Geschirrspülmaschine


Geschirrspülmaschine

Eine Geschirrspülmaschine ist ein Küchengerät zur maschinellen Reinigung von Töpfen, Geschirr, Gläsern und Essbesteck.

Geschirrspülmaschine im Haushalt

Durch das Zusammenwirken der Faktoren Zeit, mechanische Energie, Temperatur und Chemie wird das Spülgut gereinigt (Sinnerscher Kreis). Rotierende Düsen spritzen längere Zeit die stark alkalische Spüllauge gegen die Geschirrteile. Dabei ist der hohe pH-Wert der Lauge ebenso wichtig zum Lösen des Schmutzes wie der Druck und Volumenstrom der Wasserstrahlen.

Das Statistische Bundesamt weist für das Jahr 2009 eine Ausstattungsquote der privaten Haushalte von 64,8 Prozent aus, die eine Spülmaschine besitzen.[1]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Bereits 1886[2] wurde von der Amerikanerin Josephine Cochrane ein Patent für einen mit Wasserdruck arbeitenden Geschirrspüler eingereicht. Sie gilt als Erfinderin des Geschirrspülers. Die erste Geschirrspülmaschine wurde auf der Weltausstellung 1893 in Chicago präsentiert.

Bei der Firma Miele wurden 1929 die ersten elektrischen Geschirrspülmaschinen Europas gebaut.

Funktionsweise

Glasmodel eines Geschirsspülers in Betrieb

Geschirrspülmaschinen verfügen über mehrere Spülprogramme, die sich in der Dauer und im Temperaturbereich voneinander unterscheiden. Spülprogramme gliedern sich in einen Spülgang (Temperatur etwa 55 bis 70 °C) und einen Klarspülgang (Temperatur etwa 65 bis 85 °C). Im Spülgang wird das Spülgut gereinigt, während der Klarspülgang zur Entfernung des Spülwassers sowie zur Trocknung des Spülguts dient. Weiterhin wird die Bildung von Kalk- und Wasserflecken verhindert.

Bei der Benutzung einer Spülmaschine werden außer Wasser und Strom auch noch Spülmaschinenreiniger, Klarspüler und Regeneriersalz verbraucht, welche in dafür vorgesehene Behälter (mit verschließbarem Deckel) im Innenraum der Maschine gefüllt werden. Spülmaschinenreiniger gibt es in Pulver-, Gelform (v. a. USA) oder als Tabletten (Tabs). Zu Anfang des Spülgangs öffnet sich der Reiniger-Behälter und das Reinigungs-Mittel wird im Innenraum verteilt. Flüssiger Klarspüler verhindert die Fleckenbildung durch Bestandteile des Reinigers. Regeneriersalz wird bei hartem Wasser benötigt, damit der Ionentauscher der Maschine das Wasser enthärten kann, wodurch die Bildung von Kalkseife und Kesselsteinablagerungen in Rohrleitungen und an Heizelementen verhindert werden.

Speziell bei den Tab-Reinigern werden unterschiedliche Kombiprodukte angeboten, die nicht mehr eine einzelne Dosierung von Reiniger, Klarspüler und Regeneriersalz erfordern. Hierbei unterscheidet man insbesondere die 2-in-1- und 3-in-1-Tabs bis hin zu 9-in-1-Tabs. Allerdings werden diese Bestandteile in einem einzigen Tab oftmals zur falschen Zeit an das Wasser abgegeben, sodass trotz Verwendung eines All-in-one-Tabs noch Grauschleier oder Kalkflecken auf dem Geschirr zurückbleiben können. Deshalb raten viele Hersteller zu getrennten Komponenten.

  • Hinter der Abkürzung 2-in-1 verbirgt sich die Kombination aus Reiniger und Klarspüler – Salz ist ggf. zusätzlich nachzufüllen.
  • 3-in-1-Tabs bedeuten eine Kombination aus Reiniger, Klarspüler und Enthärtungsbestandteilen, damit entfallen sämtliche zusätzlichen Dosierungsmaßnahmen. Vielmehr ist darauf zu achten, dass eine Überdosierung durch Benutzung eines Kombiproduktes und einer vorhandenen Klarspülermenge vermieden wird.
  • 5-in-1-Tabs enthalten nach Herstellerangaben Reiniger, Klarspüler, Salzersatz, Glasschutz und Spülkraftverstärker, welcher helfen soll, hartnäckige Verkrustungen wie z. B. angetrocknete Reste von Kartoffelgerichten oder angeklebtes Rührei zu entfernen.

Professionelle Spülmaschinen

Neben den weitverbreiteten Haushaltsspülmaschinen, die in der Regel Laufzeiten von bis zu 2,5 Stunden haben, werden im professionellen Bereich, wie Hotels, Restaurants, Altenheimen, Krankenhäusern, Catering usw., Industriespülmaschinen eingesetzt, deren Laufzeiten üblicherweise zwischen einer und fünf Minuten liegen. Diese kurze Programmdauer reicht aus, da im professionellen Bereich das Geschirr meist unmittelbar nach Gebrauch gespült wird und somit keine eingetrockneten Verschmutzungen zu entfernen sind. Manche Spülmaschinen haben für Töpfe auch spezielle Dauerumlaufprogramme, die die Maschine die ganze Zeit laufen lassen.

Vergleich mit manuellem Spülen

Maschinelles Geschirrspülen verbraucht bei voller Bestückung der Maschine im Allgemeinen weniger Wasser und Energie als manuelles, benötigt aber andererseits schädlichere Chemikalien. Laut einer internationalen Studie des International Journal of Consumers verbrauchen Haushalte mit einer Spülmaschine nur halb so viel Wasser und knapp ein Drittel weniger Energie als jene, die von Hand spülen.[3] Manuelles Geschirrspülen kann bei richtiger Technik und Warmwasserzubereitungsanlage weniger Energie verbrauchen oder andernfalls bis zu zehn mal mehr.[4] Daher ist anzunehmen, dass die Verwendung des Geschirrspülers in den meisten Fällen Energie spart. Allerdings ist nicht jedes Geschirr spülmaschinenfest und verträgt die beim Geschirrspüler verwendeten aggressiven Reiniger und hohen Temperaturen, sondern muss mit der Hand gespült werden. Ein weiterer Vorteil des manuellen Spülens ist, dass durch die manuelle Schmutzablösung auch schwerste Verschmutzungen entfernt werden können, die maschinell nicht zu beseitigen sind.

Bauformen

Aufgrund ihrer sehr unterschiedlichen Anforderungen muss zwischen Geschirrspülmaschinen für den Haushalt und für Gewerbe/Industrie unterschieden werden:

Haushaltsgeschirrspüler

Geschirrspülmaschinen für den Privathaushalt werden üblicherweise mit einem Fassungsvermögen von 12–14 Maßgedecken in einer Breite von 60 cm hergestellt. Maßgedecke sind in der Europäischen Norm EN 50242 genormt. Sogenannte Single-Geschirrspülmaschinen sind im Allgemeinen 45 cm breit und fassen neun Maßgedecke. Darüber hinaus werden diese Geschirrspülmaschinen von den Herstellern je nach Bauart in vier Kategorien eingeteilt.

Unterbaufähig
So gut wie alle Geschirrspülmaschinen bieten die Möglichkeit, die obere Geräteplatte abzunehmen, so dass das Gerät unter die Arbeitsplatte in die Küchenzeile geschoben werden kann. Ein nicht unterbaufähiges Gerät wird als reines Standgerät bezeichnet.
Dekorfähig
In die Gerätefront kann eine 2 bis 3 mm dicke Dekorplatte eingesetzt werden, die von einem am Gerät befestigten Rahmen gehalten wird. Üblicherweise wird diese Dekorplatte passend zum Küchendekor ausgewählt. Die Blende mit den Bedienelementen bleibt dabei weiter sichtbar. Eine dekorfähige Geschirrspülmaschine ist unterbaufähig.
Integrierbar
Wie bei einer dekorfähigen Maschine bleibt bei einer integrierbaren die Bedienblende weiterhin sichtbar. Der Unterschied besteht darin, dass statt einer dünnen Dekorplatte eine normale Küchenfront (2 bis 3 cm stark) auf der Gerätefront befestigt wird. Diese Platte wird nicht von einem Rahmen gehalten. Eine integrierbare Geschirrspülmaschine ist unterbaufähig.
Voll integrierbar
Wie integrierbar, nur verdeckt die aufgesetzte Küchenfront die gesamte Gerätevorderseite. Die Bedienelemente befinden sich auf der Oberseite der Gerätetür. Es sind also bei geschlossener Tür keine Bedienelemente (insbesondere kein Display) sichtbar, die Spülmaschine ist nicht von den anderen Schränken der Küche zu unterscheiden. Eine voll integrierbare Geschirrspülmaschine ist unterbaufähig.

Namhafte Hersteller im Haushaltsbereich sind Bosch, Constructa, Electrolux, Miele, Neff, Siemens und Bauknecht.

Industrie- oder Gewerbegeschirrspüler

In Gewerbe oder Industrie eingesetzte Spülmaschinen unterscheiden sich von den im Haushalt eingesetzten vor allem darin, dass Geschirrtransport bzw. -logistik technisch unabhängig vom eigentlichen Reinigungsvorgang stattfindet. Bei kleineren Einheiten wird das zu reinigende Geschirr in einen standardisierten Korb oder Rack einsortiert, evtl. zwischengelagert, (manuell) vorgespült, gespült, getrocknet (bzw. trocknen gelassen) und wieder ausgeräumt. Größere Maschinen benutzen zum Zweck des Transportes häufig ein Förderband, das das Geschirr den einzelnen Bearbeitungsstufen zuführt. Meistens werden dabei verschiedene Geräte für Geschirr/Besteck und für Gläser eingesetzt. Meistens lohnen sich bei den gewerblich genutzten Maschinen aufwändigere Wasseraufbereitungssysteme, die das mehrmalige Wiederverwenden desselben Spülwassers für viele Spüldurchgänge ermöglichen. Außerdem erfolgt das Reinigen mit stärkeren Reinigungsmitteln und mit einer erhöhten Temperatur (Reinigungsgang 65–85 °C; Klarspülgang 85–96 °C, je nach Modell). Das Spülwasser wird nur teilweise ersetzt, und zwar wird das durch den Erhitzungskessel für die Klarspülung einfließende Wasser danach für den Reinigungsvorgang benutzt. Die Menge von 3 bis 5 Litern, die so einfließen, wird vorher abgepumpt.

Man unterscheidet auch noch die Art der Dosierung; es gibt automatische Dosiereinrichtungen (meist mit flüssigen Reinigungsmedien) und manuelle (bei denen man noch das Pulver einfüllen muss). Da das Wasser immer wiederverwendet wird, wird empfohlen, Geschirr und Gläser getrennt zu spülen.

Fronttürgeschirr- oder -gläserspülmaschinen
In dieser Bauform gibt es die kleinsten Gewerbespülmaschinen – die oft als Unterbaumaschinen in beengten Verhältnissen eingesetzt werden. Spezialspülmaschinen (wie z. B. Topfspülmaschinen oder Maschinen zur Reinigung von Gastro-Norm-Behältern) werden oft in dieser Bauform angeboten. Nachteil dieser Maschinen ist allerdings, dass das Spülgut grundsätzlich in das Gerät hineingehoben werden muss.
Haubengeschirr- oder -gläserspülmaschinen
Im Gegensatz zur Fronttürmaschine lässt sich bei dieser Bauform das gesamte Gehäuse des Spülraumes nach oben abheben, diese Bauform macht also das Spülgut von allen Seiten zugänglich. Mit dieser Technik wird es so auch möglich, die Spülkörbe oder -racks per Schienensystem in die Maschine ein-, und aus der Maschine auszuschieben.
Bandspülanlage
Bandspülmaschinen
Bei großen Mengen regelmäßig anfallenden Geschirrs (wie z. B. bei Mensen oder Betriebskantinen) lohnt sich ein kontinuierlich durch das Spülgerät durchlaufendes Band, das zugleich über Halteelemente für die einzelnen Geschirrteile verfügt. Da der Spülvorgang ununterbrochen läuft, ist das jedoch nur sinnvoll, wenn in der Geschirrzufuhr weder größere Lücken noch Schwankungen in der zugeführten Geschirrmenge auftreten. Es gibt aber inzwischen Modelle, die automatisch anhalten, wenn man kein Geschirr auf die Vorfläche (die Fläche vor der Maschine, zum Aufreihen des Geschirrs) stellt (die Lichtschranke reagiert auf Kontakt und aktiviert dann die Maschine; bei Nichtkontakt wird die Maschine nicht angestellt. Am Ende gibt es auch eine Lichtschranke, die registriert, ob das Geschirr dort eingetroffen ist).
Korbdurchlaufmaschinen
Ähnlich den Bandspülmaschinen lohnt sich die Anschaffung einer Korbdurchlaufmaschine nur bei einer erheblichen Menge Geschirr. Hier werden die Körbe vorher bestückt, und wenn sie voll sind, werden sie auf die Vorfläche (s. o.) gestellt und fahren auf einem Förderband durch die Maschine. Moderne Maschinen haben eine Farbenkodierung, die abliest, welches Programm (Fördergeschwindigkeit/Temperatur) ablaufen soll. Auch dieses System benutzt die oben erklärte Lichtschrankentechnik.

Ein erheblicher Nachteil der gastronomischen Geräte ist, dass sie auch bei Nichtbenutzung ständig Strom verbrauchen, weil sie das Wasser bei etwa 60 bis 70 °C halten müssen. Weiterhin brauchen sie vor der ersten Verwendung eine Vorlaufzeit von 10 bis 30 Minuten.

Durchschnittliche Korbdurchlaufmaschinen/Bandspülmaschinen schaffen 100 bis 200 Körbe / 1000 bis 2000 Teller pro Stunde.

Durchschnittliche Haubenspülmaschinen könnten rein theoretisch 60 Körbe pro Stunde reinigen, schaffen in der Praxis nur 45–50 Körbe pro Stunde (beim kürzesten Programm 1 Minute). Durchschnittliche Fronttürspülmaschinen schaffen nur etwa 30 bis 40 Körbe pro Stunde (ebenfalls 1 Minute). Diese Abweichung kommt durch die Rüstzeiten zustande, wie Geschirr einsortieren, usw.

Namhafte Hersteller im gewerblichen Segment sind Krefft, Meiko, Hobart, Winterhalter und Miele.

Gesundheitliche Gefahren durch herausgelöste Stoffe

Aus Bisphenol A enthaltenden Kunststoffen, insbesondere aus Polycarbonat (PC), werden zahlreiche Gegenstände des täglichen Gebrauchs mit direktem Kontakt zu Lebensmitteln und Getränken hergestellt, etwa Getränkebehälter, Behälter von Standmixern und sonstigen Küchengeräten, Babyfläschchen (in Deutschland bis 2011), Tiefgefrierboxen und Füllstandsanzeigen von Wasserkochern [5].

Wärme bzw. Aufheizen, Säuren und Laugen begünstigen das Freisetzen von Bisphenol A aus Polycarbonat. Kochendes Wasser beschleunigt die Rate auf das 55-fache.[6] [7], wobei gesundheitliche Gefahren verbunden sind. Die Freisetzung kann sowohl bei der Speisenzubereitung in Behältern aus Polycarbonat als auch beim nachfolgenden (langandauernden) heissen Abwaschen erfolgen. Trübwerden des ansonsten klaren Materials (ohne Kratzer) ist ein Indiz der Extraktion von Inhaltsstoffen. Geschirr und Behälter aus Polycarbonat sollen deshalb nicht in Geschirrspülern gewaschen werden, da bei Herauslösen von Bisphenolen das gesamte Spülwasser und damit verbunden das gesamte sonstige zu reinigende Geschirr (nach Benetzung und nachfolgendem Auftrocknen) damit verunreinigt wird. Behälter aus Polycarbonat sollen, um die Bisophenol A-Belastung der Speisen zu verringern, kurz vor der Verwendung extra noch einmal kalt gespült werden [8]. Auch die Verwendung von Polycarbonat als Sichtfenster zur Füllstandsanzeige in Wasserkochern oder Kaffeemaschinen oder für Standmixerbehälter und das Erhitzen von Gefrierbehältern oder Babyfläschchen aus PC im Mikrowellenherd sind daher nicht unproblematisch (mehr darüber siehe Bisphenol A).

Die bei Waschmaschinen zutreffende Verdünnung statt Entfernung von Keimen und Verunreinigungen ist sinngemäß auch bei Geschirrspülmaschinen gültig. Mikroorganismen und allfällige ungenießbare Stoffe oder gesundheitsschädliche Giftstoffe werden nur verdünnt, aber nicht hundertprozentig entfernt.

Siehe auch

Literatur

  • Huttary, Rudolf (2002): Haushaltgeräte erfolgreich selbst diagnostizieren und reparieren; 160 Seiten; ISBN 3-772-35100-X

Weblinks

 Commons: Geschirrspülmaschinen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. DSTATIS - Wirtschaftsrechnungen, Fachserie 15, Reihe 2, S. 12
  2. Die Spülmaschine der Josephine Cochran, 3sat.online
  3. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 6. März 2011, Nr. 9
  4. Bund der Energieverbraucher: Sparprogramme der Spülmaschine nutzen.
  5. http://www.bund.net/bundnet/themen_und_projekte/chemie/chemie_und_gesundheit/bundschwerpunkte/bisphenol_a/getraenkedosen/ Bund: Hormone aus der Dose
  6. Scientific American: Plastic (Not) Fantastic: Food Containers Leach a Potentially Harmful Chemical, February 19, 2008
  7. Stiftung Warentest, das Umweltbundesamt zitierend, abgerufen am 1. Okt. 2011
  8. Umweltbundesamt (D) Bisphenol A – Massenchemikalie mit unerwünschten Nebenwirkungen , abgerufen am 1. Oktober 2011

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