Geschichte Stralsunds


Geschichte Stralsunds

Der Artikel Geschichte der Hansestadt Stralsund behandelt die Entwicklung der deutschen Stadt Stralsund. Gegründet als slawische Siedlung im 10. Jahrhundert wurde der Stadt Stralow im Jahr 1234 das Lübische Stadtrecht verliehen. Stralsund kam nach dem Erlöschen des Fürstentums Rügen 1325 an Pommern-Wolgast. Es war seit dem 14. Jahrhundert nach Lübeck die bedeutendste Hansestadt im südlichen Ostseeraum. Vom 17. bis ins frühe 19. Jahrhundert gehörte Stralsund zum Besitz des Königs von Schweden im Heiligen Römischen Reich, danach kam es zu Preußen und war Sitz eines Regierungsbezirkes. Den Status als Kreisstadt verlor Stralsund 1990. Die kreisfreie Hansestadt Stralsund ist seitdem Oberzentrum im Landesteil Vorpommern des deutschen Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern.

Stralsund nach Mattheus Merian d.Ä.

Inhaltsverzeichnis

10. bis 13. Jahrhundert

Slawische Siedlung

Die Insel Rügen und Teile des gegenüber liegenden Festlandes gehörten zum Siedlungsgebiet der slawischen Ranen, die sich bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts ihre politische Selbständigkeit bewahrt hatten und zugleich eine der letzten nichtchristlichen Völkerschaften in Mitteleuropa waren. Im Jahr 1168 endete der jahrelange Zwist mit den christlichen Nachbarn mit dem Sieg des Dänenkönigs Waldemar I. über die Ranen und der Eroberung ihres Hauptheiligtums, der Jaromarsburg am Kap Arkona. Nach dem Sieg der Dänen wurden die slawischen Fürsten Lehnsleute der dänischen Krone und nahmen den christlichen Glauben an. Die Fürsten zogen nunmehr gegen die pommerschen Umlandgebiete zu Felde und sannen darauf, ihre Macht auch auf dem Festland auszubauen. Die Siedlung Strale lag strategisch günstig an der Kreuzung der Handelswege zwischen Rostock, Demmin, Rügen und Stettin. Die vorgelagerte Insel Stralow bot einen natürlichen Hafen, was einer der Gründe für die Stadtansiedlung gewesen ist.

Der Geschichtsschreiber Saxo Grammaticus berichtet, dass die Dänen schon im 12. Jahrhundert die Insel Stralow als Liegeplatz für ihre Schiffe bei Kriegszügen ins Landesinnere nutzten.[1] Auf dieser Insel befand sich lange vor der Gründung der Stadt ein slawisches Fischerdorf, welches im Laufe der Zeit gewachsen war. Als gesichert gilt, dass es sich hier zum Zeitpunkt der Stadtgründung bereits um eine große Siedlung handelte. Dazu kam der Umstand, dass die vorhandenen Sümpfe und Teiche (die Stadtteiche wurden erst später in ihrer noch heute bekannten Form ausgebaut) eine Verteidigung erleichterten. Nicht zuletzt war die Lage am Strelasund positiv zu werten, da sie die Zufahrt zur Ostsee nach zwei Seiten ermöglichte. Dazu kamen die reichen Heringsbestände der Gewässer, die Handel ermöglichten. Viele Kaufleute siedelten sich an, weil sie in den Fischbeständen der umliegenden Gewässer ihre Handelsgrundlage sahen.

Urkunde der Stadtrechtsverleihung von 1234

Stadtrechtsverleihung

Die Siedlung wurde gefördert; mit der Christianisierung strömten deutsche Kaufleute aus dem westelbischen Raum nach Pommern, die neben ihren Erfahrungen und Beziehungen auch ihre eigenen bewährten Rechtsvorschriften mitbrachten und somit eine gute Grundlage für die Ausbildung von Handelsstrukturen schufen. Am 31. Oktober 1234 verlieh der slawische Fürst Wizlaw I. zu Charenza (Rügen) dem Fischerdorf Stralow am Strelasund das Lübische Stadtrecht mit folgendem Text:

„Witzlaw, von Gottes Gnaden Fürst der Ruianer, allen Getreuen, zu denen das gegenwärtige Schreiben gelangt, Gruß im Herrn. Wir wollen es allen, sowohl dem gegenwärtigen wie dem künftigen Geschlecht kund getan haben, dass wir unserer Stadt Stralow dieselbe Gerechtigkeit und Freiheit verliehen haben, welche der Stadt Rostock verliehen ist. Auf dass nun diese von uns gegebene Zusage fest und unverbrüchlich gehalten werde, bestätigen und bekräftigen wir sie durch gegenwärtiges Schreiben und Anhängung unseres Siegels. Gegeben zu Charenz, im Jahre der Gnade 1234, am 31. Oktober.“

Die Urkunde besteht aus einem lediglich 5,5 x 15 Zentimeter großen Pergamentstreifen. Unüblich sind aber nicht nur der spärliche Inhalt und die Größe, sondern auch, dass keine Zeugen für diesen Akt benannt sind. Die Urkunde wird im Stadtarchiv Stralsund verwahrt.

Die Stadtgründung erfolgte von Seiten der rügenschen Fürsten nicht selbstlos: Der Handel sollte der wirtschaftlichen Entwicklung dienen und die zu erwartenden Abgaben der fürstlichen Kasse (gemäß der damals geltenden Kastellaneiverfassung unterstand ein Dorf dem jeweiligen Landvogt, eine Stadt aber direkt dem Fürsten). Beide Konzepte gingen auf. Auch die Stralsunder Kaufleute profitierten, da mit der Verleihung des Stadtrechts auch eine Zollfreiheit einherging.

13. bis 16. Jahrhundert

Deutsche Besiedlung

Im Zuge der Christianisierung kamen bald Menschen aus den westelbischen Gebieten: Niedersachsen, Westfalen, Holsteiner, Friesen, Holländer und Flamen zogen in den ostelbischen Raum. Nach und nach nahmen sie Besitz von den neuen Siedlungsräumen, wie die Gründungswelle der Städte entlang der Ostseeküste belegt. Aus der Stadtgründungsurkunde geht hervor, dass es sich bei den Gründern Stralsunds wohl um Rostocker Kaufleute handelte. Dazu kamen weitere Einwanderer. Anhand der Namen im Stadtbuch von 1270 und im Bürgerbuch ab 1319, die oft auf die regionale Herkunft deuteten, ist erkennbar, dass knapp ein Drittel aus dem direkten Umland (Festland und Rügen) stammte und zwei Drittel aus ferneren Gegenden – bis hin nach Nowgorod, Italien, Böhmen – zugezogen waren.[2] Obwohl die Stadt auf ehemals slawisch besiedeltem Territorium lag, überwog schon bald der Anteil der Deutschen. Dabei mussten sich die Slawen bald den deutschen Zuwanderern in Sprache und Lebensweise anpassen.

Am 25. Februar 1240 stellte Fürst Witzlaw I. auf seinem Prohner Schloss eine zweite Urkunde aus, die bedeutsam für Stralsund war. In einem späteren Text nannte Witzlaw I. nochmals die Stadtrechtsverleihung nach Rostocker Vorbild, erwähnt wurde zudem erstmals der Name Stralesund als Stadtname. Der Stadt wurden in der Urkunde das Fährdorf (antiquus navalis transitus) gegen Zahlung von neunzig Mark rügenscher Münze übereignet und die Insel Strale sowie Wälder (heute: Frankenvorstadt) und Äcker (heute: Kniepervorstadt) innerhalb der Stadtgrenzen geschenkt. Zusätzlich gestattete die Urkunde den Stralsundern freien Fischfang und freie Jagd auf Niederwild. Sie garantierte ebenfalls Zollfreiheit im gesamten Fürstentum. Schnell entwickelte sich die junge Stadt zu einem aufblühenden Handelsstandort. Ebenso schnell gab es Neid von Seiten der Kaufleute anderer Städte. 1249 überfiel eine Flotte der Hansestadt Lübeck unter Alexander von Soltwedels unerwartet die Stadt und legte sie in Schutt und Asche. Die Stralsunder bauten die Stadt schnell wieder auf.

Die Anlage der Stadt

Die ursprüngliche Altstadt reichte bis an die Linie der heutigen Straßen Papenstraße und Apollonienmarkt. Der Aufbau der Altstadt, ausgehend vom heutigen Alten Markt als damaligem Stadtzentrum, erfolgte mit beeindruckenden Bauten. So findet sich hier die Nikolaikirche (erstmals erwähnt 1276) sowie das direkt angrenzende Stralsunder Rathaus, welches ursprünglich durch viele Händler im langen inneren Gang geprägt war. Das Gebiet südwestlich dieser Linie gehörte zunächst weiterhin dem Rügenfürsten, der hier vermutlich schon seit 1242 seine Curie (Niederlassung) hatte[3] und im Jahr 1251 ein Dominikanerkloster gründete.[4] Da die ursprüngliche Altstadt bald an ihre räumlichen Grenzen stieß, siedelten sich die Bürger auch in der Neustadt an. Diese wird 1256 erstmals urkundlich erwähnt.[5] Im Jahre 1270 war erstmals vom Neuen Markt die Rede[6], an welchem 1298 die Marienkirche urkundlich erwähnt wird. Diese Pfarrkirche lässt schon bald die bisherige Peter-und-Paul-Kirche in Vergessenheit geraten. Heute ist von dieser Pfarrkirche nichts mehr erhalten; vermutlich befand sie sich an der Ecke Franken- und Badstüberstraße.

Beide Teile der Stadt wurden ab 1261 durch einen gemeinsamen Befestigungsring geschützt, der Ende des 13. Jahrhunderts fertiggestellt wurde. Als günstig erwies sich dabei die Insellage der Stadt, die von allen Seiten durch Wasser (Strelasund, Teiche) begrenzt wurde. Insgesamt 22 Stadttore (sechs Wassertore und fünf Landtore, jeweils als Doppeltor angelegt) existierten in der Stadtmauer.

Da die räumliche Situation in der Altstadt auf Grund des prosperierenden Handels immer knapper wurde, begann in den 1260er Jahren die Erweiterung, die zum Ende des 13. Jahrhunderts das Zusammenwachsen von Alt- und Neustadt bedeutete. 1271 wurden große Teile der mit viel Holz gebauten Stadt durch ein Feuer (ohne Fremdeinwirkung) zerstört. Auch jetzt wurde die Stadt erneut aufgebaut – diesmal mit einem erheblich größeren Anteil an Backsteinbauten, für die Stralsund berühmt werden sollte. Drei Ziegeleien gab es 1283 in Stralsund.[7]

Im Jahr 1269 gab Fürst Wizlaw II. urkundlich bekannt, dass er der neuen Stadt Schadegard („Graue Burg“) die Stadtrechte entziehen und sie „zum Gedeihen und Nutzen seiner geliebten Bürger zu Stralsund aufgeben“ werde („propter melius bonum et propter utilitatem futuram […] burgensium nostrorum videlicet dilecttorum Stralesund“). Einige Historiker vermuten eine Identität der Neustadt mit Schadegard. Dem steht die urkundliche Erwähnung der Neustadt als solche um 1256 entgegen.

Obwohl sich die Stadt Stralsund recht schnell entwickelte, waren doch in den ersten 50 Jahren innerhalb der Stadtgrenze noch viele Flächen unbebaut, sogar Weiden sind verzeichnet. Die Grundlage für die Versorgung der Stralsunder mit Lebensmitteln wurde auf der so genannten Feldmark geschaffen, deren Äcker, Weiden und Gärten Bürgern der Stadt sowie so genannten Ackerbürgern gehörten. Sowohl die Herstellung von Lebensmitteln (Getreide z. B. wurde zum Teil direkt in der Stadt verarbeitet, wie noch heute der Name Mühlenstraße belegt) als auch die zahlreichen anderen Gewerke waren zumeist in kleineren Betrieben angesiedelt. Die Stralsunder Ziegeleien allerdings produzierten gewaltige Mengen, was vor allem auf die große Nachfrage nach dem Wiederaufbau der Stadt in Backstein nach dem 1271er Stadtbrand und auf die Errichtung der steinernen Wehr zurückzuführen ist.

Das Bierbrauen erfolgte ebenfalls in großem Stil, wie das Vorhandensein eines im ersten Stadtbuch erwähnten Hopfenmarktes und die grundsätzlich große Bedeutung der Bierherstellung auch für den Export vermuten lassen. Ebenso war der Charakter als Seestadt prägend für weitere Handwerkszweige wie das Schiffbauerhandwerk. Die ersten Aufzeichnungen der Stralsunder Geschichte berichten zwar erst 1393 von acht Werften auf dem Gebiet der heutigen Frankenvorstadt[8], aus anderen Aufzeichnungen jedoch kann geschlossen werden, dass schon vor der Stadtgründung Schiffe gebaut worden sind. Aus Wismar ist belegt, dass dort um 1284 Stralsunder Schiffe gekauft worden sind. Aber auch alle Handwerke rund um Schiffbau und Handel hatten sich in Stralsund angesiedelt, so beispielsweise Böttcher, denn der Handel mit nahezu allen Produkten erfolgte damals in Tonnen und Fässern. Des Weiteren gab es natürlich Fischer, Fleischer, Bäcker, Schneider, Schuhmacher, Gerber, Weber, Färber, Maurer, Zimmermänner, Schmiede, Korbmacher, Kesselmacher und viele mehr.

Handel und Gewerbe

In der Politik spielten die Handwerker keine bedeutende Rolle. Das Lübische Stadtrecht untersagte die Mitgliedschaft von Angehörigen der Handwerkerschaft im Rat der Stadt. Dies führte im Laufe der Jahre immer wieder zu Streit mit den Kaufleuten, die im Rat die Geschicke der Stadt bestimmten. Diese exportierten vor allem landwirtschaftliche Produkte, Brenn- und Bauholz, Fisch, Tran, Getreide, Hopfen, Rinder und Schweine sowie Bier. War anfangs noch der Handel hauptsächlich auf die einheimischen Produkte beschränkt, wurde die Palette alsbald insbesondere im Fernhandel erweitert und umfasste bald schon Nowgoroder Pelze und Wachs, lettischen und estnischen Hanf, schonische Heringe, englische Wolle, flandrische Tuche, schwedisches Eisen, preußisches Getreide und vieles andere mehr. Die Stralsunder Kaufleute waren dadurch zu Zwischenhändlern geworden, was mehr Profit versprach.

Da Stralsund auf dem Gebiet eines dänischen Lehens lag, war es nahezu selbstverständlich, dass die Stralsunder ihre ersten Handelsbeziehungen nach dort knüpften. Nachgewiesen sind diese erstmals im Jahr 1249. Für dieses Jahr belegte eine Urkunde, dass Schiffbrüchige aus den rügenschen Fürstentümern vom Strandrecht auszunehmen waren. Sehr wichtig für die Kaufleute der Stadt waren die Beziehungen nach Flandern. Brügge galt damals als größter Handelsort nördlich der Alpen, die flandrischen Tuche waren extrem wertvoll. Allerdings galt das Interesse nicht nur den Tuchen, sondern auch dem Aufbau und der Pflege von Handelsbeziehungen zu Kaufleuten aus Spanien, Italien, Frankreich und dem süddeutschen Raum. Handelsbeziehungen existierten ferner nach England und Schweden, Probleme bereiteten die Beziehungen nach Norwegen. Dafür lief das Geschäft mit Händlern aus dem baltischen Raum hervorragend. Nowgorod, Riga, Reval und Pskow waren Ziele von Fernreisen. Dass gerade der Handel mit Nowgorod (Peterhof) bedeutende Gewinne erbrachte zeigt noch heute das Nowgorodfahrergestühl in der Nikolaikirche. Wichtigste Gilde der Kaufmannschaft war zu damaliger Zeit in Stralsund die der Gewandschneider.

Die erstarkende Wirtschaftskraft brachte den Vorteil mit, dass sich die Stralsunder von ihren Landesherren, den rügenschen und später den pommerschen Fürsten, weitreichende Privilegien erkaufen konnten, die schon beinahe an eine Autonomie heranführten. Allerdings blieb Stralsund der rechtliche Status einer Freien Stadt, wie ihn Lübeck oder Hamburg erreichten, immer verwehrt – dafür spielte Stralsund eine zu große strategische Rolle in den Plänen der jeweils Herrschenden.

Mit der zweiten Verleihung des Stadtrechts im Jahr 1240 hatte Stralsund vom Fürsten Wizlaw I. an das Stadtgebiet angrenzenden Wald sowie die Feldmark des alten Fährdorfes erworben und zudem neben der Insel Strale Äcker und Weiden geschenkt bekommen. Diese Stadtfeldmark genannten Flächen wurden an Stralsunder Bürger verpachtet. Die in Geld oder Naturalien zu entrichtende Pacht bildete schnell eine der Haupteinnahmequellen der Stadt neben dem Zoll auf Waren und den Verbrauchssteuern und Mieten. Städtischer Grundbesitz wurde in Zeiten dringenden Geldbedarfs ausschließlich an Stralsunder Bürger verkauft, gemäß Lübischem Recht war der Verkauf an „Geistliche, Ritter oder Ritterbürtige“ untersagt: Die Bürgerschaft wollte einmal gewonnenes Eigentum keineswegs wieder an Adlige oder die Kirche abtreten.

Noch im 13. Jahrhundert dehnte die Stadt ihren Grundbesitz deutlich über die einstigen Grenzen der Feldmark aus. 1290 wurden die Dörfer Voigdehagen und Lüdershagen erworben. Von Wizlaw I. ließ sich die Stadt das Eigentum nochmals schriftlich bestätigen und dazu das Recht einräumen, auch künftig Erwerbungen von Grundbesitz außerhalb der Stadtmauern zu tätigen. 1301 kam das Dorf Vogelsang, 1302 Lüssow in städtischen Besitz. 1306 erwarb Stralsund Weideland auf dem Zingst, 1321 dann auch die Dörfer Devin, Tessekenhagen, Zitterpennigshagen, Wendorf, Lützow, Langendorf und Kedingshagen. Die Erweiterung der Besitztümer der Stralsunder Bürgerschaft brachte weitere Pachteinnahmen und zudem eine gewisse Sicherheit, da nun alle nach Stralsund führenden Wege zumindest zu einem Teil im Besitz Stralsunds waren. Für die Einwohner der Dörfer änderte sich jedoch wenig: Die Abgaben waren lediglich an neue Herren zu entrichten.

Mitglied der Hanse

Die (Gründungs-)Mitgliedschaft und teilweise bedeutende Rolle in der Hanse prägten den Charakter der Stadt, gaben ihr ein Selbstverständnis, welches sich wiederum in einer Zunahme der politischen und wirtschaftlichen Macht niederschlug. Mit der Stadtgründung wurden wirtschaftliche Interessen der anderen Ostseestädte berührt: So hatte Lübeck bis dato diverse Handelsprivilegien im Fürstentum Rügen inne, die zwar offiziell nicht endeten, durch die Existenz eines aufstrebenden Konkurrenten jedoch faktisch beschnitten wurden. Im Jahre 1249 eroberte Lübeck mit seiner Flotte nach dem Sieg über den Dänenkönig und der Eroberung des Kopenhagener Schlosses die neue Konkurrentin am Strelasund und brannte sie nieder. Stralsund wurde wieder aufgebaut, andere Konkurrenten wie Schadegard durch Einflussnahme der Stralsunder beim rügenschen Fürsten verdrängt. Den Handel treibenden Bürgern der Städte entlang der Ostseeküste jedoch war klar, dass ihr Wohl eher in einem Zusammengehen als in ewigem Zwist liegen würde; nur so konnten sie auch langfristig ihre Interessen gegen die der Adligen durchsetzen. 1265 schloss Stralsund einen Vertrag mit Demmin und 1267 mit Tribsees, in welchen weitgehende Rechtshilfen besiegelt wurden. 1278 erwarb Stralsund zusammen mit Lübeck, Rostock, Wismar und Greifswald die Zollfreiheit auf den Märkten in Hvidanger (Dänemark). 1283 waren es wieder diese Städte sowie Stettin, Demmin und Anklam, die im Rostocker Landfrieden Verträge mit den Landesfürsten schlossen. Darin wurde den Städten erstmals auch das Recht eingeräumt, Bündnisse zu schließen.

Bereits Ende 1283 bewährte sich dieses Bündnis erstmals in der Blockade der norwegischen Häfen im Streit zwischen Norwegen und den deutschen Handelsstädten. 1293 verpflichteten sich Stralsund, Lübeck, Rostock, Wismar und Greifswald zu gegenseitigem Beistand, was nach diplomatischen Maßnahmen der Städte füreinander auch das Aufstellen gemeinsamer Kriegsflotten vorsah. Der Grundstein für die Städtehanse („Hanse“ bedeutet „Schar“) war gelegt.

In der Folgezeit offenbarten sich immer wieder die großen Vorteile, die das Bündnis für die Handelsstädte bot. So wurden den deutschen Hansestädten in Norwegen günstige Zölle eingeräumt; 1358 sicherte König Magnus den Stralsunder Bürgern seinen besonderen Schutz zu, sofern sie Norwegen als Handeltreibende besuchten. Auch im Handel mit England war die Hanse ein Trumpf für die Kaufleute. Und als es im Handel mit Flandern 1356 zu Streitigkeiten um das Hansekontor in Brügge kam, die durch diplomatische Bemühungen nicht bereinigt werden konnten, wendeten die Hansestädte das bewährte Mittel der Blockade an: 1360 gab Flandern den Hansestädten nach. Weitere Handelspartner waren Kaufleute aus Westfalen (auch auf dem Landwege wurden Waren gehandelt, so sind rege Geschäfte der Stralsunder Kaufleute mit Dortmund und Soest belegt), Elbing, Kolberg, Litauen und Nowgorod.

Mit dem Handel entwickelte sich auch das produzierende Gewerbe. Diese Handwerker hatten sich in Ämtern (Zünfte) organisiert, die nach Gewerken unterschieden wurden. Erstes nachweisbares Amt in Stralsund war das der Schumacher, welches 1290 belegt ist. An der Spitze der Ämter standen die gewählten Altermänner (Zunftvorsteher). Im Gegensatz zu den Kaufleuten hatten jedoch die Ämter keinerlei politische Mitbestimmung. Das Lübische Recht gestattete nur Kaufleuten die Erlangung der Mitgliedschaft im Rat der Stadt. Altermänner konnten nur im Beisein eines Ratsherren gewählt werden und mussten den Beschlüssen der Ratsherren stets nachkommen. Widerspruch wurde hart bestraft: 1340 wurde ein Böttchermeister, der die Absetzung des mit der Zustimmung des Rates gewählten Altermannes seines Amtes gefordert hatte, aus der Stadt verbannt. Die Aufnahme in ein Amt war streng reglementiert. Der um Aufnahme bittende Handwerker musste seine eheliche und vor allem freie Geburt nachweisen, ein Meisterstück vorweisen, einen finanziellen Obolus an das Amt und eine Weinspende an die Altermänner entrichten, das Bürgerrecht vor dem Rat erwerben und ein bestimmtes Vermögen nachweisen. Die Zahl der Mitglieder eines Amtes war begrenzt. Die Ämter legten zudem fest, wie viele Gesellen die Meister beschäftigen und wie viele Aufträge sie annehmen durften. Streitigkeiten hatten zuerst den Altermännern vorgetragen zu werden, bevor der Rat angerufen wurde. Dies ergab sich aus dem Lübschen Recht, das den Ämtern die sog. Morgensprache (morgensprak) einräumte. Hierbei handelte es sich um die Regelung innerer Angelegenheiten auf Versammlungen der Ämter.

Die Städte waren in einer fatalen Situation, die aus ihrer Lage innerhalb von Ländern feudaler Herrscher wie z. B. der Dänen resultierte. Diesen gaben sie Geld gegen Privilegien. Als sich die Fürsten und Könige wiederum ihrer Einflussnahme auf die reichen Städte weitgehend beraubt sahen, machten diese mobil gegen die Seestädte: 1311 zog im Markgrafenkrieg eine vereinigte Streitmacht aus Dänemark, Sachsen, Braunschweig, Thüringen, Meißen, Polen, Brandenburg, Holstein, Magdeburg, Bremen und Wittenburg zuerst gegen Wismar und Rostock, die von den Streitmächten erobert wurden. Stralsund kaufte sich 1313 frei und verzichtete auf einen Großteil seiner bisherigen Privilegien. Schon drei Jahre später aber hatte sich die Lage wiederum grundlegend geändert: Nachdem sich Stralsund mit den Brandenburgern verbündete, wurde 1316 die Belagerung Stralsunds durch dänische und mit den Dänen verbündete Truppen gebrochen. Die Gefangennahme des Herzogs von Sachsen-Lauenburg brachte der Stadt hohe Lösegelder (wahrscheinlich wurde davon der Schaugiebel des Rathauses finanziert), nach dem Bruch der Koalition gegen Stralsund konnte die wiedererstarkte Stadt ihre Privilegien sogar noch ausbauen, so erwarb Stralsund den Stralsunder und rügenschen Zoll sowie die Münze im Fürstentum, dazu die Schirmherrschaft über die Schulen und die fürstlichen Mühlen vor der Stadt.

Nachdem mit dem Tode des rügenschen Fürsten Wizlaw III. die Besitzfrage über das Fürstentum aufkam, verbündeten sich Dänen und Mecklenburger zur Übernahme der Macht dort. Stralsund schlug mit dem holsteinischen Verbündeten jedoch 1327 die Mecklenburger, das Fürstentum Rügen vereinigte sich mit dem Herzogtum Pommern-Wolgast. Nach dem Ende dieser langen kriegerischen Auseinandersetzungen, die die wirtschaftliche Entwicklung stark gehemmt hatten, blühten der Handel und die Wirtschaft Stralsunds schnell wieder auf. Durch das dank der Vereinigung der Länder erweiterte Wirtschaftsgebiet und den Ausbau des Fernhandels hatte Stralsund große Vorteile. Der Ostseehandel bekam jedoch mit den Auseinandersetzungen zwischen dem König Magnus von Schweden und Norwegen und dem holsteinischen Herrscher in Dänemark einen Dämpfer, da sich Piraterie immer mehr zum Hindernis entwickelte. Erst 1343 konnten die Mitgliederstädte der Hanse in einem Vertrag mit König Magnus diese Hindernisse abstellen.

Urkunde des Stralsunder Friedens von 1370

Der Stralsunder Frieden von 1370

Der dänische König Waldemar IV. hatte sein Land von der Fremdherrschaft befreit und damit auch den Handel auf der Ostsee wieder sicherer gemacht. Mit der Eroberung Schonens und der Brandschatzung Visbys (Gotland) sowie der Wegnahme bedeutender Privilegien waren die Hansestädte in ihrem Handel stark eingeschränkt. Sie erklärten den Dänen 1361 den Krieg, wurden jedoch 1362 im Strelasund geschlagen. Der 1365 geschlossene Frieden von Vordingborg blieb Makulatur, da die Dänen weiterhin den Handel der Hanse stark behinderten. Auf dem Hansetag 1367 in Köln fand sich ein Bündnis (die „Kölner Konföderation“)zusammen, welches aus bis zu 57 Hansestädten bestand (die wiederum 1368 ein Kriegsbündnis mit König Albrecht von Schweden, norddeutschen und sogar dänischen Fürsten schlossen) und schon bald große Erfolge errang. 1369 bat Dänemark die verbündeten Städte um Frieden. Stralsunds Rolle im Wendischen Quartier der Hanse war zu dieser Zeit zweifellos gleich hinter Lübeck anzusetzen. In beiden Kriegen gegen Dänemark hatte Stralsund eine bedeutende Rolle gespielt und auch große finanzielle und materielle Beiträge geleistet. Auch politisch war Stralsunds Rolle offenbar stark: Zwischen 1358 und 1370 wurden 20 Hansetage hier abgehalten, dagegen 18 in Lübeck, 14 in Rostock und je sechs in Wismar und Greifswald.

Diese politische Rolle fand ihren Ausdruck daher zu Recht in der Wahl Stralsunds für die Besiegelung der Ergebnisse der Verhandlungen mit dem dänischen Rat. Da den Hansestädten im Gegensatz zu ihren Kriegsverbündeten nicht der Sinn nach Herrschaftsgebieten, sondern hauptsächlich nach Vorteilen für den Handel stand, konnten sie dem ohnehin nachgiebigen Gegner Dänemark die eroberten Gebiete in Schonen überlassen und sicherten sich ihre früheren Privilegien wieder. Am 24. Mai 1370 besiegelten der Vertreter des Reichsrates des Königreichs Dänemark und die in der Kölner Konföderation vereinigten Städte den Stralsunder Frieden, welcher endgültig die starke Rolle der Städte belegte.

Die Stadtverfassung von 1391

Nach dem Sieg über Dänemark blühte der Handel erneut auf. Von diesem Aufschwung profitierten nahezu alle Schichten in Stralsund. Politisch jedoch war weiterhin einzig der Rat bestimmend, weder die Ämter noch andere Handwerker hatten Mitbestimmungsrechte. Dies führte in allen Hansestädten zu Unruhen, die sich 1391 auch in Stralsund in Erhebungen äußerten. Die Stralsunder Ratspolitik bestimmte seit 1361 maßgeblich der Bürgermeister Bertram Wulflam mit. Zwischen 1361 und 1385 nahm er als Vertreter Stralsunds an 59 Hansetagen teil, in den beiden Kriegen gegen Dänemark hatte er sich großes Ansehen erworben und seine Macht gefestigt. Am Alten Markt hatte er sich gegenüber dem Rathaus ein noch heute erhaltenes Handels- und Wohnhaus (Wulflamhaus) bauen lassen, dessen Front bewusst dem Rathaus zugewandt war. Sein Handeln wurde immer diktatorischer und selbstherrlicher. Zudem erregte auch sein Sohn Wulf Wulflam mit seiner Herrschsucht und Willkür Aufruhr. Während Bertram Wulflam immerhin durch seine Leistungen für Stralsund Ansehen genoss, konnte Wulf Wulflam, der seine politischen Ämter auf Betreiben seines Vaters erhalten hatte, nicht mit Erfolgen aufwarten. Eine von ihm befehligte Streitmacht, die gegen Seeräuber vorgehen sollte, scheiterte 1385. In der Folge mussten die Hansestädte 1386 mit den adligen Seeräubern ein demütigendes Waffenstillstandsabkommen abschließen. Unfrieden zog in Stralsund ein und brachte den Rat dazu, den Wulflams nicht gewogene Ratsherren aufzustellen. Einer von ihnen war Karsten Sarnow, der 1391 in einem Unternehmen gegen Seeräuber diese vernichtend schlagen konnte, was ihm in Stralsund einen guten Stand sicherte. Sarnow, in Opposition zu den Wulflams und der hergebrachten Stadtverfassung stehend, erzwang am 2. Mai 1391 eine Reform dieser Stadtverfassung.

Alle geltenden Ratsverfassungen (willköre) wurden außer Kraft gesetzt und u. a. eine Vertretung der Altermänner, die Gemeindealtermännervertretung, geschaffen. Damit gewannen die Ämter erstmals einen bescheidenen Einfluss auf die Geschicke der Stadt. 1391 gab es eine Missernte, was zu wirtschaltlichen Schwierigkeiten und Verdruss führte. Die Bemühungen der aus der Stadt vertriebenen Wulflams bei den anderen Städten der Hanse führten am 18. Oktober 1392 sogar soweit, dass Stralsund der Ausschluss aus der Hanse angedroht wurde, sofern nicht die alte Verfassung wieder hergestellt würde. Die Stimmung in Stralsund wendete sich gegen Sarnow; er wurde am 21. Februar 1393 auf dem Alten Markt hingerichtet. Die Stadtverfassung wurde kassiert.

Frieden zog nach Stralsund weiterhin nicht ein. Stets gab es Auseinandersetzungen der Stralsunder mit ihren Landesherren oder fremden Mächten, aber auch intern waren Streitigkeiten anhängig. So etwa 1407, als die Stralsunder im Papenbrand thom Sunde drei Priester verbrannten, denen sie Hochmut vorwarfen. Im Streit zwischen Dänemark und Holstein zu Beginn des 15. Jahrhunderts versuchten beide Herrscher, die Hanse auf ihre Seite zu ziehen. 1423 schloss die Hanse ein Bündnis mit dem dänischen König Erich, das dieser allerdings schon 1426 brach, indem er strikte Handelsbeschränkungen wie den Sundzoll erließ, die die Hanse schwer trafen. Am 22. September 1426 schlossen Lübeck, Hamburg, Lüneburg, Wismar, Rostock und Stralsund ein Kriegsbündnis gegen König Erich und verbündeten sich alsdann mit den Herzögen von Schleswig. Nur 18 sächsische Hansestädte schlossen sich dem Bündnis an, die preußischen Städte verweigerten die Zusammenarbeit, und auch die beiden Mitglieder des wendischen Viertels, Greifswald und Anklam, verweigerten sich. Diese beiden wurden daraufhin aus der Hanse ausgeschlossen. Stralsund stand unter pommerscher Landesherrschaft, die wiederum eng mit Dänemark verbandelt war. Diplomatischer Druck von dieser Seite wurde jedoch seitens Stralsunds zurückgewiesen.

1427 brachen die Auseinandersetzungen aus. Nach anfänglichen großen Erfolgen der Hansestädte wendete sich schnell das Blatt. Am 11. Juli 1427 erlitt die 36 Schiffe starke Flotte der Hanse unter Kommando des Lübecker Bürgermeisters Tidemann Steen im Strelasund eine schwere Niederlage. In den Städten wurde Protest laut gegen den Rat, so auch in Stralsund. Im Januar 1427 bildete sich eine oppositionelle Gruppe unter Führung der Brauer, die allerdings niedergeschlagen wurde. Trotz der Unruhen aber wurde der Krieg weitergeführt. Kaperkrieg und Angriffe auf Dänemark und Norwegen wurden forciert. Im Gegenzug rüstete Dänemark eine mit 77 Schiffen enorm starke Flotte aus, die am 5. Mai 1429 Stralsund angriff. Vollkommen überrumpelt, gab es keinerlei nennenswerte Gegenwehr. Die Dänen kaperten die Stralsunder Schiffe; einige entführten sie, die anderen wurden in Brand gesetzt. Da sich die Dänen aber für ihre Rückfahrt einige Tage Zeit ließen, die sie zum Brandschatzen und Räubern im Strelasund nutzten, konnten die Stralsunder sechs neu im Hafen eingetroffene Schiffe aus Wismar bzw. Lübeck zu Kriegsschiffen umrüsten und gegen die dänische Riesenflotte ziehen lassen. Dies wurde ein Erfolg, dem die Dänen sich nur durch Flucht und unter großen Verlusten an Menschen und Schiffen entziehen konnten. Zum Andenken an diesen Erfolg nannten die Stralsunder fortan die Insel Strale den Dänholm. Die folgende Zeit war durch Diplomatie bestimmt. Im Jahr 1430 schloss Stralsund einen Separatfrieden mit König Erich ab, der bei den Bündnispartnern Widerstand weckte. Stralsund jedoch hatte guten Grund für diesen Frieden, da es durch den Krieg mehr als die Partner auch wirtschaftliche Nachteile hatte, verlagerten sich doch die Handelswege auch der neutralen Städte vom Strelasund auf den Landweg. Mit diesem Frieden stand Stralsund nun allerdings zwischen den Parteien, und erst mit dem Frieden König Erichs mit allen Hansestädten, dem Frieden von Vordingborg (1435) wurde die Lage wieder besser. Es hatte sich gezeigt, dass die Hanse keineswegs so einig war wie in den Anfangsjahren.

Blütezeit

Das 15. Jahrhundert wurde zur Blütezeit Stralsunds. Fernhandel und Schifffahrt waren die wichtigsten Handelszweige. Zu den bisherigen Handelspartnern traten Schottland und Spanien. 350 Kaufleute betrieben um 1450 den Fernhandel, davon gehörte die Hälfte zu den Gewandschneidern. 13 Werften verzeichnet das Stadtbuch um 1421. 1488 gründen 50 Schiffer die St. Marienbruderschaft der Schiffer in Stralsund, den Vorläufer der Stralsunder Schiffercompagnie, die noch heute existiert. Die Stralsunder besaßen das Handelsmonopol auf der gesamten Insel Rügen und geboten über beide Fährverbindungen zwischen Rügen und dem Festland, nämlich der Fähre zwischen Altefähr und Stralsund (Strelasundquerung) und zwischen Glewitz und Stahlbrode. Das Bauwesen erlebte einen gewaltigen Aufschwung, sowohl durch die Erneuerung der bestehenden und den Aufbau weiterer Festungsanlagen als auch durch den Bau prächtiger Giebelhäuser durch Stralsunder Kaufleute. Auch die Schaufassade des Rathauses wurde nun errichtet. Ebenso wurden die Stralsunder Kirchen ausgebaut (bzw. die Marienkirche wieder aufgebaut).

Erst im 15. Jahrhundert wird in Stralsund auch buchstäblich Geschichte geschrieben. Umfangreiche Aufzeichnungen, wie sie etwa in Lübeck überliefert sind, gibt es leider aus Stralsund nicht. Nur zwei sehr kurze Chroniken eben aus dem 15. Jahrhundert, geschrieben wahrscheinlich von Mönchen, sind erhalten geblieben und zeugen u. a. von der Installation der Uhr an der Marienkirche im Jahre 1411 oder dem Bau einer Wasserleitung 1418. Eine dritte Chronik existiert nur noch in Fragmenten – möglicherweise aber war gerade diese sehr viel umfangreicher als die beiden anderen. Bei der Erforschung der Stralsunder Geschichte ist man somit zumeist auf Quellen anderer Städte angewiesen. Allerdings bieten erhalten gebliebene Stadtbücher durchaus wichtige Anhaltspunkte. Zudem ist das Stralsunder Stadtarchiv sehr umfangreich, es beherbergt z. B. die älteste papierne Urkunde Dänemarks.

Am Ende des 15. Jahrhunderts offenbarte sich immer mehr der Konflikt zwischen den Städten und den umgebenden Fürstentümern. Bogislaw X. Herzog von Pommern (1474–1523) zentralisierte sein Reich und erteilte damit den pommerschen Städten, die nach mehr Unabhängigkeit strebten, eine Abfuhr. Er erhöhte die Zölle, nahm selbst Handelsbeziehungen zu fremden Ländern auf und ließ Ländereien, die schon einmal an Bürger verkauft worden waren, einziehen und dann an die Bürger verpachten. Nur unter großen Anstrengungen gelang es Stralsund, seine Privilegien bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts zu bewahren.

Aus einem erhalten gebliebenen Steuerregister vom Beginn des 16. Jahrhunderts, welches die Einnahmen der Stadt aus einer Sondersteuer zur Sicherung der Privilegien in Dänemark, Norwegen und Schweden auflistet, ergibt sich ein Bild der Sozialstruktur Stralsunds. Die Liste unterteilt die Einwohner nach ihrem Vermögen in sieben Gruppen. Demnach gehörten zu den wohlhabendsten Einwohnern die Ratsherren, die Mitglieder der Gewandschneiderkorporation waren. Sie stellten 0,5 Prozent der Stralsunder Bevölkerung. 1,2 Prozent stellte die zweite Gruppe, die ebenfalls aus Gewandschneidern und aus Großkaufleuten bestand. In der dritten Gruppe der Bürger, 3,9 Prozent umfassend, waren ebenfalls Mitglieder der Gewandschneider und Großkaufleute gelistet. In der vierten Gruppe, 7 Prozent der Bevölkerung umfassend, finden sich kleinere Kaufleute und vereinzelt auch Handwerksmeister. Viele der Handwerksmeister, besonders die Knochenhauer, Bäcker und Böttcher, finden sich in der 6,7 Prozent der Bevölkerung umfassenden fünften Gruppe. Die sechste Gruppe, 35 Prozent umfassend, vereint die restlichen Handwerksmeister. In der siebten Gruppe, die 45,7 Prozent der Stralsunder Bevölkerung umfasst, befinden sich die Besitzlosen: Träger und Tagelöhner. Nicht besteuert und daher nicht in der Aufstellung erfasst wurden die Unselbständigen (Gesellen, Dienstboten und Arme).

Reformation

Zu Beginn der 1520er Jahre drang auch nach Norddeutschland die Reformation. Ausgehend vor allem vom Kloster Belbuck, an dessen Klosterschule Johann Bugenhagen als Lektor tätig war, verbreitete sich die Lehre im Norden. Die beiden Schüler Bugenhagens, Christian Ketelhot und Johann Kureke, kamen auf der Flucht wegen ihrer reformatorischen Ansichten 1523 nach Stralsund, ihr Ziel war Livland. Beide setzten ihre Flucht jedoch nicht fort, sondern predigten in Stralsund, was vor allem in den unteren und mittleren Schichten der Bevölkerung Anklang fand. Sie wurden dabei von Mitgliedern der Bürgerschaft, wie Franz Wessel, unterstützt. Der Rat der Stadt allerdings nahm klar dagegen Stellung und damit schon bald gegen einen großen Teil der Bürger. Nach Konflikten mit den Bürgern ließ sich der Rat, allen voran Nikolaus Smiterlow, ebenfalls auf die reformatorischen Lehren ein. Gegen diese Strömungen rebellierte die katholische Geistlichkeit. Sie versuchte, vor allem Ketelhot zu verleumden. Auch die Hanse sah in der Reformation ein Ärgernis. Allerdings musste sie von ihrer Forderung an Stralsund und Wismar auf dem 1525er Hansetag in Lübeck, den neuen Glauben und die martianischen secten zu verfolgen, Abstand nehmen. Ende 1525 gestand der nächste Hansetag bereits jeder Stadt die Entscheidung über ihre Prediger selbst zu. Die pommerschen Herzöge, mehrheitlich gegen die Reformation eingestellt, konnten die Verbreitung in Stralsund nicht aufhalten. Johannes Aepinus schuf die neue Kirchenordnung, die erste evangelische in Deutschland.

Der Rat der Stadt, der einer Minderheit der Bürger nahezu alle Macht in die Hände gab, bekannte sich zwar zur Reformation, verweigerte aber weiter die von den Bürgern ebenfalls angestrebten sozialen Änderungen. Mit Unterstützung der Franziskaner aus dem Stralsunder Johanniskloster erstarkte die bürgerliche Bewegung. Wortführer war Roloff Möller, der, obschon selbst Mitglied der Gewandschneiderzunft, der oppositionellen Bewegung beitrat und diese sogar anstachelte. Spontan zogen im Jahr 1524 Bürger zum Rathaus und ließen sich dort vom Rat einen Rezess unterschreiben, dass ein sogenannter „48er-Ausschuss“ (nach der Anzahl der Mitglieder benannt) der Bürger fortan über dem Rat regieren sollte. Der 48er-Ausschuss ließ am 10. April 1525 alle Armen zu einer Sichtung in die Nikolaikirche beordern, um diejenigen zu kennzeichnen, denen das Betteln erlaubt sei. Hierbei entstand ein allgemeiner Tumult, in dem sich auch der Unmut der Armen ob ihrer Situation entlud. In der Folge wurden Altäre und Kapellen beschädigt. Der Aufstand breitete sich schnell aus, die Johanniskirche wurde gestürmt und geplündert, ebenso die Behausungen der Mönche. Weitere Zerstörungen und Plünderungen folgten im Brigittenkloster und im Kloster St. Annen und St. Katharinen. Vor allem Gesellen, Bootleute, Mägde, Tagelöhner, Knechte sowie Arme waren an diesem Kirchenbrechen beteiligt. Nur durch die Aufstellung einer 900 Mann starken Truppe konnten die Aufständischen gestoppt werden.

Die Furcht nach dem Kirchenbrechen ausnutzend, ließ sich der 48er-Ausschuss weitere Privilegien vom Rat einräumen. Zudem wurden 1525 neun der Mitglieder zu Bürgermeistern ernannt, unter ihnen Roloff Möller und Franz Wessel. In den Folgejahren wurde auf diese Art nahezu der gesamte Rat neu besetzt, so dass nunmehr die Bürger die herrschende Rolle einnahmen. Die alten Ratsfamilien waren nahezu vollständig zurückgedrängt worden. Keine Machtbeteiligung erhielten jedoch weiterhin die Handwerksmeister. Die Kirchenbrecher von 1525 wurden bald sowohl vom 48er-Ausschuss als auch von den Reformatoren als loses Gesindel und Gottlose bezeichnet. Die Mitglieder des Ausschusses nutzten die Stellung im Rat mehr und mehr zu ihren eigenen Gunsten aus, was 1534 zum Sturz des Ausschusses führte. Die Kaufmannschaft baute ihre neu erworbene Machtstellung aus und herrschte schon bald uneingeschränkt wie vorher die patrizischen Ratsherren.

Bildung und Schulwesen

Nach der Reformation wurde in Pommern auch das Schulwesen grundlegend geändert, so auch in Stralsund. Der Landtag hatte im Jahre 1534 eine von Johann Bugenhagen reformierte Ordnung beschlossen, die nach und nach in ganz Pommern durchgesetzt werden sollte. In Stralsund wurden 1560 die drei Kirchgemeindeschulen im seit 1555 nicht mehr als Kloster genutzten Katharinenkloster zusammengeführt. Die siebenklassige Lateinschule, an der auch Lesen, Schreiben und die neue Religion unterrichtet wurden, war zur zentralen Bildungsstätte der Stralsunder Bürger geworden und trug bald den Namen Gymnasium. Ein langjähriger Rektor war Caspar Jentzkow 1569–1598.

Schule und Bildung gewannen zunehmend an Bedeutung. Dies schlägt sich in zahlreichen Aufzeichnungen nieder, die ab dem 16. Jahrhundert vom Leben in Stralsund berichten. Reiche Kaufleute und bestellte oder selbsternannte Chronisten zeigen das mittelalterliche Leben auf. Der lutherische Prediger Johann Berckmann schrieb eine die Jahre 1124 bis 1560 umfassende „Stralsundische Chronik“, in der er die letzten 50 Jahre aufgrund eigenen Erlebens besonders umfangreich schildert. Der Bürgermeister Nikolaus Gentzkow legte in den Jahren 1558 bis 1567 sein Leben in einem Tagebuch dar, welches auch sehr genaue Angaben über das Privatleben der Kaufleute in Stralsund enthält. Ein von Joachim Lindemann im Jahre 1531 begonnenes Memorialbuch (in Frühneuhochdeutsch verfasst) wurde von anderen Schreibern bis 1611 fortgesetzt. In Mittelniederdeutsch schrieb Gerhard Hannemann, Untervogt des Gerichts, sein Tagebuch der Jahre 1553 bis 1587. Das Leben des Bürgermeisters Franz Wessel wurde von Gerhard Dröge ausführlich beschrieben. Und auch der Bürgermeister Bartholomäus Sastrow lässt – in einer Autobiografie der Jahre 1520 bis 1555 – Einblicke in das Leben der Ratsherren und Bürger Stralsunds zu. Diese Chroniken sind Zeugnis des Willens der Stralsunder Bürger im 16. Jahrhundert, Wissen zu erwerben, zu mehren und weiterzugeben. Bis dahin war es außerhalb von Klöstern unüblich gewesen, Tagesgeschehen aufzuzeichnen. Das Bürgertum des 16. Jahrhunderts hatte hier eine neue Rolle eingenommen. Ergänzt werden diese Chroniken von der bedeutenden „Pomerania“ des pommerschen Chronisten Thomas Kantzow.

Abkehr von der Hanse

Stralsunds Handel mit den Städten entlang der Ostseeküste sowie mit Nord- und Nordwesteuropa gedieh weiterhin. Vor allem landwirtschaftliche Erzeugnisse aus Stralsunds Umgebung wurden gehandelt und waren begehrt. Importiert wurden vor allem Fisch sowie Salz, Gewürze und Wein. Handelsgesellschaften wurden gegründet mit mehreren Vorteilen: So konnte durch die Bereedung eines Schiffes durch mehrere Händler das Risiko, eine volle Schiffsladung infolge von Piratenüberfällen zu verlieren, gemindert werden, da die Fracht der Kaufleute auf mehrere Schiffe verteilt wurde; der Schiffer hatte die Ware dann bestmöglich zu verkaufen. Den Gewinn teilten sich die Beteiligten gemäß ihren Anteilen. Ebenfalls an Bedeutung gewann der Geldhandel der Kaufleute. Geld wurde verliehen und brachte somit Kapital. Dass es sich hier oft auch um Wucher handelte, belegt die Tatsache, dass zwischen 1574 und 1595 111 Stralsunder Häuser verpfändet wurden, deren Besitzer das geliehene Geld nicht zurückzahlen konnten. Auch kauften die Bürger Land in der Stralsunder Umgebung zur Sicherung ihrer Handelstätigkeit sowie zur Verpachtung an die bisherigen Eigentümer.

Zunehmende Bedeutung erlangte auch die Bierherstellung. 1594 sind in Stralsund 171 Brauhäuser nachgewiesen, von denen die Mehrzahl Starkbier für den Export per Seehandel herstellte. Mehr und mehr verfolgte Stralsund auch innerhalb des von der Hanse übrig gebliebenen Wendischen Quartiers eigene Interessen. So wurde gegen die bisherigen Statuten und gegen die ausdrücklichen Unmutsbekundungen Lübecks der Handel „über Strand“, d. h. außerhalb der Kontore forciert. Nachdem Verhandlungen mit Dänemark über die Aufhebung der nach dem Dreikronenkrieg (1563–1570) verhängten Beschränkungen gescheitert waren, richtete Stralsund seine Bemühungen erfolgreich auf Schweden. Gegen die Interessen Lübecks wurden mit Schweden Handels- und Zollfreiheiten ausgehandelt. Stralsund entwickelte sich zum Brückenkopf Schwedens auf dem Kontinent.

17. Jahrhundert – Im schwedischen Königreich

Politik

Stralsund nahm immer öfter Partei für die Interessen Schwedens in den Kriegen des beginnenden 17. Jahrhunderts. Damit brach es aus der noch 1605 erklärten gemeinsamen Haltung der Hansestädte im Krieg zwischen den Niederlanden, Spanien und England aus. 1628 wirkte sich dieses Bündnis mit den niederländischen Generalstaaten in der Art aus, dass Stralsund bei der Belagerung durch Wallensteins kaiserliche Truppen starke Finanzhilfen aus den Niederlanden erhielt. In den kriegerischen Konflikten Schwedens mit Russland, Dänemark und Polen setzte Stralsund auf die zugesicherten Handelsprivilegien im schwedisch besetzten Teil des Baltikums und Pommerns.

Trotzdem Stralsund nie zur Freien Hansestadt wurde und folglich weiter der Herrschaft der Landesherren von Pommern-Wolgast unterstand, wurde doch ein großes Maß an Selbständigkeit erreicht, die auch selbstbewusst verteidigt wurde. War die Stadt mit den Beschlüssen des Landtages, in dem sie vertreten war, einmal nicht einverstanden, wurden diese Beschlüsse auch nicht durchgesetzt. Dies gelang auch den Landesfürsten nicht; ihr Einfluss auf die Stadt blieb gering. In Kenntnis dieser Tatsache gründete der pommersche Herzog Bogislaw XIII. am Ort des Klosters Neuenkamp die Stadt Franzburg, die Stralsund Konkurrenz bieten sollte. Dieser Plan scheiterte; Franzburg konnte die Rolle einer Konkurrentin Stralsunds nie wahrnehmen.

Auch innerhalb der Stadt wuchs der Einfluss der Stadtherren wieder: Der 48er Ausschuss wurde aufgelöst und die Macht somit wieder vollständig in die Hände der Patrizier gelegt. Doch schon 1559 gründeten Großkaufleute (vorwiegend die Altermänner der Gewandschneider) einen neuen Bürgerausschuss, das „Hundertmänner-Kollegium“.

Erbvertrag mit dem pommerschen Herzog und Bürgerverfassung

Den Herzogen der pommerschen Lande waren die Städte immer ein Dorn im Auge. Sie wollten hier Macht ausüben, was ihnen aber durch die starke Stellung der Stadt verwehrt blieb. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts verschärfte sich in der Stadt die Finanzlage drastisch. Abgaben waren zu leisten an den Kaiser, das Reich, die Landesherren und an Gesandte in Handelssachen. Stralsund musste beim Amtsantritt eines Fürsten Huldigungskosten zahlen und den Herzog und sein Gefolge beköstigen, sobald dieser in die Stadt kam. Daraus erwuchs ein gewaltiger Schuldenberg, der nicht mehr durch Steuern gedeckt war. Die Umlage der Ausgaben auf die Einwohner der Stadt verstärkte den Widerstand der Bürgerschaft gegen den Rat der Stadt. Der 1595 gegen starken Widerstand des Rates, vor allem von Bartholomäus Sastrow, abgeschlossene Bürgervertrag war noch nicht umgesetzt worden, eine Finanzkontrolle seitens der Bürgerschaft nicht möglich. Zudem nahm die Vetternwirtschaft innerhalb des Rates zu. Die Verwandtschaftsbeziehungen der Ratsmitglieder untereinander schürten Unzufriedenheit. Diese Situation machte sich der Herzog von Pommern-Wolgast, Philip Julius (1584–1625), zu Nutzen. Am 3. Februar 1612 zog er in die Stadt ein und setzte eine Untersuchungskommission ein, die die von der Bürgerschaft beklagten Verfehlungen des Rates zum Thema hatte. Der Herzog präsentierte der Bürgerschaft einen Vertragsentwurf, der neben der Rechenschaftspflicht des Rates gegenüber der Bürgerschaft die Oberaufsicht über die Stralsunder Kirchen durch den Herzog selbst vorsah. Auch die Einsetzung der Geistlichen sollte dem Herzog obliegen. Das Hundertmänner-Kollegium wurde mit Hilfe des Herzogs von Verwandten der Ratsherren und den Altermännern der Gewandschneider befreit. Zum Bürgerworthalter wurde Johann Jusquinus von Gosen gewählt.

Da der Rat den Vertrag nicht einhielt, zog der Herzog am 18. März 1612 erneut nach Stralsund ein und berief zwei Bürgermeister, den Protonotarius, vier Ratsmitglieder und den Syndicus der Stadt, Dr. Lambert Steinwich, ab. Nachfolger des als zu zögerlich angesehenen von Gosen wurde Heinrich Stamke. Auf dem Hansetag in Lübeck beschwerten sich die beiden später vom Herzog abberufenen Ratsherren Dr. Christof Krauthof und Niklas Dinnies über die Einflussnahme des Herzogs. Die Hanse versuchte, den Herzog zur Rücknahme seiner Änderungen an den Machtverhältnissen zu bewegen. Philip Julius allerdings sah die geringe Macht der im Niedergang befindlichen Hanse und die ihm ins Konzept passende Opposition der Bürgerschaft gegen das Patriziat und betonte in Schreiben an den Hansetag, dass seine Eingriffe in die Geschicke der Stadt seiner Rechtsgewalt als Reichsfürst entsprachen. Die Stralsund angedrohte Verhansung, d. h. den Ausschluss aus dem Bündnis, sah er gelassen. Im Dezember 1612 setzte der Herzog eine Bürgerkommission ein, die die geistlichen Güter der Stadt untersuchen sollte. Hierbei stellte sich schnell heraus, dass seitens des Rates eine Misswirtschaft – ob bewusst oder unbewusst, konnte nie geklärt werden – vorgelegen hatte: Ganze Grundstücke waren dem Besitz ohne Nachweise abhanden gekommen. Im weiteren Verlauf jedoch wendete sich das Blatt: Die Bürgerschaft war zutiefst gespalten. Gerade in der Frage der Besteuerung gab es nicht auszuräumende Differenzen in den Ansichten. Die aufkommenden gewaltsamen Zusammenrottungen veranlassten Philip Julius, Verhandlungen mit dem Rat aufzunehmen, was am 11. Juli 1615 zum Abschluss des Erbvertrages führte. In ihm wurde vereinbart, dass Stralsund sich dem Herzog als Erbherrn zu Gehorsam und Treue verpflichtet. Gesiegelt war der Vertrag vom Herzog, dem Rat, den Vertretern der vier bedeutsamsten Gewerke und den einst von Philip Julius entmachteten Gewandhausvertretern. Der Herzog musste etliche seiner Forderungen fallen lassen, nachdem ihm die landständischen Ritter in Anbetracht der drohenden großen Macht des Herzogs erfolgreich Widerstand leisteten, was letztendlich wieder der relativen Eigenständigkeit Stralsunds zugute kam. Die Bürgerschaft jedoch hatte sich durch die Uneinigkeit jedoch selbst geschwächt.

Am 14. Februar 1616 wurden auch die Forderungen der Bürgerschaft nach innerstädtischen Veränderungen mit der Siegelung eines Bürgervertrages erfüllt. Der Bürgerschaft wurden Mitbestimmungsrechte eingeräumt. Der Rat selbst führte weiterhin die Verwaltung und repräsentierte die Stadt. Die Kontrolle der Finanzen oblag den Achtmännern, die sich in der Achtmannskammer trafen. Dabei stellten der Rat und das Hundertmänner-Kollegium je vier Vertreter, ersterer zwei Bürgermeister, einen Ratsherren und den Kämmerer, letzterer vier Bürger. Einigkeit wurde auch in der Frage der Steuern erzielt. Das Bürgerrecht wurde reformiert und dem Zuzug von müßigem Gesindel Grenzen gesetzt. Ebenso wurde eine Arbeitspflicht für die Stadt bei Bedarf festgelegt. Der Korruption wirkten Neuregelungen für die städtischen Ämter entgegen.

Der Bürgervertrag bildete fortan bis 1870 die Grundlage für die innerstädtischen Beziehungen. Herzog Philip Julius, der den Vertrag durch seine Machtbestrebungen und seinen Einsatz erst ermöglicht hatte, verstarb 1625; sein Nachfolger Bogislaw XIV. konnte nicht an seine Macht anknüpfen. Die neue Ordnung funktionierte, und daher waren Themen wie die im Februar des Jahres 1625 über Stralsund hereinbrechende Sturmflut, die große Schäden angerichtet hatte, die Hexenverfolgungen und die Schwäche des neuen Herzogs die bestimmenden Themen in Stralsund

Allianzvertrag mit Schweden

Flugblatt mit der Beschreibung der Belagerung von Stralsund, 1628

Von den ausbrechenden, später Dreißigjähriger Krieg genannten Auseinandersetzungen wurde Stralsund lange Zeit nur durch Nachrichten berührt. Stralsund gehörte zu den reformierten Städten, was aber nicht in einer Gegnerschaft zum Kaiser ausartete. 1626 verdrängten die kaiserlichen Truppen die Dänen unter König Christian IV. aus Mecklenburg. Es war nunmehr absehbar, dass auch Pommern Ziel der Eroberungen sein sollte. Allerdings war das Land nicht in der Lage, Widerstand zu leisten. In Stralsund begannen Anfang 1627 Bestrebungen, eine Verteidigung der Stadt zu ermöglichen. 100 Söldner wurden angeworben und die nach längerer friedlicher Zeit dringend erneuerungsbedürftigen Stralsunder Stadtbefestigungen wieder aufgebaut; im Frühjahr 1628 waren die Arbeiten fertiggestellt. Die Bürger wurden aufgefordert, sich für ein Jahr zu bevorraten und eine Wachordnung erstellt, die auch Ratsmitglieder einbezog. Die Stadt erwarb in großem Umfang Kriegsmaterial.

Nach Wismar im Oktober 1627 kapitulierte 1628 auch Rostock. Die mecklenburgischen Herzöge flohen nach Dänemark. Herzog Bogislaw XIV. von Pommern hatte sich zwar immer kaiserfreundlich verhalten; trotzdem besetzten die kaiserlichen Truppen unter Hans Georg von Arnim-Boitzenburg auch Pommern. In der Franzburger Kapitulation vom 10. November 1627 wurde vereinbart, dass Pommern fortan ca. 20.000 Mann Besatzungstruppen als Einquartierung erhielt. Barth und Greifswald sowie die Insel Rügen wurden von den Kaiserlichen ohne nennenswerten Widerstand eingenommen.

Seit Beginn des Jahres 1628 stand Stralsund in Geheimverhandlungen mit den Königen von Dänemark und von Schweden, die beide Protestanten waren und erklärte Gegner des Kaisers, die sich zudem in ihrer wirtschaftlichen Stellung im Ostseeraum bedroht sahen. Der schwedische König Gustav Adolf war schon 1620 in Stralsund gewesen und hatte hier Beziehungen geknüpft.

In Stralsund wuchs der Widerstand gegen eine Besatzung. Zwar verdienten die Kaufleute an der Belieferung der kaiserlichen Truppen im Umland mit allen denkbaren Waren (sogar Waffen), und versicherte der gerade zum Bürgermeistergewählte Lambert Steinwich dem Kommissar Graf Ernst Georg von Sparre das Wohlwollen der Stadt. Eine Garnison allerdings wollte Stralsund nicht werden. Verhandlungen mit den kaiserlichen Anführern wurden aufgenommen mit dem Ziel, sich von Einquartierungen freizukaufen. Verlangte Oberst von Arnim anfänglich noch 150.000 Reichstaler, wurde diese Summe von ihm zu Weihnachten 1627 auf 100.000 gesenkt. Auch dazu war der Rat nicht bereit, nur 30.000 Taler wollten die Stralsunder zahlen.

Am 11. Februar 1628 wurde im Greifswalder Vergleich eine Zahlung von 30.000 Talern und die Beendigung der Arbeiten an den Stadtbefestigungen vereinbart gegen die Zusicherung, auf eine Einquartierung zu verzichten und auf dem Dänholm keine Schanzen zu errichten. Die Zahlung erfolgte, allerdings wurden die weiteren Bedingungen des Vergleichs von Stralsunder Seite abgelehnt. Weitere Verhandlungen folgten, aber auch Kampfhandlungen: Am 4. April 1628 kapitulierten die Besatzungstruppen auf dem Dänholm vor der Stralsunder Seeblockade, die unter der Führung Peter Blomes und Johann Jusquinus von Gosens stand und räumten die Insel. Am 18. April 1628 erteilte Wallenstein aus Jicin den Befehl an von Arnim, entweder eine Garnison in Stralsund unterzubringen oder die Stadt zu belagern. Die Belagerung begann am 13. Maijul./ 23. Mai 1628greg..[9] Vor Stralsund wurden Truppen zusammengezogen, die Zufahrten zur Stadt wurden gesperrt, einzig der Hafen blieb frei. 1500 Mann Stralsunder Truppen standen allein im Hauptlager von Arnims im Hainholz 8000 Mann gegenüber, die zudem besser ausgerüstet waren. Am 25. Mai 1628 traf auf Bitten des Rates dänische Hilfe in der Stadt ein, bis Mitte August annähernd 2500 Mann. Nach Verhandlungen mit den Schweden wurden auch von dort Hilfstruppen entsandt, die am 23. Juni 1628 in Stralsund landeten. Mit der Annahme der Hilfe erklärter Gegner des Kaisers und dem Abschluss eines Allianzvertrages mit Schweden stellte sich die Stadt offen reichsfeindlich. Dies rief Wallenstein persönlich auf den Plan. Ihm wird (auch in Schillers Trilogie „Wallenstein“) der Spruch nachgesagt: „Und wenn die Stadt mit sieben Ketten und Schlössern am Himmel hinge, ich werde sie doch herunterholen!“ Sein Eintreffen im Lager vor Stralsund am 26. Juni 1628 war mit einer Änderung der Strategie verbunden, die zusehends Erfolge zeigte. Immer wieder kam es zu Verhandlungen zwischen dem Rat und den Belagerern.

Nach der Legende schoss ihm ein Verteidiger ein Weinglas aus der Hand, worauf Wallenstein begleitet vom Hohnblasen von den Stralsunder Festungsmauern entnervt abzog. Alljährlich wird dies heute mit den Wallensteintagen gefeiert, dem größten historischen Fest in Norddeutschland.

Sicher ist, dass Wallenstein nach Verstärkung der Hilfe aus Schweden und Dänemark und aufgrund widriger Witterung am 15. Juli 1628 abzog und von Arnim am 21. Juli 1628 die Belagerung ganz aufgab. Die letzten kaiserlichen Einheiten zogen am 24. Julijul./ 3. August 1628greg. vor der Stadt ab. Die Belagerung hatte etwa 12.000 Söldnern Wallensteins das Leben gekostet.[10] In der Stadt hielten sich 4700 Soldaten aus Dänemark und Schweden auf, die Einwohner litten unter den Folgen der Belagerung und der Versorgung der fremden Hilfstruppen. Der Gesandte des schwedischen Königs traf im August 1628 in Stralsund ein und gemahnte den Rat an die Abmachungen und die bedingungslose Bindung an Gustav Adolf von Schweden. Die Schwedenzeit hatte in Stralsund begonnen.

Am 10. September 1630 traf gegen 6 Uhr morgens der schwedische König Gustav Adolf in Stralsund ein, empfangen mit Kanonendonner und dem Läuten aller Kirchenglocken der Stadt, und nahm im Artushof Quartier. Dem Rat der Stadt eröffnete er, dass er zur Sicherstellung des Schutzes Stralsunds 100.000 Reichstaler erwarte. Da die Stadt in finanziellen Nöten war – neben den seit Jahren angehäuften Verbindlichkeiten waren auch noch die für die Verteidigung gegen die Kaiserlichen angeworbenen Söldner zu entlohnen –, fiel das Aufbringen dieser Gelder schwer. Gustav Adolf übereignete dafür der Stadt und privaten Geldgebern diverse fürstliche Güter. Der König persönlich besichtigte die Stralsunder Stadtbefestigungen und befahl deren Ausbau. Zudem erlegte er Stralsund eine Garnison auf – eben das, was Stralsund noch kurz zuvor strikt abgelehnt hatte. Die Aufwendungen der Stadt für den Ausbau der Befestigungsanlagen und die Garnison und weitere aufgrund der Besatzung anfallende Posten beliefen sich in den folgenden Jahren auf ca. 40 Prozent der gesamten Ausgaben. Einnahmequellen waren das Kopfgeld, einer nach Standeszugehörigkeit festgelegten Summe, und das Pfundgeld, welches als prozentualer Anteil einer jeden Handelsware an die städtische Kasse abgeführt werden musste.

Im schwedischen Reich

Immer wieder versuchten Vertreter des Reichs, Stralsund zurückzugewinnen, vor allem nach dem Tod Gustav Adolfs 1632. Diese meist schriftlich vorgebrachten Ansinnen jedoch wies die Stadt stets zurück. Eine Stralsunder Abordnung wurde 1645 nach Osnabrück entsandt, um auf dem dortigen Friedenskongress die Rechte der Stadt zu vertreten und möglichst weitreichende Freiheiten zu erlangen. Letztendlich scheiterten diese Bemühungen in ihren Hauptfragen, der Selbständigkeit. Im Westfälischen Frieden wurde Stralsund als Mediatstadt in Schwedisch-Pommern eingegliedert. Die schwedische Herrschaft über die Stadt brachte auch wegen der von König Karl X. Gustav und seinen Nachfolgern geführten Kriege weitere finanzielle Belastungen. Im Gegenzug allerdings bestätigte Schweden den Stralsundern viele ihrer Privilegien, was der Handelstätigkeit zugute kam.

1675 überfiel Schweden die Mark Brandenburg und begann somit den Schwedisch-Brandenburgischer Krieg. Jedoch wurden die Schweden in der Schlacht bei Fehrbellin geschlagen und in die Defensive gedrängt, womit auch Stralsund wieder Kriegsziel wurde. Erstmals lagerte in diesem „Pommernfeldzug“ genannten Krieg im Oktober 1675 in Lüdershagen der brandenburgische Kurfürst Friedrich Wilhelm mit einem Heer vor Stralsund, zog jedoch bald darauf aufgrund des einbrechenden Winters wieder ab. Daraufhin stellte der schwedische Feldmarschall Graf Otto Wilhelm von Königsmarck eine 14.000 Mann starke Armee in der Region Rügen/Stralsund auf. Im September 1677 gelang es den Dänen, auf Rügen zu landen und Schwedens Verbindung zu Vorpommern abzuschneiden. In dieser Situation boten der Dänenkönig und der Kurfürst von Brandenburg der Stadt die Reichsunmittelbarkeit an, sofern sie sich von Schweden lossage. Diesen einstmals angestrebten Status der freien Reichsstadt wies der Rat allerdings zurück und die Unterstützung der schwedischen Truppen Königsmark wurde intensiviert. Stralsund, das laut Allianzvertrag keine Soldaten im Kriegsfall stellen musste, bot den Schweden nunmehr freiwillig alle verfügbaren Soldaten an. Im Januar 1678 wurde Rügen innerhalb von fünf Tagen zurückerobert. Dies brachte allerdings noch lange keine Sicherheit: Vor Stralsund lagernde Truppen griffen in Einzelaktionen immer wieder die Stadt an und eroberten vor allem Vieh. Die verbündeten dänischen und brandenburgischen Truppen landeten Ende September 1678 auf Rügen. Mit der Einnahme der Insel wurde die Lage für Stralsund hoffnungslos.

Grundriss der Festung Stralsund zur Zeit der Belagerung im Jahre 1678

Am 20. September 1678 begann die Belagerung von Stralsund durch brandenburgische Truppen mit der Beschießung des Hafens. In der Stadt herrschte Uneinigkeit zwischen den schwedischen Besatzungstruppen und dem Rat. Eine gemeinsame Verteidigung der Stadt war nicht möglich, da der Rat und die Bürgerschaft offen mit einem Friedensschluss mit Brandenburg sympathisierten. Trotz der Bitten sowohl des Rates als auch Königsmarcks, die Stadt zu verschonen, begann Friedrich Wilhelm am 10. Oktober 1678 mit einem Bombardement, da die Stralsunder eine friedliche Übergabe ablehnten. Dem Bombardement fielen viele Häuser und auch große Teile der Jakobikirche zum Opfer. Ein Großbrand brach aus und wütete in der Stadt. Am 11. Oktober 1678 schickte Königsmark aus der stark beschädigten Stadt einen Unterhändler zum Kurfürsten; am 15. Oktober 1678 schlossen die Brandenburger mit Königsmark die Kapitulationsvereinbarung ab, die den Schweden einen ehrenhaften Abzug ermöglichte. Die Stralsunder vereinbarten in einem separaten Vertrag den Schutz ihrer Privilegien und das Verbot von Plünderungen; in den kommenden zehn Jahren wollte Brandenburg Stralsund beim Wiederaufbau unterstützen. Allerdings währte die brandenburgische Herrschaft nicht lange: Mit dem Friedensvertrag zwischen Frankreich, Schweden und Brandenburg gelangte Stralsund am 9. Juni 1679 wieder zum Königreich Schweden. Königsmarck kehrte als Generalgouverneur nach Stralsund zurück.

Schematische Darstellung der Belagerung von Stralsund durch die Preußen, Dänen und Sachsen im Jahre 1715

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Wirtschaft

Bereits mit der teilweisen Abkehr von den Beschlüssen der Hanse hatte sich gezeigt, dass die Zeit der Hanse als Bündnis der Städte vorüber war. Durch den starken Druck der Landesherren der die Hansestädte umgebenden Länder, die unterschiedliche Interessen und Machtbestrebungen hatten, waren die Städte gezwungen, vor allem ihre eigenen Interessen zu vertreten. Stralsund hatte aufgrund seiner Lage im Dänemark-freundlichen Pommern kaum noch gemeinsame Interessen mit den Städten in Mecklenburg oder Holstein. Die Stralsunder Händler, vom Spanienhandel kaum profitierend, verlegten ihre Tätigkeiten überwiegend in den baltischen Handel. In den westlichen Handelsstädten waren Stralsunder Kaufleute überwiegend als Mittler tätig. Im Handel mit den Niederlanden waren sie von den einheimischen Händlern abhängig, einstige Privilegien waren nach dem Erstarken der heimischen Händler obsolet geworden. Selbst der Handel mit Norwegen, einst ein blühendes und lukratives Geschäft, wie das Bergenfahrer-Gestühl in der Nikolaikirche bezeugt, wurde nach dem Erstarken der Norweger zurückgedrängt. Stralsunder handelten nunmehr – am Rande der Legalität – meist nicht mehr in den Kontoren, sondern „über Strand“, d. h. ohne Einschaltung der Marktplätze. Neben kleineren Handelsbeziehungen zu Schottland (Export von Bier) und England wurde der Handel mit Danzig, Reval und Lübeck intensiviert. Parallel dazu nahmen auch die kleineren Städte des Ostseeraumes in Dänemark und Schweden einen größeren Platz ein. Die schwedischen Eroberungen im Baltikum erlaubten einen bevorzugten Handel bis nach Moskau. Auch die nahe gelegene Insel Rügen wurde intensiv in die Handelsbeziehungen einbezogen. Stralsund hatte gegenüber den zu Anfang des 17. Jahrhunderts aufstrebenden neuen Handelsstädten, die an den Flussmündungen lagen und somit besser den Handel auch mit dem Inland betreiben konnten, enorme Nachteile, die sich bald schon im Rückgang der Bedeutung für den sich entwickelnden „Welthandel“ auswirkten.

Ein starker Preisanstieg bei agrarischen Produkten seit Mitte des 16. Jahrhunderts führte auch zur Verschärfung des Konkurrenzkampfes der Gewerke, die diese agrarischen Produkte als Rohstoffe benötigten, deren Preise aber nicht entsprechend den Agrarpreisen gestiegen waren. Die Ämter beschränkten die Zahl der Meister, sodass es Gesellen kaum noch möglich war, zum Meister und damit zu höherem Ansehen und Einkommen aufzusteigen. So genannte „Bönhasen“, außerhalb von Zünften agierende Handwerker, verschärften die Situation zudem. Um 1705 gab es in der Stadt am Strelasund annähernd 850 Meister, wobei fast die Hälfte von ihnen ohne Gesellen arbeiteten; ein etwas größerer Teil der Handwerksmeister beschäftigte zusammen ebenfalls etwa 850 Gesellen. Zwischen den Zünften gab es große Unterschiede hinsichtlich des Reichtums. Die reichsten Ämter waren die der Schmiede und Bäcker, gefolgt von den Schustern, Kürschnern Schneidern, Küfern, Barbieren, Knochenhauern und Metallgießern. Zu den ärmeren Zünften waren die Weber, Fischer, Korbmacher und Maurer zu rechnen. Nachdem rund um Rügen und auch in den städtischen Gewässern immer mehr Fisch auch von Nicht-Zunftmitgliedern gefangen wurde stieg diese Zunft ebenfalls zu den ärmeren ab. Ebenso erging es den Knochenhauern, denen Konkurrenz in den Garbratern erwuchs, die den Viehhandel und den Handel mit Schlachtvieh unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Trotz dieser starken Konkurrenzsituation stagnierten die Produktionsmethoden der Handwerker, die vom Einkauf der Rohstoffe bis zum Absatz des Endproduktes alles in einer Hand vereinigten.

Spezialisierungen gab es in der Verarbeitung landwirtschaftlicher Rohstoffe. Mühlen, Ziegeleien und die Brauereien orientierten sich am Großabsatz ihrer Produkte. Bier und Malz aus Stralsund wurde bis nach Schottland exportiert. Bier war bis weit in das 19. Jahrhundert hinein das bedeutendste Getränk, da das Wasser nur selten hygienischen Anforderungen entsprach. In der Produktion wurden Lohnarbeiter eingesetzt, die Braumeister verdingten sich an die Brauereien. Das Zentrum der Bierproduktion im großen Stil lag in der Langenstraße und der Frankenstraße. Den Transport der Bierfässer zum nahe gelegenen Hafen nahmen Bierträger wahr, die sich zunftähnlich organisiert hatten. Aufgrund der Notwendigkeit, das Braurecht zu erwerben, und wegen des sehr hohen finanziellen Aufwandes für eine gewinnbringende Bierproduktion konnten nur finanzstarke Kaufleute dieses Geschäft ausüben.

Unmittelbar nach der Beendigung der Belagerung durch Wallenstein 1628 waren die nach Stralsund geflüchteten Bauern der Umgebung wieder auf ihre Höfe zurückgekehrt. Daraus resultierte bald schon ein erneuter wirtschaftlicher Aufschwung in der Stadt, die Handel mit den landwirtschaftlichen Erzeugnissen vor allem über See betrieb. Daraus wiederum resultierte ein Aufschwung bei den Werften, die nach der Belagerung näher an die Stadt umgezogen wurden, und allen Ämtern, die mit dem Bau und der Ausstattung der Schiffe beschäftigt waren. Ebenfalls seit 1630 existierte in Stralsund eine vom Postmeister Otto Reimann geführte „Botenanstalt“ zur Beförderung von Nachrichten.

Städtebau

Bei der Belagerung 1628 waren in der eng bebauten Stadt (eine Zeichnung von Johannes Staude aus dem Jahr 1644 zeigt, dass es innerhalb der Stadtmauern nahezu keine unbebauten Plätze mehr gab; so richtete sich die Bautätigkeit in Stralsund nahezu ausschließlich auf den Wiederaufbau) einige Gebäude beschädigt worden. So wurde das völlig zerstörte Elendenhaus im Heilgeisthospital 1641 wieder aufgebaut. Nach einem Blitzschlag musste auch der Turm der vordem mit 157 Metern Höhe zu den höchsten Bauwerken Europas gehörenden Marienkirche erneuert werden.

In der nach der 1678er Belagerung gerade erst im Wiederaufbau befindlichen Stadt brach am 15. Juni 1680 erneut ein Großbrand aus, der auch Teile des Rathauses zerstörte.

18. Jahrhundert

Politik

Mit enrmem Aufwand wurde am 8. März 1700 die Huldigung des Königs Karl XII. begangen.

Neue Gefahr brachte der Große Nordische Krieg. Dieser verlief zwar zunächst weitab der Stadt. Die Folgen waren aber schon in Stralsund zu sehen: Im Mai 1700 wurden 300 Matrosen in der Stadt geworben.[11] Die Stralsunder Garnoson umfasste 1300 Soldaten.[12]

Im August 1711 rückten Truppen Sachsens, Russlands und Dänemarks in Schwedisch-Vorpommern ein, die am 7. September 1711 vor Stralsund eintrafen und sich vereinigten, Anfang Januar 1712 aber wieder abzogen.[13] Im Laufe des Jahres 1712 kam es zu einer Besetzung der schwedischen Gebiete auf dem Kontinent, insbesondere in Schwedisch-Pommern. Entlastung und die Verteidigung der Stadt Stralsund als schwedischem Brückenkopf sollte eine Armee unter dem schwedischen Feldmarschall Magnus Stenbock bringen, der tatsächlich die alliierte Übermacht in der Schlacht bei Gadebusch in Westmecklenburg schlug. In dieser für Schweden äußerst kritischen Lage lehnte Karl XII. mehrere Friedensangebote ab. Er war im November 1714 aus Bender in die Festung Stralsund zurückgekehrt. Der König besichtigte die Truppen vor dem Kütertor und dem Kniepertor sowie auf Rügen, und unterzeichnete einen „offenen Begnadigungs-Brief für die Stadt Stralsund vom 29. November 1714“, in dem er bestimmte, dass der Stadt die Torschlüssel zurückgegeben würden und die Stadt von der Accise-Consumtions-Steuer und anderen finanziellen Belastungen befriet sowie die Bürgermeister und der Rat in den Adelsstand erhoben wurden. Ferner bestätigte er am 24. April 1715 „alle Vortheile, Freyheiten, Begnadigungen, Gerechtigkeiten und Privilegien“ der Stadt.

Als er erste Erfolge gegen die preußische Armee erzielte, wurde der König von den vereinigten dänischen, preußischen und sächsischen Truppen in der Festung eingeschlossen. Nachdem Stralsund im Pommernfeldzug 1715/1716 monatelang belagert wurde, ergaben sich die eingeschlossenen Schweden am 23. Dezember 1715. Der Preußenkönig Friedrich Wilhelm übergab Stralsund den Dänen. Erst mit dem Frieden von Frederiksborg kam Stralsund wieder ins schwedische Reich. Ab 1720 war Stralsund die Hauptstadt von Schwedisch-Vorpommern und blieb es bis zum Ende der Schwedenzeit im Jahr 1815.

1757 erlaubte der schwedische König wieder die Ansiedlung von Juden; diese begannen 1786 mit dem Bau einer Synagoge, die am 30. März 1787 geweiht wurde (siehe auch Geschichte der Juden in Stralsund).

Wirtschaft

In der schwedischen Stadtaufnahme 1706/1707 sind die Besitzer der 1601 erfassen Grundstücke nach Berufen aufgeführt. Danach gab es zu dieser Zeit in Stralsund 110 Getreidehändler, 97 Mälzer, 74 Schiffer und 64 Bierbrauer. Von den 475 Handwerkern waren 50 Schuster, 42 Fischer, 27 Bäcker, 26 Schneider, 23 Leinweber, 21 Schmiede und 21 Zimmerleute.

Nachdem Schweden 1720 den südlich der Peene gelegenen Teil Vorpommerns an Preußen abgetreten hatte, verlor Stralsund zunehmend an Bedeutung. Es fehlte der Stadt am Hinterland, was sie gegenüber Städten wie Hamburg oder sogar Rostock benachteiligte. Zudem war der Stadt die Freiheit im Öresund entzogen worden. Zwar war Stralsund weiterhin der bedeutendste Export- und Importhafen in Schwedisch-Pommern, aber an die einstige Bedeutung kam es nie wieder heran. Vornehmlich Malz und Getreide wurden nach Schweden exportiert.

1729 entstand in Stralsund die Amidonmacherei, die, von Daniel Joachim Kühl (1687–1745) gegründet, eine der erfolgreichsten Manufakturgründungen wurde. 1731 wurde der Import von Stärke im Land Schwedisch-Pommern verboten, 1818 konnte die Stärkefabrik sogar exportieren. Erfolgreich war anfangs auch die Wollmanufaktur des Kaufmanns Johann Nicolaus Hennings (1719–1779). Er konnte bereits 1747 das ganze Land mit Kalmanken und Flanell versorgen, so dass die Regierung 1748 den Import derartiger Waren verbot. 1749 wurden 400 Spinnerinnen beschäftigt. Allerdings gingen die Stralsunder Kramer gegen die Manufaktur mit allen, auch illegalen Mitteln vor. Hennings Ware wurde geschmäht; bei einer Zählung der Kramwaren 1749 wurden nur importierte Kalmanken und Flanelle gefunden. Hennings Einspruch beim Rat der Stadt wurde nur zögernd beschieden. Die Wollmanufaktur ging 1758 ein. 1755 entstand die Stralsunder Fayencenmanufaktur. Sie wurde von Joachim Ulrich Giese (1719–1780) gegründet und war bald eines der bekanntesten Unternehmen der Stadt. Am 25. Oktober 1765 erhielt der Graveur Johann Kaspar Kern (gest. 1791) eine Konzession zum Betrieb einer Spielkartenfabrik, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter dem Namen Vereinigte Stralsunder Spielkartenfabrik AG die größte Unternehmung ihrer Art in der Welt wurde.

1765 prüfte der schwedische Reichstag, ob die Zulagenkammer Stralsund angesichts der seit einigen Jahren nicht gezahlten Steuern unter schwedische Verwaltung zu stellen sei. 1767 wurde dazu eine Kommission eingesetzt, die im Juni 1768 sieben Stralsunder Ratsmitglieder absetzte. Nach Protesten seitens der Stralsunder befand der Reichstag, dass die Kommission ihre Befugnisse überschritten habe und machte die Entscheidungen rückgängig.

Die Regierung in Stockholm war sehr zögerlich bei der Unterstützung der Stralsunder Bemühungen, den Handel wieder zu beleben. Erst 1766 wurde durch Aufhebung einer Sondersteuer der Handel mit nicht-baltischen Ländern belebt. 1785 konstituierte sich in Stralsund eine Kommission des Rates zur Belebung des Handelsverkehrs. Jedoch blieb auch deren Erfolg eher gering. Nur wenig besserte sich die Situation im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts. Hier profitierte vor allem der Schiffbau in Stralsund von einer leichten Verbesserung dank der Wiederbelebung des Seehandels.

Städtebau

In der schwedischen Stadtaufnahme von 1706/1707 zeigt die noch immer bestehenden Auswirkungen der letzten Belagerung 1680. 1601 Grundstücke sind verzeichnet, davon 1392 innerhalb der Stralsunder Stadtbefestigungen.

Gesundheitswesen

Im Jahr 1709 starben in einer Pockenepidemie in den Monaten Januar bis Juli über 600 Kinder. Eine vom Rat im August 1709 angestrebte Pestordnung wurde nicht verwirklicht, so dass ab August 1710 die Pest in der Stadt ausbracht. Im September 1709 trat endlich die Pestordnung in Kraft, die das Schließen verseuchter Häuser vorsah. Sie wurden mit einem weißen Kreuz gekennzeichnet; nur Ärzten war der Zutritt gestattet. Fritz Adler beziffert die Zahl der Pesttoten auf 4000[14], Jürgen Drevs nennt 7774 Tote[15], wobei diese Angabe bei 8000 Einwohnern sicher zu hoch ist. Am 26. April 1711 wurde in den Stralsunder Kirchen ein Dankfest nach dem Ende der Epidemie gefeiert.

19. Jahrhundert. Die letzten Schwedenjahre und französische Besetzung

Schwedens König Gustav IV. Adolf den schwedischen Teil von Pommern stärker ins schwedische Reich integrieren. Am 26. Juni 1806 wurde mit dem Staatsstreich die Landesverfassung außer Kraft gesetzt, ab 1. Januar 1807 sollte schwedisches Recht gelten.

Eine der Maßnahmen war die Aufhebung der Leibeigenschaft. Den Städten wurden die Privilegien von 1789 versprochen, wirtschaftliche Projekte zur Aufhebung der Rückständigkeit Pommerns geplant.

Politik

Seit der Belagerung durch preußische Truppen im Jahr 1758 hatte Stralsund keine militärischen Auseinandersetzungen mehr erlebt. Im Spätsommer 1804 brach Schweden die diplomatischen Beziehungen zu Frankreich ab und ging eine Allianz mit England und Russland ein. Teile der auf Rügen gelandeten russischen Truppen zogen durch Stralsund. Die nach Mecklenburg gesandten schwedischen Truppen kehrten im Frühjahr 1806 nach Pommern zurück. In Anbetracht der auf Pommern vorrückenden Franzosen wurde in Stralsund am 29. Oktober 1806 der Belagerungszustand verhängt und am 17. Dezember 1806 mit dem Abbruch der Vorstädte begonnen. Die etwa 1600 dort lebenden Menschen wurden in der Marienkirche notdürftig untergebracht.

Die Franzosen rückten im Januar 1807 über die Peene weiter nach Pommern vor. Die in Vorpommern stationierten schwedischen Truppen zogen sich am 29. Januar 1807 nach Stralsund zurück, die Stadt wurde landseitig vom französischen Heer eingeschlossen. Es kam allerdings nur zu vereinzelten leichten Geplänkel, da die Franzosen an einer Einnahme Stralsunds nicht interessiert waren; vielmehr zogen sie Ende März 1807 sogar Truppen nach Kolberg ab. Die Schweden nutzten dies für einen Ausfall am 1. April, bei dem die Belagerer tatsächlich aus Schwedisch-Pommern vertreiben wurden – allerdings nur für kurze Zeit; am 17. April schlugen die Franzosen die Schweden bei Ferdinandshof. Beide Seiten schlossen einen Waffenstillstand, der für Stralsund den Vorteil hatte, dass die Stadt nicht wieder belagert wurde.

Am 12. Juni 1807 traf König Gustav IV. Adolf in Stralsund ein, das er zu seinem Hauptquartier machte. Auch ein preußisches Koprs unter Befehl von General Gebhard Leberecht von Blücher wurde hier aufgestellt. Blücher bewohnte das Haus Mühlenstraße Nr. 6. Zu den versammelten 5000 Preußen, die unter Friedrich Wilhelm Bülow von Dennewitz vor dem Frankentor übten, gehörte auch Ferdinand von Schill. Ein 8000 Mann starkes Hilfskorps aus England kam Anfang Juli ebenfalls nach Stralsund. Nach der Kündigung des Waffenstillstandes durch Schweden rückten die Franzosen schnell wieder in Pommern vor und erreichten am 15. Juli 1807 wieder Stralsund. Eine Bitte des Stralsunder Magistrats an den schwedischen Könid, die Belagerung abzuwenden, schlug Gustav Adolf am 23. Juli ab.

Am 6. August 1807 führten die Franzosen einen ersten Angriff auf Stralsund. Am 9. August wurde die schwedische Regierung nach Bergen auf Rügen verlegt. Der König übergab am 19. August die Regierung an den Stralsunder Magistrat. Bürgermeister David Lukas Kühl übergab am 20. August gegen 18 Uhr die Stadt an die Belagerer. Am Abend noch besetzten französische Truppen Stralsund.

Sie schleiften die Festungsanlagen, trugen die der Verteidigung dienenden Wälle ab und verlangten vom Land hohe Kontributionen. Einquartierungen in Privathäusern waren bis zum Kasernenbau die Regel. Die Franzosen unter Generalgouverneur Thouvenot nutzten das Gymnasium im ehemaligen Katharinenkloster und das Gebäude der Ressource als Kaserne, in den Pfarrkirchen St. Marien und St. Jakobi richteten sie Magazine ein. die Johanniskirche und die Heilgeistkirche wurden zu Stallungen umfunktioniert. Die Besatzer schufen Relikte der mittelalterlichen Strafgerichtsbarkeit wie den Schandpfahl ab.

Im Herbst 1808 wurden einigen französischer regimenter abgezogen, im Winter 1808/1809 betrug die Besatzungstärke 3000 Mann.

Bürgermeister David Lukas Kühl traf sich 1808 in Erfurt mit Napoleon, um unter anderem über die Beibehaltung der ständischen Verfassung zu sprechen. Auf die Fage Napoleons, ob die Stralsunder zu Preußen wollten der zu Mecklenburg antwortete Kühl, sie würden Mecklenburg vorziehen, da man die gleiche Verfassung und Gesetze habe. Eine Entscheidung traf Napoleon allerdings nicht.[16] Nach der Audienz wurden die französischen Truppen im März 1808 größtenteils abgezogen und durch eine kleine Wachtruppe aus französischen und polnischen Soldaten ersetzt.

Am 25. Mai 1809 traf aus Damgarten Major Freiherr Ferdinand von Schill gegen 10 Uhr in Stralsund ein. Er zog durch das Tribseer Tor in die Stadt ein, die er noch aus dem Jahr 1807 kannte. Nachdem er in Damgarten erfolgreich gekämpft hatte, hoffte er in der Festungsstadt Stralsund auf ein Fanal für die Befreiung von der französischen Fremdherrschaft. Seinem Mitkämpfer Leutnant Leopold von Lützow rief er zu: „Wir brauchen Stralsund als Stützpunkt für den Kleinkrieg, auch wenn wir ehrenvoll fallen sollten.“ Schills Einzug in Stralsund begleitete ein Sieg gegen in der Mönchstraße kämpfende französische Artilleristen. Mit Hilfe des in schwedischen Diensten stehenden Offiziers Friedrich Gustav von Petersson gelang es Schills Truppen, die französische Besetzung der Stadt zu vertreiben. Er trieb nun die Wiederanlage der geschleiften Verteidigungsanlagen voran und zog dazu bis zu 1.000 Bauern der Umgebung heran. Sein Eintreffen begeisterte die Stralsunder allerdings nicht wie erhofft, da sie weniger patriotisch gesinnt waren als Schill und stöhnten eher über die erneute Einbeziehung ihrer Stadt in Kampfhandlungen, die immer Belastungen der Bürger mit sich brachten. Zweifel kamen auch in Schills Truppen auf angesichts der aussichtslos erscheinenden Lage in Stralsund. Truppen der Generäle Gratien und von Ewald zogen heran, die mit 6.000 Mann (Dänen und Niederländer) eine Übermacht darstellten. Einige der Offiziere Schills zogen aus Stralsund ab, darunter auch Leo von Lützow.

Am 30. Mai 1809 veröffentlichte Schill ein „Publicandum“ mit folgendem Inhalt:

„Durch die mit den Waffen in der Hand erfolgte Besitznahme hiesiger Stadt und Festung, trete ich, vermöge des Waffenglücks, in die Rechte des Eroberers. Meine Absicht ist, bei meinen Unternehmungen ein widerrechtlich unterjochtes und der Krone gewaltsam entrissenes Land zurückzugeben, da ihr folgendes gebührt. So lange aber, bis dieses Land von mir in die Hände des rechtmäßigen Besitzers zurückgegeben ist, und so lange der Besitz desselben mit der Ausführung meiner ferneren Pläne vereinigt ist, muß ich mir dessen Besitz sichern. Wenn nun aber zur Verpflegung, Bekleidung und sonstigen Unterhaltung meiner Truppen die Annahme aller und jeder Staatskassen, als Domainen-Revenuen, Zoll- und Accise-Steuer-Gelder und dergleichen mehrere, erfordert wird, so werden von dem Tage der erfolgten Besitznahme an, sämtliche Kassen des Landes für mich verwaltet, und nur mir sind die Rendanten responsable. Die Uebertretung dieses Gebots, so wie der geringste dabei vorkommende Unterschleif wird mit Festungsstrafe geahndet. Eine von mir niedergesetzte Commission wird morgen nachmittag die Kassenbücher nachsehen und die Bestände annehmen.
Stralsund, den 30. Mai 1809.
Schill, commandierender Officier der hiesigen Provinz.“

Am 31. Mai 1809 griffen die Franzosen wie von Schill erwartet die Stadt am Tribseer Tor an, durch das Schill selbst sechs Tage zuvor eingerückt war. Der erste Angriff konnte abgewehrt werden. Jedoch rückten die angreifenden Truppen am Tribseer Tor nur zur Ablenkung an. Ihre Hauptmacht konzentrierte sich auf das Kniepertor, wo sie schnell in die Stadt vordringen konnte. Gegen die Übermacht hatten die Schillschen Truppen kaum eine Chance, wehrten sich jedoch verzweifelt. Nur einem kleinen Teil gelang die Flucht durch das Frankentor; die meisten fielen im Kampf. Schill selbst wurde nach einem Fluchtversuch, der ihn in der Annahme, die Stadt dort verlassen zu können, ins Johanniskloster geführt hatte, beim Ritt durch die Fährstraße von einer Kugel tödlich getroffen. Sein Leichnam wurde in das Haus des städtischen Chirurgen am Alten Markt gebracht. Am 1. Juni 1809 fand in der Stadt eine Siegesparade statt. Später am selben Tag wurde der Kopf Schills abgetrennt und an Napoleons Bruder Jerome Bonaparte, König von Westphalen, geschickt. Schills Körper wurde am 2. Juni 1809 auf dem St.-Jürgen-Friedhof verscharrt. Schills Kampfgefährte von Petersson geriet in Gefangenschaft und wurde am 4. Juni 1809 vor dem Kniepertor erschossen. Daran erinnert heute eine Gedenktafel. 557 Männer aus Schills Truppe wurden gefangen genommen. Einige wurden nach Braunschweig gebracht und hingerichtet, andere mussten auf Galeeren dienen.

Die Besatzung wurde zunächst von holländischen, dann wieder von mecklenburgischen Truppen gestellt. Im Januar 1810 kam es zum Frieden zwischen Frankreich und Schweden und zur Rückgabe Stralsunds an Schweden. Am 27. Januar 1812 zogen die Franzosen wieder in Stralsund ein, das ihnen vom Kommandanten von Peyron kampflos übergeben wurde. Bis zum 7. März 1813 blieb eine 4000 Mann starke Besatzung in Stralsund. Am 15. März 1813 zogen wieder schwedische Truppen in das von den Franzosen verlassenen Stralsund ein. Im Frieden zu Kiel 1814 und durch nachfolgende Verträge vom 4. und 7. Juni 1815 trat Schweden das Gebiet Schwedisch-Pommern und Rügen gegen Zahlung von 3,5 Millionen Taler preuß. Courant an Preußen ab.

19. Jahrhundert. Die Preußenzeit

Am 23. Oktober 1815 trat Schweden in Umsetzung der Verträge des Wiener Kongresses Stralsund und Vorpommern an Preußen ab. Die stationierten Regimenter zogen am 23. Oktober 1815 symbolisch durch das Kniepertor ab und wieder in die Stadt ein. Am selben Tag hatten sich im Meyerfeldtschen Palais, dem Sitz des schwedischen Gouverneurs, Regierungsvertreter aus Schweden und Preußen sowie Deputierte der Ritterschaft, Stände, Kirche und der Universität Greifswald versammelt. Die “Stralsundische Zeitung” berichtete am 28. Oktober 1815, dass der schwedische Gesandte „vom Schmerz der Trennung ergriffen“ das Entlassungspatent des schwedischen Königs verlas; er verkündete, „dass es seinem Herzen ein großes Opfer gewesen sei, sich von einem Lande zu trennen, dessen Einwohner jederzeit die rührendsten Beweise des Patriozismus und der Anhänglichkeit an das Mutterland abgelegt hätten“.[17] Der preußische Gesandte verlas darauf das Besitzergreifungspatent des preußischen Königs.

Politik

Stadtverfassung

Den Stralsundern und Vorpommern sicherte der König Schutz zu und den Erhalt der ständischen Verfassung, die er jedoch der den gesamten Staaten zu gewährenden allgemeinen Verfassung anschließen wollte.[18] Die alte Stadtverfassung, der Erb- und Bürgervertrag aus dem 17. Jahrhundert, teilte die Einwohner noch immer in drei Grade auf. In der Sitzung des Rates am 25. Oktober 1815 äußerten die Bürgermeister und Ratsmitglieder jedoch die Vermutung, „dass es möglicherweise auf die Einführung einer neuen Verfassung oder doch mancherlei Neuerungen abzusehen“ wäre.[19] Bürgermeister David Lukas Kühl wurde im Dezember 1815 nach Berlin entsandt, um vom König die alten Rechte bestätigt zu bekommen, jedoch wurde der Delegation keine Audienz gewährt; Kühl begegnete dem König dann auf einem Neujahrsball und wurde von ihm mit Floskeln abgefertigt.[20]

Bei einer Volkszählung am 1. Dezember 1815 waren in Stralsund 6012 männliche und 7197 weibliche Personen wohnhaft. Davon gehörten ungefähr 300 Bürger dem ersten Stand an. Im Jahr 1831 trat die revidierte Städteordnung in Kraft. Zu diesem Zeitpunkt forderten Vertreter des dritten Standes vom Rat ein Mitspracherecht bei Neuwahlen und die Entfernung der Gewandhaualterleute aus dem Rat. Der Rat sah sich gezwungen, den Forderungen nachzugeben, allerdings verfolgte er weiter die Wiederherstellung der alten Ordnung, u. a. durch mehrfache Eingaben bei der Regierung Preußens. Prof. Dr. Carl Ferdinand Fabricius, der einer alten Ratsfamilie entstammte, richtete nach der Julirevolution in Frankreich eine elfseitige Petition an den preußischen König, in der er das den Ratsherren geschehene Unrecht beklage und vor den Auswirkungen warnte. König Freidich Wilhelm IV. beauftragte den Greifswalder Oberappellationsgerichtspräsidenten Goetze mit der Einleitung notwendiger Maßnahmen. Nachdem Goetze mit der Umsetzung scheiterte erließ der König am 10. Juli und 27. Dezember 1844 Kabinettsorder, die die Wiederherstellung der alten Stadtverfassung verlangte; am 2. Juni 1845 zogen die Gewandhausalterleute wieder in den Rat ein.

Bürgerliche Revolution 1848/1849

Am 18. März 1848 zogen Stralsunder Bürger durch die Stadt. Sie riefen „Es lebe die Revolution“, Fensterscheiben wurden eingeworfen und die Polizei nahm einen Demonstranten fest. Der Rat veranlasste die Bewaffnung des “Sicherheitsvereins” und erhielt dafür 541 Infanteriegewehre und 32 Pioniergewehre von der Garnison. Eine weitere Demonstration gab es am 22. April, nachdem der Wortführer des Bürgertums, der Arzt Johannes Engelbracht, vom Rat diffamiert worden war. Mit Engelbracht standen der Redakteur Carl Ludwig Kübler, der Kanzlist Carl Ferdinand Adlerbaum, Kaufmann Ernst Heinrich Billich, Zollassessor Ludwig August Tülff und der Gymnasiallehrer Johannes von Gruber an der Spitze der bürgerlichen Bewegung. Kübler gab von Mai 1848 (bis Juni 1850) die Zeitschrift “Der Fortschritt” heraus. Politische Vereinigungen wurden gebildet, so der “Constitutinelle Club” und der “Schwarz-Rot-Goldene Club”.

In einer Abstimmung am 9. Juli 1848 entschied sich eine Mehrheit gegen die alte Stadtverfassung und für Refeormen. Der Abgeordnete Stralsunds in der Frankfurter Nationalversammlung, Gymnasialrektor Johann Ernst Nizze, schrieb dagegen am 8. August 1848 an Zober: „(…) weil wir kein republikanisches Deutschland und Preußen wollen, vielmehr ein solches für ein Unglück halten“; er riet zur „Mäßigkeit“.

Als die Regierung im November die Landwehr mobilisierte kam es zu Unruhen. Die Einkleidung eines Bataillons am 19. November 1848 wurde durch Stralsunder Bürger massiv behindet, woraufhin reguläres Mlitär eingesetzt und der Ausnahmezustand verhängt wurde.[21] Für die Teilnehmer an den Protesten am 18. März und 19. November des Jahres wurden Gefängns- und Zuchthausstrafen von bis zu drei Jahren verhängt.[22] Der Zollassessor Tülff wurde in einen anderen Ort versetzt; bei seiner durch den “Volksverein” initiierten Verabschiedung versammelten sich am 6. Januar 1849 auf dem Alten Markt 1500 Bürger.

Bei der Wahl zur Zweiten Kammer am 21. Januar 1849 traten der “Volksverein” und der “Constitutinelle Club” zusammen als Wahlverein “Demokratisch-Konstitutionelle Partei” an und stellten fast zwei Drittel der 72 Wahlmänner.

Wahlen und Parteien

Bei der Reichstagswahl 1884 trat die Sozialdemokratische Partei Deutschlands in Stralsund erstmals mit einem Kandidaten, Eduard Müggenburg, an. Er erhielt 417 von 4191 Stimmen.[23]

Am 14. Februar 1891 fand in Stralsund eine Veranstaltung der Sozialdemokratie mit dem Referenten Fritz Herbert aus Stettin statt, die von 300 Personen besucht wurde.[24] Am 27. März 1891 erschien erstmals die “Stralsunder Volksstimme”, das „Organ für die Interessen der Arbeiter von Neu-Vorpommern und Rügen“.

Nachdem am 10. Mai 1891, nur wenige Tage, nachdem in Stralsund erstmals der 1. Mai als Kampftag begangen wurde, eine Volksversammlung im Restaurant “Thalia” am Knieperdamm Nr. 8 die Bildung einer Organisation der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands beschlossen hatte, wurde am 6. Juni 1891 in der Herberge “Zu den drei Kronen” in der Böttcherstraße Nr. 69 der sozialdemokratische Wahlverein gegründet.[25] 1892 wurde Albert Genzen an die Spitze der Stralsunder SPD gewählt.

Bei der Reichstagswahl 1898 gewann die SPD 1051 Stimmen.[26]

Schill-Denkmal

Schill-Gedenken

Auf Ferdinand von Schills Grab legten Bürger am 18. Oktober 1838 eine Eisentafel mit der (im Original lateinischen, aus VergilsAeneis“ stammenden) Inschrift:

„Großes gewollt zu haben ist groß. Er sank hin durch das Schicksal. Am Gestade liegt der mächtige Rumpf. Ward entrafft auch das Haupt, ist doch der Körper nicht namenlos.“

Am 30. Mai 1859 fand eine Gedenkfeier von überlebenden Schillschen Kampfgefährten und Stralsundern statt, 1909 ein bronzenes Denkmal errichtet.

Gewerkschaften

Existierte bis 1890 nur zwei freie Gewerkschaften, nämlich die der Buchdrucker und die der Maurer und Zimmerer, folgten ab Oktober 1891 weitere Gründungen von Gruppen, so der Metallarbeiter, Bau- und Holzarbeiter, Brauerei- und Fabrikarbeiter, Maler, Schmiede, Schneider und Schuhmacher sowie 1897 die Gewerkschaft der Fischer und Seeleute. Am 25. November 1898 wurde ein Gewerkschaftskartell gegründet.[27]

Vertreten waren in Stralsund auch der Hirsch-Dunckerscher Gewerkverein, der Evangelische Arbeiter-Verein und der Katholische Arbeiter- und Handwerkerverein.

Verwaltung

1818 wurde Stralsund Hauptstadt des preußischen Regierungsbezirks. 1874 wurde der Stadtkreis Stralsund gebildet, zuvor Kreis Franzburg.

Wirtschaftliche Entwicklung

Schifffahrt

Die Stralsunder Reeder mussten zu Anfang des 19. Jahrhunderts Einbußen hinnehmen, die vor allem auf den Handelsbeschränkungen der „Schutzölle“ ausländischer Märkte rührten. 1816 waren noch 114 Schiffe in Stralsund beheimatet; 216 Schiffer und Steuermänner, 433 Matrosen und Schiffsjungen auf großer Fahrt, 33 Binnenschiffer und Steuerleute sowie 55 Steuerknechte und neun Lotsen zählte ein Wirtschaftsverzeichns.[28] 1817 waren nur noch 100 und 1836 nur noch 65 Schiffe in Stralsund beheimatet.[29] Stralsunds Haupthandelsgut war Getreide, welches besonders hoch verzollt wurde. 1837 wurde von Stralsunder Schiffen erstmals New York angelaufen, an Bord der drei Briggs und zwei Galeassen waren etwa 440 Tonnen Weizen und Roggen. Nachdem einige Schutzzölle aufgehoben oder gelockert wurden blühte auch das Geschäft mit dem Getreide wieder auf, Haupthandelspartner waren in den Niederlanden und in England.

Am 1. Mai 1824 legte mit dem schwedischen Raddampfer „Constitutionen“ erstmals ein Dampfschiff in Stralsund an, der auf der Postverbindung Stralsund–Ystad zusammen mit dem preußischen Schiff „Der Adler“ die Zeit der Segeljachten beendete. Dem Verkehr stand allerdings bald die Verschlammung der Fahrrinne entgegen, woraufhin Schweden die Route 1826 nach Greifswald verlegte. Die Fahrrinne musste ausgebaggert worden war. Der Stralsunder Hafen allerdings war weiterhin verschlammt, was aus dem Schleifen der Festung während der französischen Besetzung (der Steinschutt wurde in den Hafen gekippt), aber auch aus der Einleitung der Rinnsteine herrührte. Am 5. Juli 1840 informiete der General-Postmeister den Stralsunder Rat, dass die Postlinie ab dem 1. Mai 1841 wieder bis Stralsund verlaufen würde und die Stadt den Hafen entsprechend vorzubereiten habe, was dann auch geschah.

Von 1856 bis 1883 wurde der in Rostock gebaute 27 Meter lange Raddampfer “Altefähr” für den Fährverkehr über den Strelasund zwischen Stralsund und Altefähr auf Rügen eingesetzt. Das Schiff wurde von den Stralsundern spöttisch „Flunder“ genannt worden; aufgrund technischer und konstrukionstechnischer Mängel fiel häufig mitten im Betrieb die 34 PS-Maschine aus. Die Stralsunder sangen darauf den Gassenhauer

„Von Stralsund, seggt he,
nah Ollfähr, seggt he,
geht’n Damper, seggt he,
hen und her, seggt he.
Von’t oll Ding, seggt he,
is groot G’schrei, seggt he,
all Og’nblick, seggt he,
is’t enttwei.“

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Stralsunder Flotte ausgebaut. 1878 waren es 219 Schiffe, die in Stralsund beheimatet waren, sie hatten eine Kapazität von insgesamt 45.459 Register-Tonnen.[30] Ziele der Stralsunder waren u. a. Alexandria, Algier, Archangelsk, Batavia, Buenos Aires, Haiti, Konstantinopel, Kuba, Melbourne, Odessa und Québec. 1856 kamen Bombay, Hongkong, Rangun, Singapur und Shanghai hinzu.[31] Damit einher ging die Entwicklung zur internationalen Frachtschifffahrt.

Zur Ausbildung der Seeleute gründete Carl Wilhelm Lorenz 1854 die Navigationsvorschule Stralsund, die bis 1880 1046 Matrosen absolvierten.

Bedeutende Reedereien waren die des Eugen Diekelmann, der im Jahr 1850 29 Schiffe bereedete[32], und die des Carl August Beugs, der 1875 35 Schiffe bereedete.[33]

Der erste Stralsunder Dampfer, die “Stralsund”, wurde 1857 abgewarckt. 1858 nahm der Radampfer “Rügen” den Fährbetrieb zwischen Stralsund und Stettin auf.[34] Im selben Jahr drohte der Postverbindung nach Ystad in Schweden die Aufgabe, nachdem das von 1842 bis zur Abwrackung im Jahr 1858 eingesetzte, viel zu groß konzipierte Dampfschiff “Königin Elisabeth” unter hohen Verlusten ausgemustert worden war. Die Proteste bei der preußischen Regierung fruchteten. 1865 verlagerte Schweden seinen Ausgangshafen von Ystad nach Malmö, 1870 gingen die Schiffe in Privathand über. In Stralsund betrieb die Reederei Israel den Dampfer “Oscar” auf dieser Linie noch bis zum 16. Oktober 1896.

Die Schifffahrt wandelte sich, die Vereiniten Staaten und Kanada wurden große Getreideexporteure und verdrängten Stralsunder Händler vom Makt. Gab es 1880 noch 200 Schiffe im Stralsunder Schiffsregister waren es 1895 nur noch 35; die modernen Flotten der Zeit bestanden aus Dampfschiffen, die es in Stralsund kaum gab.

Schiffbau

Am 24. Mai 1841 lief unter reger Beteiligung der Bevölkerung das erste Dampfschiff mit Heimathafen Stralsund ein; es war in England gebaut worden. Der Stralsunder Schiffbau allerdings kam in den 1830er Jahren fast zum Erliegen. Das Unterhaltungsblatt “Sundine” fragte am 6. August 1838 „warum wird in Stralsund jetzt so selten und fast gar nicht mehr ein großes Schiff gebaut?“. Die starre Zunftordnung jedoch verhinderte Neuentwicklungen. Der Greifswalder Schiffbauer Joachim Peter Juhl forderte von der Stadt, dass er sein Geschäft in Stralsund aufnehmen könne, ohne mit dem hiesigen Schiffszimmereramt in Verbindung zu geraten; „die dort in Betreff meines Gewerbes bestehende Zunftverfassung (würde seiner) Thätigkeit solche Fesseln anlegen, daß (er seine) Kunst nicht mit Vortheil ausüben könne“, schrieb er der Stadtverwaltung.[35] Dies wurde ihm erlaubt, und Juhl baute 1839 eine Bark, eine Brigg und eine Jacht. Die beiden Stralsunder Schiffbauer Jacob Nicolaus Kasten und Johann Martin Theodor Erich legten daraufhin auch wieder neue Schiffe auf Kiel.

Im Jahr 1848 baute die Werft Juhl das erste preußische Kanonenboot, die “Strela-Sund”, die am 16. August des Jahres vom Stapel lief. Dies gilt als die „Geburtsstunde“ der preußischen Marine; weitere Schiffe, die auf dem Dänholm stationiert wurden, folgten.[36]

1854 wurden in Stralsund 17 Schiffe neu gebaut.[37]

Bald reichte der Platz auf der Lastadie vor dem Fährtor, Semlower Tor und Badentor nicht mehr aus. Während Juhl die Vergrößerung der Lastadie durch neue Bohlwerke vorschlug plante man die Verlegung der Schiffbauerplätze an den Frankenstrand. Da Stralsund jedoch weiterhin Festung war entschied das Kriegsmanisterium dagegen, da „die Aktionsfähigkeit des Frankenkronwerks beeinträchtgt, die Möglichkeit des Bestreichens der Flächen zum Dänholm eingeengt“ würden. Nach langen Verhandlungen wurde 1858 mit der Errichtung eines neuen Geländes begonnen, Pfähle gerammt und Aufschüttungen vorgenommen. 1860 begannen die Werften auf dem neuen Gelände, sie beschäftigten 220 Zimmerleute, 78 Lehrlinge, 24 Brettschneider und 11 Arbeiter. Im Jahr 1862 wurden auf den Werften Stralsunds 20 Neubauten hergestellt.[38] Neben Juhl unterhielten auch Julius Preuß, Omar Johannes Kirchhoff und Carl Wilhelm Mohr leistungsfähige Werften. Produziert wurden die Schiffe jetzt zunehmend auch für den eigenen, Stralsunder Bedarf.

Der Wandel im Welthandel brachte jedoch schon zum Ende des 19. Jahrhunderts den Verfall des Stralsunder Schiffbaus. 1880 gab es nicht einen Stapellauf mehr, was bis ins 20. Jahrhundert anhielt. Einzig ein Neubau im jahr 1889 (ein Gaffelschoner der Werft Mohr) wurde aufgelegt. Die Werften hatten den Übergang vom Segelschiff zum Dampfschiff, der sich rasant vollzogen hatte, verpasst, und wurden schnell von der Konkurrenz in Rostock oder Stettin verdrängt.

Handel und Gewerbe

Im Jahr 1816 verzeichnete man in Stralsund die Spielkartenfabrik Schlüter, acht Tabakfabriken, sieben Hutmacher, drei Seifensieder und Kerzengießer, eine Spiegelfabrik, eine Zuckersiederei und eine Korkenfabrik[39], wobei die Fabriken nur kleine Betriebe waren. Weiterhin werden 142 Schuh- und Pantoffelmacher und Schuhflickermeister mit 100 Gehilfen und Lehrlingen, 84 Schneidermeister mit 60 Gehilfen und Lehrlingen, 30 Bäcker mit 70 Gehilfen, zehn Zimmermeister mit 82 Gehilfen und Lehrlingen, sieben Maurer- und Dachdeckermeister mit 63 Gehilfen, sechs Glockengießer und Gürtler, vier Instrmentenbauer, zwei Bildhauer, drei Kunstmaler, zwei Gipsgießer und Stukkateure, zehn Kunstdrechsler und Bernsteindrehermeister, ein Lohnkutscher sowie zahlreiche Schmiede, Tischler, Fleischer, Töpfer, Glaser, Weber und Maler; zusammen 1411 im Handwerk beschäftigte Personen aus.

Im „Dienst der Herrschaft“ weist das Verzeichnis 269 männliche und 808 weibliche Personen aus.

Dasselbe Verzeichnis listet 42 Mälzereien, 13 Windmühlen, fünf Wassermühlen, fünf Grützmühlen, 16 Brauereien, eine Buch- und Notendruckerei, 24 mit Ellen- oder Schnittwaren, Eisen und Messing handelne Geschäfte sowie 69 Kleinkaufleute („höker“) wurden gezählt. 14 Gasthöfe „für Personen aus den gebildeten Standen“, 16 Gasthöfe für Fuhrleute, 32 Speisenwirte und Garköche sowie 124 Schankstellen und Tabagien ohne Gastwirtschaft sind ebenso aufgeführt.

1825 gründete J. P. Lindner seine “Pianofortefabrik”, die ihre Instrumente weltweit exportierte.[40] Mitte des 19. Jahrhunderts kamen weitere, neue Betriebe hinzu: Eine Eisengießerei, die Lichtfabrik Palm, die Ölmühlen Langemack und Hoffmann, die Destillatiosn- und Weinessigfabrik Bollmann und Drews und die Wattefabrik Zöllner.[41]

Jüdische Kaufleute entwickelten moderne Handelsideen: Am 15. April 1852 errichteten die Gebrüder Wertheim ihr „Manufactur-Modewaren-Geschäft“ und bauten 1875 das erste Wertheim-Kaufhaus in Stralsund. Leonhard Tietz eröffnete am 14. August 1879 einen kleinen Laden und begründete damit den später als „Kaufhof“ bekannten Konzern (siehe auch Geschichte der Juden in Stralsund).

Die 1892 in der Marienstraße eröffnete “Stralsunder Bogemlampenfabrik” von Naeck&Holsten stellte elektrische Ausrüstungen her. Die Fabrik versorgte nicht nur Stralsunder Frimen mit elektrischen Lichtanlagen, sondern exportierte auch nach Belgien, Dänemark, England, Frankreich, Russland, Spanien und Java, 1897 wurde sogar die Weltausstellung in Brüssel beliefert.[42]

Eisenbahnverkehr und Straßenbahn

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts bemühten sich die Stralsunder um den Anschluss ans Eisenbahnnetz. 1843 war Stettin mit Berlin und 1850 Rostock mit Hamburg verbunden worden. 1844 bildete sich der “Verein zur Erlangung einer Eisenbahn von Berlin über Neu-Strelitz nach Stralsund”. Ein vom Verein in Auftrag gegebens Projekt wurde jedoch vom preußischen Ministerium verworfen. Erst 1863 wurde die Stadt als Nebenbahn mit Berlin und Stettin verbunden. Der Anschluss an die Nordbahn wurde weiter vefolgt, jedoch erst am 1. Januar 1878 mit dem Einlaufen eines Zuges aus Berlin verwirklicht. Am 1. Juli 1883 wurde das Trajekt von Stralsund nach Altefähr eröffnet. Bereits 1869 waren Entwürfe für eine Eisenbahnverbindung Berlin-Neustrelitz-Stralsund-Arkona mit Strelasundquerung und Hafen auf Rügen vorgelegt worden.

Die im Jahr 1861 begonnenen Verhandlungen über eine Eisenbahnstrecke zwischen Stralsund und Rostock dauerten letztlich fast 30 Jahre. Hintergrudn waren Prestigefragen der benachbarten deutschen Staaten Preußen und Mecklenburg. 1881 lehnte der Mecklenburgische Landtag die ausgehandelten Verträge ab, da in diesen „nicht die Verpflichtung ausgedrückt war, die Bahn auf Mecklenburgischem Terrain immer in Betrieb zu erhalten, und man befürchtete, Preußen könne den Betrieb bis nach Damgarten unter Umstnden beschränekn“.[43] Die Grenze zwischen Preußen und Mecklenburg verlief damals an der Recknitz, die die heute verbundene Stadt Ribnitz-Damgarten in das mecklenburgische Ribnitz und das pommersche Damgarten trennte. Erst am 11. Juni 1888 wurde die Strecke von Stralsund bis zur Landesgrenze abgenommen.

Die Berliner Firma Felix Singer & Co. AG, die ein Elektrizitätswerk in Stralsund errichtet hatte, baute auch die Straßenbahn in Stralsund auf (siehe dazu SWS Nahverkehr GmbH), die am 25. März 1900 erstmals fuhr.

Post- und Fernmeldewesen

1851 wurde eine Telegrafenleitung von Stettin nach Stralsund und im Jahr 1854 das erste deutsche Seekabel durch den Strelasund verlegt. Die Preußische Telegraphenstation begann ihren Betreib am 1. Januar 1855 in einem Haus in der Frankenstraße Nr. 32. Die ersten Telefone wurden am 1. Oktober 1887 in Betrieb genommen – 38 Anschlüsse gab es zunächst, das Telefonieren war nur innerhalb der Stadt möglich. Telefonleitungen für Ferngespräche kamen ab 1894 hinzu. In diesem Jahr wurden Leitungen nach Anklam und Stettin, 1895 nach Barth, 1897 zu Orten der Provinz Pommern und 1898 nach Berlin gelegt.

Nachdem Telegrafenamt und Post in einem Haus in der Mühlenstraße zusammengelegt waren wurde der Platz bald zu eng. Am 12. Oktober 1888 weihte General-Postdirektor Heinrich von Stephan das Postgebäude am Neuen Markt ein. In diesem Jahr überschritt die Anzahl der Briefsendungen die Millionengrenze.[44]

Die Errichtung der Eisenbahnstrecken brachte auch Veränderungen im Postwesen, das bis dahin weitgehend über wöchentlich mehrmals beschickte Routen nach Barth, Greifswald, Rostock, Rügen und Tribsees lief. Noch 1887 besaß das Stralsunder Postamt 25 Pferde.

Gas und Elektrizität

Die Stralsunder Straßen wurden bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts noch durch Öllampen beleuchtet. 1853 gründeten Einwohner den “Verein zur Errichtung einer Gasbeleuchtung”. Einen Antrag zum Aufbau einer solchen jedoch lehnte der Rat am 23. Juni 1854 noch ab. Im Jni 1856 begannen die Arbeiten zur Errichtung einer Gasbeleuchtungsanstalt in der Frankenvorstadt, und am 27. Mai 1857 leuchteten erstmals 325 Gaslaternen in den Straßen. 95 Privathaushalte unterhielten zudem 548 Flammen. Weitere Privathaushalte kamen hinzu, so waren es 1860 3562 Flammen, 1876 mehr als 8000 und 1888 10.236 Flammen[45] Das Stralsunder Theater zählte schon ab 1857 zu den Kunden der Gasbeleuchtungsanstalt.

Ab 1894 wurde das Gas auch als Brennstoff an die Privathaushalte geliefert.

Die Berliner Firma Felix Singer & Co. AG errichtete ein Elektriztätswerk in Stralsund. Ab 1899 lieferte die “Stralsunder Bogemlampenfabrik” von Naeck&Holsten auch für Privathaushalte elektrisches Licht, nachdem ab 1895 Firmen und Geschäfte versorgt worden waren.

Das Gaswerk und das Elektrizitätswerk wurden 1899 zum Betrieb “Stralsunder Gas- und Wasserwerke” zusammengelegt.

Städtebau

Durch ein Reichsgesetz vom 30. Mai 1873 wurde Stralsund entfestigt, das heißt: Der Festungscharakter wurde aufgehoben. Dieser hatte der wirtschaftlichen Entwicklung Stralsund wiederholt entgegengestanden, so beim Ausbau der Werften oder auch bei der notwendigen Erweiterung der Stralsunder Spielkartenfabrik. Noch in den 1860er Jahren waren auf dem Paschenberg und der Schwarzen Kuppe Verteidigungsanlagen gebaut worden, die erklärtermaßen auch künftige Vorstädte schützen sollten.

Die Anzahl der registrierten Privathäuser betrug im Jahr 1816 1370, im Jahr 1395. Die Einwohnerzahl erhöhte sich von fast 18.000 in der Mitte des Jahrhunderts bis auf 30.000 im Jahr 1900. Mit dem Ausbau der staatlichen Verwaltungen wurde Stralsund mehr und mehr auch von Beamten bewohnt. Hinzu kamen Rentiers, allein am Knieperdamm wuchs ihre Zahl von fünf im Jahr 1875 auf 24 im Jahr 1900.

In den Straßen der Knieper Vorstadt und der Tribseer Vorstadt siedelten sich wohlhabende Unternehmer, hohe Angestellte und Militärs an. Arbeiter wohnten überwiegend in den Straßen der Altstadt. Wohnungsnot herrschte hier, der Festungscharakter aber stand einer Erweiterung über die Stadtgrenzen hinaus lange im Weg. Ohne auf eine Entscheidung der Militärverwaltung zu warten wurden von 1860 bis 1895 fast 100 Häuser jeweils in der Frankenvorstadt und der Kniepervorstadt errichtet sowie fast 90 Häuser in der Tribseer Vorstadt. Neue Straßen wurden angelegt. Die Frankenvorstadt wurde zum industriellen Zentrum. Hier standen das Gaswerk und wurden im Jahr 1860 Werften angelegt, zahlreiche Fabriken kamen hinzu. Auch das Militär baute diese Vorstadt für sich aus, so wurde die Frankendammkaserne errichtet und auf dem Dänholm zahlreiche weitere Kasernen. Die damalige Hafen-Vorstadt war Lagern und Speichern vorbehalten.

In der Innenstadt wurden zahlreiche Häuser abgerissen und machten Neubauten Platz. Die Stralsunder Stadtbefestigungen wurden rigoros abgerissen, zunächst 1853 das Heilgeisttor, später auch das Frankentor. In einer Denkschrift von Bürgern vom 3. Mai 1862 heißt es dazu: „Die Tore bereiten ncht allein dem Verkehr vielfache Hindernisse, sondern sie bilden auch eine Verunzierung der Strßen.“ Das Bürgerschaftliche Kollegium beauftragte wiederholt den Rat, mit dem Abbruch der Tore fortzufahren. 1874 wurde das Fährtor, 1877 das Badentor, 1878 das Tribseer Tor und 1881 das Hospitalertor abgerissen.[46] Dem Abriss des Kniepertores verweigerten Bürgermeister und Rat die Zustimmung und schrieben 1874 an die Bürgerschaft: „Durch die Beseitigung des altertümlichen und stattlichen Turmes würde die Stadt an ihrem eigentümlichen, den Einwohnern wie den sie besuchenden Fremden ansprechenden baulichen Charakter eine empfindliche Beeinträchtigung erfahren, und der nördliche Zugang zu ihr, welcher jetzt durch dieses Gebäude in würdiger und bedeutender Weise bezeichnet wird, würde ein überaus nüchternes Aussehen erhalten“.[47]

Schulwesen

Ein Magistratsprotokoll vom 1. Oktober 1819 zeichnete ein schlimmes Bild von den Stralsunder Schulen: „Kaum glaublich (…), daß in einer Stadt wie Stralsund ist, außer dem Gymnasium, denbeiden Industrie-Schulen, in welchen ungefähr zweihundert Kinder unterrichtet werden, der Schule im Waisenhause und der Schule der Kinder des Militärs, welche mit der Stadt in keiner Beziehung steht, keine öffentlichen Schulen vorhanden sind, und was von den vorhandenen Privatschulen gesagt werden muß, kann nur einem jeden auf das unangenehmste Wunder nehmen.“.[48] 54 Privatschulen gab es zu der Zeit in Stralsund, die „nur äußerst selten notwendige Anforderungen“ erfüllten, wie eine Kommission schrieb.

Eine katholische Schule war am 7. Oktober 1807 eröffnet worden.

Dem Pfarrer an St. Jakobi, Gottlieb Christian Mohnike, übertrug man 1819 auch das Amt des Konsistorial- und Schulrats. Als solcher setzte er sich für die Verbesserung der Elementarschulen ein.

Am 14. Mai 1825 wurde die allgemeine Schulpflicht auch in den neuen Teilen Preußens eingeführt. Das Elementarschulwesen in Stralsund regelte ab 1826 die „Ordnung für die Bürgerschulen in der Stadt Stralsund“; sie sah unter anderem als Strafe auch die körperliche Züchtigung in From von „Schlägen über den Rücken“ vor.

In der Innenstadt wurden 1828 im Wohnhaus Langenstraße Unterrichtsräumen geschaffen, ebenso in der Tribseer Straße Nr. 24, am Katharinenberg Nr. 7 und in der Mühlenstraße Nr. 30. 1860 wurden dann auch Schulgebäude errichtet, so 1860 in der Tribseer Straße und 1869 in der Mönchstraße.

3341 schulpflichtige Kinder bei 21.936 Einwohnern verzeichnet die Statistik für 1861. Sieben Elementarschulen (fünf Volksschulen und zwei Mittelschulen) mit 23 Lehrern und fünf Lehrerinnen standen offen, zudem existierten 16 Privatschulen mit 1064 Schülern.[49] Unter diesen Privatschulen hatte die des Dr. Wilhelm Scheibner (1807–1851) einen ausgezeichneten Ruf, auch die anderen Privatschulen entsprachen jetzt den Anforderungen.

Das humanistische Gymnasium, das seit 1560 im ehemaligen Katahrinenkloster untergebracht war und nur Jungen unterrichtete, besuchten auch im 19. Jahrhundert viele später bekannte Personen. Arnold Ruge, Carl Ludwig Schleich und Hermann Burmeister waren nur einige von ihnen. Franziska Tiburtius dagegen wurde die Aufnahme verwehrt, sie besuchte daher eine Stralsunder Privatschule.

1875 wurde bei der Marienkirche eine Realschule eröffnet, die 1882 zum Realgymnasium umgestaltet wurde; damit besaß Stralsun zwei Gymnasien.

Auch Berufsschulen und Gewerbeschulen wurden errichtet. Nachdem die Armenpflege 1817 eine Sonntagschule eröffnete kamen bis 1826 zwei Abendschulen, 1829 eine Gewerbeschule, 1851 die Handwerkerfortbildungschule und 1880 eine kaufmännische Berufsschule hinzu.

Gesundheitswesen

Krankenhäuser und medizinische Versorgung

Aus dem Jahr 1784 stammte das erste Stralsunder Krankenhaus, es war in der ehemaligen Gasthauskirche (Marienstraße) eingerichtet worden und verfügte zunächst über 24 Betten. Der Zustand der Einrichtung wird vom Stadtphysikus Dr. Friedrich Wilhelm Mierendorff 1839 als „in der allertraurigsten Verfassung“ befindlich beschrieben. Mierendorff schilderte in dem Brief an den Rat der Stadt mangelnde Hygiene und Überfüllung. 1843 wurde die Kapazität des Lazaretts auf 60 Betten erhöht. In der Bleistraße wurden 1842 eine „Irren- und Siechenanstalt“ und 1856 ein Kinderhospital eröffnet. Das zweite Stadtkrankenhaus wurde durch Ernst von Haselberg von 1862 bis 1866 am Frankenwall errichtet; es verfügte über 120 Betten und galt als modernes Hospital, es verfügte über Bäder und Wasserspülung.[50] 1874 wurde am Neuen Markt ein Militärlazarett eröffnet.

Im Jahr 1816 praktizierten in Stralsund sechs Ärzte[51], 1871 waren es 16. Zudem wurden die Soldaten der Garnison von Militärärzten betreut. Die Quacksalberei hatte Hochkonjunktur, es beteiligten sich Barbiere, Buchhändler, Friseure, Kaufleute, Konditoren und sogar Schmiede am Handel mit „Geheimmitteln“.[52]

Badewesen

Ärzte empfahlen ihren Patienten warme Bäder, was durch öffentliche Einrichtungen möglich wurde. Anfang des 19. Jahrhunderts gab es eine Warmbadeanstalt außerhalb der Stadtmauern. 1829 eröffnete Gottfreid Kirchhoff an der Fährstraße ein russisches Damdbad. Andere Duschbäder kamen in der zweiten Jahrhunderthälfte hinzu. Am 19. März 1887 wurde die noch heute vorhandene “Warmbadeanstalt” in der Sarnowstraße eröffnet. Auch das Johanniskloster bot ein Dampfbad für Arme an.

Das Baden im kalten Wasser kam nur zögerlich auf. Im Strelasund durfte ab 1815 im Bereich vom Kniepertor bis nach Parow gebadet werden. Mehrere Seebadeanstalten eröffneten, ab 1838 wurde auch Schwimmunterricht angeboten.

Trinkwasserversorgung

Die Sterblichkeitsrate lag in Stralsund im Zeitraum 1851 bis 1865 bei 27,60 auf 1000 Einwohner[53], was außergewöhnlich hoch war. Gründe hierfür lagen unter anderem in der mangelhaften Trinkwasserversorgung. Die Stadt gewann ihr Trinkwasser aus den Stadtteichen, die wiederum durch das Gewerbe zunehmend verunreinigt wurden. Schwere Epidemien waren regelmäßig zu verzeichnen.

Von 1816 bis 1871 gab es im städtischen Krankenhaus 1700 Patienten, die wegen Unterleibstyphus eingeliefert worden waren, 841 litten an Wechselfieber und 445 an der Cholera. In den Jahren 1849–1850 starben 461 Stralsunder an der Cholera[54], vor allem aus der ärmeren Bevölkerung.[55] Die Ruhr war als Krankheit schon fast „normal“. Bei einer Pockenepidemie in den Jahren 1870/1871 starben von 1805 Erkrankten 410.[56]

Auf dem Gebet der Stadt wurde seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Quellen mit enwandfreiem Waser gesucht, jedoch war das Ergebnis negativ. Stadtbaumeister Ernst von Haselberg schlug 1858 vor, ein Wasserwerk am Borgwallsee zu errichten; dies wurde wegen der Kosten vom Bürgerschaftlichen Kolegium abgelehnt. Die Teiche wurden vertieft und in der von Haselberg gebauten Wasserkunst am Kütertor wurden zusätzliche Filter eingebaut.

Erst 1884 wurde der Plan von Haselbergs umgesetzt und in Lüssow ein Wasserwerk gebaut. Da auch die Arbeiten an der Stralsunder Kanalisation in diesem Jahr ihren Abschluss fanden konnte fortan die Versorgung mit einwandfreiem Trinkwasser sichergestellt werden. Die grassierende Typhusepidemie erlosch.

Kultur

Um dem Wunsch der Bürger nach Wissen nachzukommen gründeten sich im 19. Jahrhundert zahlreiche Vereine, die in Vorträgen Forschungsergebnisse vermittelten. 1816 wurde der “Musikalische Verein”, 1824 der “Konzertverein” und 1825 die “Liedertafel” gegründet, letztere betrieben ein Streichorchester und Chöre.

In den drei Pfarrkirchen Stralsunds (St. Marien, St. Nikolai und St. Jakobi) fanden Orgelkonzerte auf den berühmten Instrumenten statt.

Gottlieb Christian Mohnike gründete 1835 den “Literarisch-Geselligen Verein”, 1841 wurde der “Kunstverein für Neuvorpommern und Rügen” gegründet. Dr. Rudolf Baier hatte größten Anteil am Aufbau und der Entwicklung des vom Kunstverein gegründeten “Neuvorpommerschen Museum für einheimische Altertümer und Kunstgegenstände in Stralsund”. Aus diesem am 1. Juli 1859 in der Alten Küche des Stralsunder Rathauses eröffneten Museum ging dann das heutige Kulturhistorische Museum Stralsund hervor.

Weitere Vereinsgründungen waren 1864 der “Polytechnische Verein”, 1867 der “Nautische Verein” und viele andere.

Am 28. August 1834 öffnete das Stralsunder Theater am Alten Markt9. 600 Personen hatten hier Platz. Zuvor gab es verschiedene Spielstätten, so im Haus der Brauer-Compagnie in der Heilgeiststraße, wo am 7. August 1827 Angelica Catalani auftrat. Anton Rubinstein spielte am 14. November 1868 im “Hotel de Brandenbourg”.

Katastrophen

Im 19. Jahrhundert richteten vor allem zwei Katastrophen starke Schäden in Stralsund an. Beide Male traf ein Hochwasser die Hafen-Vorstadt. Im November 1864 wurde der Ausbau dieser Vorstadt zurückgeworfen.

Eine weitere Hochwasserkatastrophe gab es am 12. und 13. November 1872. Bei orkanartigen Stürmen (siehe Ostseesturmhochwasser 1872) stieg der Pegel auf 2,35 Meter über dem Mittelwasser der Ostsee. Die “Stralsundische Zeitung” ließ einen Augenzeugen berichten: „Von der äußeren Stadtmauer an war alles eine tobende Flut, aus der nur die Speicher am Hafen hervorragten; brausend und brandend rollten mächtige Wogen bis auf die Zugbrücken der äußeren Tore. Die Schiffe im Hafen und die Fahrzeuge im Kanal wurden von Wind und Wellen hin und her und gegeneinander geschleudert. Aber noch nicht genug des Schreckens und der Gefahr, – es geriet die Kalkniederlage außerhalb des Badentores in Brand, … eine funkensprühende Flammeninsel inmitten der alles überflutenden Wassermassen, –überall Zerstörung. Außerhalb des Hafens befinden sich auf dem Mast eines gesunkenen Schiffes zwei Menschen, verzweifelnd um Hilfe rufend, aber alle Rettungsversuche erweisen sich bei der Brandung und dem rasenden Strume als unausführbar …“.[57]

Der Strum hatte den gesamten Hafen mit Schiffsteilen und Bootstrümmern übersät, 19 Schiffe waren auf den Kai geworfen worden. Die Hafenanagen der Eisenbahn sowie die Verladebrücken waren zerstört, die anliegenden Häuser standen meterhoch unter Wasser.

20. Jahrhundert

Weimarer Republik und Drittes Reich

1932 wurde der preußische Regierungsbezirk Stralsund aufgelöst und in den Regierungsbezirk Stettin eingegliedert.

Der Boykott gegen jüdische Geschäfte am 1. April 1933 scheiterte in Stralsund ausgerechnet bei den beiden großen Warenhäusern jüdischer Inhaber Wertheim und Tietz an der noch gleichgültigen Bevölkerung. Die jüdischen Geschäftsführer mussten aber bald ausgetauscht werden. Nach der Erfassung des jüdischen Besitzes setzte die profitable Arisierung ein. Am 9. November 1938 wurde die Synagoge geplündert und brannte völlig aus, beim Bombenangriff auf Stralsund am 6. Oktober 1944 wurde sie zerstört und 1950 abgerissen. 30 jüdische Geschäfte wurden in der Pogromnacht geplündert. Bereits seit 1938 wurden staatenlose Juden zwangsumgesiedelt. Während sich 1933 noch 134 Personen zum Judentum bekannten, waren es 1939 nur noch 62; die meisten wurden in die nationalsozialistischen Vernichtungslager gebracht und kamen dort ums Leben, am 12. Februar 1940 wurden gleich 40 über Stettin in das Ghetto Lublin deportiert. Nur zwei männliche und fünf weibliche Juden überlebten den Terror und kamen zurück.[58] (Siehe auch Geschichte der Juden in Stralsund).

Bei einem alliierten Bombenangriff (Ziel war eigentlich ein Rüstungswerk in Peenemünde, welches wegen des Wetters nicht angeflogen werden konnte) wurden am 6. Oktober 1944 weite Teile der Altstadt zerstört – u. a. auch 8000 Wohnungen. Die Verluste in der Bevölkerung waren vergleichsweise so hoch wie beim Hamburger Inferno.

Neuanfang und DDR

Nach dem Krieg war Stralsund Teil des Landes Mecklenburg-Vorpommern (1947 wurde aus politischen Gründen der Zusatz Vorpommern getilgt), später des Bezirkes Rostock. Während der DDR-Zeit wurde die Volkswerft zu einem großen Schiffsbaubetrieb. An den Stadträndern entstanden in industrieller Bauweise Wohnungen für tausende Menschen. Leider verfiel darüber die Altstadt.

1948 tauchten in der Hansa-Oberschule Flugblätter gegen die sowjetische Besatzungsmacht und gegen die kommunistische Freie Deutsche Jugend auf. Drei Schüler wurden ermittelt und zum Tode (begnadigt zu 25 Jahren Zwangsarbeit) bzw. zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Eine Gedenktafel im Hansa-Gymnasium gedenkt ihrer.

Am 17. Juni 1953 wurden einige Proteste gegen die Normerhöhungen laut. Am 18. Juni 1953 streikten die Arbeiter der Volkswerft mit der Frühschicht gegen den bereits verhängten Ausnahmezustand und erhoben auch politische Forderungen. 900 Personen beteiligten sich und wollten in die Stadt vordringen. Sowjetische Truppen und deutsche Polizei hinderten sie daran, es gab 15 Festnahmen. Andere Proteste z. B. von Bauarbeitern zogen sich noch eine Woche hin. Der Platz des 17. Juni erinnert daran.

Im Gebäude Frankendamm 5 arbeitete die Kreisdienststelle der Stastssicherheit. Eines der operativen Ziele war die Friedensbewegung in der lokalen Kirche zu Beginn der 1980-er Jahre. 1987 begann der Olof-Palme-Friedensmarsch in Stralsund, den die Opposition zur Demonstration gegen Menschenrechtsverletzungen in der DDR nutzen konnte.[59]

Die Stralsunder Wirtschaft prägte bis zur Wende der Schiffbau. Die Stralsunder Volkswerft war mit 8.300 Beschäftigten 1989/1990 der bedeutendste Betrieb der Stadt. Ebenfalls von großer Bedeutung waren das BMK, das Wohnungsbaukombinat, Robotron, die Deutsche Reichsbahn, die Molkerei, die Zuckerfabrik, die Konservenfabrik ESKO, die Kaffeerösterei Kermi und andere mehr. Ebenso von Bedeutung waren die Offiziershochschule „Karl Liebknecht“ und die Flottenschule der NVA.

Im vereinten Deutschland

Die politische Umstrukturierung der Wende (1989/1990) brachte auch Stralsund gewaltige Veränderungen.

Dies betraf zum einen die neuen Verwaltungsstrukturen, die sich von der zentralistischen Struktur der DDR hin zum föderalistischen Aufbau der Bundesrepublik Deutschland veränderten. Auf die Verwaltung der Stadt kam somit eine Fülle von Aufgaben zu, die zu bewältigen waren. Erst reichlich ein halbes Jahr, nachdem in den Kommunen die neuen Strukturen geschaffen wurden, konnte der Landtag Mecklenburg-Vorpommern gewählt werden. Dementsprechend wurde vom neu gebildeten Rat der Stadt vorerst weiter nach DDR-Recht, dann mit bundesdeutschem Recht gearbeitet.

Stralsund stand wie ganz Ost-Deutschland vor einer bedeutenden Herausforderung – den Übergang von der DDR in die gewählte Einheit Deutschlands so sozial wie möglich zu gestalten.

Literatur

  • Fritz Adler: Aus Stralsunds Vergangenheit, 2. Teil: Die Schwedenzeit Stralsunds. In: Fritz Adler und M. Wehrmann (Hrsg.): Pommersche Heimatkunde, 4. Band, Verlag Dr. Karl Moninger, Greifswald 1923.
  • Fritz Adler: Stralsund. In: Burkhard Meier (Hrsg.): Deutsche Lande / Deutsche Kunst. 2. Auflage. Deutscher Kunstverlag, Berlin 1928.
  • Fritz Adler: Aus Stralsunds Geschichte. Zweite völlig veränderte Auflage. Carl Meincke's Buchhandlung, Inh.: H. Bucksch, Stralsund 1937.
  • Horst Auerbach: Festung und Marinegarnison Stralsund. 1. Auflage. Hinstorff Verlag GmbH, Rostock 1999, ISBN 3-356-00835-8.
  • Herbert Ewe: Stralsund. Ein Führer durch die Werftstadt. Stralsund, 1953 (Veröffentlichung des Stadtarchiv Stralsund, der Stralsunder Museen und des Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands).
  • Herbert Ewe: Stralsund und seine Umgebung. Petermänken-Verlag, Schwerin 1955, Lizenz-Nr. 381/325/29/55.
  • Herbert Ewe: Stralsund. Petermännken-Verlag, Schwerin 1962, Lizenz-Nr. 381/325/24/62.
  • Herbert Ewe: Stralsund. 2. Auflage. VEB Hinstorff Verlag, Rostock 1972.
  • Herbert Ewe: Schätze einer Ostseestadt. 3. Auflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1974 (Veröffentlichungen des Stadtarchiv Stralsund Band VI), Bestell-Nr. 795 499 5.
  • Herbert Ewe: Geschichte der Stadt Stralsund. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1984 (Veröffentlichungen des Stadtarchiv Stralsund Band X), Bestell-Nr. 795 646 4.
  • Herbert Ewe: Stralsund. 1. Auflage. VEB Hinstorff Verlag, Rostock 1987, ISBN 3-356-00082-9.
  • Herbert Ewe: Kostbarkeiten in Klostermauern, Hinstorff Verlag, Rostock 1990, ISBN 3-356-00319-4.
  • Herbert Ewe: Das alte Stralsund. Kulturgeschichte einer Ostseestadt. 2. Auflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1995, ISBN 3-7400-0881-4.
  • Sigrid Rodemann und Georg Pilz: Stralsund. VEB F. A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1977, 1984
  • Wolfgang Rudolph: Stralsund. Die Stadt am Sund. Carl Hinstorff Verlag, Rostock 1955. Lizenz-Nr. 391/240/7/55.
  • Senat der Hansestadt Stralsund (Hrsg.): Schwedisch-Deutsche Regimenter der Garnisonsstadt Stralsund. Stralsund (Sundische Reihe 5), ISBN 3-86139-005-1.
  • Senat der Hansestadt Stralsund (Hrsg.): Zur Geschichte der Prostitution in Stralsund. Stralsund (Sundische Reihe 6), ISBN 3-86139-007-8.
  • Stadterneuerungsgesellschaft Stralsund mbH (Hrsg.): Auf den Spuren des Welterbes. Das Stralsunder Kellerkataster. Stralsund 2005.
  • Ernst Uhsemann: Streifzüge durch das alte Stralsund, Verlag der Königlichen Regierungs-Buchdruckerei, Stralsund 1925
  • Nikolaus Zaske: Stralsund. 1. Auflage, VEB F. A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1986, ISBN 3-325-00001-0.

Weblinks

Einzelbelege

  1. Saxo Grammaticus: Historica Danica, ed. G. Waltz, Monumenta Germaniae Historica, Scriptores XXIX, S. 75, 142 ff.
  2. K. Fritze: Die Hansestadt Stralsund, S. 24 ff.
  3. H. Berlekamp: Probleme der Frühgeschichte Stralsunds, S. 38
  4. H. Hoogeweg: Die Stifter und Klöster der Provinz Pommern, Bd. II, Stettin 1925, S. 709 f.
  5. Pommersches Urkundenbuch (PUB) II, Nr. 265
  6. F. Fabricius (Hrsg.): Das älteste Stralsunder Stadtbuch (1270–1310), Berlin 1872, I 8
  7. C. G. Fabricius: Stralsund in den Tagen des Rostocker Landfriedens, Stettin 1847, S. 23 f
  8. Stadtarchiv Stralsund, Sign. Hs. I, 16: Kämmereibuch 1392–1440, fol. 7
  9. „Theatrum Europaeum“, Band 1, Seite 1066
  10. „Theatrum Europaeum“, Band 1, Seite 1072
  11. Jürgen Drevs: Novellen oder Tagebch Stralsundischer Begebenheiten vom Jahre 1687 bis zum Jahre 1720
  12. G. Tessin: Wismars schwedische Regimenter im Nrdischen Krieg, Mecklenburgische Jahrbücher, 1937
  13. Herbert Ewe: Aus Stralsunds Geschichte, Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1984, Seite 194
  14. Fritz Adler: Aus Stralsunds Geschichte, Carl Meincke’sche Buchhandlung, Stralsund 1937, Seite 127
  15. Jürgen Drevs: Novellen oder Tagebch Stralsundischer Begebenheiten vom Jahre 1687 bis zum Jahre 1720
  16. Fritz Adler: Lebensgeschichte des Bürgermeisters David Lucas Kühl, Stralsund 1925, S. 77
  17. “Stralsundische Zeitung”, 28. Oktober 1815
  18. Stadtarchiv Stralsund, P121
  19. Ratsprotokoll vom 25. Oktober 1815
  20. Fritz Adler (Hrsg.): Lebensgeschichte des Bürgermeisters David Lukas Kühl, Stralsund 1925, S. 114
  21. “Der Fortschritt”, 2. Dezember 1848
  22. Stadtarchiv Stralsund, P1549
  23. Staatsarchiv Greifswald, Rep. 65c Nr. 871
  24. “Stralsundische Zeitung”, 14. und 16. Februar 1891
  25. “Stralsunder Volksstimme”, 10. Juni 1891
  26. Staatsarchiv Greifswald, Rep. 60 Nr. 39
  27. “Volksbote”, 18. Mai 1898
  28. Stadtarchiv Stralsund, Q402
  29. Stadtarchiv Stralsund, Rep. 15 Nr. 220
  30. Jahresbericht der Handelskammer zu Stralsund, 1878
  31. Stadtarchiv Stralsund, rep. 5 Nr. 50, 52
  32. Stadtarchiv Stralsund, Rep. 5 Nr. 51
  33. Stadtarchiv Stralsund, Rep. 15 Nr. 236
  34. Stadtarchiv Stralsund, Rep. 15 Nr. 335
  35. Stadtarchiv Stralsund, Rep. 5 Nr. 435
  36. Horst Auerbach: Kriegshafen Dänholm in poseidon, Heft 4/1981, S. 22–23
  37. Stadtarchiv Stralsund, Rep. 5 Nr. 52
  38. Stadtarchiv Stralsund, Rep. 5 Nr. 60
  39. Stadtarchiv Stralsund, Q402
  40. Jahresbericht der Handelskammer zu Stralsund für 1878
  41. Stadtarchiv Stralsund, M198
  42. Handelsberichte der Stralsunder Hanelskammer für 1895, 1897
  43. Stadtarchiv Stralsund, M3706
  44. Jahresbericht der Handelskammer zu Stralsund für 1888
  45. Herbert Ewe: Zur Geschichte der Technik in Stralsund, Ostsee-Zeitung vom 10. März 1972
  46. Ernst von Haselberg: Die Baudenkmale des Regierungsbezirks Stralsund, Stettin 1902, S. 537–542
  47. Stadtarchiv Stralsund, M4713
  48. Stadtarchiv Stralsund, Rep. 23 Nr. 217 Band 1
  49. Stadtarchiv Stralsund, Rep. 23 Nr. 686
  50. W. Buchholz: Die Gasthauskirche zu Stralsund. Grundstein einer Krankenhausentwicklung, Greifswald-Stralsunder Jahrbuch 1965, S. 181–182
  51. F. Knorr: Stralsund und Stralsunder Ärzte
  52. F. Knorr: Stralsund und Stralsunder Ärzte
  53. F. Knorr: Stralsund und Stralsunder Ärzte
  54. F. Knorr: Stralsund und Stralsundische Ärzte. Aus den Quellen zusammengestellt., Band 3 (Manuskript), 1909–1911
  55. Ernst von Haselberg: Die asiatische Cholera im Regierungsbezirk Stralsund, Stralsund 1853, S. 39
  56. K. Wellner: Die Pockenepidemien im 19. Jahrhundert in der Hansestadt Stralsund (Dissertation), Greifswald 1976, S. 63
  57. “Stralsundische Zeitung”, 14. November 1872
  58. Peter Genz: Die Vernichtung der Lebensgrundlage der Juden in Stralsund und der Raub ihres Vermögens durch den Nazistaat, in: Zeitgeschichte regional. Mitteilungen aus Mecklenburg-Vorpommern 5/1 (2001), S. 13–19
  59. Anne Kaminsky (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, Bonn 2007, zu Stralsund S. 272–275

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