Gaius Cassius Longinus (Verschwörer)


Gaius Cassius Longinus (Verschwörer)
Denar des Gaius Cassius Longinus, 42 v. Chr. (Vorderseite: Abbild der Libertas, Rückseite: rituelle Kanne und Lituus)

Gaius Cassius Longinus (* vor 85 v. Chr.; † 42 v. Chr.) gilt neben seinem Freund und Schwager Marcus Iunius Brutus als das Haupt der Verschwörung gegen Gaius Iulius Caesar. Eine Gruppe von Senatoren missbilligte Bestrebungen Caesars, die Macht in seiner Hand zu vereinigen, nachdem er bereits zum Diktator auf Lebenszeit ernannt worden war, und ermordete Caesar an den Iden des März (15. März) 44 v. Chr.

Über Cassius' frühes Leben ist nicht viel bekannt. Er war Mitglied der alten Senatorenfamilie der Cassier, die seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. mehrere Konsuln gestellt hatte. Sein Vater war vielleicht der gleichnamige Konsul des Jahres 73 v. Chr.

Kurz vor 53 v. Chr. war Cassius Quästor. In diesem Amt bzw. als Proquästor[1] nahm er am Feldzug des Marcus Licinius Crassus gegen die Parther teil. Nach der vernichtenden Niederlage der Römer bei Carrhae und dem Tod des Crassus 53 v. Chr. konnte sich Cassius mit dem Rest der römischen Legionen nach Syrien zurückziehen und die Provinz gegen die Feinde verteidigen.

Für das Jahr 49 v. Chr. wurde Cassius zum Volkstribun gewählt. Durch den Ausbruch des Bürgerkrieges konnte er vermeiden, wegen Ausbeutung und Erpressung in Syrien zur Verantwortung gezogen zu werden. Während des Bürgerkriegs stand er zunächst auf der Seite des Gnaeus Pompeius Magnus. Als Flottenkommandeur hat er gute Erfolge im Mittelmeer. Nach der Schlacht bei Pharsalos jedoch versöhnte er sich wieder mit Caesar, der ihn 47 v. Chr. zu einem seiner Legaten ernannte. Im Jahr 44 v. Chr. wurde er Praetor peregrinus mit dem Versprechen, im folgenden Jahr die Provinz Syrien zu erhalten.

Cassius galt schon in der Antike als die treibende Kraft hinter der Verschwörung gegen Caesar.[2] Sie speiste sich vor allem aus der Unzufriedenheit zahlreicher Senatoren mit Caesars immer deutlicher werdendem Alleinherrschaftsanspruch, der mit der römischen Republik, vor allem der führenden Rolle des Senats, nicht vereinbar war. In einer Senatssitzung kurz vor Caesars Abreise zu einem Krieg gegen die Parther töteten ihn die Verschwörer.

Sie hatten aber versäumt, Pläne für die Zeit nach Caesars Ermordung zu machen. Cassius musste Italien verlassen und ging nach Syrien, obwohl man ihm die Provinz zeitweilig entzogen hatte. Er stellte ein großes Heer auf, mit dem er Publius Cornelius Dolabella, der an seiner Stelle als Statthalter nach Syrien geschickt war, in der Schlacht bei Laodikeia besiegte.

Nachdem sich der von Caesar testamentarisch adoptierte Oktavian (der spätere Augustus), Marcus Aemilius Lepidus und Marcus Antonius zum Zweiten Triumvirat zusammengeschlossen hatten, vereinigten sich Cassius und Marcus Iunius Brutus und zogen mit ihren Legionen über den Hellespont durch Thrakien bis in die Nähe von Philippi in Makedonien. Sie wollten die Legionen des Triumvirates aushungern, wurden aber zum Kampf gezwungen. Es kam zur Ersten Schlacht bei Philippi am 3. Oktober 42 v. Chr. Brutus konnte Oktavian besiegen, Cassius jedoch unterlag dem Marcus Antonius. Cassius wusste nichts vom Erfolg seines Mitstreiters Brutus und ließ sich deshalb von einem freigelassenen Sklaven töten.

Brutus wurde am 23. Oktober, in der Zweiten Schlacht von Philippi, besiegt, worauf er zuerst floh, sich dann aber ebenfalls töten ließ.

In seinem Werk Die Göttliche Komödie zählt für den Dichter Dante Alighieri Cassius zusammen mit Marcus Iunius Brutus und dem Jünger und Jesus-Verräter Judas Ischariot zu den drei größten Verrätern der Menschheit, die im innersten Ring der Hölle, eingeschlossen in ewigem Eis, von Luzifer zerfressen werden.

Stammbaum

  • (1) = 1. Ehemann/Frau
  • (2) = 2. Ehemann/Frau
  • × = Caesarmörder


Salonia (2)
 
Marcus Porcius Cato Censorius
 
Licinia (1)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Marcus Porcius Cato Salonianus
 
 
 
Marcus Porcius Cato Licinianus
 
Marcus Livius Drusus
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Marcus Porcius Cato Salonianus (2)
 
Livia
 
Quintus Servilius Caepio (1)
 
 
Marcus Livius Drusus
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Atilia (1)
 
Marcus Porcius Cato Uticensis
 
 
 
 
 
 
 
Marcus Livius Drusus Claudianus (adoptiert)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Marcus Iunius Brutus (1)
 
Servilia Caepionis
 
Decimus Iunius Silanus (2)
 
Quintus Servilius Caepio
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Porcia Catonis
 
Marcus Iunius Brutus ×
 
Iunia Prima
 
 
 
Iunia Tertia
 
Gaius Cassius Longinus ×
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Marcus Porcius Cato
 
 
 
 
Marcus Aemilius Lepidus
 
Iunia Secunda
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Nachfahrin Sullas und des Pompeius
 
Marcus Aemilius Lepidus
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Manius Aemilius Lepidus
 
Aemilia Lepida


Literatur

Anmerkungen

  1. Zur Datierung vgl. Thomas Robert Shannon Broughton: The magistrates of the Roman republic. Volume 3: Supplement. Atlanta 1986, S. 51.
  2. Plutarch, Brutus 7–10; Appian, Bürgerkriege 2, 113.

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