Geigenbauer


Geigenbauer
Vogtländischer Geigenbauer

Die Berufsbezeichnung Geigenbauer umfasst die Reparatur und Herstellung von Streichinstrumenten (neben der Violine, die Viola, das Cello, den Kontrabass, anderer Instrumente der Gambenfamilie sowie allgemein von Streichinstrumenten). Die Herstellung der Streichbögen wird in der Regel nicht vom Geigenbauer sondern vom Bogenmacher durchgeführt.

Der Beruf ist eng mit dem Zupfinstrumentenbau verwandt. Viele große Geigenbauer haben Zupfinstrumente, wie Lauten, Mandolinen, Harfen, Gitarren, aber auch Drehleiern gebaut. Die französische Bezeichnung für Geigenbauer, Luthier, geht darauf zurück. Der Geigenbau ist ein recht konservativer Beruf. Zum Herstellen der Instrumente werden Handwerkstechniken genutzt, die bereits jahrhundertealt sind. Der Bau umfasst rund 500 Arbeitsgänge und dauert in der Regel bis zu 3 Monaten, bei besonders guten Instrumenten aber auch weit länger.

Werkstatt einer Geigenbauerin in Cremona.
Geigenbauerin bei der Arbeit.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Vor Einführung der Violine um 1525 waren die Geigenbauer Lauten- und Gambenbauer. Zu den ersten bekannten Geigenbauern zählen Andrea Amati (etwa 1505 bis etwa 1577) und Gasparo da Salò (1542-1609). Der in Cremona, Norditalien, lebende Amati erhielt einen Auftrag vom französischen König über den Bau von Streichinstrumenten, darunter auch die damals neue Violinengattung. Da Salò baute in Brescia vorwiegend Violinen, Bratschen und Streichbässe. Besonders begehrt sind heute seine Bratschen. Diese haben zwar zum großen Teil eine beträchtliche Korpuslänge, eignen sich aber im Konzertbetrieb als Soloinstrumente. Er begründete eine eigenständige Geigenbautradition in Brescia, sein bedeutendster Schüler war Giovanni Paolo Maggini, der die Werkstatt nach dessen Tod übernahm. Als einziger bekannter Mitarbeiter und Schüler von Giovanni Paolo Maggini gilt Valentino Siani, der bis circa 1620 bei Maggini arbeitete. Valentino Siani zog circa 1621 nach Florenz und gilt dort als Begründer des Florentiner Geigenbaus.

Geigenbauzentren

Sachsen

Süddeutscher Raum

  • Bubenreuth - Das Zentrum des fränkischen Streich- und Zupfinstrumentenbaus
  • Füssen
    • In der europäischen Musikgeschichte erlangte das Füssener Land durch seine Lauten- und Geigenmacher herausragende Bedeutung. Füssen gilt heute in der musikwissenschaftlichen Forschung als die Wiege des gewerbsmäßig betriebenen Lautenbaus in Europa (Adolf Layer). Hunderte Namen von Lautenmachern und Geigenbauern aus dem Füssener Kulturraum sind zwischen 1436, der ersten archivalischen Nennung, und 1866, dem Tod des letzten Füssener Geigenmachers Joseph Alois Stoß, bekannt.
  • Mittenwald
    • Matthias Klotz (Geigenbauer) (als erster einer Dynastie von 36 Geigenbauern)
    • Sebastian Klotz (seine Instrumente richten sich nach Vorbildern wie Amati Geigen, während die anderen Familienmitglieder nach dem Stainermodell mit höherer Wölbung arbeiten)

Österreich

  • Salzburg
    • Marcell Pichler; arbeitete zunächst in Hallein bei Salzburg, später in der Stadt Salzburg.
    • Johann Schorn; gilt als Erfinder der Viola d'Amore. Arbeitete im Stil von Jakob Stainer und Matthias Alban. Wenige, jedoch sehr qualitätvolle Instrumente sind erhalten.
    • Andreas Ferdinand Mayr; wenige, jedoch sehr qualitätvolle Instrumente sind erhalten.
  • Tirol
    • Jakob Stainer (Absam), dessen Instrumente bis um 1800 wertvoller waren als die italienischen. Im 19. Jahrhundert wurden bei der „Anpassung“ der Stainergeigen an das Klangideal der Romantik viele Geigen Stainers unwiederbringlich zerstört.
  • Wien
    • In Wien sind Lauten- und Geigenmacher bereits seit dem 15. Jahrhundert nachweisbar. Der Wiener Geigenbau erlebt seine Blüte mit dem Aufstieg der Stadt zum politischen und kulturellen Zentrum der Monarchie am Anfang des 18. Jahrhunderts. Während im 17. und 18. Jahrhundert vor allem die aus Füssen zugewanderten Geigenbauer dominieren, ist der Wiener Geigenbau des 19. Jahrhunderts in stilistischer Hinsicht durch eine enge Verbindung mit der Prager und Budapester Geigenbauschule gekennzeichnet.

England

  • Die Familie Hill
  • Die 1972 gegründete Newark School of Violin Making bei Nottingham zählt zu den bekannten Instrumentenbauschulen. Sie ist Lehrstätte für rund 100 Schüler aus aller Welt. Ihr offenes, modernes Konzept verbindet die jahrhundertealte Tradition des Geigenbaus mit neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen auf den Gebieten der Akustik und Materialkunde. Ihre Lehrer sind allesamt gleichzeitig Geigenbauer oder -Restauratoren, so dass ein enger Praxisbezug die Unterrichtsatmosphäre prägt.

Italien

Die Zentren: Cremona, Mailand, Brescia, Venedig, Neapel, Florenz und Turin.

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Frankreich

Hier kommen zahlreiche Geigenbauer aus Lothringen, vor allem aus der Gegend um Mirecourt und Nancy, sowie aus Paris. Die Familie Vuillaume aus Mirecourt stellte zahlreiche Geigenbauer, der berühmteste Sohn der Familie war Jean Baptiste Vuillaume (1798-1875). Mirecourt ist besonders bekannt für seine hervorragenden Herstellung von Streichbögen.

Niederlande

Die Zentren: Hauptsächlich Amsterdam

  • Hendrik Jacobs (1629-1704)
  • Pieter Rombouts (1667-1740)

Tschechien

Japan

  • Masakichi Suzuki (1859-1944)

Arbeiten eines Geigenbauers

Material

Für den Bau eines Streichinstruments verwendet man verschiedene Holzarten. Der Korpus wird aus Fichte und Ahorn gefertigt; Griffbrett, Wirbel und Saitenhalter werden aus Ebenholz oder seltener aus anderen Harthölzern wie Buchsbaum und Palisander gebaut.

Die Decke besteht fast immer aus Fichte, da der Quotient aus Elastizitätsmodul zu Dichte bei dieser Holzart einen höheren Wert aufweist als bei den meisten anderen Holzarten. Ferner entspricht die Anisotropie der akustischen Eigenschaften des Fichtenholzes in guter Näherung dem Umriss der Geige. So ist die Schallgeschwindigkeit der Longitudinalwellen in Längsrichtung zur Holzfaser etwa vier Mal so groß wie in Querrichtung zur Faser. Die Materialqualität des Deckenholzes spielt für den späteren Klang des Instruments eine große Rolle. Das Holz muss eine geringe Dichte aufweisen und gleichmäßig verlaufende Jahresringe mit geringem Spätholzanteil besitzen. Diese dürfen weder zu weit noch zu eng sein. Ausschlaggebend für die Güte des Holzes ist der Standort des Baumes. Für den Instrumentenbau besonders geeignete Hölzer findet man in Gebirgsregionen wie den Alpen, den Pyrenäen oder den Karpaten. Der Boden darf nicht zu schwer und nicht zu feucht sein, damit das Holz weniger Harze enthält, langsamer wächst und somit elastischer, leichter und dichter ist.

Der korrekte Aufschnitt des Holzes spielt beim Bau eine große Rolle. Das Fichtenholz kann faserparallel eingeschnitten oder gespalten werden. Dieses gewährleistet, dass die Fasern im zentralen Bereich des Instrumentes nicht unterbrochen sind und dem Resonanzkörper dadurch die besten Voraussetzungen für einen guten Klang geben.

Herstellung eines Streichinstruments

Geigenkorpus

Wenn ein Geigenbauer beginnt, ein neues Instrument zu bauen, steht er zunächst vor der Modellfrage. So kann er entweder ältere Modelle kopieren oder in Anlehnung an diese neue Instrumente entwickeln oder aber komplett neue Entwürfe anfertigen. Häufig sind die Unterschiede selbst für die Instrumentalisten nur durch einen direkten Vergleich beim Spielen erkennbar. Neukonstruktionen sind im Streichinstrumentenbau allerdings kaum gebräuchlich, meistens hält man sich an die Maße der großen Meister. Vor allem Stradivari, Amati und Guarneri haben in dieser Hinsicht höchste Maßstäbe gesetzt.

Zunächst wird die Geigeninnenform und Schablonen für Boden- und Deckenumriss sowie die Halsschablone hergestellt, danach werden Boden und Decke gefugt, gewölbt und umgeschnitten.

Fingerhobel verschiedener Stärke zur Bearbeitung des Holzes

Zu Baubeginn bestehen Decke und Boden aus massiven Holzplatten, die horizontal gespalten und danach gefugt werden. Dadurch verläuft die Holzmaserung der linken und rechten Seite symmetrisch. Die Dicke dieser Platten entspricht mindestens der Höhe der späteren maximalen Wölbung. Erst nach vollkommener Fertigstellung der Außenwölbung mit verschiedenen Handeisen wird die Innenwölbung begonnen.

Im Gegensatz zu Decke und Boden werden die Zargen, die zusammen mit den vier Eckklötzen sowie dem Ober-und Unterklotz den Zargenkranz bilden, zunächst als plane Streifen auf die richtige Stärke gehobelt. Danach erfolgt mit Dampf und Druck auf einem speziell dafür geformten Eisen (Biegeeisen) ihre Biegung in die richtige Form. Die Klötze, an denen die Zargen festgeleimt sind, dienen als Gerüst. In den Oberklotz wird später der Hals eingelassen und eingeleimt.

Auf den Boden werden nun die Zargenteile aufgeschachtelt, und nach Einschneiden der F-Löcher und Einleimen des Bassbalkens in die Decke wird diese auf die Zargen geleimt. Der Korpus ist fertig.

Bevor der Hals in den Korpus eingepasst werden kann, muss noch das Griffbrett gewölbt und eine geschnitzte Schnecke angebracht werden. Der nun folgende Arbeitsgang des Lackierens wird auch im Artikel Geigenlack behandelt.

Zum Leimen verwendet man beim Streichinstrumentenbau ausschließlich Glutinleime, z.B. Knochen- und Hautleime. Diese Leime sind im trockenen, ausgehärteten Zustand erheblich härter und unelastischer als moderne Weißleime aus Polyvinylacetat und absorbieren folglich kaum Schwingungen. Zudem können sie später trotz ihrer hohen Stabilität mit heißem Dampf wieder lösbar gemacht werden, was für Reparaturarbeiten wichtig ist.

Nach dem Aufleimen des Griffbrettes wird die Arbeit vollendet: Die Wirbel werden eingepasst, das Instrument wird poliert, der Steg aufgeschnitten, der Stimmstock gesetzt und schließlich die Saiten aufgezogen.

Die reine Handwerksarbeit ist damit abgeschlossen. Um jedoch daraus ein Spitzeninstrument zu machen, ist eine aufwändige Justierung notwendig. Der Geigenbauer spielt das neue Instrument ein paar Wochen lang und notiert sich, welche Töne ihm nicht gefallen, weil sie zu schwach, zu stark, zu dumpf, zu schrill usw. sind. Wenn er glaubt, alle Fehler entdeckt zu haben, öffnet er die Geige wieder und beginnt, an bestimmten Stellen dünne Holzschichten abzutragen. Die Kunst ist dabei, zu wissen, welche Änderungen am Korpus welche Töne und Klangfarben beeinflussen können. Schließlich wird die Geige wieder zusammengeleimt und lackiert, dann beginnt wieder das Probespielen. Dieser Zyklus kann mehrere Male durchlaufen werden, bis die Geige perfekt klingt. Für derartige Spitzeninstrumente werden natürlich auch Spitzenpreise bezahlt.

Weitere Arbeiten

Der Geigenbauer befindet sich bei der Restaurierung von Streichinstrumenten in einem steten Dilemma, einerseits soll er möglichst den originalen Zustand und die originale Substanz der Instrumente konservieren, andererseits muss er das Instrument möglichst leistungsfähig in Bezug auf den Klang wiederherstellen.

Siehe auch

Liste bedeutender Geigenbauer, Streichinstrument, Musikinstrumentenbau, Geigenbauschule (Ausbildung), Geigenzettel,

Literatur

  • Leo von Lütgendorff: Die Geigen- und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart. (1923) 2 Bände. Unveränderter Nachdruck der 6., durchgesehenen Auflage, Tutzing: Schneider 1975 ISBN 3-795-20061-X Mit einem Ergänzungsband von Thomas Drescher, 1990 ISBN 3-795-20616-2
  • Otto Möckel: Geigenbaukunst. 8. Auflage, 2005, Verlag Nikol Verlagsgesellschaft 378 S. ISBN 3937872094

Weblinks

 Commons: Geigenbauer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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