Gay and Lesbian Studies


Gay and Lesbian Studies

Als Queer Studies wird eine interdisziplinäre kulturwissenschaftliche Forschungsrichtung bezeichnet, die sexuelle Identitäten kritisch untersucht. Ausgehend von den Annahmen der Queer-Theorie zielen die Queer Studies auf die konkrete Anwendung queerer Theoriebildung in einzelnen wissenschaftlichen Fächern, wobei die Untersuchungen an die Eigenschaften und Strukturen der jeweiligen Disziplin angepasst werden. Das Forschungsfeld umfasst als wichtigste Bereiche Literaturtheorie, Politikwissenschaft, Geschichtswissenschaft, Soziologie, Philosophie und Psychologie, daneben aber auch andere wissenschaftliche Disziplinen.

Die Queer Studies entwickelten sich seit Ende der 1980er Jahre in den USA aus den Gay and Lesbian Studies (schwul-lesbische Studien), weiteten aber deren eingeschränkte Perspektive auf Homosexualität auf alle Arten von Sexualität und sexuellem Begehren aus (z. B. Bisexualität, Transsexualität, BDSM und andere). Während zunächst hauptsächlich sexuelle Orientierungen untersucht wurden, die von der Heterosexualität abweichen, wird seit einigen Jahren auch die Heterosexualität selbst verstärkt thematisiert.

Im Unterschied zu den Gay and Lesbian Studies, die Homosexualität und Heterosexualität als feste sexuelle Identitäten begreifen und voneinander abgrenzen, üben die Queer Studies Kritik an festen Identitätszuschreibungen im Bereich der Sexualität und des Geschlechts. Gemäß ihrer theoretischen Fundierung in der Queer-Theorie zielen Queer Studies auf die Dekonstruktion von Identitäten. Dazu analysieren sie, wie in den verschiedenen Lebensbereichen und Wissenschaftsgebieten Identitäten durch kulturelle und soziale Prozesse konstruiert werden, welche diskursiven und politischen Effekte diese Konstruktionen auslösen und wie (vor allem in kulturellen Phänomenen wie z. B. der Literatur) solche festen Identitäten unterlaufen werden können. Im Mittelpunkt der Forschung steht dabei häufig, wie die Konstruktion von Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualität die Machtverhältnisse in einem patriachalischen Gesellschaftssystem stützt.

Im anglo-amerikanischen Raum konnten sich die Queer Studies im Laufe der 1990er Jahren an vielen Universitäten als eigenständiges Fach etablieren und gehören gegenwärtig zu den produktivsten Forschungsrichtungen mit hunderten von Monografien und Aufsätzen, einer Reihe bedeutender Forschungszentren und der Fachzeitschrift GLQ. A Journal of Gay and Lesbian Studies.[1] Im deutschsprachigen Raum finden die Queer Studies hingegen noch wenig Beachtung, es gibt heute keine etablierte akademische Institution, die sich allein den Queer Studies widmet. Zumeist sind queere Forschungsprojekte zusammen mit den Gender Studies in interdisziplinären Zentren organisiert, so z. B. das Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt-Universität zu Berlin, das Interdisziplinäre Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung der Universität Greifswald und ähnliche Einrichtungen der Universitäten in Bremen, Marburg und andernorts.

Literatur

  • Andreas Kraß: Queer Denken. Gegen die Ordnung der Sexualität (Queer Studies). Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2003.
  • Sabine Hark: Queer Studies. In: Christina von Braun / Inge Stephan (Hrsg.): Gender@Wissen. Ein Handbuch der Gender-Theorien. Böhlau, Köln / Weimar / Wien 2005. S. 285–303.
  • Volker Woltersdorff: Queer Theory und Queer Politics. In: UTOPIE kreativ, H. 156 (2003). S. 914–923. [1]

Quellen

  1. Andreas Kraß: Queer Studies – eine Einführung. In: Ders. (Hrsg.): Queer Denken. Gegen die Ordnung der Sexualität (Queer Studies). Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2003. S. 18 f.

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