diplomatisch-politischen Abschluss. Napoleons Operationen und Schlachten zielten auf den entscheidenden Vernichtungssieg ab, wobei ihm nach Geist, Mitteln, Gliederung und Zahl höchst leistungsfähige Truppen zu Gebote standen. Dabei hat Napoleon die drei bestimmenden Faktoren, die geforderte „strategische Dreieinigkeit“ von Zeit, Raum und Kraft in eine kriegsgeschichtliche seltene Übereinstimmung gebracht. Seine Direktiven für die Operationsführung und Schlacht waren „frei von jedem schematischen Dogmatismus“. Hauptsache war, dass die konzentrisch herandirigierten Großverbände an der richtigen Stelle zeitgerecht mit Übermacht zum gemeinsamen Schlagen kamen. Eben hierbei hatte Napoleon ein seit der überlieferten Kriegsgeschichte bestehendes Führungsproblem zu bewältigen, das erst mit der militärischen Nutzung von Telegraf, Eisenbahn und einem zunehmend ausgebauten Straßennetz gelöst werden konnte: die räumlich-zeitliche Koordination der von Napoleon zumeist auf Umgehung des Feindes angelegten Heeresteile, allerdings ihre Zusammenfassung so rechtzeitig vor der Schlacht, dass die notwendigen taktischen Dispositionen möglichst ohne Friktion getroffen werden können. Für die moderne Operationsführung gilt seit Napoleon, dass eine Offensive aus zwei Richtungen nicht etwa aus vorheriger Zusammenballung aller Kräfte frontal direkt am Schlachtfeld respektive am Feind geführt werden sollte, sondern sich aus der Tiefe des Operationsraumes durch konzentrisches Vorführen getrennter Heeresteile zu entwickeln habe.

  • Zermürbung des Gegners durch konzentrische Angriffshandlungen und durch elastische Operationsführung
  • Herbeiführen einer feldzugentscheidenden Niederlage durch Einschließung mit dem Ziel einer militärischen-politischen Niederwerfung

Angriffskolonne

Gleichzeitig aus dem revolutionären Frankreich wurde eine weitere taktische Neuerung übernommen, die die Tendenz zur Zusammenballung der Truppe bei größerer Tiefe weiter verstärkte: die Angriffskolonne. Zu dieser wurden die Bataillone in vier Linien zu je drei Gliedern etwa fünfzig Rotten breit aufgestellt. Diese Form verband die Vorteile der breiten Aufstellung – den gleichzeitigen Einsatz möglichst vieler Gewehre – mit Stoßkraft durch die Tiefengliederung. Da in der Kolonne jedoch die Mehrzahl der Soldaten nicht zum Schuss kam, war sie im Hinblick auf die Feuerwirkung der Linie weit unterlegen. Umso bemerkenswerter ist das Gewicht, das man trotz dieser Tatsache dem psychologischen Element beimaß. Napoleon stellte große Kolonnen bis zur Infanteriemasse einer Division zusammen und eroberte mit dieser taktischen Grundform Europa. Für die Artillerie hatte die neue Taktik einschneidende Folgen: Ihre Verzettlung in Form von Regimentsstücken in den Lücken zwischen den Verbänden hörte auf, ihre Beweglichkeit wurde dadurch erhöht, dass man einen Teil beritten machte. Zur gleichen Zeit wurden die Geschütze in Batterien gegliedert und mehr und mehr zwischen den Kolonnen zu wechselnden Schwerpunkteinsätze zusammengefasst. Damit wurde der artilleristische Einsatz zu einer selbstständigen Gefechtshandlung, die eingesetzte Artilleriemasse zum taktischen Verband. Die Reiterei behielt während dieser Zeit des Umbruches ihre vorherige Aufgabe.

Siehe auch: Koalitionskriege

Im 19. Jahrhundert unterschieden verschiedene Armeen ihre infanteristischen Soldaten in etwa folgende Truppenteile:

Hinterlader

Deutscher Feldspaten aus dem Ersten Weltkrieg; Hersteller: T.D.G., der Stiel wurde nach einem Bruch gekürzt

Mit Erfindung des Hinterlader durch Johann Dreyse 1839, konnte man Gewehre jetzt bequemer im Liegen handhaben (was zunächst aber den damals noch verbreiteten Angriffsdoktrinen aus der napoleonischen Epoche widersprach) und weitere Verbesserungen wie das Patronenmagazin (Spencer-Carbine der amerik. Nordstaaten 1864, in Europa wenig beachtet, dort v.a. das Gendarmerie-Gewehr des Wiener Fruhwirth 1872) und die Abdichtung der Kammer (Chassepotgewehr 1866) erhöhten die Schussleistung eines Gewehres erheblich. Die Dreyse Zündnadelgewehre konnten wirksam bis auf 600 Meter schießen, die französischen Chassepotgewehre bis zu 1600 Metern.

Siehe auch: Sezessionskrieg, Scharfschützen

Krimkrieg

Der Krimkrieg war der erste, insbesondere im technischen Sinn moderne Krieg der Weltgeschichte. Zum ersten Mal wurden auf britischer Seite Infanterieeinheiten eingesetzt, die durchgehend mit gezogenen Gewehren ausgerüstet waren (Enfield Rifled Musket im Kaliber .577 inch (14,65 mm), eingeführt 1853, wirksame Reichweite ca. 800 Meter). Auf russischer Seite hingegen wurden noch glattläufige Musketen eingesetzt (wirksame Reichweite ca. 200 Meter). Der Erfolg des britischen Enfield-Gewehrs führte dazu, dass Preußen seine gesamte Infanterie nunmehr durchgehend mit gezogenen Gewehren ausrüstete. Der Krimkrieg war zugleich der historisch erste Graben- und Stellungskrieg. Weiterhin stellte der Krimkrieg mit der Schlacht von Balaklawa den Einsatz der klassischen Kavallerie-Attacke in Frage, da diese den modernen, schneller feuernden Infanteriewaffen gegenüber auf verlorenem Posten stand.

Siehe auch: Grabenkrieg, Stellungskrieg

Schlacht von Königgrätz

In der Schlacht von Königgrätz am 3. Juli 1866 trafen im Deutschen Krieg um die Vorherrschaft im Deutschen Bund die Truppen Preußens auf die Armee der Österreicher.

Militärhistorisch ist der Einsatz neuer Waffensysteme bemerkenswert. Die Preußen verfügten über das Zündnadelgewehr, ein modernes Gewehr mit Zylinderverschluß (Einzellader, kein Repetiergewehr) und Papier-Einheitspatrone. Weiterhin spielte der Telegraph eine entscheidende Rolle.

Die Bedeutung der Schlacht bei Königgrätz ist sowohl im allgemeinen politischen Zusammenhang als auch als Markstein der militärstrategischen Entwicklung in Europa zu sehen. Mit Königgrätz beginnt das Zeitalter der großen Manöver von Massenheeren, die im Unterschied etwa zur napoleonischen Epoche reine Feuergefechte führen – das Bajonett als kampfentscheidende, weil in der konkreten Gefechtssituation Mann gegen Mann einzusetzende, Waffe wird durch die ansatzweise Automatisierung der Handfeuerwaffen endgültig historisch. Zugleich wird hier jedoch die Auftragstaktik, jene auf Friedrich II. und Napoleon gleichermaßen zurückgehende Weiterentwicklung der ursprünglich durch die Lineartaktik bedingten engen Bindung auch der mittleren Truppenoffiziere an die strikten operativen Vorgaben der Armeebefehlshaber zu selbständiger, eigenverantwortlicher und den jeweiligen Geländeverhältnissen flexibel anzupassender Truppenführung erstmals in großem Stil zur Anwendung gebracht. Nun können bereits Kompaniechefs – also Offiziere im Hauptmanns- oder auch Leutnantsrang – im Zweifelsfall nach eigenem Ermessen Entscheidungen treffen, ohne eine Abstrafung durch vorgesetzte Kommandos wegen Ungehorsams befürchten zu müssen.

20. Jahrhundert

Im 20. Jahrhundert entwickelte sich die Infanterie immer mehr zur Hauptwaffe des Kampfes. So ist unter anderem im Reglement für die deutsche Infanterie von 1906, das noch während des gesamten Ersten Weltkriegs Gültigkeit hatte, der damalige Stellenwert dieser Truppengattung wieder zu finden: „Die Infanterie ist die Hauptwaffe. Im Verein mit der Artillerie kämpft sie durch ihr Feuer den Gegner nieder. Sie allein bricht seinen letzten Widerstand. Sie trägt die Hauptlast des Kampfes und bringt die größten Opfer. Dafür winkt ihr auch der höchste Ruhm.“

Dieser Stellenwert behielt auch am Beginn im Zweiten Weltkrieg weiter seine Gültigkeit. Allerdings war die Infanterie im neuen Zeitalter der Panzer und der Flugzeuge nicht mehr die Hauptwaffe des Schlachtfeldes, da sie mit den Geländegewinnen der Panzer im beweglichen Kampf nicht Schritt halten konnte. In der deutschen Wehrmacht wurde deshalb die Truppengattung der Panzergrenadiere eingeführt. Dabei handelte es sich um motorisierte oder auf Halbkettenfahrzeuge gepanzerte Infanterieeinheiten. Dadurch konnte die Infanterie auch während eines laufenden Gefechts aufgesessen vom Fahrzeug aus der Bewegung (Mechanisierte Infanterie) kämpfen. Jedoch war durch die mangelnde Rüstung meist nur eines der Panzergrenadierregimenter mit Halbketten ausgestattet, das andere meist mit LKW motorisiert (Motorisierte Infanterie). Im Gegensatz dazu war die Masse der deutschen Infanteriedivisionen mit ihren drei Infanterieregimenter nicht motorisiert, ihre Trosse bespannt, und ein Transport über weite Strecken erfolgt im Fußmarsch oder per Eisenbahn. Der Hauptunterschied der Infanteriedivisionen zu den Jägerdivisionen lag in der auf zwei Jägerregimenter verringerten Anzahl an Regimentern einer Division. Nur die wenigsten Divisionen waren daher für einen Bewegungskrieg wie er ab 1939 geführt wurde gerüstet. Der Untergang der Waffengattung Infanterie 1944 mit der Operation Bagration war daher unausweichlich.

Siehe auch: Stoßtrupp, Sturmbataillon, Mobile Infanterie, Fallschirmjäger

Infanterie heute

Die Infanterie der Bundeswehr

Die Infanterie der Bundeswehr besteht heute aus den Truppengattungen der Jäger, Fallschirmjäger und Gebirgsjäger und stellt den Verbund der leichten Infanterie dar. Die Infanterie führt die Gefechtsarten Verteidigung und Angriff im für sie günstigen Gelände und ist besonders zum Kampf unter ungünstigen Bedingungen, zum Orts- und Häuserkampf im urbanen Gelände und zum Kampf in Wäldern und im (Hoch-)Gebirge befähigt. Die Infanterie stellt die eigenen Kräfte erster Wahl für den Kampf gegen irreguläre Kräfte. Die Infanterie kann von mechanisierten Kräften wie Panzern und Panzergrenadieren unterstützt werden.

Panzergrenadiere werden in der Bundeswehr seit einigen Jahren nicht mehr der Infanterie als "schwere" mechanisierte Infanterie zugeordnet, sondern der Panzertruppe. Panzergrenadiere werden jedoch weiterhin infanteristisch ausgebildet. Ihre Aufgabe ist es, im Gefecht der verbundenen Waffen die Kampfpanzer zu begleiten, auf- und abgesessene feindliche Infanterie zu bekämpfen, sowie mit eigenen Panzerabwehrwaffen feindliche gepanzerte Fahrzeuge.

Aufgrund ihrer hohen Beweglichkeit über lange Strecken durch Luftverlastbarkeit stellt die Infanterie der Bundeswehr die Kräfte der ersten Stunde als Eingreifkräfte sowie den Kern der Stabilisierungskräfte für Einsätze bei kleinen und mittleren Operationen im Rahmen internationalen Krisenmanagements bereit. Der General der Infanterie ist gleichzeitig Kommandeur der Infanterieschule in Hammelburg als zentrale Ausbildungseinrichtung der Infanterie. Zu den weiteren Ausbildungseinrichtungen gehören als unterstellte Bereiche die Luftlande- und Lufttransportschule und die Gebirgs- und Winterkampfschule.

Spezielle infanteristische Kräfte führen im rückwärtigen eigenen Operationsraum den Objektschutz durch.

Verwandte Truppenteile

Militärische Einheiten für den Objektschutz der Luftwaffe und Marine werden aufgrund ihres Auftrags teilweise infanteristisch ausgebildet. Als Bestandteil der Luftwaffe wurde hier die Luftwaffensicherungstruppe gebildet, als Bestandteil der Marine die Marinesicherungstruppe. Neben seines Auftrags im protokollarischen Ehrendienst wird auch das Wachbataillon BMVg infanteristisch ausgebildet. Obwohl zu diesem Bataillon auch eine Marinesicherungskompanie und eine Luftwaffensicherungskompanie gehört, haben alle Kompanien mittlerweile dieselbe infanteristische Ausbildung.

Ausbildung und Bewaffnung

Jeder Infanterist wird in Häuserkampf, Nahkampf und Territorialkampf ausgebildet.

Die Waffen der modernen Infanterie sind vielfältig:

Zusätzlich verfügen die meisten Infanterieverbände noch über schwere Waffen wie Mörser oder Panzerabwehrlenkwaffen.

Die Bundeswehr führt aktuell (2007) ihr System Infanterist der Zukunft ein. Die Soldaten werden mit modernen Ausrüstungen im Bereich persönliche Schutzausrüstung, Waffen und Kommunikationsmittel ausgestattet.

Einsatzschwierigkeiten

Infanteristische Einsätze sind immer nur von möglichst kurzer Dauer. Infanteristen haben keine Möglichkeiten, sich vor Angriffen, wie Chemiewaffeneinsatz, Luftangriffen oder Artilleriebeschuss über längere Zeit zu schützen. In vielen Ländern wird darum geforscht, wie man Schutzmechanismen und andere Hilfsmittel verbessern kann, um die Soldaten längere Zeit im Einsatz zu halten. In Deutschland läuft dazu das Programm Infanterist der Zukunft. In Südkorea (XK11) und in den USA (XM29) wird eine tragbare Waffe entwickelt, die Sturmgewehr, Granatwerfer, Zielfernrohr, Laserentfernungsmesser und Kamera miteinander vereint. Der Vorteil liegt hier im reduzierten Platzbedarf, Gewicht und erhöhtem Schutz des Soldaten. Die Bundeswehr ist bereits jetzt mittels des Gewehres „G 36“ in der Lage, eine Waffe als Sturmgewehr, als Präzisionswaffe und als Granatwerfer einzusetzen. Die Schweizer Armee verfügt mit dem Stgw 90 über ein Sturmgewehr, das genauso als Scharfschützengewehr, wie auch als Granatwerfer (GWA) eingesetzt werden kann. Die Füsiliere der Schweizer Armee verwenden das SIG Sturmgewehr 90 mit Laserpunktzielgerät, Zielfernrohr, Bajonett und Granatwerferaufsatz.

Marineinfanterie

Die Marineinfanterie ist eine spezialisierte Truppe für infanteristische Aufgaben in Zusammenarbeit mit Seestreitkräften. Dazu gehören amphibische Operationen wie Seelandungen, aber auch Sicherungsaufgaben an Bord von Kriegsschiffen. Die Marineinfanterie kann ein Teil der Seestreitkräfte sein, in manchen Ländern ist sie auch Teil des Heeres oder gar eine selbstständige Teilstreitkraft.

Marines (von lat. marinus – zum Meer gehörend) ist die englische Bezeichnung für Marineinfanteristen, in Deutschland war früher die Bezeichnung Seesoldat üblich.

Die Unterscheidung zwischen Seeleuten, die ein Kriegsschiff seemännisch einsetzen, und Soldaten, die für den Kampf Mann gegen Mann ausgebildet sind, gibt es schon sehr lange. Bereits die Römische Flotte erzielte ihre Erfolge gegen Karthago, indem sie für den Enterkampf besser ausgebildete Landsoldaten einsetzte. Auf den Segelkriegsschiffen des 18. und frühen 19. Jahrhunderts gab es meist kleinere Kontingente von Seesoldaten, die einerseits Kampfaufgaben hatten, andererseits auch für die Disziplin der Besatzung zuständig waren. Zu Beginn eines Gefecht verstärkten sie die Geschützbedienungen, später bildeten sie den Kern der Truppe für den Enterkampf. Außerdem wurden sie für Landungsunternehmen eingesetzt. Aus diesen Aufgaben heraus entwickelten sich in verschiedenen Ländern Marineinfanterietruppen mit unterschiedlicher Organisation und Aufgabenstellung. In einigen Ländern entstanden starke Landungstruppen, wie z. B. das US Marine Corps.

Siehe auch: Marinestoßtruppkompanie, „Brandenburger“, Waffentaucher

Siehe auch

Literatur

  • E. v. Conrady: Die Ausbildung der Infanterie auf dem Exerzierplatze. Mittler und Sohn, Berlin 1886 (Digitalisat, PDF)
  • E.M. Earle (Hrsg.): Makers of Modern Strategy: Military Thought from Machiavelli to Hitler. 1948
  • Cyril Falls: The Art of War. 1961
  • Basil Liddell Hart: The Ghost of Napoleon. 1933
  • Gustav von Kessel: Die Ausbildung des Preußischen Infanterie-Bataillons im praktischen Dienst. Mittler und Sohn, Berlin 1863 (Digitalisat, PDF)
  • Erwin Rommel: Infanterie greift an. Voggenreiter, Potsdam 1937, http://d-nb.info/575884878
  • Bernard Montgomery: Kriegsgeschichte. Weltgeschichte der Schlachten und Kriegszüge. Komet, Frechen 1999, ISBN 3-933366-16-X (Originalausgabe: A History of Warfare, 1968)
  • Michael Roberts: The Military Revolution 1560–1660. 1956
  • Hans Delbück: Geschichte der Kriegskunst. Die Neuzeit, Nachdruck der ersten Auflage von 1920, Nikol Verlag, Hamburg 2003, ISBN 3-933203-76-7

Weblinks


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