Garnet Joseph Wolseley


Garnet Joseph Wolseley
Garnet Joseph Wolseley

Garnet Joseph Wolseley, 1. Viscount Wolseley of Cairo, KP, OM, GCB, GCMG, VD, PC (* 4. Juni 1833 in Golden Bridgehouse bei Dublin; † 25. März 1913 in Menton in Frankreich) war britischer Feldmarschall und Oberbefehlshaber der britischen Armee. Er kämpfte in verschiedenen britischen Kolonialkriegen (u.a. in Indien, Burma, an der Goldküste, in Südafrika, Ägypten und in Sudan).

Inhaltsverzeichnis

Leben

Erste Einsätze

Wolseley wurde als ältester Sohn von Major Garnet Joseph Wolseley in Golden Bridge bei Dublin geboren. Sein Vater starb, als er sieben Jahre alt war. Wolseley trat 1852 dem 12. Infantry Regiment bei. Bereits kurz darauf nahm er nach Beendigung des Zweiten Anglo-Burmesischen Krieges an der Niederschlagung des letzten Widerstands teil. Dort wurde er verwundet und zum Leutnant befördert. Im Krimkrieg nahm an der Belagerung von Sewastopol teil, wo er im August 1855 durch eine Verwundung die Sehfähigkeit seines rechten Auges verlor.

Bei der Niederschlagung des Sepoy-Aufstandes in Indien kämpfte er als Hauptmann mit der 90th Light Infantry bei Cawnpore. Am 21. Februar 1858 nahm er am Angriff auf Lucknow teil. Im Anschluss wurde er deputy-assistant quartermaster-general im Stab von James Hope Grant, nahm an dessen anschließenden Kämpfen teil und wurde zum Oberstleutnant befördert. Nach dem Ende des Aufstandes diente er unter Hope Grant in Oudh. Als Hope Grant 1860 Befehlshaber des britischen Kontingents bei der englisch-französischen Expedition im Zweiten Opiumkrieg in China wurde, war Wolseley wiederum in dessen Stab.

In Nordamerika

Ab 1861 hielt Wolseley sich in Kanada auf, um Vorbereitungen für einen möglichen Kriegseintritt auf Seiten der Konföderierten im Amerikanischen Bürgerkrieg im Zuge der Trent-Affäre zu treffen.

1862, kurz nach der Schlacht am Antietam, nahm er Urlaub, um den Bürgerkrieg zu analysieren. Mit einem Blockadebrecher überquerte er den Potomac River und traf die Südstaatengenerale Robert E. Lee, James Longstreet und Stonewall Jackson.

Von Mai bis Oktober 1870 kommandierte Wolseley in Kanada die Red River-Expedition zur Erforschung der amerikanischen Wildnis und zur Unterdrückung der Red River Rebellion des Rebellen Louis Riel. Von Toronto aus marschierte er mit 1.400 Mann zur Georgian Bay und weiter per Schiff über den Lake Huron und den Lake Superior zum Fort William. Von da aus fuhr Wolseley mit kleinen Booten zum Lake Shebandewon und weiter westwärts über Fort Frances bis schließlich Fort Garry erreicht wurde. Die Provisorische Regierung der Rebellen löste sich daraufhin auf.

Kolonialkriege

1873 wurde Wolseley nach Westafrika geschickt, um gegen die Ashanti zu kämpfen. Er erreichte Afrika mit 35 Offizieren. Diese Gruppe, bestehend aus Männern wie Evelyn Wood und Redvers Buller, hatte Wolseley vorher selbst ausgesucht. Sie wurden später als der Ashanti-Ring oder Wolseley-Ring bezeichnet und galten als besonders talentiert. Bereits nach dem Krimkrieg hatte Wolseley begonnen die besten Offiziere, die er traf, in einem Netzwerk loyaler, fähiger Männer zu versammeln. Den Rest der Männer lernte er bei der Red-River-Expedition kennen. Die Gruppe erlangte durch gegenseitige Unterstützung einen bedeutenden Einfluss auf die viktorianische British Army und übernahm bis zum Ende des Jahrhunderts die führenden Positionen.

Kurzfristig wurden Eingeborene rekrutiert und eine Armee von 2.500 Mann aufgebaut. Mit dieser Armee konnte Wolseley die Hauptstadt der Ashanti erobern. Dafür wurde er mit dem Order of St. Michael and St. George ausgezeichnet und zum Generalmajor ernannt.

1875 wurde er zur Niederschlagung eines Aufstandes im Natal als Gouverneur nach Südafrika gesandt.

Ab Juli 1878 war er der erste britische Hochkommissar Zyperns. Er ließ den US-Vize Konsul Alessandro Palma di Cesnola festnehmen, der damals auf Zypern Raubgrabungen auf Antiquitäten durchführte. In seiner Amtszeit auf Zypern entstand sein schwieriges Verhältnis mit dem noch jungen Horatio Herbert Kitchener. Dieser war damals mit der Vermessung Zyperns beauftragten.

Im folgenden Jahr kehrte er als Gouverneur von Natal und Oberbefehlshaber im Zulukrieg nach Südafrika zurück. Dort sollte er den bisherigen Oberbefehlshaber Baron Chelmsford ablösen. Dieser gewann die entscheidende Schlacht bei Ulundi aber bevor Wolseley das Kampfgebiet erreichte. Wolseley konnte den darauf folgenden Aufstand des Häuptlings der Bapedi Sekukuni niederschlagen und diesen gefangen nehmen. Im Anschluss lehrte er nach England zurück. Hier fand er sich im Stück von Gilbert und Sullivan The Pirates of Penzance als the modern major-general karikiert.

1882 hatte Wolseley im britischen Parlament heftig gegen das Vorhaben protestiert einen Tunnel nach Frankreich zu graben. Auf Verlangen Großbritanniens wurden daraufhin alle 1880 begonnenen Arbeiten am Tunnelprojekt eingestellt.

Tel-el-Kebir - Besetzung Ägyptens

Schlacht von Tel-el-Kebir

Im Juli 1882 wurde Wolseley zum Befehlshaber der nach Ägypten gesandten Expedition zur Niederschlagung der Urabi-Bewegung ernannt. Er beauftragte General Hamley einen Angriffsplan auf Abukir auszuarbeiten. Nachdem er damit Urabi Pascha glauben gemacht hatte, bei Abukir zu landen, setzte Wolseley Hamleys Division dort ab und segelte mit dem Rest der Armee weiter nach Ismailia. Am 10. September begann Wolseley durch die Wüste nach Westen in Richtung Kairo zu marschieren. Auf dem halben Weg dahin traf er auf die Armee Urabis. Am 13. September besiegte er diese in der Schlacht von Tel-el-Kebir. Dafür wurde er zum Baron erhoben (Baron Wolseley of Cairo).

Gordon Relief Expedition

In Sudan, der ab 1821 unter die Herrschaft der osmanischen Vizekönige (Khediven) von Ägypten gekommen war, begann 1881 der Mahdi-Aufstand. Die britische Regierung beauftragte deshalb Charles George Gordon nach Khartum zu gehen, um von dort aus die Evakuierung ägyptischer Truppen zu organisieren, bevor die Mahdisten die Stadt am 18. März einschlossen und die zehnmonatige Belagerung von Khartum begannen. Wolseley erhielt die Aufgabe Pläne für einen Feldzug zur Rettung Gordons zu entwerfen. Am 26. August wurde er mit dem Kommando über eine Rettungsexpedition, die so genannte Gordon Relief Expedition, beauftragt. Im Dezember 1884 erreichten seine Truppen Korti. Wolseley teilte seine Truppen in zwei Kolonnen. Die Hauptstreitmacht (River Column), unter Generalmajor William Earle (nach seinem Tod Henry Brackenbury), rückte von Korti aus mit Dampfern und Booten auf dem Nil vor. Gleichzeitig marschierte die andere Streitmacht unter Sir Herbert Stewart direkt durch die Wüste. Für diese Wüstenstreitmacht formierte Wolseley die möglicherweise erste Spezialeinheit der britischen Militärgeschichte, das so genannte Camel Corps. Truppen des Camel Corps erreichten Khartum am 28. Januar 1885, zwei Tage nachdem die Stadt gefallen und Gordon getötet worden war. Trotz des Protestes Wolseleys ließ William Ewart Gladstone die britischen Truppen aus dem Sudan abziehen. Von diesem Fehlschlag konnte Wolseley sich nie ganz erholen. Am 13. Juli kehrte er, an Diarrhö erkrankt, nach London zurück. Für den Feldzug wurde er zum Viscount erhoben.

Oberbefehlshaber der British Army

Viscount Wolseley aus Celebrities of the Army, London 1900

Von 1890 - 1894 kommandierte Wolseley die britischen Truppen in Irland. 1894 wurde er zum Feldmarschall ernannt und ab 1. November 1895 der vorletzte Oberbefehlshaber der gesamten British Army (mit Lord Roberts wurde diese Funktion abgeschafft). In dieser Position stand er bis 1900; er hatte großen Anteil an der Mobilisierung der britischen Truppen für den Burenkrieg.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es zwei starke rivalisierende Gruppen in der British Army mit unterschiedlichen Vorstellungen zur Verteidigungspolitik: Wolseleys Ashanti-Ring stand dafür die britischen Truppen im Mutterland zu verstärken, um für einen Krieg gegen Frankreich oder Russland in Europa gerüstet zu sein. Im Gegensatz dazu war die Gruppe um Lord Roberts dafür, die britischen Truppen in Indien zu stärken und dort eine Entscheidung gegen Russland zu suchen (Great Game).

Die letzten Jahre seines Lebens litt Wolseley unter Alzheimer-Krankheit.

In den Kolonialkriegen gewann Wolseley den Ruf die Feuerwehr des Britischen Empire zu sein. Für Premier Disraeli war er Our Only General. Er gilt als der brillanteste General des viktorianischen Englands.

Wolseley schrieb 1903 seine Memoiren The Story of a Soldier's Life. In Deutsch erschienen in zwei Bänden 1905, bei Karl Siegismund Berlin unter dem Titel Die Geschichte eines Soldatenlebens.

Auszeichnungen

Nach seinem Tod wurde Lord Wolseley in der St. Paul's Cathedral in London beigesetzt.

Literatur

  • Donald Featherstone: Victorian Colonial Warfare - AFRICA, Cassell, London 1992
  • Ian Knight: ZULU WAR, Osprey Publishing, Oxford 2004
  • THE HARPER ENCYCLOPEDIA OF MILITARY BIOGRAPHY, Castle Books, New York 1992
  • David G. Chandler: Omdurman 1898, Reed Consumer Books Ltd. 1993
  • Leigh Maxwell: The Ashanti ring: Sir Garnet Wolseley's Campaigns 1870-1882. London: Leo Cooper, 1985

Weblinks


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