Gehen (Sport)


Gehen (Sport)
Gehen bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2005 (Der erste Geher befindet sich in einer Flugphase und verstößt damit - sofern dies mit dem bloßen Auge erkennbar ist - gegen die Geher-Regeln)
Geher in einem Amateurwettkampf

Gehen ist eine olympische, leichtathletische Disziplin, bei der, im Gegensatz zum Laufen, kein für das menschliche Auge sichtbarer Verlust des Bodenkontakts vorkommen darf. Weiterhin muss das ausschreitende Bein beim Aufsetzen auf den Boden bis zur aufrechten Stellung gestreckt sein, d.h. am Knie nicht gebeugt (Regel 230 der Internationalen Wettkampfregeln (IWR))[1].

Inhaltsverzeichnis

Warnhinweise, Rote Karten und Disqualifikationen

Ist die Einhaltung dieser Bestimmungen „Bodenkontakt“ und „Kniestreckung“ gefährdet, können die Gehrichter dies den Athleten einmalig mit einem sogenannten „Warnhinweis“ durch eine gelbe Kelle mit Kennzeichnung des betreffenden Verstoßes mitteilen (Schlangenlinie = Verlust des Bodenkontaktes, Winkel = fehlende Streckung).

Darüber hinaus können die Gehrichter eine Rote Karte ausstellen. Die Rote Karte wird dem Athleten durch den einzelnen Gehrichter nicht angezeigt, sondern dem Gehrichterobmann als „Antrag auf Disqualifikation“ mitgeteilt. Zur Information der Athleten (und Zuschauer) wird die jeweilige Anzahl und der Grund der Roten Karten an einer Tafel angezeigt. Bei internationalen Veranstaltungen, müssen Handheldcomputer für die Kommunikation zum Gehrichterobmann und zu der Disqualifikationsantrag-Tafel verwendet werden. Nach drei Rote Karten durch verschiedene Gehrichter wird der Geher durch den Obmann (oder einen seiner Assistenten) über die Disqualifikation unterrichtet. Angezeigt wird die Disqualifizierung durch eine rote Kelle, worauf der Geher sofort den Wettkampf beenden und die Wettkampfstrecke verlassen muss. Bei Wettbewerben auf der Straße muss der Geher zudem seine Startnummern abmachen. Bei internationalen Wettbewerben hat der Gehrichterobmann zudem das Recht einen Geher auf den letzten 100m vor dem Ziel unabhängig von der Zahl der vorliegenden Roten Karten (quasi eigenmächtig) zu disqualifizieren. Dies darf er jedoch nur dann tun, wenn der Gehstil des Athleten offensichtlich gegen die Regeln verstößt, also z.B. wenn der Geher läuft oder joggt und nicht mehr geht. Der Geher darf in einem solchen Falle den Wettkampf beenden, er wird dann unmittelbar nach dem Ziel von seiner Disqualifikation in Kenntnis gesetzt. Begründet durch die drei Roten Karten, die für eine Disqualifikation notwendig sind, müssen demnach mindestens drei Gehrichter anwesend sein. In Deutschland (Veranstaltungen bis zu Deutschen Meisterschaften) dürfen keine Gehrichter dem selben Verein angehören, d. h. alle amtierenden Gehrichter müssen aus unterschiedlichen Vereinen kommen. Bei Gebiets- oder Weltmeisterschaften, oder Veranstaltungen die durch einen Gebiets- oder Weltverband organisiert werden, dürfen keine 2 Gehrichter der selben Nation angehören.

Strecken

Wettbewerbe werden auf der Straße bei den Männern über 20 km und 50 km, bei den Frauen über 20 km ausgetragen. Gegangen wird üblicherweise auf 1 bis 2,5 km langen Rund- oder Wendepunktstrecken. Außerdem sind Bahnwettkämpfe über verschiedene Strecken ab 10 km üblich.

Geschichte

1682 fand in London ein Geher-Wettkampf statt, der aus einem fünfstündigen Dauergehen bestand.

Im 18. und 19. Jahrhundert war das Gehen ein populärer Zuschauersport in Großbritannien. Einer der bekanntesten Fußgänger war Captain Robert Barclay Allardice, bekannt als der „Gefeierte Fußgänger“ (englisch: The Celebrated Pedestrian) von Stonehaven.[2] Seinen größten Rekord stellte er zwischen dem 1. Juni und dem 12. Juli 1809 auf, als er es schaffte, in 1000 aufeinanderfolgenden Stunden jeweils eine englische Meile zurückzulegen. Bei diesem Ereignis waren etwa 10.000 Zuschauer anwesend. Der Amerikaner Ada Anderson konnte diesen Rekord sogar noch verbessern, in dem er es schaffte, in 1000 aufeinanderfolgenden Stunden jeweils innerhalb von 15 Minuten 1 Meile zu Fuß zurückzulegen. Auch wenn der Fußgängersport im 20. Jh. an Bedeutung verloren hat, so gibt es noch weiterhin das Gehen als olympische Sportart. Daneben gibt es als traditionelle Sportereignisse u.a. in England noch den Land's End to John o' Groats walk.

50-km-Gehen wurde 1932 und 20-km-Gehen wurde 1956 olympisch. 1992 wurde Frauen-Gehen aufgenommen.

Einzelnachweise

  1. [1] Internationale Wettkampfregeln (IWR) 2010/2011
  2. Bild von Captain Barcley im Rahmen seines Gehrekordes

Weblinks

 Commons: Gehen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch


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