Gestohlene Generation


Gestohlene Generation

Der Begriff Gestohlene Generationen (oder auch Stolen Generations) bezeichnet verschiedene Generationen von Kindern der australischen Ureinwohner (Aborigines), die von der australischen Regierung aus ihren Familien entfernt wurden. Die Zwangsentfernung der meist „halbblütigen“ Kinder (engl. half-caste children) geschah systematisch offiziell von ungefähr 1900 bis 1969. Zehn bis dreißig Prozent aller Aborigines-Kinder waren betroffen.

Inhaltsverzeichnis

Maßnahmen und Gründe

Nachdem Aborigines im 19. Jahrhundert ihr Land und Zugang zu Wasser an die weißen Siedler verloren hatten, wurden ihnen Reservate zugewiesen. Dort blieben sie aber weitgehend abhängig von Nahrungsmittellieferungen der Regierung. Da zwar die Zahl der „reinrassigen“ Aborigines abnahm, die der Mischlinge aber stark zunahm, löste das Bestrebungen bei den Regierungen aus, diese Mischlinge zu assimilieren, und als Arbeitskräfte der weißen Gesellschaft zuzuführen, anstelle sie weiterhin in der Abhängigkeit staatlicher Hilfe in den Reservaten zu belassen.[1] Daraufhin wurden in den Bundesstaaten Australiens verschiedene Aboriginal Protection Acts erlassen, die die rechtliche Grundlage für das Entfernen von Kindern bilden sollten.

In der Folge wurden Kinder aus ihren Aborigine Familien entfernt, zumeist allerdings ohne Gerichtsbeschluss oder den Nachweis, dass es sich um vernachlässigte Kinder handelte. Statt dessen wurden Kinder willkürlich und zum Teil gewaltsam sprichwörtlich aus den Armen ihrer Mütter gerissen. Die Kinder wurden in staatlichen Heimen, Missionen und zu weißen Familien zur Adoption gegeben, wo sie wie Weiße erzogen werden sollten, um später ein Leben in der weißen Gesellschaft aufzunehmen.

Reaktionen

Politik

Nach Veröffentlichung des Abschlussberichts Bringing Them Home[2] im April 1997 erlangten die Gestohlenen Generationen weltweite Aufmerksamkeit. Ein Gedenktag, der National Sorry Day, wurde eingerichtet.

Im August 2007 gab es erstmals ein richtungsweisendes Urteil, das den geschädigten Kindern eine Entschädigung zusprach.[3] Am 13. Februar 2008 entschuldigte sich der neugewählte Premierminister Kevin Rudd in einer Rede vor dem australischen Parlament für das den Aborigines während zwei Jahrhunderten angetane Unrecht.[4]

Kultur

Das Theaterstück Stolen Generations, das von Jane Harrison geschrieben und 1998 in Australien uraufgeführt sowie in Asien und in den USA aufgeführt wurde, befasst sich mit dem Schicksal von fünf Aboriginekindern, die ihren Mütter weggenommen wurden. [5]

Doris Pilkington, erhielt für den Roman Caprice – A Stockman’s Daughter 1996 einen Literaturpreis. Sie veröffentlichte 1996 den Roman Rabbit-Proof Fence, der 2002 unter dem Titel Long Walk Home verfilmt wurde und die Stolen Generation zum Thema hat. Der Roman schildert die Flucht von drei Aborigine-Mädchen aus einem Lager, entlang des 3.256 Kilometer langen Schutzzauns gegen die Kaninchenplage.

Archie Roach [6], die in der Framlingham Aboriginal Mission geboren wurde, veröffentlichte 1990 ein Album, das den Titel Took the Children Away enthielt. Dieser Song widmet sich dem Thema der Stolen Generation und erreichte nicht nur bei den Aborigines große Bekanntheit, sondern Roach gewann mehrere Preise mit diesem Song und erhielt als Auszeichnung für den Verkaufserfolg eine Goldene Schallplatte.

Siehe auch:

Einzelnachweise

  1. http://www.humanrights.gov.au/Social_Justice/bth_report/report/index.html
  2. http://www.humanrights.gov.au/Social_Justice/bth_report/report/index.html
  3. Meldung in Der Standard vom 30. Oktober 2007
  4. Swissinfo: Australien entschuldigt sich erstmals formell bei Ureinwohnern, 13. Februar 2008
  5. The tragedy of the "stolen generation" 25.06.2005 (englisch) zugegriffen am 06.03.2009
  6. Lore of the Land: Archie Roach (englisch) zugegriffen am 28.02.2009[1]

Siehe auch


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