Geschichte der Marktgemeinde Regau


Geschichte der Marktgemeinde Regau

Die Geschichte Regaus begann nicht erst mit der ersten Erwähnung in einer Urkunde, welche etwa auf das Jahr 801 n. Chr. zu datieren ist. Doch bis zu diesem Zeitpunkt unterscheidet sich die historische Entwicklung Regaus nur marginal von der Geschichte seiner Nachbargemeinden.

Die ältesten Belege menschlicher Besiedlung auf dem Gebiet Regaus, einer Marktgemeinde im oberösterreichischen Verwaltungsgebiet Hausruckviertel, stammen aus der Würmeiszeit. Nach den Kelten, die ab etwa 400 v. Chr. ganz Österreich kontrollierten, war die Region ab 15 v. Chr. von den Römern besetzt und nach 45 n. Chr. in die Provinz Noricum integriert.

Ansicht von Regau um 1650

Nachdem Regau und seine Umgebung von den Bajuwaren besiedelt worden war, erfolgte die erste Erwähnung Repagoves in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Mondsee. Als Blütezeit Regaus kann das 12. Jahrhundert bezeichnet werden, in welchem die Grafen von Rebgau über das heutige Gemeindegebiet und dessen Umgebung regierten. Nach dem frühen Aussterben des Grafengeschlechtes um das Jahr 1185 wechselte die Herrschaft über die Region mehrmals, bis sich das Amt der Regauischen Aigen entwickelte, welches bis Mitte des 19. Jahrhunderts existierte. 1850 erfolgte eine Neustrukturierung des österreichischen Verwaltungssystems, in deren Verlauf Regau die einwohnerreichste Gemeinde des neu geschaffenen Bezirks Vöcklabruck wurde.

Der Erste Weltkrieg forderte 131 Opfer unter der Regauer Bevölkerung, der Zweite Weltkrieg führte neben weiteren 190 Opfern zu einschneidenden Gebietsverlusten zugunsten der Nachbargemeinde Vöcklabruck. Im Jahr 2000 wurde die Ortsgemeinde Regau zur Marktgemeinde ernannt.

Inhaltsverzeichnis

Ur- und Frühgeschichte

In der Gegend von Regau waren zu prähistorischen Zeiten Mammuts beheimatet, wie ein Fundstück eines Mammutstoßzahnes aus dem Quartär (Würmeiszeit) beweist. Durch die Eiszeit veränderte sich die Beschaffenheit des Geländes um Regau deutlich: Die sich zurückziehenden Gletscher der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren schufen durch Moränen und weitflächige Terrassenbildungen eine Vielzahl an Seen, Mooren und Teichen. Diese Landschaft stellte damals einen idealen Lebensraum für den Menschen und für viele Tiere dar.

Wann der Mensch in diesem Bereich zum ersten Mal in Erscheinung getreten ist, kann nicht genau nachgewiesen werden – die ältesten bekannten Funde jedoch lassen auf eine frühe menschliche Besiedelung schließen. So wurde 1946 auf einem Feld im Ortsteil Hattenberg ein nordisches Lochbeil aus Serpentin gefunden, das sich wie die anderen prähistorischen Funde im Heimathaus Vöcklabruck befindet. In der Volksschule Rutzenmoos wird ein Lochbeil aus Amphibolith aufbewahrt, das in der Nähe von Hinterbuch gefunden wurde. An der gleichen Stelle konnten drei je zwei Zentimeter große Steinschmuckringe sichergestellt werden. Aus Oberregau stammt eine weitere Lochaxt aus Serpentin; in einer Schottergrube bei Preising kam ein Steinbeil zutage.

Um 400 v. Chr. besiedelten indogermanische Stämme wie die Kelten von Westen her das gesamte Gebiet des heutigen Österreichs.

Römerzeit

Der römische Kaiser Augustus nahm den Einfall keltischer Stämme aus der Alpenregion in Istrien um 15. v. Chr. zum Anlass, das bis dahin keltische Königreich Noricum in das römischen Imperium einzugliedern. Es ist anzunehmen, dass dieser Prozess friedlich verlaufen ist, da auch die Kelten schon seit längerer Zeit vom regen Handel mit den Römern profitiert hatten. Die Römer hielten das neu gewonnene Gebiet für ein halbes Jahrhundert besetzt, bis es schließlich um 45 n. Chr. in der neugeschaffenen römischen Provinz Noricum aufging.

Ausschnitt der Tabula Peutingeriana

Die Städte und Ortschaften wurden von den Römern durch ein dichtes Netz von sogenannten Konsular- und Vizinalstraßen verbunden. Diese Straßen verliefen meist entlang älterer vorgeschichtlicher Verkehrswege, was durch eine mittelalterliche Pergamentkopie namens Tabula Peutingeriana belegt ist.

Die Konsularstraße von Ovilava (Wels) nach Iuvavum (Salzburg) hatte nach deren Ausbau die größte Verkehrsfrequenz der Römerstraßen in Oberösterreich. Aus der Richtung Ovilava kommend, führte sie in südwestlicher Richtung nach Breitenschützing, wo sie nach Süden abbog und südlich an Schwanenstadt vorbei nach Niederstraß bei Attnang führte und sich teilte. In der Umgebung von Regau sind heute drei Straßenäste dieses Verkehrsweges bekannt: Die Hauptlinie umging das heutige Vöcklabruck im Norden, ein anderer Straßenzug führte durch Unterregau und Schalchham nach Vöcklabruck und ein dritter Straßenast soll das linke Agerufer entlang über Wagrain verlaufen und wieder in die Hauptlinie eingemündet sein.

Ein Ast dieser Straßen dürfte beim Regauer Ortsteil Dornet die Ager überquert und dann nach örtlicher Überlieferung über Preising nach Himmelreich geführt haben, wo er sich verzweigte. Eine Straße führte über die Dürre Aurach nach Gmunden, eine andere nach Schörfling und eine dritte in Richtung Oberregau.

Das dichte Straßennetz im und um den Raum Regau deutet darauf hin, dass dort die Straßenstation Tergolape der Tabula Peutingeriana zu suchen ist, die als Verbindungsstück zum Salzkammergut diente und deren genaue Lage nicht geklärt ist. Der Ortsname Schalchham könnte auf einen römischen Ursprung hindeuten. Abzuleiten ist Schalchham wohl von „zinspflichtiger Romane“, da die Bayern ihre untertänigen Romanen Schalken, das heißt römische Knechte, genannt haben. Somit könnte Schalchham Heimstätte eines Schalkens gewesen sein.

Fundstücke aus der Römerzeit

In Preising wurde unter einer mit Schotter vermischten Humusschicht eine Lage von rund 20 Zentimeter Kies und darunter eine stärkere Lage von Schotter festgestellt. Es handelt sich hierbei nicht um natürliche Ablagerungen sondern höchstwahrscheinlich um Teile eines Straßengrundbaues dieser Zeit.

In Oberregau entdeckte man römische Münzen, Geschirrscherben aus rotgebrannter Ziegelerde und verschiedene Ziegeltrümmer. Einen ganz besonderen Fund aus Regau stellt die etwas 12 Zentimeter hohe römische Bronzeglocke dar, die wegen ihrer Einzigartigkeit im Linzer Schlossmuseum aufbewahrt wird. Bei Schöndorf kam ein römischer Meilenstein mit dem Namen des Kaisers Septimius Severus und ein Bruchstück eines weiteren ans Tageslicht.

Herrschaftswechsel durch die Völkerwanderung

Anfang des 5. Jahrhunderts brachen die Vandalen nach Oberösterreich ein, wo sie das Legionärslager Lauriacum zerstörten. Rom sah sich gezwungen, seine Verteidigungslinie deutlich zurückzuverlegen. Den Hunnen gelang es unter Attila, bis an die Grenze Noricums vorzudringen.

Im Jahre 488 verließen die römischen Beamten und Kaufleute diese Region, zurück blieb nur die teilweise romanisierte einheimische Bevölkerung. Belege für die Ereignisse dieser Zeit finden sich in und um Regau allerdings nicht.

Bajuwaren

Im Laufe des 6. Jahrhunderts besiedelten erste bajuwarische Stämme die von der römischen Oberschicht verlassenen Gegenden. Die Region um Regau gehörte wie das gesamte Gebiet des heutigen Oberösterreichs zum Kerngebiet der bajuwarischen Landnahme, die vermutlich in mehreren unterschiedlichen Wellen erfolgte. Die zugewanderten Stämme verstanden es, die verschiedenen ethnischen Gruppen der Germanen und Romanen zusammenzufassen und diese zum Volk der Bajuwaren zusammenwachsen zu lassen.

Es ist anzunehmen, dass es in der Region regen Obst- und Weinanbau gegeben hat. Diese Annahme hat vor allem auch für Regau eine besondere Bedeutung, da sich der Name der heutigen Marktgemeinde auf Rebengau zurückführen lässt und mit der Geschichte des Weinbaus in der Region eng verbunden ist.

Anhand der Ortsnamenüberlieferung kann man das von den Baiern besiedelte Gebiet rekonstruieren. Bereits im 8. und 9. Jahrhundert wurden bairische Ortschaften urkundlich belegt, wobei sicherlich nicht alle Siedlungen erwähnt wurden.

Zu den ältesten bairischen Ortsnamen zählen die auf –ing, –ham und –heim endenden, wobei diese Namensformen um die Jahrtausendwende endeten und die Namen später entstandener Ortschaften nicht mehr aus dem Bairischen stammten. Sie wurden von den auf –dorf, –reut, –roit und –schlag endenden Namen abgelöst, die ihren Ursprung vor allem in der Neugewinnung von Siedlungsboden hatten. Neben Pilling, Pürstling, Preising, Ritzing, Weiding und Zaißing sind sowohl die Ortschaften Schalchham und Wankham als auch die Namen Dorf, Reith und Roith auf bairisches Siedlungsgebiet zurückzuführen. Die beiden letztgenannten Ortschaften können auch als sogenannte Rodungsnamen angesehen werden, nachdem es vor allem östlich der Ager und südlich der Ebene von Regau häufig gerodet wurde. Die auf –heim endenden Ortsnamen können als mundartliche Ableitung des germanischen Worts Heim angesehen werden und bedeuten so viel wie Wohnort und Zuhause.

Außerhalb von Regau trugen auch die slawischen und romanischen Bevölkerungsgruppen ihren Teil zur Ortsnamenentwicklung bei. Die Baiern bezeichneten die Slawen als Winidi, die Weidenden, da diese ein Hirtenvolk waren. Die auf –winden endenden Ortsnamen lassen deshalb auf eine slawische Bevölkerung schließen (z. B. die Ortschaft Windern). Auch die Romanen, die nach dem Zusammenbruch des römischen Reiches noch vereinzelt in dem Gebiet lebten, waren an der Namensgebung mancher Ortschaften beteiligt.

Erste urkundliche Erwähnung

Die älteste Urkunde, in welcher der damalige Name Regaus erwähnt wird, stammt aus dem Mondseer Traditionskodex, welcher eine Sammlung von wichtigen Urkunden und Handschriften zur Geschichte Ostbayerns, Salzburgs und Oberösterreichs darstellt. Diese Schriftstücke umfassen rund 135 Urkundenabschriften und reichen bis in die Mitte des 8. Jahrhunderts n. Chr. zurück. Als im Jahre 1791 das Kloster Mondsee aufgelassen wurde, wurden sämtliche Archivstücke an die Registratur des Landes ob der Enns in Linz abgeliefert, wo sie in den darauf folgenden Jahren in Vergessenheit gerieten.

Im Februar 1853 vermeldete die Registratur, dass der gesamte Kodex im Herbst 1852 entwendet und zusammen mit anderen Urkunden zum Pergamentpreis verkauft worden war. Bei einer zufälligen Durchsicht wurde das Fehlen der Urkunden bemerkt. Schließlich konnte der Diebstahl mit Hilfe der Polizei geklärt werden und die Wiederbeschaffung der Dokumente folgte wenig später. Diesen Ereignissen zu Folge wurden die Akten im März 1853 nach Wien überliefert, wo sie heute im Haus-, Hof- und Staatsarchiv aufbewahrt werden.

Eine der Urkunden aus dieser Sammlung beinhaltet die Schenkungen von Ländereien eines Mönchs namens Rudolf und dessen Bruders und Advokaten, dessen Name nicht bekannt ist, an das Kloster Mondsee und ist somit die älteste urkundliche Erwähnung Regaus.

Erste urkundliche Erwähnung von Regau

„Es ist allen Gläubigen bekannt, dass sie sich mit vergänglichen Dingen ewigen Lohn erwerben können, der niemals zur Neige geht. Daher übergebe ich unwürdiger Mönch mit Namen Rudolf zusammen mit meinem Bruder, der mein Anwalt ist, dem Hl. Erzengel Michael alles, was mir seitens des Vaters und mütterlicherseits durch das Erbrecht zugefallen ist an dem Ort, der Rebegau genannt wird, das Haus mit dem Hof, den Ländereien, den Wiesen, Wäldern, Weiden, Teichen und fließenden Gewässern, den beweglichen und unbeweglichen Gütern, den kultivierten und unkultivierten, den Eigentumsrechten, was auch immer so heißt und genannt werden kann, allerdings unter der Bedingung, dass, solange ich lebe, ich die freie Verfügungsgewalt habe und es nach meinem Tode mit allen Vorteilen an den Heiligen Michael fallen möge. Und es sind viele Ohrenzeugen herbeigezogen worden. Dieser Vertrag wurde abgefasst in Mondsee in der Basilika des Hl. Michael, am 11. Juni, Freitag.“

– Übersetzung der ersten urkundlichen Erwähnung Regaus

Die Verfasser der in lateinischer Sprache verfassten Urkunde verzichteten also auf die Angabe einer Jahreszahl, wodurch der genaue Zeitpunkt der ersten Erwähnung Regaus in einer Urkunde bis heute nicht eindeutig geklärt werden konnte. Es gab jedoch mehrere Versuche, die Jahreszahl anhand der Angabe 11. Juni, Freitag zu rekonstruieren.

Der erste Historiker und Chronist, der sich mit der Heimatgeschichte von Regau genauer auseinandersetzte, war der Regauer Pfarrer Alois Obermüller (Amtszeit 1882 bis 1898). Obermüller datiert die erste Erwähnung des Ortes auf den 29. Mai 800, wobei die Jahreszahl überschrieben ist. Auch die weiteren Chronisten stützen sich auf diese erste Angabe, wobei es jedoch immer leichte Abweichungen sowohl beim Datum als auch bei der Jahreszahl gab.

In der Urkunde selbst wird das Verfassungsdatum als „III id. Iun., feria VI.“ (tertia idus Iunii, feria sexta; deutsch: Am dritten Tag vor den Iden des Juni, Freitag) angegeben. Dieses Datum würde nach dem römischen Kalender dem 11. Juni entsprechen. Im in Frage kommenden Zeitraum um das Jahr 800 stimmen die beiden Angaben „11. Juni“ und „Freitag“ nur in den Jahren 779, 784, 790, 801, 807, 812 und 818 n. Chr. überein.

Eine genauere Datierung ist nicht möglich, doch anlässlich der bevorstehenden 1200-Jahr-Feier der Gemeinde wurde entschieden, die in den Chroniken verwendete Jahreszahl 800 aufzugreifen und die nach den oben angeführten Jahreszahlen am ehesten zutreffende, nämlich 801, zu verwenden. Daher feierte Regau im Juni 2001 sein 1200-jähriges Jubiläum und gehört somit zu den am frühesten bezeugten Gemeinden in unserem Bezirk.

Die Grafen von Rebgau

Allgemeines

Nachdem das Bairische Herzogtum in das fränkische Reich eingegliedert worden war, nahmen ab dem Jahr 1000 vor allem in der Region um Regau der Einfluss und die Bedeutung der Bistümer und Klöster zu. In der Region des heutigen Bezirkes Vöcklabruck waren das Bistum Bamberg und das Erzbistum Salzburg Eigentümer großer Ländereien. Andere Besitzformen waren zu dieser Zeit Adelsgüter und Höfe kleinerer Leute, welche mit großer Wahrscheinlichkeit bis zur bairischen Landnahme zurückreichten. Diese Adelshäuser erlangten vor allem nach dem Zerfall des Karolingerreiches große Bedeutung.

Eines dieser Adelsgeschlechter waren die Grafen von Rebgau, die vor allem im 12. Jahrhundert die Ereignisse in und um Regau beeinflussten. Über die Abstammung dieses Grafengeschlechts herrscht keine eindeutige Klarheit – ihre Wurzeln lagen höchstwahrscheinlich bei einer Adelsdynastie im Waldviertel, wo sie im so genannten Poigenreich ihren Hauptsitz hatten. Diese These stützt sich auf die ebenfalls geläufigen Bezeichnungen des Adelshauses als „Grafen von Rebgau-Poigen“ und „von Poigen-Rebgau“.

Besitzungen

Den Grafen von Rebgau gehörten die Gebiete der heutigen Orte Regau, Vöcklabruck und Aurach, der Landstrich südlich der Ager, Teile des östlichen Traunseeufers und im Osten die Umgebung von Viechtwang. Darüber hinaus war eine Kapelle bei Vöcklabruck in ihrem Besitz, welche zu diesem Zeitpunkt den Hl. Michael zum Patron hatte und heute als Oberregauer Vituskircherl geläufig ist. Zudem ist anzunehmen, dass die Grafen neben Hofämtern auch Dienstleute in Schöndorf, Loch, Wankham, Raschbach und Traunstein hatten, was auf weitere Ländereien schließen lässt. Etwas südlich von Unterregau gehörte das Gebiet um den Fiertberg zum Einzugsbereich der Grafen, bis es Graf Gebhard in späterer Folge dem Kloster Asbach, welches ein Bamberger Kloster war, übergab.

Neben diesen Ländereien in und um Regau beerbten die beiden Brüder Adalbert[1] und Gebhard[2] ihren Onkel Wolfker von Poigen-Stein[3] und erhielten dadurch auch reichen Besitz in Niederösterreich. Nach dem eigentlichen Aussterben der Grafen von Poigen um 1156 besaßen die beiden Brüder bereits Güter im Horner Becken und so nannten sie sich deshalb Gebhard von Hohenegg[4] und Albert von Stein.

Als das Geschlecht der Grafen von Rebgau um das Jahr 1188 ausstarb, dürfte ihr gesamter Besitz auf den Landesfürsten Leopold V., den sie als Erben eingesetzt hatten, übergegangen sein. Als Besitznachfolger für Regau sind die Babenberger beurkundet, welche die Regauer Grafen sogar als Progenitores (Vorfahren) bezeichneten. Die Babenberger verliehen ihr Regauer Erbe großteils weiter, wobei die Herren von Ort wohl die größten Abnehmer dieser Ländereien waren.

Graf Adalbert II. von Rebgau

Verkauf der Vöcklabrücke

Die Ländereien um Regau hatte der Graf Adalbert II. wahrscheinlich bei der Teilung des Erbes mit seinem Bruder Gebhard erhalten. Über sein Leben weiß man sehr wenig, fest steht jedoch, dass er im Zeitraum zwischen 1122 und 1160 des Öfteren als Zeuge und Unterfertiger bei Urkunden auftrat. In einer Urkunde des Erzstiftes Salzburg wird der Verkauf der Vöcklabrücke von Adalbert II. an den Edlen Pilgrim von Weng am 29. August 1134 dokumentiert, was somit die erste Erwähnung der Stadt Vöcklabruck bedeutet.

Auf Bitten des Abtes Ulrich II. von Kremsmünster überließ Graf Adalbert II. von Rebgau sechs Huben zwischen dem oberen und unteren Thissenbach bei Viechtwang dem Kloster Kremsmünster. In weiterer Folge übergab er dem Kloster zusätzlich zwei Huben in Viechtwang, aber nur unter der Bedingung, dass dort eine Kirche errichtet wird. Der Bau dieser Kirche erfolgte wenig später und sie wurde am 27. Dezember 1159 eingeweiht. Die Söhne des Grafen wollten diese Schenkungen nicht akzeptieren und versuchten sie gewaltsam zurück in ihren Besitz zu bringen. Erst bei einer Entschädigung in der Höhe von fünf Talenten gaben die Brüder ihr Anliegen auf.

An der Burg Scharnstein ist ein Hinweisschild angebracht, welches die Grafen von Rebgau als Erbauer der Burg bezeichnet, was wohl auch mit den oben genannten Schenkungen im Zusammenhang steht.

In weiterer Folge bezeugte Adalbert II. mit seinen Brüdern im Jahr 1135 eine Schenkung des Markgrafen nach Aldersbach und trat ein Jahr später als Zeuge beim Stiftungsbrief von Klosterneuburg in Erscheinung. Weiters fertigte er die Stiftungsurkunde seiner Schwägerin Hildburg, die 1144 nach dem Tod ihres Gatten Gebhard mit ihrem Sohn Hermann das Benediktinerstift St. Lambrecht in Altenburg im Waldviertel gründete.

Im Jahre 1159 schien Adalbert II. von Rebgau zum letzten Mal urkundlich als Zeuge auf, als Bischof Konrad von Passau die Kirchen St. Ägid und Schöndorf dem Stift St. Florian übergab. Vermutlich ist der Graf um 1160 verstorben.

Graf Adalbert II. und seine Gemahlin Gertrud hatten zwei Söhne, Adalbert III. und Gebhard II. Die beiden Söhne waren mit den Schenkungen der Eltern nicht zufrieden, da sie im Jahre 1160 versuchten, die Schenkungen in Viechtwang rückgängig zu machen. Bezeugt ist eine Wallfahrt von Adalbert III. um 1169 nach St. Gilles in Frankreich, doch dürfte er relativ bald, im Jahre 1173, kinderlos verstorben sein. Sein Bruder Gebhard II. schien im Jahre 1180 bei einer Schenkung des Firtberges in Regau auf, doch auch er blieb kinderlos.

Deshalb ist anzunehmen, dass die Grafen von Rebgau um etwa 1185 ausstarben, denn in diesem Jahr übergab Graf Konrad von Rachiz, welcher als Erbe von Gebhard bezeugt wurde, in Gegenwart des Herzogs Leopold dem Stift Klosterneuburg sein geerbtes Gut in Lehen in Laa. Das Grafengeschlecht von Rebgau ist noch vor dem Jahr 1189 ausgestorben, denn schon am 4. Jänner bezeichnete sich der Babenberger Herzog Leopold von Österreich als Erbe der Grafen Adalbert und Gebhard von Rebgau und ihres Vaters Adalbert.

Wappen

Die Geschichte über das Wappen der Grafen von Rebgau-Poigen und vor allem ihr Einfluss auf die Österreichische Nationalflagge sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Eine Theorie ist, dass die Babenberger das Wappen des rot-weiß-roten Bindenschildes vom Geschlecht der Rebgau-Poigen als Landeswappen für Österreich übernommen hatten.

Das heutige Wappen der Gemeinde Regau wurde im Jahre 1981 im Zuge eines Wettbewerbes auserwählt. Dieses Wappen ist im Original an der Mauer der Kirche in Regau zu besichtigen und führt auf den Neubau der Kirche im Jahre 1494 zurück. Zudem wurden die Gemeindefarben mit Rot und Gelb festgelegt.

Das Wappen zeigt im goldenen Schildhaupt eine rote Weinrebe mit Blättern, was darauf hinweist, dass in der Vergangenheit Weinbau in Regau betrieben wurde. Darunter befindet sich auf rotem Grund ein geflügelter Schwertarm.

Burg

Die Existenz einer Burg in Regau sowie deren genauer Standort kann nicht exakt belegt werden, dennoch ist es sehr wahrscheinlich, dass es zur Zeit der Grafschaft Rebgau eine Burg in Regau gegeben hat. Ein möglicher Standort könnte die kleine Ortschaft Burgstall bei Oberregau gewesen sein, denn nicht nur der Name der Ortschaft, sondern auch ein möglicher unterirdischer Gang von der Burg zur Kirche liefern Hinweise.

Am wahrscheinlichsten ist jedoch die Annahme, dass sich die Burg um die heutige Vituskirche in Oberregau erhoben hatte, da im Jahre 1492 deren Kirchweihe noch Hofkirchweihe hieß und zudem bei Renovierungsarbeiten um die Jahrtausendwende noch nicht registrierte Mauerreste der alten Burg entdeckt wurden.

Mittelalter

Nach dem Aussterben der Grafen von Rebgau war der Distrikt Regau im Besitz des Landesfürsten, der diese Besitzungen mit großer Wahrscheinlichkeit an die Herrschaft Ort bei Gmunden weiterverlieh. Später übernahmen die Herren von Wallsee den Besitz Ort von 1344 bis 1483 und damit auch Regau.

Als am 20. August des Jahres 1456 die wallseeischen Güter geteilt wurden, erhielt Wolfgang von Wallsee das Amt Regauisch-Aigen. Zudem ist den Mattseer Urkunden zu entnehmen, dass sich in den Jahren 1362, 1375 und 1380 auch freie Regauische-Aigen-Güter in den Orten Bierbaum, Aierzelten und Mösendorf befanden. Die Regauischen Aigen waren in die drei Ämter Galtenbrunn (bei Vöcklabruck), Ramtesberg (Ungenach) und Oberregau eingeteilt.

Verwaltet wurden diese Regauischen Aigen mit großer Wahrscheinlichkeit vom Landschreiberamt zu Enns und im Jahre 1361 wird Hildebrand von Albrechtsheim als Regauisch-Aigen-Richter genannt. In späterer Folge erscheint am 22. Jänner 1380 der Landrichter ob der Enns Ludwig von Neundling als „Verweser Regeyscher Eigen“.

Grundsätzlich wurden Verbrecher nach dem „Ehaft Thätung“ (mhd.: rechtsgültige Gerichtsverhandlung) nicht vom Landgericht, sondern vom jeweiligen Amtmann behandelt und wurden in weiterer Folge zur rechtlichen Exekutierung an das kaiserliche Vizedomamt nach Linz überstellt. Die Gerichtsversammlung wurde jährlich am ersten Mittwoch nach Ägidius bei der St. Veitskirche in Oberregau gehalten.

Das Amt der Regauischen Aigen blieb bis zum Jahr 1850 bestehen und war ein bis zu diesem Zeitpunkt dem Landesherrn direkt unterstelltes Landesgericht.

Im Zuge eines Befehles von Maria Theresia, alle vizedomischen Besitzungen zu veräußern oder zu verpachten, wurde das Regauer Amt am 7. April 1755 vom Grafen Reinhold von Andlern, der zugleich Präsident der k. & k. Repräsentation war, käuflich erworben. Später fielen die Ländereien zuerst an den Stadtrichter von Vöcklabruck, Georg Hörlesberger, und im Jahr 1767 an Ludwig von Frey.

Das Camerische Landgericht bezeichnete in der Grenzbeschreibung vom 17. Dezember 1581 die Ortschaft Regau als eine Hofmark. Auch im Grundbuch der Herrschaft von Puchheim sprach man von einer „Hoffmarch Reeger“, welche als eine „uralt befreyte Hoffmarch“ beschrieben worden war. Zudem hatten die Reegerer nach diesem Urbar das Recht, Verbrecher selbst zu arrestieren, wobei jedoch zur Aburteilung der betreffenden Malefiz-Personen die Herrschaft Puchheim zu Rate gezogen wurde.

Erwähnt wird die Hofmark Reger auch im Zusammenhang mit dem Geschlecht der Polheimer, welches im Jahre 1581 seine drei Hofmarken Unterregau, Timelkam und Puchkirchen als Enklaven im Landgericht Kammer erwähnte.

Das Amt Regauische Aigen bestand bis ins frühe 19. Jahrhundert.

Reformation

Die großteils bäuerlich dominierte Bevölkerung klagte schon lange unter dem Druck ihres Grundherrn und begann nun auch ihre Unzufriedenheit öffentlich kundzutun. So erschien im Jahr 1525 eine Gruppe von 500 Bäurinnen und Bauern in der Stadt Vöcklabruck und versuchte lautstark die Bürger der Stadt von ihren Absichten zu überzeugen, um ein Bündnis gegen den Adel einzugehen. Die Bürgerschaft ließ sich hingegen nicht überzeugen und die aufständischen Bauern wurden unterworfen und verhaftet. Als in späterer Folge die Religionsbeschwerden an Aktualität gewannen, erhöhte sich die Zahl der Übertritte der hiesigen Bevölkerung zur Lehre Luthers.

Im Jahre 1626 tobte die Bauernschlacht bei Pinsdorf. Mehr als 6000 lutherische Bauern kämpften mehrere Stunden lang gegen die Truppen des Grafen Heinrich von Pappenberg. Die Bauern unterlagen und so wurden tausende Männer erschlagen und zu „Bauernhügeln“ getürmt. Die Überlebenden konnten großteils in Richtung Rutzenmoos und Vöcklabruck fliehen.

Nachdem der Bauernkrieg beendet worden war, begann vor allem in der Region um Rutzenmoos der Geheimprotestantismus, der über hundert Jahre andauerte. Während und nach Ende des 30-jährigen Krieges wurden die Maßregelungen für die Ausrottung des Protestantismus nicht allzu streng angewendet und viele Regauer hielten am lutherischen Glauben fest.

Gerade aus der Region um Regau war bekannt, dass sich dort vermehrt heimliche Anhänger des Protestantismus befanden und sogar manchmal in der Reichsgrafschaft Ortenburg bei Passau an lutherischen Gottesdiensten teilnahmen. Aus diesem Grund wurde Regau vom Passauer Bischof, Graf Josef Dominicus von Lamberg, beschuldigt, nicht hart genug gegen die Protestanten vorzugehen. So begab er sich im Jahre 1732 höchst persönlich zur Visitation nach Regau, wo er feststellen musste, dass sein Vortrag nur wenig Interesse fand.

Im Juni des Jahres 1752 wurden Anhänger des lutherischen Glaubens gegen ihren Willen nach Siebenbürgen übersiedelt, wobei die Zahl dieser zwischen den Jahren 1752 bis 1755 ausgemusterten Personen auf ungefähr 50 geschätzt wird.

Franzosenkriege

Nach der Machtübernahme Napoléon Bonapartes überschritten die Franzosen die Grenzen des heutigen Österreichs in den Jahren 1800, 1805 und 1809, wobei Regau am 18. Dezember 1800 Schauplatz einer Schlacht wurde. Die österreichischen Truppen erwarteten den Feind mit drei Regimenten Kavallerie und zwei Regimenten Infanterie, verloren jedoch die Schlacht. Es wurden insgesamt drei Generäle und 5000 Mann gefangengenommen.

In den folgenden Jahren litt das Land durch die ständigen Durchmärsche der Truppen, welche das Land plünderten und erpressten. So stiegen die Preise für Lebensmittel und es brach ein großes Elend in der Bevölkerung aus.

Als im Jahre 1809 der dritte Franzoseneinfall vorüberging, kam das Hausruckviertel bis 1816 an Bayern, wobei Regau ein Bestandteil Österreichs blieb. Die damalige Staatsgrenze war mit der Ager festgelegt und es wurde bei der Agerbrücke ein Mauthaus eingerichtet.

Um die Regauer vor den marodierenden Franzosen zu schützen, wurde während der Kriegsjahre eine Landwehr eingerichtet. 1827 gab Jakob Fleischanderl die Anregung, diese Landwehr in eine Bürgergarde umzugestalten. Ihre Aufgabe sollte sein, die Kameradschaft zu pflegen, die Feste zu verschönern und friedlichen Zwecken nachzugehen. So galt das Jahr 1827 auch als das Gründungsjahr des „Uniformierten Bürgerkorps Regau“. Zwei Jahre später trat die Bürgergarde zum ersten Mal mit einer an die Franzosenzeit erinnernden Uniform beim Fronleichnamsfest auf. 1817 wurde die „Bürgerkapelle Regau“ gegründet.

Gründung der Gemeinde

Als im Jahr 1850 eine grundlegende Neuordnung der verwaltungsrechtlichen und politischen Einteilung in Österreich durchgeführt wurde, wurden Bezirkshauptmannschaften und Gemeinden errichtet.

Kurz nach dieser Konstituierung erklärten die Katastralgemeinden Rutzenmoos, Oberkriech und Neudorf, vor allem aus wirtschaftlichen Gründen, sich an die Gemeinde Regau anzuschließen. Zudem gab es besonders in Regau die Bestrebungen, auch die Katastralgemeinde Wagrain und somit die Ortschaften Schalchham, Lixlau, Oberregau, Lahn, Roith und Schöndorf zu einer politischen Gemeinde zu vereinigen.

Als leitende Personen in diesem Prozess traten Herr Schneider von Regau und Jakob Leitner aus Schalchham hervor. Sowohl die Bezirkshauptmannschaft als auch der damalige Stadtpfarrer und viele andere wichtige Bewohner von Vöcklabruck versuchten vergeblich, dieser Entwicklung entgegenzuwirken. In diesem Gebilde wohnten bereits zu dieser Zeit 3647 Einwohner und somit war die Gemeinde Regau die weitaus größte im Bezirk Vöcklabruck. Die Gemeinde Vöcklabruck hingegen wurde nunmehr auf die Stadt beschränkt und zählte lediglich 1332 Einwohner.

Noch im Jahre 1850 wurde die durch öffentliche Wahlen bestimmte Gemeindevertretung der Gemeinde konstituiert.

Das neue Gemeindegebiet war im Norden von den Gemeinden Vöcklabruck, Ungenach und Pilsbach, im Osten von Attnang, Desselbrunn und Ohlsdorf und im Süden von den Gemeinden Schörfling, Timelkam und wiederum Vöcklabruck begrenzt. Die daraus resultierende Fläche der Ortsgemeinde betrug insgesamt 4424 ha und umfasste die fünf Katastralgemeinden mit ihren 47 Ortschaften.

Erster Weltkrieg

Am nächsten Tag der Mobilisierung für den Ersten Weltkrieg mussten 400 Männer nach einer kirchlichen Ansprache des Pfarrers von ihren Angehörigen Abschied nehmen. Um die Versorgung der Bevölkerung mit Mehl, Brot und Getreide auch während des Krieges aufrechtzuerhalten, wurden so genannte Brot- und Mehlkarten eingeführt.

Am 24. Mai 1915 wurde im Schulhaus von Regau eine 240-köpfige Marschkompanie Tiroler Kaiserjäger einquartiert. Im Juni 1915 wurde eine groß angelegte Metallsammlung in der Gemeinde durchgeführt, wobei vom Turm der Pfarrkirche drei Glocken an das Kriegsministerium abgeliefert werden mussten.

Um der Opfer dieses Krieges zu gedenken, errichtete man am Dorfplatz von Regau ein Kriegerdenkmal, in welchem die Namen aller Kriegsopfer der Gemeinde Regau eingraviert wurden. Ursprünglich schätzte man die Opferanzahl auf etwa 80 Tote, jedoch ergab eine Erhebung des damaligen Denkmalausschusses, dass sich 131 Regauer unter den Opfern des Krieges befinden.

Nationalsozialismus

Bereits in den 1930er Jahren beklagte sich die Bezirkshauptmannschaft Vöcklabruck, dass das Bemalen von Gebäuden mit Hakenkreuzen in Regau immer größere Ausmaße erreichte. Aus diesem Grund sahen sich die Behörden gezwungen, aus den Kreisen der bekannten nationalsozialistischen Parteianhänger so genannte Putzscharen aufzustellen, um die Mauern wieder zu reinigen.

Als im Jahre 1938 der Führer der Nationalsozialistischen Partei Deutschlands Adolf Hitler in Österreich mit seinen Truppen einmarschierte, bedeutete dies für die Gemeinde, welche ab diesem Zeitpunkt zum „Gau Oberdonau“ angehörte, nicht nur grundlegende politische Umwälzungen, sondern auch massive Einschnitte in das Gemeindegebiet. Am 25. Mai 1938 schrieb der Vöcklabrucker Bürgermeister an den Regauer Bürgermeister Karl Schwarzäugl folgenden Text:

„Der Stadtgemeinde Vöcklabruck wird als künftiger Kreisstadt und als Wirtschaftszentrum des großen politischen Bezirkes Vöcklabruck unter der nationalsozialistischen Führung eine Aufgabe zufallen, die über den gewöhnlichen Wirkungskreis einer Gemeinde weit hinausgeht. Zur Erfüllung dieser Aufgaben muss nun ernsthaft darangegangen werden, das unnatürlich kleine Gebiet der Stadtgemeinde Vöcklabruck entsprechend zu vergrößern.“

Am 17. Juni 1938 wurde eine Vereinbarung über die Eingemeindung von Gebietsteilen der Ortsgemeinde Regau in das Gebiet der Stadt Vöcklabruck vereinbart und mit der Genehmigung des damaligen Gauleiters der NSDAP und Landeshauptmannes August Eigruber beschlossen. Die Gemeinde Regau trat die Gebietsteile ab und erhielt von Vöcklabruck 20 % der jeweiligen Lohnabgaben der Eternit-Werke.

Zu diesem Anlass hielt Regaus Bürgermeister eine Ansprache, welche in einem Beratungsprotokoll der Gemeinde vom 2. Februar 1939 festgehalten wurde:

„Eine große Entscheidung wurde in der Eingemeindungsangelegenheit gestellt. Dass das links der Ager gelegene Gemeindegebiet der Gemeinde Regau nach Vöcklabruck eingemeindet wurde, war unaufhaltsam. Hätte die Gemeinde Regau nicht freiwillig zugestimmt, so wäre die Entscheidung vom Gauleiter im Sinne unserer Zustimmung erfolgt. Infolge der Gesetzesänderung in steuerrechtlicher Hinsicht erleidet die Gemeinde Regau in ihren Einnahmen durch den Verlust des Hatschekwerkes keinen wesentlichen Ausfall. Ich bitte daher in dieser Hinsicht die Bevölkerung bei erwiesener Notwendigkeit aufklären zu wollen.“

Anhand dieses Beschlusses wurden der Stadtgemeinde Vöcklabruck mit dem 1. Jänner 1939 folgende elf Regauer Ortschaften übergeben: Buchleithen, Dörfl, Freileithen, Haselberg, Kalchofen, Oberhaus, Pfarrhofgries, Schöndorf, Vornbuch, Wagrain und Ziegelwies. Zusammen mit diesen Ortschaften gingen der Gemeinde Regau zahlreiche bedeutende Firmen und Gebäude wie z. B. die Kirche zu Maria Schöndorf, der Bahnhof und das Schloss Wagrain verloren.

Während des zweiten Weltkrieges fielen im Gemeindegebiet über 100 Bomben, wobei die Ortschaften Lixlau und Zaißing besonders betroffen waren. Nach dem Weltkrieg kamen zahlreiche Flüchtlinge wie die Donauschwaben, Sudetendeutschen oder Siebenbürger in das Gemeindegebiet, um sich eine neue Existenz aufzubauen. Diese Vertriebenen fanden in Regau ihre neue Heimat und trugen einen wesentlichen Teil zum Wiederaufbau der Gemeinde bei.

Im Jahre 1954 wurde zum Gedenken der Kriegsopfer der Kriegergedächtnisbrunnen errichtet. Auch dieses Denkmal listet die Namen der gefallenen Bürger auf. Durch die Umbauarbeiten am Marktplatz anlässlich der Feierlichkeiten um die Jahrtausendwende wurde das Denkmal versetzt und umgestaltet, heute ziert kein Brunnen mehr den Marktplatz, die restlichen Bauteile blieben erhalten.

Regau in der Moderne

Am 6. März 2000 wurde die Gemeinde zu einer Marktgemeinde erhoben. Die Urkundenüberreichung durch den Landeshauptmann Josef Pühringer erfolgte am 17. September 2000. Eine weitere Feierlichkeit fand im darauffolgenden Mai statt, als man das 1200-Jahr-Jubiläum zelebrierte.

Entstehung der Pfarrgemeinden

Evangelische Pfarre Rutzenmoos

Als Kaiser Joseph II. am 13. Oktober 1781 das Toleranzpatent erließ, wurde allen Angehörigen der verschiedenen Konfessionen die Gleichberechtigung gewährt. Nach einem Rundschreiben im Jahr 1782 der k. & k. Kreishauptmannschaft sollten die Akatholiken, wie die Protestanten zu dieser Zeit genannt wurden, unserer Region selbst entscheiden, ob sie sich dem Bethaus in Goisern, Wels oder Wallern anschließen wollten.

Da sich die Größe der evangelischen Gemeinde auf 536 Personen belief, wurde im August 1782 die Regierungsbewilligung zur Gründung der Gemeinde Pilling erteilt. Um die benötigten Kosten für die Errichtung eines Bethauses und die Anstellung eines Pastors zu decken, führte man noch im selben Monat eine großangelegte Haussammlung durch.

Der erste Gottesdienst fand am 1. Dezember 1782 im Nömerhaus in Pilling Nr. 4 statt. Als erster Pastor wurde Johann Gottlieb Tritschler eingestellt. Im Februar des darauf folgenden Jahres übernahm die Pfarrgemeinde offiziell den Namen Rutzenmoos. Viele Einwohner offen traten nun offen zum Protestantismus über. Diese zum Übertritt angemeldeten Personen ließen sich auch nicht von einem sechswöchigen Unterricht im katholischen Glauben umstimmen, welcher vom Hofdekret eingeführt wurde.

Neben der Gründung der Pfarrgemeinde Vöcklabruck im Jahre 1869 gingen zahlreiche weitere Pfarrgemeindegründungen von Rutzenmoos aus. So wurden neben den Gemeinden Attersee, Gmunden, Braunau und Lenzing-Kammer auch Schärding und Schwanenstadt gegründet.

Diese Umstände haben auch dazu beigetragen, dass in der alten Volksschule Rutzenmoos das Evangelische Museum Oberösterreich eingerichtet und am 16. Juni 2000 eröffnet wurde. Im Jahre 1960 wurde der Rutzenmooser Posaunenchor gegründet, zwei Jahre später konnte der neue Gemeindesaal als Jugendheim eingeweiht werden, wobei er 1999 als Gemeindezentrum erweitert wurde.

Heute erstreckt sich die Pfarrgemeinde Rutzenmoos weit über die Gemeindegrenzen von Regau hinaus und besitzt eine Predigtstelle in Attnang-Puchheim.

Überblick über die baugeschichtliche Entwicklung
  • 1782: Anfang im Nömerhaus in Pilling
  • 1783: Erstes Toleranzhaus
  • 1837: Erweitertes Toleranzhaus
  • 1839: Schulhaus
  • 1864: Turm
  • 1865: Umbau des Bethauses zur ersten Kirche
  • 1888: Heutige Kirche
  • 1902: Pfarrhof
  • 1905: Erweiterung der Schule

Römisch-katholische Pfarre

Obwohl bereits im Jahr 1390 von einer „Regauer Pfarr“ und wenig später von der „Niederregauer Pfarre“ die Rede war, gehörte das Pfarrgebiet Regau schon immer zur Pfarre Schöndorf. Nachdem 1732 der Passauer Bischof eine Lokalkaplanei hatte errichten lassen, wohnte in Regau ein Priester. Ab dem Jahre 1745 bemühte sich die Gemeinde Regau um eine selbstständige Pfarre. Im Zuge der Verordnung um 1750 von Kaiserin Maria Theresia, im ganzen Land Missionsstationen zu errichten, übernahmen im Jahre 1752 zwei Kapuzinerpater und ein Laienfrater aus Gmunden die Mission in der Gemeinde.

Erst im Jahre 1778 wurde ein Lokalkaplan namens Matthias Mödlhammer vom Stift St. Florian geschickt, jedoch wurden die Tauf-, Hochzeits- und Sterbebücher weiterhin in Vöcklabruck geführt. Zu dieser Zeit wurden 434 katholische Familien mit 2190 Personen und 185 Anhänger des Protestantismus genannt. Im Jahr 1786 waren 1900 Katholiken und etwa 300 Evangelische zu verzeichnen.

1784 übernahm der Theologieprofessor Franz Freindaller die Seelsorge in Regau, und da ab Mai desselben Jahres Matrikenbücher geführt wurden, gilt dieses Jahr auch als das Gründungsjahr der Pfarre in Regau. Höchstwahrscheinlich ist die Tatsache, dass sich die Gemeinde gleichzeitig mit Attnang, Oberthalheim und Desselbrunn von der Mutterpfarre Schöndorf loslöste, wobei sie selbst im Jahr 1968 Gebiete an die Pfarre Maria Puchheim abtreten musste.

Neben der Pfarrkirche und dem Vituskircherl gehört der Pfarre das Pfarrheim, welches 1953 unter Kaplan Josef Friesenecker als Jugendheim errichtet wurde. Im Jahre 1952 wurde ein neuer Friedhof außerhalb des Ortskerns angelegt, wobei der alte Friedhof an der Kirche aufgelassen wurde.

Da die Pfarrgemeinde im Augustiner-Chorherrenstift St. Florian inkorporiert ist, bezieht die Gemeinde auch von dort ihre Priester.

Unterirdische Gänge und Gräberfunde

Im Gemeindegebiet gibt es unterirdische Gänge und Gräber, deren Verlauf bzw. Lage sich nur von wenigen nachvollziehen lässt:

Einer dieser Gänge soll im Zusammenhang mit dem Rätsel über die Burg von Rebgau der Sage nach von der Kirche in Oberregau nach Burgstall geführt haben. Ebenso wird von einem weiteren Gang Richtung Kirche berichtet, der beim „Aichmayrhaus in Schalchham Nr. 24“ seinen Ausgangspunkt haben soll.

Zusätzliche Gänge und unterirdische Höhlen sollen unter dem Bauernhaus Kropf in Hinterbuch vor langer Zeit aufgedeckt worden sein und in einem Schweinestall in Unterkriech brach im Februar des Jahres 1960 ein 5 m × 5 m großes Stück Boden ein, das vermutlich als Erdstall genutzt wurde. Eine ähnliche Grube kam in Schacha zum Vorschein, als bei der Familie Reither bei Baggerarbeiten das Erdreich in einen Hohlraum einbrach. Ein weiterer unterirdischer Gang zwischen zwei Bauernhäusern wird in der Ortschaft Himmelreich vermutet.

Neben diesen zahlreichen unterirdischen Gängen wurde in den Jahren 1931 und 1932 im Zuge der Umlegung des Schalchhamerberges ein gemauerter Schacht mit menschlichem Gerippe freigelegt. Das heutige Wegkreuz Schalchham wurde wahrscheinlich anlässlich dieses Grabfundes errichtet.

Weiters berichtet man um das Jahr 1922 von zwei beigabenlosen Körpergräbern im Gemeindegebiet und zwei weitere Gräber wurden dreißig Jahre später in Schalchham entdeckt. In der Ortschaft Wankham kamen 1953 bei der Sägemühle Stögmüller bei Bauarbeiten beigabenlose Körpergräber zu Tage.

Literatur

  • Bachran, Walter; Fischer, Thomas; Koller, Fritz: Die Bajuwaren. Von Severin bis Tassilo 488 – 788. 1. Auflage. Herausgegeben von Hermann Dannheimer und Heinz Dopsch. – München, Salzburg: Überreuter 1988.
  • Lehr, Rudolf: Landeschronik Oberösterreich. 3000 Jahre in Daten, Dokumenten und Bildern. 1. Auflage. – Wien, Linz: Christian Brandstätter Verlag 1987. ISBN 3-85498-331-X
  • Leitner, Franz: 200 Jahre Pfarre Regau. – Vöcklabruck
  • Obermüller, Alois: Chronik von Regau I. – Regau: 1778.
  • Pisar, Friedrich: Der Bezirk Vöcklabruck. Eine Zusammenschau. - Linz: Rudolf Trauner Verlag 1981. ISBN 3-85320-224-1
  • Satzinger, Franz: Die Vöcklabrucker Wappentürme. Herausgegeben von der Stadtgemeinde Vöcklabruck. – Vöcklabruck: Kilian Verlag 2003. ISBN 3-901745-07-6
  • Schachinger, Richard: Die geschichtliche Entwicklung der Marktgemeinde Regau. Fachbereichsarbeit am Bundesgymnasium Vöcklabruck. 2004
  • Schindlbauer, Anton: Chronik von Regau. – Regau: Gemeinde Regau 1928-1930.
  • Stenzel, Gerhard: Von Stadt zu Stadt in Österreich. – Wien: Verlag Kremayr & Scheriau 1979. ISBN 3-218-00327-X
  • Stenzel, Gerhard: Von Stift zu Stift in Österreich. – Wien: Verlag Kremayr & Scheriau 1977. ISBN 3-218-00298-2
  • Urich, Stefan: 1200 Jahre Regau. Festschrift. Herausgegeben von der Marktgemeinde Regau. - Regau: Marktgemeinde Regau 2001.
  • Zauner, Alois: Vöcklabruck und der Attergau. Stadt und Grundherrschaft in Oberösterreich bis 1620. Herausgegeben vom Oberösterreichischen Landesarchiv und von der Stadtgemeinde Vöcklabruck. – Linz: Hermann Böhlaus 1971. ISBN 3-205-01111-2

Einzelnachweise

  1. Adalbert II.
  2. Gebhard II.
  3. Stein am Kamp, Wolfker
  4. Stein-Hohenegg

Weblinks


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