Getreideernte


Getreideernte
Grasmäher mit angebauter Handablagevorrichtung bei der Getreideernte

Die Getreideernte bezeichnet die Ernte von Körnerfrüchten.

Die gebräuchlichsten Getreidesorten in Mitteleuropa sind Gerste, Roggen, Weizen, Hafer und Mais. Seit etwa 1985 wird auch die Triticale, eine Kreuzung aus Weizen und Roggen, angebaut.

Inhaltsverzeichnis

Verfahren

Früher

Zu Puppen aufgestellte Garben

Früher erfolgte die Getreideernte bereits während der Gelbreife des Getreides von Hand mittels Sichel, Sichte oder Sense. Die abgemähten Getreidehalme band man zu Garben zusammen; jeweils mehrere Garben wurden anschließend gegeneinander auf dem Feld als Hocke, Puppe oder Stiege zum weiteren Trocknen und Abreifen aufgestellt. Die Mäharbeit wurde in der Regel von Männern erledigt, das Binden der Garben hingegen war Frauenarbeit[1]. Die Garben wurden nachfolgend zur Scheune transportiert und nach weiterer Lagerung entweder von Hand oder durch eine Dreschmaschine ausgedroschen. Teilweise erfolgte der Drusch aber auch direkt auf dem Feld, die Garben setzte man, wenn der Drusch nicht zeitnah erfolgen konnte, zum Schutz gegen Witterung und Ungeziefer zu Feimen auf. Mit Entwicklung der Mähmaschine um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Handarbeit beim Mähen des Getreides zunehmend, bis hin zum gleichzeitig mähenden und Garben bindenden Mähbinder, mechanisiert. Abhängig von verschiedenen Faktoren wie Betriebsgröße und geografische Lage erfolgte jedoch durchaus zeitlich parallel zum Einsatz der Mähbinder weiterhin der Einsatz des einfacher aufgebauten Getreidemähers oder des mittels Handablage modifizierten Grasmähers. Zum Kornverluste und Betriebsstörungen der Maschinen vermeidenden Anmähen der Felder, d. h. dem Mähen eines ersten freien Streifens um das Feld, wurden auch noch Sichel, Sichte oder Sense eingesetzt.

Heute

Heute hingegen erfolgt die Getreideernte in Mitteleuropa fast ausschließlich mit Hilfe von Mähdreschern. Diese mähen in einem Arbeitsgang das Getreide, dreschen es aus, reinigen das ausgedroschene Korn und legen das Stroh entweder als Schwad auf dem Feld ab oder häckseln und verteilen es auf dem Feld zwecks besserern Einarbeitung und Verrottung. Im Unterschied zu den früheren Verfahren setzt der Mähdrescher todreifes Getreide voraus; das bei der Todreife durch die höhere Gefahr des Verderbens oder Auswuchses des Korns engere zeitliche Fenster zur Ernte wird aber durch die enorme Schlagkraft des Ernteverfahrens vollständig wettgemacht. Die nahezu vollständige Verdrängung der älteren Ernteverfahren durch den Mähdrescher erfolgte in Deutschland etwa in den 1960er Jahren.

An der Getreideernte sind nicht nur die Landwirte beteiligt, häufig wird die wichtigste Maschine, der Mähdrescher, samt Fahrer von einem Lohnunternehmer gestellt.

Der Erntebeginn wird vom Landwirt nach Erfahrungswerten bestimmt. Eine wichtige Größe für den richtigen Zeitpunkt ist der Feuchtegehalt des Getreides. Liegt die Feuchtigkeit unter 15 % Wasseranteil, sind die Erntebedingungen optimal. In ungünstigen Witterungsperioden muss das Getreide allerdings mit einem höheren Feuchteanteil gedroschen werden. In diesem Fall muss das Getreide vorübergehend auf +7 °C gekühlt, nachträglich getrocknet oder auf andere Art und Weise vor dem Verderb geschützt werden. Soweit das Getreide als Futtermittel verwendet werden soll, kann es ohne künstliche Trocknung unter anderem durch den Einsatz der Konservierungsmittel Propionsäure oder Harnstoff, Sauerstoffentzug aufgrund Veratmung durch das Erntegut selbst bei Lagerung in gasdichten Silos oder Silierung (Milchsäuregärung) des vermahlenen und mit Wasserzusatz zu einem Brei vermischten Korns haltbar gemacht werden.[2]

Getreide wird für sehr unterschiedliche Zwecke angebaut. Ein sehr großer Teil wird von der Futtermittelindustrie gekauft, ein weiterer großer Anteil bleibt in den landwirtschaftlichen Betrieben als Futter der eigenen Nutztiere.

Erntemengen in Deutschland

Getreidemahd mit der Sichte und Binden der Garben, Gemälde von Simon Bening, um 1550

(einschl. Körnermais und Corn-Cob-Mix)[3]

  • 2000 = 45,3 Mio. Tonnen
  • 2001 = 49,7 Mio. Tonnen
  • 2002 = 43,4 Mio. Tonnen
  • 2003 = 39,4 Mio. Tonnen
  • 2004 = 51,1 Mio. Tonnen
  • 2005 = 50,0 Mio. Tonnen
  • 2006 = 43,5 Mio. Tonnen
  • 2007 = 40,6 Mio. Tonnen
  • 2008 = 50,1 Mio. Tonnen
  • 2009 = 49,8 Mio. Tonnen
  • 2010 = 43,8 Mio. Tonnen
  • 2011 = 41,1 Mio. Tonnen (voraussichtl.)

Literatur

  • Schlipf: Handbuch der Landwirtschaft. 13. Auflage (1898) und 32. Auflage (1958), Paul Parey, Berlin (und Hamburg), Nachdruck in einem Band durch Manusciptum Verlagsbuchhandlung, ISBN 3-933497-77-9.
  • Schweigmann: Die Landmaschinen und ihre Handhabung. 1. Aufl., Verlag Dr. Pfanneberg, Gießen 1955, Nachdruck durch Bulldog Press, Limburg/Lahn, ISBN 3-9803332-1-3.

Einzelnachweise

  1. Heinz-Peter Mielke, Niederrheinisches Freilichtmuseum Grefrath (Museumsführer), 1. Aufl., Grefrath, 1997, ISBN 3-932793-00-5, S. 170
  2. Horst Eichhorn (Herausgeber): Landtechnik. 7. Auflage, Ulmer, Stuttgart 1952/1999, ISBN 3-8001-1086-5, S. 262 ff.
  3. BMELV Statistisches Bundesamt

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