Galerie (Kunst)


Galerie (Kunst)
In der Gemäldegalerie, Zeichnung von Honoré Daumier
National Gallery of Art
Der Galerist Ambroise Vollard, Gemälde von Pierre-Auguste Renoir, 1908

Als Galerie werden im Zusammenhang mit der Bildenden Kunst im Allgemeinen hauptsächlich oder ausschließlich für die Ausstellung von Kunstwerken genutzte Räumlichkeiten bezeichnet, im Besonderen auch Gemäldesammlungen, wie beispielsweise Ahnengalerien, die Tübinger Professorengalerie (ab 1578) oder die im Lübecker Rathaus bewahrte Bürgermeistergalerie. Darüber hinaus hat der Begriff sich in jüngerer Zeit für im Internet abrufbare Bilddateien etabliert, die auch Bildergalerien oder Online-Galerien genannt werden.

Inhaltsverzeichnis

Galerietypen

Galerien untergliedern sich nach ihrer Funktion in nichtkommerzielle und kommerziell ausgerichtete Galerien, nach ihren Exponaten in Kunstgalerien für Kunstschätze jeglicher Art, Gemäldegalerien und Fotogalerien.

Mit dem Aufkommen des kommerziellen Kunstmarktes verengte sich die Bezeichnung Galerie insbesondere auf privatwirtschaftliche Unternehmen, die Künstler bzw. ihre Kunstwerke ausstellen, verkaufen und vermarkten. Betreiber von Galerien nennt man Galeristen; in manchen Fällen sind sie ebenfalls Künstler. Eine Galerie, die von Produzenten (also Künstlern) selbst geführt wird, nennt man Produzentengalerie. Eine Galerie, die sich darauf konzentriert junge Künstler zu entdecken und zu fördern, nennt man Pilotgalerie (Otto van de Loo).

Geschichtliche Entwicklung

Die ältesten Belege für Bildergalerien stammen aus Indien, wo drei Typen von Galerien (Chitrasalas) unterschieden wurden: Palastgalerien, öffentliche und private Galerien. [1]

In den Uffizien in Florenz wurde bereits im 16. Jahrhundert eine galleria im Obergeschoss zur Ausstellung von Bildern benutzt. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde im Schlossbau ein langer, stark durchfensterter Trakt so bezeichnet, der sich besonders gut zur Präsentation von Gemälden eignete. Prägend für die weitere Begriffsgeschichte wurde die Grande Galerie des Louvre, in dem bedeutende Gemälde der italienischen und französischen Schule erstmals der Öffentlichkeit gezeigt wurden. Fortan bezeichnete man vor allem Museen als Galerien, die eigens zur Präsentation von Gemälden errichtet wurden.

Ein umfangreiches Galeriewesen entstand ab dem 19. Jahrhundert. Sie boten insbesondere Künstlern, die der in den Kunstakademien gelehrten Kunstauffassung kritisch gegenüberstanden, die Möglichkeit ihre Gemälde auszustellen. Einige Galeristen haben auf diese Weise die Kunstgeschichte wesentlich beeinflusst. So zählen beispielsweise Ambroise Vollard und Heinz Berggruen zu den wichtigen Persönlichkeiten der Kunst des 20. Jahrhunderts. Bei Ambroise Vollard fand 1901 die erste Ausstellung von Gemälden Pablo Picassos statt, er förderte Vincent van Gogh und 1904 folgte bei ihm die erste Ausstellung mit Werken von Henri Matisse. Heinz Berggruen war der erste, der die Bedeutung der Scherenschnitte von Henri Matisse erkannte und diese in den 1950er Jahren sammelte und ausstellte. Galerien sind deshalb auch immer Anlaufpunkte für Künstler gewesen, die sich mit den Werken ihrer Zeitgenossen auseinandersetzen wollten. So sah Paula Modersohn-Becker die Werke des damals noch völlig unbekannten Paul Cézanne, die sie in ihrer Kunstentwicklung maßgeblich beeinflussten, erstmals in den Handelsräumen von Vollard.

Als neue Spezies versuchen sich die Online-Galerien als Verkaufsräume von Kunst im Internet zu etablieren. Durch die weltweite Präsenz ändert sich die Verfügbarkeit der Objekte am lokalen Standort. Jedoch fehlen dem Medium Internet die reale Begegnung mit dem Objekt, zum Galeristen, anderen Interessenten und den ausstellenden Künstlern.

Deutschland

In Deutschland erhält der Künstler etwa 50 % des Galerieverkaufspreises als Honorar.[2]. Die Galerie hat zugunsten der Künstler auf diesen Anteil einen Beitrag zur Künstlersozialversicherung zu leisten.

Bei Zweitverkäufen von Kunstwerken ist auf Grund des sogenannten Folgerechts eine Abgabe an den Künstler zu zahlen. Dies sind (2010) ab einem Verkaufspreis von 400 Euro bis 50.000 Euro 4 % des Verkaufspreises. Voraussetzung ist jedoch, dass der Künstler Mitglied einer Verwertungsgesellschaft (Bild-Kunst, ProLitteris) ist (§ 26 Abs. 6 UrhG).

Kunstwerke unterliegen im Allgemeinen einer ermäßigten Mehrwertsteuer von 7 %.

Quellen

  1. Chitrasalas: Ancient Indian Art Galleries
  2. http://arbeitskreis-kunsthandel.de/aktuelle-themen/kunstlersozialversicherung/ksk-abschaffen-092008/

Siehe auch

Literatur

  • Grosenick, Uta / Stange, Raimar (Hrsg.): Insight - Inside - Galerien 1945 bis heute, DuMont Buchverlag, Köln 2005, ISBN 978-3-8321-7202-2
  • Knieß, Katharina: Kunst in die Öffentlichkeit. PR-Handbuch für Künstler und Galerien, Museen und Hochschulen, Bremen 2010, ISBN 978-3-937822-55-6
  • Lindemann, Adam: Collecting Contemporary, Taschen Verlag, Köln 2006, ISBN 978-3-8228-4938-5
  • Schmid, Karlheinz: Unternehmen Galerie  −  Kunsthandel professionell, Lindinger+Schmid Verlag, 144 S., Regensburg 2007, ISBN 978-3-929970-71-5

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Galerie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Galerie für zeitgenössische Kunst — – Ausstellungshalle GfZK 2 Die Galerie für Zeitgenössische Kunst (GfZK) ist ein Museum für Gegenwartskunst in Leipzig. Inhaltsverzeichnis 1 Geschichte 2 …   Deutsch Wikipedia

  • Galerie — (von italienisch galleria „langer Säulengang“) bezeichnet: Galerie (Kunst), für Ausstellungen von Kunstwerken der Bildenden Kunst genutzten Räumlichkeiten Galerie (Architektur), länglicher Raum mit zahlreichen Lichtöffnungen an der/den… …   Deutsch Wikipedia

  • Galerie Noah — Die Galerie Noah ist eine Galerie für Gegenwartskunst im Glaspalast im Augsburger Textilviertel und Bestandteil des „Zentrums für moderne Kunst“. Inhaltsverzeichnis 1 Geschichte 2 Ausstellungen 3 Einzelnachweise 4 …   Deutsch Wikipedia

  • Galerie für mexikanische Kunst — Die Galería de Arte Mexicano (GAM; span. für Galerie für mexikanische Kunst) wurde am 7. März 1935 in Mexiko Stadt von Carolina und Inés Amor gegründet und war die erste Galerie für Moderne Kunst in der Stadt. Ziel der Institution ist die… …   Deutsch Wikipedia

  • Galerie des Eaux Vives — Die Galerie des Eaux Vives war eine kleine Kunstgalerie in Zürich, in welcher abstrakte und konkrete Künstler der Gruppe Allianz ausstellten.[1] Die Galerie wurde von Johann Konstantin Egger (1908 1989; hansegger) gegründet. 1947 schloss er sie… …   Deutsch Wikipedia

  • Galerie m Bochum — Galerie m Bochum, Außensicht Die Galerie m Bochum ist eine Kunstgalerie im Park von Haus Weitmar in Bochum Weitmar. Geschichte und Profil Als die Galerie m Bochum im Jahr 1968 von Alexander von Berswordt Wallrabe gegründet wurde, konzentrierte… …   Deutsch Wikipedia

  • Galerie für Zeitgenössische Kunst — – Ausstellungshalle GfZK 2 Die Galerie für Zeitgenössische Kunst (GfZK) ist ein Ausstellungshaus für zeitgenössische Kunst und ein Museum für Kunst nach 1945 in Leipzig. Geschichte Der Förderkreis der GfZK wurde Ende 1990 auf Initiative des… …   Deutsch Wikipedia

  • Galerie nationale du Jeu de Paume — Galerie nationale du Jeu de Paume, Paris Die Galerie nationale du Jeu de Paume (kurz: Jeu de Paume ) ist ein Museum für Zeitgenössische Kunst in Paris. Das Gebäude wurde im Jahr 1861 unter der Regierung Napoléon III. erbaut. Der Na …   Deutsch Wikipedia

  • Galerie Stihl Waiblingen — Die städtische Galerie Stihl Waiblingen ist ein im Mai 2008 eröffnetes Ausstellungshaus, das auf Arbeiten auf bzw. aus Papier spezialisiert ist. Es werden drei Wechselausstellungen pro Jahr gezeigt. Zusammen mit der in unmittelbarer Nachbarschaft …   Deutsch Wikipedia

  • Kunst Meran — (Ital: Merano Arte) ist ein von einem gemeinnützigen Verein geführtes Museum für zeitgenössische Kunst in den Meraner Lauben. Inhaltsverzeichnis 1 Gebäude 2 Zielsetzung 3 Gründungsgeschichte …   Deutsch Wikipedia