Gerd Althoff


Gerd Althoff

Gerd Althoff (* 9. Juli 1943 in Hamburg) ist ein deutscher Historiker.

Gerd Althoff machte 1963 das Abitur am Amtsgymnasium in Ibbenbüren und studierte von 1965 bis 1970 Geschichte und Germanistik in Münster und Heidelberg. 1974 promovierte er bei Karl Schmid in Münster mit einer Arbeit über das westfälische Frauenkloster Borghorst.[1] Für die nächsten sechs Jahre arbeitete er als Wissenschaftlicher Assistent an der Universität Freiburg im Breisgau, wo er sich 1981 habilitierte. 1985 verfasste er zusammen mit Hagen Keller eine Doppelbiographie über Heinrich I. und Otto den Großen.[2] 1986 wurde Althoff als Professor an die Universität Münster berufen; es folgten Lehrstühle an den Universitäten von Gießen (1990) und Bonn (1995), bis er 1997 wieder nach Münster zurückkehrte. Sein Nachfolger in Münster wurde 2011 Wolfram Drews.

Seine Forschungsschwerpunkte sind die Funktionsweisen mittelalterlicher Staatlichkeit, die Konfliktführung und -beilegung im Mittelalter, die Formen und Rahmenbedingungen öffentlicher Kommunikation (so genannte symbolische Kommunikation) sowie die Gruppenbindungen in der Geschichte. Für seine Leistungen erhielt Gerd Althoff 2005 den Forschungspreis der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Althoff ist Mitherausgeber der Frühmittelalterlichen Studien. Er ist Mitglied im Mediävistischen Arbeitskreis der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel, der Vereinigung für Verfassungsgeschichte und im Konstanzer Arbeitskreis für mittelalterliche Geschichte. Zu seinen Schülern zählen Claudia Garnier und Hermann Kamp.

Schriften (Auswahl)

Monografien

  • Das Necrolog von Borghorst. Edition und Untersuchung, Münster 1978, ISBN 3-402-05998-3.
  • Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Studien zum Totengedenken der Billunger und Ottonen, München 1984, ISBN 3-7705-2267-2.
  • zusammen mit Hagen Keller: Heinrich I. und Otto der Große. Neubeginn auf karolingischem Erbe, Göttingen/Zürich 1985, ISBN 3-7881-0122-9.
  • Verwandte, Freunde und Getreue. Zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im früheren Mittelalter, Darmstadt 1990, ISBN 3-534-04125-9.
  • Amicitiae und Pacta. Bündnis, Einung, Politik und Gebetsgedenken im beginnenden 10. Jahrhundert, Hannover 1992, ISBN 3-7752-5437-4.
  • Otto III (Gestalten des Mittelalters und der Renaissance), Darmstadt 1996, ISBN 3-534-11274-1.
  • Spielregeln der Politik im Mittelalter. Kommunikation in Frieden und Fehde, Darmstadt 1997, ISBN 3-89678-038-7
  • Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat, 2. erweiterte Auflage, Stuttgart u.a. 2005, ISBN 3-17-018597-7.
  • Die Macht der Rituale. Symbolik und Herrschaft im Mittelalter, Darmstadt 2003, ISBN 3-534-14749-9.
  • Inszenierte Herrschaft. Geschichtsschreibung und politisches Handeln im Mittelalter, Darmstadt 2003, ISBN 3-534-17247-7.
  • Heinrich IV (Gestalten des Mittelalters und der Renaissance), Darmstadt 2006, ISBN 3-534-11273-3
  • zusammen mit Hagen Keller: Die Zeit der späten Karolinger und der Ottonen: Krisen und Konsolidierungen 888–1024, 10., völlig neu bearbeitete Auflage, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-608-60003-2.

Herausgeberschaften

Literatur

  • Patrick Bahners: Der Listenreiche. Dem Mediävisten Gerd Althoff zum sechzigsten Geburtstag. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. Juli 2003, Nr. 156, S. 33.
  • Eintrag Gerd Althoff. In: Jürgen Petersohn (Hrsg.): Der Konstanzer Arbeitskreis für mittelalterliche Geschichte. Die Mitglieder und ihr Werk. Eine bio-bibliographische Dokumentation, Stuttgart 2001, S. 21–27, ISBN 3-7995-6906-5.
  • Hermann Kamp/ Claudia Garnier (Hrsg.): Die Spielregeln der Mächtigen. Mittelalterliche Politik zwischen Gewohnheiten und Konventionen, Darmstadt 2010, ISBN 978-3-534-23014-3.

Weblinks

Anmerkungen

  1. Das Necrolog von Borghorst. Edition und Untersuchung, Münster 1978.
  2. Gerd Althoff/ Hagen Keller: Heinrich I. und Otto der Große. Neubeginn auf karolingischem Erbe. Bd. 1–2, Göttingen u.a. 1985.

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