Getreidemaß

Getreidemaß

Das Getreidemaß ist ein Maß für ein bestimmtes Volumen an Getreide und erleichterte den Handel. Heutzutage sind Getreidemaße praktisch nicht mehr in Verwendung. Getreidemaße waren regional sehr unterschiedlich, überregional gab es kein einheitliches Maß.

Inhaltsverzeichnis

Historische Getreidemaße im deutschsprachigen Raum

Im deutschsprachigen Raum waren früher u. a. die folgenden Hohlmaße für Getreide üblich:

Siehe auch: Alte Maße und Gewichte: Hohlmaße.

Korngiro in Ägypten

Umfangreiche, auf Papyrus niedergeschriebene Dokumente zeigen, dass es bereits 322 bis 30 v. Chr. in Ägypten ein ausgedehntes Verrechnungssystem gegeben hat. Bauern konnten ihr Korn an staatliche Lagerhäuser zur Aufbewahrung liefern und erhielten dafür eine Gutschrift, auf der genau Qualität und Jahrgang festgehalten wurden. Hugo Godschalk schreibt in seinem Buch „Die geldlose Wirtschaft“: „Der Bauer war auf diese Art und Weise gegen Diebstahl oder physische Vernichtung durch Feuer, Überflutung und so weiter geschützt, womit er die Kosten der Speicherung einsparte.“ Per Überweisungsauftrag an das staatliche Lagerhaus konnte er Steuern an den Staat und sonstige Verpflichtungen wie Pachtzinsen bezahlen. Gegenüber der späteren Geldwirtschaft hatte der Bauer außerdem den Vorteil, nicht gezwungen zu sein, sein Korn gleich nach der Ernte am Markt gegen Zahlungsmittel verkaufen zu müssen, wenn die Preise infolge des größeren Angebots niedriger waren. Mit einer Art Anweisungsscheck konnten Güterkäufe über das Korngirosystem bezahlt werden. Das Getreidemaß diente dabei lediglich als Verrechnungsgrundlage, ohne dass es selbst als Tauschmittel benutzt wurde. Bei „Überweisungen“ zwischen verschiedenen Korngirokreisen wurden die Schulden kompensatorisch mit Getreidelieferungen ausgeglichen. Während des ersten bis vierten Jahrhunderts n. Chr. unter der römischen Herrschaft gab es neben dem staatlichen Korngiro auch den Geld-Giroverkehr, der von Privatbanken betrieben wurde. Im Gegensatz zu den Geld-Girokonten wurden aber die Konten der Korngiro-Teilnehmer nicht verzinst. Hugo Godschalk: „Im Korngiro musste der Kontoinhaber eine Lagergebühr für die Speicherung, die Verwaltung, das Trocknen und so weiter bezahlen. Die Lagergebühr richtete sich nach der Quantität und vermutlich auch nach der Lagerungszeit. Die Gebühren bezogen sich auf das Giroguthaben. Es handelt sich hier also um eine Art negativer Verzinsung der Guthaben.

Diese negative Verzinsung von Guthaben im Korngirosystem war sicherlich ein wesentlicher Grund, warum sich dieses System auch nach der Einführung der Geldwirtschaft weiterhin behaupten konnte. Das Zahlungsmittel Korngiro hatte - bedingt durch die Lagergebühr - die gleichen Eigenschaften wie jede Ware, deren Zurückhaltung durch Lagerung, Verderb et cetera Kosten verursacht. Es war ausgeschlossen, mit Korngiro zu spekulieren oder in diesem System Zinsen zu nehmen und so ein leistungsloses Einkommen zu erhalten.

Auswahl weiterer Getreidemaße

Literatur

  • Hugo T. Godschalk: Die geldlose Wirtschaft. Vom Tempeltausch bis zum Barter-Club (Ökonomie Alternativen; 1). Basis-Verlag, Berlin 1986, ISBN 3-88025-413-3.

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См. также в других словарях:

  • Getreidemaß — Getreidemaß, Hohlmaß für Getreide, die gewöhnlichsten sind: Last, Wispel, Malter, Scheffel, Sippmaß u. Maß, Viertel u. Metze, Mäßchen, Faß, Simmer, Himten (s.d. a.) u.a …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Getreidemaß, das — Das Getrēidemāß, des es, plur. die e, ein Maß, wornach das Getreide gemessen wird, so wohl im Abstracto, als Concreto; das Kornmaß …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Bushel (Getreidemaß) — Die angloamerikanische Maßeinheit Bushel (Abkürzung: bu) ist in den USA ein äquivalentes Gewichtsmaß zur Bestimmung des Verrechnungsgewichts von Getreide. Ursprünglich war das amerikanische „Bushel“ ein von den Britischen Inseln stammendes… …   Deutsch Wikipedia

  • Misura — Der Misura war ein Flächenmaß und Getreidemaß, das auf den ionischen Inseln, wie Korfu, Zante und anderen galt. Auf Mallorca wurde es als Flüssigkeitsmaß verwendet. Hier nahm man es für Öl. Inhaltsverzeichnis 1 Feldmaß 2 Ölmaß 3 Getreidemaß …   Deutsch Wikipedia

  • Firlot — Das Firlot war ein schottisches Hohlmaß, wobei ein Biermaß und ein Getreidemaß unterschieden wurden. Inhaltsverzeichnis 1 Biermaß 2 Getreidemaß 3 Literatur 4 Einzelnachweise …   Deutsch Wikipedia

  • Kübel (Einheit) — Der Kübel war ein altes österreichisches Getreidemaß und im Erzgebirge war es ein Maß für Erz, häufig Zinnstein. In Sachsen war der Kübel im Kohlenhandel, besonders in sächsischen Bergwerken, wichtig. Die Maße wichen nur in den Nachkommastellen… …   Deutsch Wikipedia

  • Quarta (Einheit) — Die Quarta, auch Quarto, war das Viertel beim Volumen und Getreidemaß und war sehr unterschiedlich in seinen Werten. Das Maß galt in Portugal, Italien, Brasilien und auch in einigen spanischen Provinzen. Auch war es ein Längenmaß.… …   Deutsch Wikipedia

  • Salzmaß — Der Begriff Salzmaß steht, wie Weinmaß, Biermaß oder Getreidemaß für eine grobe Zuordnung von alten Maßen und Gewichten zu den Einheiten, mit denen das Handelsgut Salz gemessen wurde. Oft von den Maßen für Getreide abgeleitet, war es nicht immer… …   Deutsch Wikipedia

  • Zuber (Einheit) — Der Zuber, auch Zober, war ein Hohlmaß in Deutschland und der Schweiz. Das Maß hatte vier große Anwendungsbereiche. Man nutzte es als Getreidemaß, Flüssigkeitsmaß (Weinmaß), als Salzmaß und als Kalk und Kohlenmaß. Der Zuber kann mit dem Scheffel… …   Deutsch Wikipedia

  • Alte Masse und Gewichte — Hier sind historische Maße und Gewichte des deutschsprachigen Raums vor allem des 19. Jahrhunderts aufgeführt. Zwar unterscheiden sich die Einheiten örtlich und zeitlich teils erheblich, aber die Beziehungen innerhalb eines Systems sind… …   Deutsch Wikipedia


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