Georg Leber


Georg Leber
Georg Leber, 1973

Georg Leber (* 7. Oktober 1920 in Obertiefenbach, Oberlahnkreis, heute Landkreis Limburg-Weilburg, Hessen) ist ein deutscher Gewerkschaftsführer und Politiker der SPD. Er war von 1966 bis 1972 Bundesminister für Verkehr und von 1969 bis 1972 zusätzlich Bundespostminister. Von 1972 bis 1978 war Leber Verteidigungsminister.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Beruf

Nach dem Besuch der Volksschule in Obertiefenbach absolvierte Georg Leber eine kaufmännische Ausbildung und später noch eine Maurerlehre. Im Zweiten Weltkrieg war er von 1939 bis 1945 Soldat bei der Luftwaffe. Nach 1945 arbeitete er im Baugewerbe und trat 1947 der IG Bau-Steine-Erden bei. 1949 wurde er hauptamtlicher Gewerkschaftssekretär der IG Bau-Steine-Erden in Limburg an der Lahn, drei Jahre später Redakteur der Gewerkschaftszeitung Der Grundstein. 1955 wurde er Zweiter Vorsitzender dieser Baugewerkschaft und war schließlich von 1957 bis 1966 deren Bundesvorsitzender. 1965 war er an der Gründung der Bank für Sparanlagen und Vermögensbildung AG beteiligt.

Innerhalb des gewerkschaftlichen Spektrums war Leber Protagonist des rechten Flügels gegenüber dem "linken" Otto Brenner von der IG Metall. Seine Gewerkschaft verzichtete früh auf Sozialisierungsforderungen, begründete mit den Arbeitgebern ein System von Sozialkassen und entwickelte das Projekt zur "Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand".

1984 war Leber Schlichter im Arbeitskampf der Metallindustrie um die 35-Stunden-Woche. Der nach ihm benannte Kompromiss sah eine flexible Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit auf durchschnittlich 38,5 Stunden vor.

Von 1981 bis 1997 war Leber Vorsitzender des Vorstands des Internationalen Bundes (anschließend Ehrenvorsitzender), eines freien Trägers der Jugend-, Sozial- und Bildungsarbeit. Das Tagungszentrum des IB in Kelkheim-Eppenhain trägt heute seinen Namen.

Leber ist römisch-katholisch und gehörte von 1967 bis 1971 dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken an, das ihn nach vierjähriger Mitgliedschaft jedoch wieder abgewählt hatte [1].

Im Jahr 1943 heiratete Leber Erna-Maria Wilfing, die 1984 verstarb. Aus dieser Ehe stammt Sohn Manfred. 1985 heiratete er Katja Vojta und wohnt in Schönau am Königssee im Berchtesgadener Land.

Partei

Georg Leber trat 1951 in die SPD ein. Innerhalb der Partei gehörte er zum rechten Flügel, den sogenannten Kanalarbeitern.

Abgeordneter

Leber war von 1957 bis 1983 Mitglied des Deutschen Bundestags, wo er zeitweise den Wahlkreis Frankfurt I vertrat. Von 1961 bis 1966 war er Mitglied des SPD-Fraktionsvorstandes. Nach dem Tode von Hermann Schmitt-Vockenhausen wurde Leber am 12. September 1979 als dessen Nachfolger zum Bundestagsvizepräsidenten gewählt. Er behielt dieses Amt bis zu seinem Ausscheiden aus dem Parlament 1983. Vom 27. Februar 1958 bis zum 25. Februar 1959 war er zugleich Mitglied des Europäischen Parlaments.

Öffentliche Ämter

Bundesverkehrsminister

Georg Leber übernahm am 1. Dezember 1966 im Kabinett der Großen Koalition von Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger das Amt des Bundesministers für Verkehr. In dieser Zeit entstand der umgangssprachlich nach ihm benannte „Leber-Plan“, der die Verlagerung des Transports von Massengütern von der Straße auf die Bahn vorsah[2]. Dies traf auf zähen Widerstand von Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP, so dass der Plan wegen der zahlreichen Ausnahmeregelungen faktisch nicht umgesetzt werden konnte[3]. Das Amt als Bundesverkehrsminister behielt er auch nach Bildung der sozialliberalen Koalition unter Willy Brandt. Zusätzlich übernahm er auch das Bundesministerium für das Post- und Fernmeldewesen. Am 7. Juli 1972 übergab er beide Ministerien an Lauritz Lauritzen und wurde Nachfolger von Helmut Schmidt als Bundesminister der Verteidigung.

Bundesverteidigungsminister

Am 11. September 1972 stand Leber vor der schweren Entscheidung, ob er den Befehl geben sollte, ein unidentifiziertes Flugzeug abschießen zu lassen. Es flog auf das Münchener Olympiastadion zu, in dem gerade die Abschlussfeier der Olympischen Spiele stattfand, bei denen es nur Tage zuvor einen Anschlag auf israelische Sportler gegeben hatte. Leber handelte richtig, indem er abwartete. Es stellte sich heraus, dass es sich nicht um ein von Terroristen entführtes Flugzeug, sondern ein mit über 100 Passagieren besetztes finnisches Verkehrsflugzeug handelte, dessen Bordelektronik ausgefallen war.[4]

Im Juli 1973 erteilte Leber, nach vorheriger entsprechender Beschlussfassung des Verteidigungsausschuss, den Befehl zur Aufstellung der Bundeswehrhochschulen in Hamburg und München, die ihren Lehrbetrieb im Oktober 1973 aufnahmen. Damit wurde erstmals ein wissenschaftliches Studium im Rahmen der Offiziersausbildung möglich und verpflichtend.

Georg Leber mit Hans-Jürgen Wischnewski, 1976

Am 29. November 1973 gab er in einer Regierungserklärung vor dem Deutschen Bundestag die neue Wehrstruktur der Bundeswehr bekannt. Im Rahmen der Umstrukturierung wurde u.a. das Heer um drei Brigaden vergrößert. In Lebers Amtszeit wurden 1975 erstmals Frauen zu Sanitätsoffizieren ernannt. Im Oktober 1976 versetzte er die beiden Luftwaffengeneräle Karl Heinz Franke und Walter Krupinski in den Ruhestand, weil sie entgegen ausdrücklicher Anweisung den rechtsextremen Piloten Hans-Ulrich Rudel zu einem Traditionstreffen eingeladen hatten und dies mit einem Vergleich der NS-Vergangenheit Rudels mit der KPD-Vergangenheit des Sozialdemokraten Herbert Wehner entschuldigt hatten. Ein Antrag der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, diese Entscheidung Lebers zu missbilligen, wurde am 3. Februar 1977 von der SPD/FDP-Mehrheit im Deutschen Bundestag mit 243 zu 220 Stimmen abgelehnt.

Georg Leber trat gegen den Willen von Bundeskanzler Helmut Schmidt am 1. Februar 1978 zurück[5] und übernahm damit die politische Verantwortung für den Lauschmitteleinsatz des Militärischen Abschirmdiensts, der ohne Lebers Wissen dessen Sekretärin Hildegard Holz ab Juni 1974[6] in ihrer Wohnung abgehört hatte, da sie der Spionage für das Ministerium für Staatssicherheit verdächtigt wurde. Dies stellte sich nachher jedoch als falsch heraus. Der Minister erfuhr Anfang 1978 von der illegalen Abhöraktion, teilte dies aber dem Bundestag erst mit, nachdem am 25. Januar 1978 die Illustrierte Quick einen entsprechenden Artikel veröffentlicht hatte.[7] Georg Leber verschwieg außerdem die illegale Abhörung der Partei Kommunistischer Bund Westdeutschland, von der er nach eigenen Angaben erst im Nachhinein erfahren hatte, weil er sie für rechtmäßig gehalten habe. Erst eine von ihm angeordnete gründliche juristische Untersuchung ergab das Gegenteil. Lebers Nachfolger als Verteidigungsminister war Hans Apel.

Leber war der unter den Bundeswehrangehörigen bislang beliebteste Verteidigungsminister und wurde von ihnen als Soldatenvater bezeichnet. Seine Amtszeit prägte ein starker Aufrüstungsschub der Bundeswehr; unter anderem wurde der Endausbau von 36 Brigaden des Feldheeres verwirklicht.

Parteiintern

Georg Leber hat die Einstellung des später als Spion enttarnten Günter Guillaume gefördert, was nach der Guillaume-Affäre zum Rücktritt des damaligen Bundeskanzlers Willy Brandt führte.[8]

Auszeichnungen

Veröffentlichungen

  • (Hrsg.) Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand. Dokumentation in 4 Bänden, Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1964.
  • Programm zur Gesundung des deutschen Verkehrswesens. Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, Bonn 1967.
  • Vom Frieden. Seewald Verlag, Stuttgart 1979, ISBN 3512005713

Zitate

  • „Lernt, was ihr für Euer Leben nötig habt! Geht nicht gebückt und gebeugt, geht aufrecht wie Freie! Geht mit erhobenem Kopf, aber erhebt euch nie über andere! Geht mit wachem Verstand und mit heißem Herzen! Geht fröhlicher als die Alten durch ihr Leben gehen konnten, weil ihr freier seid, als alle, die vor euch auf unserem Boden gelebt haben, es jemals waren!“ – 1993 in einer Rede anlässlich des 20‐jährigen Bestehens der Bundeswehr-Universitäten [9]

Literatur

  • Christian Zentner; Das Verhalten von Georg Leber analysiert unter dem Aspekt seiner macht-politischen Bedeutung für die deutsche Gewerkschaftsbewegung und die Sozialdemokratische Partei Deutschlands, v.Hase und Koehler, 1966.

Fußnoten

  1. Der Spiegel vom 15. November 1971
  2. Vgl. Christopher Kopper: Die Bahn im Wirtschaftswunder. Deutsche Bundesbahn und Verkehrspolitik in der Nachkriegsgesellschaft. Campus, Frankfurt a.M. 2007, S. 399-418, ISBN 978-3-593-38328-6; ferner http://www.chroniknet.de/indx_de.0.html?article=251701&year=1968
  3. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45922096.html
  4. Am Boden weiß niemand, wie die Lage an Bord ist (nicht mehr online verfügbar), tagesschau.de, 29. Januar 2005
  5. Heiner Emde: Die geheimen Nachrichtendienste der Bundesrepublik Deutschland, Bergisch Gladbach 1979, S. 92/93
  6. Heiner Emde: Die geheimen Nachrichtendienste der Bundesrepublik Deutschland, Bergisch Gladbach 1979, S. 92/93
  7. Heiner Emde: Die geheimen Nachrichtendienste der Bundesrepublik Deutschland, Bergisch Gladbach 1979, S. 92/93
  8. Zitat Horst Ehmke in einem TV-Interview mit Egon Bahr in der ARD Kerner am 5. März 2007
  9. http://www.unibw.de/studber/begruessung/

Weblinks


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