Georg Eberhard Rumpf


Georg Eberhard Rumpf
Georg Eberhard Rumpf.

Georg Eberhard Rumpf, auch: Georgius Everhardus Rumphius (* 1627 in Wölfersheim, Grafschaft Solms (heute Wetteraukreis), Hessen; † 13. Juni 1702 im Kastell Victoria, Insel Ambon, Molukken, Niederländisch-Indien) war ein deutsch-niederländischer Offizier und Verwaltungsbeamter, Botaniker, Naturforscher und Forschungsreisender. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „Rumph. “.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Gedächtnistafel in Wölfersheim
Ehemaliges Haus Rumpfs auf der Insel Ambon, 1910er Jahre

Er war der Sohn des gräflich-hanauischen Baumeisters Augustus Rumpf (1591-1666), von 1644 bis 1648 im Dienst der Stadt Hanau, und der Anna Elisabeth Keller (??-1651) aus Wölfersheim.

Rumpf diente von 1645 bis 1648 als Soldat der niederländischen Armee in Portugal. Anschließend trat er als Offizier in den Dienst der „Niederländischen Ostindien-Kompanie“ und kam 1653 auf die Molukken-Insel Ambon (früher: Amboina), wo er als Inspektor arbeitete und zuletzt als Konsul holländischer Unterstatthalter war. Während dieser Zeit bei der Kolonialadministration verbrachte er viel Zeit mit naturkundlichen Expeditionen und erhielt schließlich von der deutschen Akademie Leopoldina sogar den Beinamen „Plinius Indicus“.

In seinem Werk „Amboinische Raritätenkammer“ beschrieb er tropische Schalentiere, Muscheln und Mineralien. Doch wurde die Arbeit an seinem Lebenswerk Herbarium Amboinensis durch schwere Schicksalschläge mehrmals behindert: 1669/1670 erblindete er am Grauen Star, was ihm seinen anderen Beinamen „blinder Seher von Ambon“ einbrachte, am 17. Februar 1674 verlor er bei einem Tsunami seine Ehefrau Susanna und zwei kleine Töchter. Joan Maetsuycker sandte ihm Sekretäre und Zeichner, damit er seine Arbeit fortsetzen konnte, aber am 11. Januar 1687 brannte sogar seine Bibliothek ab. Doch ließ sich Rumpf niemals entmutigen und arbeitete unbeirrt weiter. Seine Manuskripte wurden von den Direktoren der Vereinigten Ostindischen Kompagnie zum Teil jahrzehntelang unter Verschluss gehalten und nicht zur Veröffentlichung freigegeben. Im Jahr 1692 gingen auf dem Seeweg nach Amsterdam das Manuskript und die Illustrationen des Herbarium Amboinensis verloren, da das sie transportierende Schiff von der französischen Flotte versenkt wurde. Texte und Zeichnungen waren jedoch in Batavia vor der Verschiffung kopiert worden im Auftrag von Johannes Camphuys, so dass das Werk rekonstruiert werden konnte. Es erschien erst posthum ab 1741 im Druck. Der Amsterdamer Professor für Botanik Johannes Burmannus übersetzte die Texte ins Lateinische und gab die sechs Bände des "Herbarium" als lateinisch-niederländische Ausgabe heraus.

Sein Sohn Paul August Rumpf war in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts auch als Zeichner und Maler tätig.

Werke

  • Amboinische Raritäten-Kammer oder Abhandlung von den steinschaalichten Thieren welche man Schnecken und Muscheln nennet. Kraus, Wien 1705, 1766.
    • The Ambonese Curiosity Cabinet. Hrsg. v. E. M. Beekman. Yale Univ. Pr., New Haven Conn 1999. ISBN 0-300-07534-0 (engl. Ausg.)
  • Herbarium Amboinensis. 6 Bde. Hrsg. v. Johann Burmann. Amsterdam 1741-1755.

Literatur

  • Ernst Wunschmann: Rumpf, Georg Eberhard. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 29, Duncker & Humblot, Leipzig 1889, S. 663–667.
  • Brigitte Hoppe: Rumpf, Georg Eberhard. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 22, Duncker & Humblot, Berlin 2005, S. 253 f.
  • George Sarton: Rumphius, Plinius Indicus (1628-1702). in: Isis. Chicago 27.1937, No.2 (Aug.), S.242-257. ISSN 0021-1753
  • August Wilhelm Eduard Theodor Henschel: Vita C.E. Rumphii, Plinii indici: accedunt specimen materiae Rumphianae medicae clavisque herbarii et thesauri Amboinensis. Schulz, Vratislaviae 1833.
  • Fritz Schulze: "Von Menschen und Bäumen" - Rumphius und die tropische Botanik am Beispiel der Kokospalme. In: Rudolstädter Naturhistorische Schriften. Supplement. Beiträge zur Kultur- und Naturgeschichte Indonesiens. Rudolstadt 3.1999, S.83-98. ISSN 0949-8702
  • Fritz Schulze: Georgius Everhardus Rumphius (1628-1702) und das wissenschaftliche Netzwerk seiner Zeit. In: Rudolstädter Naturhistorische Schriften. Rudolstadt 12.2004, S.3-15. ISSN 0863-0844

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