Fürstenlager


Fürstenlager
Karte von Bensheim mit dem Staatspark Fürstenlager östlich von Auerbach gelegen.
Herrenhaus des Fürstenlagers
Brunnenanlage mit Wachhaus im Februar 2006
Das Fürstenlager im Jahr 1905
Das Fürstenlager auf einer Postkarte aus dem Jahr 1906
Die Eremitage im Fürstenlager
Der Goethebrunnen im Fürstenlager im Jahr 1850
Die Holzbrücke in asiatischem Stil am Auslauf des Fischteiches

Das Fürstenlager, auch Fürstenlager Auerbach genannt, wurde um 1790 durch die Landgrafen und Großherzöge von Hessen-Darmstadt in Auerbach, seit 1939 ein Stadtteil von Bensheim an der Bergstraße, als Sommerresidenz der Landgrafschaft errichtet.

In einem etwa 42 Hektar großen Park, mit über 50 exotischen Bäumen und Sträuchern, beispielsweise dem mit 53 m Höhe höchsten und mit ca. 150 Jahren einem der ältesten Mammutbäume Deutschlands, sind eine Vielzahl von Hofgebäuden in der Art eines Dorfes angeordnet. Der Park ist in Deutschland ein früher englischer Garten, der in eine hügelige Landschaft eingebettet wurde. Das Gartenkunst-Ensemble ist weitgehend in der Originalform erhalten. Heute ist der Park ein beliebtes Naherholungsgebiet für die Bevölkerung im Rhein-Main-Gebiet. Der Name stammt aus der Bezeichnung der Residenz durch die Bevölkerung, die hier ihre Herrschaften auf Wiesen lagernd beobachten konnte. Denn der Park war nicht streng abgegrenzt, sondern auch während der „Staatsbesuche“ für die Bevölkerung offen.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Das kleine stetig ansteigende Seitental des Roßbaches, in dem das Fürstenlager liegt, zweigt in Auerbach, der Bachgasse folgend, nach rechts von der L 3103 die weiter durch das Mühltal in den Odenwald führt ab. Folgt man dem Tal durch das Fürstenlager hindurch führt der Weg bis zum Felsberg mit dem Felsenmeer. Von den umliegenden Bergkämmen erblickt man das nahe gelegene Auerbacher Schloss, das Schönberger Schloss sowie die Starkenburg.
In der Bachgasse in Auerbach sind einige Parkmöglichkeiten für Busse und PKW vorhanden. Von hier sind es etwa 10 Minuten Fußweg ins Fürstenlager.

Die Gebäude der Residenz

Die wichtigsten Gebäude im Staatspark sind:

  • Herrenhaus mit dahinter liegendem Bau für die Kammerherren. Seit ca. 1970 Hotel-Restaurant und 1988 von Grund auf renoviert und im Stil der Biedermeierzeit eingerichtet.[1]
  • Prinzenbau und Damenbau sind spiegelbildlich an der Hauptachse angeordnet
  • Wache
  • Meierei
  • Konditoreibau
  • Kavaliersbau
  • Fremdenbau (heute neben der Verwaltung und kleinem Museum auch Standesamt)

Im Park verstreut befinden sich weitere Bauten wie:

  • Goethebrunnen
  • Eremitage
  • Champignons
  • eine Grotte
  • das Luisendenkmal
  • ein Freundschaftsaltar
  • ein Eiskeller (Tunnel)

Nicht mehr erhalten geblieben sind:

Die meisten Gebäude sind nicht unterkellert.

Der Park

Neben dem bereits genannten Mammutbaum sind von der fremdländischen Vegetation noch Sumpfzypressen, Sicheltannen, dunkel blühende Magnolien, Buschkastanien und Ginkgos erwähnenswert. Der Park beginnt am Ende einer bergwärts immer schmaler werdenden typischen Dorfstraße am östlichen Rand der Rheinebene (Bachgasse von Auerbach nach Hochstädten). Die West-Ost-Richtung endet in einer Straßenkehre zu einem engen Nord-Süd-Seitental, dessen Grundweg von einer Allee gesäumt wird. Eine hölzerne Bogenbrücke in asiatischem Stil[3], die über den Auslauf eines Fischteichs zum rechten Hang führt, markiert den Beginn einer heute fast einmaligen Anlage. Die Anlage bildet in ihrem Charakter eine Zwischenlösung zwischen der damaligen regionalen Dorfkultur und den Residenzanlagen der damaligen Zeit. Nach dem Kavaliersbau und der Remise folgt in einer Ausweitung zur Doppelallee der Baumsaal aus Platanen, der in den Sommermonaten dem gesamten Hof den Aufenthalt in seinem Schatten ermöglichte. Hier schließen sich die wichtigsten Wirtschaftsgebäude an.

In einer Erweiterung des Tälchens zu einem Kessel steht neben der Quellfassung das Herrenhaus vor einem kleinen Teich und einer bergwärts laufenden großen Wiese, die von den Exoten gesäumt wird. Die Sequoia, eine Zypressenart erreicht inzwischen eine Höhe von 53 m Höhe und wurde vor ca. 150 Jahren als Geschenk des englischen Königshauses, kurz nach dem Import der Baumart nach Europa, den hessischen Landgrafen für ihren Park geschenkt. Hier wurde er in halber Höhe des Hangs angepflanzt. Dieser Mammutbaum ist damit vermutlich der älteste Deutschlands und evtl. auf dem Kontinent. Die Wege erlauben vielfältige Spaziergänge und Blickachsen. Am oberen Rand sind Aussichtspunkte nord- und südwärts entlang der Bergstraße und bis zur Kalmit (Pfalz) im Westen. In der Nähe befinden sich die Burgruine Schloss Auerbach und Schloss Schönberg der Erbacher Grafen. Prägend für die Anlage ist auch die Wegbeziehung zum 5 km entfernten Felsenmeer im Odenwald. Der Hang hinter dem Herrenhaus war als Weinberg angepflanzt. Eine örtliche Wein-Einzellage zeugt heute noch vom historischen Fürstenlager. Fast alle Aussichtspunkte erhielten eine kleine Überbauung oder zumindest Ruhebänke.

Geschichte

1730 wies der Amtsphysikus Johann David auf eine kleine eisenhaltige Quelle im Tal der Roßbach hin. 1739 fanden dort erstmals Grabungen statt, bei denen drei beieinander liegende Quellen gefunden und für den Badebetrieb hergerichtet wurden. 1740 verschlämmte die Quelle. 1766 wurde sie erneut erschlossen. 1767 wurde die bis heute erhaltene rotundenförmige Brunnenfassung gebaut. 1768 wurden zwei Wohnpavillions gebaut und die ersten Alleen angelegt. 1783 besuchten der erkrankte Erbprinz Ludwig und seine Gemahlin Luise zum ersten mal das Fürstenlager. Nach der Genesung des Prinzen verbrachte das Paar von nun an regelmäßig die Sommermonate im Fürstenlager. Während der Bautätigkeiten zwischen 1790 und 1795 entstanden alle Gebäude, bis auf den Fremdenbau. Durch enge familiäre Beziehungen mit dem Zarenhof kam es zu langen Aufenthalten der Romanows und anderer russischer Fürsten in der Region und im Fürstenlager. Nach dem Tod des Herzogspaares 1829/30 war die große Zeit des Fürstenlagers vorbei. Der Mineralgehalt der Quelle sank, und es gab nur noch einen eingeschränkten Kurbetrieb. 1918 ging das Fürstenlager in den Besitz des Volksstaates Hessen über. Es wurde vorübergehend zum Lazarett. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden hier Flüchtlinge untergebracht. 1953 übernahm die hessische Staatlichen Schlösser und Gärten die Verwaltung der Liegenschaften.

Kultur- und kunsthistorisch ist das Fürstenlager in seiner geschlossen erhaltenen Gesamtheit heute von hohem Wert. Die Pläne und Pflanzlisten der Originaleinrichtung und der späteren Veränderungen sind weitgehend komplett erhalten und erlauben die dem Original angepasste Renovierung.

Der Park ist seit einigen Jahren auch Ort der Festspiele Auerbach.

Siehe auch

Literatur

  • Claudia Gröschel: Staatspark Fürstenlager. Edition der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen. 1996. 52 Seiten. ISBN 3-927879-82-7
  • Dieter Griesbach-Maisant: Kulturdenkmäler in Hessen. Theiss, 2004. ISBN 3-806-21905-2

Fußnoten

  1. Im "Herrenhaus" befindet sich seit 1970 das „Parkhotel Herrenhaus“. Auch als Hochzeitsort beliebt.
  2. Vergleiche zur Geschichte die Russische Kapelle in Darmstadt auf der Mathildenhöhe. Das hiesige, bescheidene Holzgebäude ging durch Ameisenfraß verloren.
  3. Vergleiche z. B. die Chinesische Brücke im pfälzischen Schloss Schwetzingen um 1780

Weblinks

49.700258.633457Koordinaten: 49° 42′ 1″ N, 8° 38′ 0″ O


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