Georg von Arco


Georg von Arco
Georg Graf von Arco (1931)

Der Physiker Georg Wilhelm Alexander Hans Graf von Arco (* 30. August 1869 in Großgorschütz/Oberschlesien (heute Gorzyce/Polen), † 5. Mai 1940 in Berlin) war am 27. Mai 1903 Mitbegründer der Telefunken-Gesellschaft, die damals Gesellschaft für drahtlose Telegraphie hieß. Bis 1930 war von Arco als einer der beiden Geschäftsführer der Gesellschaft für ihren wissenschaftlich-technischen Bereich zuständig und wirkte federführend an der Entwicklung leistungsstarker Sendeanlagen mit. Gemeinsam mit seinem Lehrer Adolf Slaby war er maßgeblich an der Erforschung und Entwicklung der Hochfrequenztechnik in Deutschland beteiligt. Er war Monist und Pazifist. 1921/1922 war er Vorsitzender des Deutschen Monistenbundes

Inhaltsverzeichnis

Anfänge

Graf Georg von Arco kam als Sohn des Reichsgrafen Alexander Karl von Arco auf dem familieneigenen Rittergut in Großgorschütz (Oberschlesien) zur Welt. Er interessierte sich schon als Kind für Maschinen aller Art, studierte nach seinem Abitur auf dem Breslauer Maria-Magdalenen-Gymnasium (1889) aber dennoch nicht Ingenieurwissenschaften, sondern besuchte mathematische und physikalische Vorlesungen an der Universität Berlin und schlug anschließend die Offizierslaufbahn ein. Für seinen Vater war es selbstverständlich, dass die Mitglieder seiner Familie entweder Landwirte oder Offiziere würden. Nach drei Jahren beim Militär änderte von Arco jedoch sein Leben, um von 1893 an der TH Charlottenburg Maschinenbau und Elektrotechnik zu studieren. Dort lernte er auch Professor Adolf Slaby kennen. Slaby war der einzige Ausländer, der an Marconis Sendeversuchen an der englischen Kanalküste teilnehmen durfte.

Atlasplatte am Campanile der Heilandskirche am Port von Sacrow

Aufbauend auf diesen Versuchen diente Arco und Slaby im Sommer 1897 der Glockenturm der Heilandskirche am Port von Sacrow als Antenne, um Marconis Versuche zu verifizieren und zu verstehen. Hier wurde die erste deutsche Antennenanlage für drahtlose Telegraphie errichtet. Am 27. August gelang die Signalübertragung zur 1,6 Kilometer entfernten kaiserlichen Matrosenstation Kongsnaes am gegenüberliegenden Ufer des Jungfernsees in der Schwanenalle in Potsdam.

Eine 1928 von Hermann Hosaeus geschaffene Gedenktafel über der Eingangstür des Campanile weist auf diesen Versuch hin. Im Zentrum der Tafel, die aus grünem Dolomit gearbeitet ist, befindet sich Atlas mit der Weltkugel, umgeben von Blitzen und der Denkschrift: An dieser Stätte errichteten 1897 Prof. Adolf Slaby und Graf von Arco die erste Deutsche Antennenanlage für drahtlosen Verkehr.

Am 7. Oktober 1897 gelang eine erste Funkverbindung von Berlin-Schöneberg nach Rangsdorf und bereits im folgenden Sommer konnte bis in das rund 60 Kilometer entfernte Jüterbog gesendet werden.

AEG

Nach dem Ende seines Studiums ging von Arco 1898 als Ingenieur zum Kabelwerk Oberspree der AEG. Anfangs war Arco als Laboringenieur für die Prüfung verschiedener Kabeltypen zuständig, konnte jedoch durch fortwährenden Kontakt mit Slaby die drahtlose Telegraphie bei AEG einführen und aufbauen.

Telefunken

Patentstreitigkeiten zwischen Siemens und AEG führten dazu, dass beide Firmen auf Geheiß Kaiser Wilhelm II. ein gemeinsames Unternehmen gründeten, die Gesellschaft für drahtlose Telegraphie m.b.H., jene Firma, deren Telegraphenadresse Telefunken sich im Laufe der Zeit als Firmennamen durchsetzte. Arco konnte vor allem in der Anfangszeit der Sendertechnik die Leistung und somit die Reichweite der Sender beträchtlich erhöhen. Hierzu ging er auf den Löschfunkensender von Max Wien über, der schon einmal einen erheblich besseren Wirkungsgrad als der Knallfunkensender von Ferdinand Braun aufwies und zudem auf einen schmalen Frequenzband senden konnte.

Großfunkstation Nauen

Von Arcos größter Verdienst bestand im Ausbau der Großfunkstation Nauen, verhalf er damit doch Telefunken zum Aufstieg zur Weltfirma. 1909 stattete er sie mit einem Löschfunksender aus, womit sie sich von einer Versuchsstation in eine Station mit regelmäßigen Funkverkehr wandelte. Nun konnte mit den Afrikakolonien und der Seekriegsflotte Kontakt aufgenommen werden. Ein Jahrzehnt später, 1918, hatte sich die Sendeleistung sogar verzehnfacht, was allerdings nur mit einer ganz neuen Sendertechnik funktionierte, mit dem schon 1912 eingeführten Hochfrequenz-Maschinensender mit magnetischem Frequenzwandler. Dieser erlaubte erstmals, kaum gedämpfte Wellen mit hoher Leistung zu erzeugen. An dieser Entwicklung war von Arco ganz wesentlich beteiligt, auch regte er gleich nach Aufkommen der Elektronenröhren Experimente damit an.

Philosophisch-weltanschauliche Aktivitäten

Relief am Grabstein

Während Adolf Slaby sich nebenher um die Hochschule bemühte, betrieb von Arco philosophische Aktivitäten. Er schloss sich der Monistenbewegung und dem Berliner Kreis für empirische Philosophie ebenso an wie der pazifistischen Bewegung zur Zeit des Ersten Weltkriegs, so als Gründungsmitglied und Vorsitzender des Bundes Neues Vaterland. Er gehörte dem Deutschen Monistenbund an, dessen Vorsitzender er 1921 bis 1922 war. 1923 war er Mitgründer der Gesellschaft der Freunde des Neuen Russlands, wobei er seinen 60. Geburtstag in Moskau feierte, was für jemanden in seiner Position sehr ungewöhnlich war.

Arco war Beiratsmitglied in der Abraham Lincoln-Stiftung, einer deutschen Zweigstiftung der Rockefeller Foundation.

Tod

Grabstätte Georg Graf von Arco

Nach seinem Tod erhielt von Arco ein Berliner Ehrenbegräbnis. Das gepflegte Grab befindet sich auf dem riesigen Parkfriedhof Südwestkirchhof Stahnsdorf. Am Haus Albrechtstraße 49/50 im Berlin-Tempelhofer Ortsteil Mariendorf brachte der Senat eine Gedenktafel an. In Berlin-Charlottenburg erinnert seit 1950 die Arcostraße, die ehemalige Havelstraße, an den Wegbereiter der Funktechnik. Auch in Nauen - hier hatte Telefunken eine Sendestelle seit Anfang des 20. Jahrhunderts in Betrieb - existiert eine nach ihm benannte Straße.

Siehe auch

Literatur

  • Margot Fuchs: Georg von Arco (1869-1940) - Ingenieur, Pazifist, Technischer Direktor von Telefunken. Diepholz/Berlin: GNT Verlag, 2004, ISBN 978-3-928186-70-4.
  • Reichshandbuch der Deutschen Gesellschaft - Das Handbuch der Persönlichkeiten in Wort und Bild, Erster Band, Deutscher Wirtschaftsverlag, Berlin 1930, S. 32, ISBN 3-598-30664-4

Weblinks


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