Gilberto Simoni


Gilberto Simoni
Simoni beim ersten Zeitfahren des Giro d'Italia 2010 in Amsterdam

Gilberto Simoni (* 25. August 1971 in Palu di Giovo) ist ein ehemaliger italienischer Radrennfahrer.

Inhaltsverzeichnis

Karriere

1999−2005

Simoni gilt als einer der besten reinen Kletterer der beginnenden 2000er Jahre. 2001 gewann er erstmals den Giro d’Italia, eines der wichtigsten Etappenrennen des Radsports. 2002 wurde er nach einem positiven Kokain-Befund aus dem Giro ausgeschlossen. 2003 wiederholte er mit großem Vorsprung seinen Triumph beim Giro. Vor der Tour de France 2003 hatte Simoni angekündigt, den Seriensieger Lance Armstrong in den Bergen angreifen zu wollen. Seine Form reichte allerdings nur zu einem Etappensieg. Im Jahr 2004 wurde Simoni am Giro als großer Favorit sensationell von seinem jungen Teamkollegen Damiano Cunego distanziert. Beim Giro 2005 wurde Simoni nach hartem Kampf am Ende mit nur 28 Sekunden Rückstand Zweiter.

Zwischen Simoni und Cunego, die von 2002 bis 2004 bei Saeco und 2005 bei Lampre-Caffita zusammen in einem Team fuhren, gab es des Öfteren Auseinandersetzungen, die größtenteils von Simoni ausgingen, der in Cunego einen Feind im eigenen Team sah. Ende 2005 verließ Simoni Lampre und unterschrieb einen Vertrag bei Saunier Duval-Prodir, wo er uneingeschränkter Kapitän beim Giro war.

2006

Gilberto Simoni wechselte in diesem Jahr zur spanischen Mannschaft Saunier Duval und kehrte damit seinem Teamkollegen und Erzrivalen Damiano Cunego den Rücken. Frei von stallinternen Kämpfen ging er als klarer Kapitän seines Teams ins Rennen. Die Presse hatte Ivan Basso, der im Vorjahr hinter Lance Armstrong bei der Tour de France noch Platz 2 belegte, als Favoriten auserkoren. Da Damiano Cunego im Vorjahr aufgrund von Pfeiffer-Drüsenfieber den Giro d'Italia gehandicapt bestritt und im Vorfeld den Giro del Trentino gewonnen hatte, gab es nur wenige, die auf Simoni setzten.

Beim Prolog zeigte er allerdings eine ansprechende Leistung und landete knapp hinter Basso und Cunego auf Platz 16. Da der Giro d’Italia in diesem Jahr in Belgien begann, gab es bereits auf der dritten Etappe eine kleine Bergankunft in Namur, bei der er lediglich auf Platz 69 landete und 16 Sekunden auf seine größten Konkurrenten verlor. Auf der fünften Etappe beim Teamzeitfahren zurück in Italien, landete sein Team gerade mal auf dem 18. Platz mit 1:26-Rückstand auf CSC, dem Team von Ivan Basso. Kurzfristig erholt zeigte er sich auf der ersten schwereren Mittelgebirgsetappe nach Saltara, wo er zusammen mit Ivan Basso ins Ziel kam und Damiano Cunego vier Sekunden abnehmen konnte. Auf der ersten richtigen Bergankunft am Passo Lanciano in den Appenninen zeigte er dagegen erneut Schwächen und verlor 1:24 auf den Sieger Basso und immerhin 54 Sekunden auf Cunego. Ohne den sich aufopfernden Leonardo Piepoli wäre der Rückstand wohl noch größer geworden. Zum Deasaster wurde schließlich das lange Einzelzeitfahren, das noch vor den entscheidenden Alpen anstand. Simoni erwischten einen rabenschwarzen Tag und verlor 4:21 auf den wie entfesselt fahrenden wiedererstarkten Jan Ullrich. Auf Basso verlor er damit knappe vier Minuten. Cunego erging es noch schlechter und verlor über fünf Minuten. Bevor es überhaupt in die Alpen ging, konnte er schon den Sieg abschreiben. Er lag mit über 7 Minuten Rückstand nur auf Platz elf, doch auch Cunego erging es kaum besser und lag lediglich einen Platz vor ihm. Sogar das Podium schien in weiter Ferne, denn auch sein Rückstand auf den Vorjahressieger Paolo Savoldelli betrug bereits vier Minuten. Mit José Enrique Gutiérrez, der zu dem Zeitpunkt auf Platz zwei lag, schien überraschend ein weiterer Konkurrent auf der Bildfläche.

Beim Eintritt in die Alpen bei Dauerregen ins piemontische La Thuile zeigte er sich in verbessert, doch er konnte einen weiteren Zeitverlust trotzdem nicht vermeiden. Beim Sieg seines Teamkollegen Leonardo Piepoli, dem er heute Freigang erteilte, belegte er Platz vier und verlor weitere Zeit auf Basso und konnte damit den Gesamtsieg endgültig abschreiben. Während er Savoldelli und Cunego über eine Minute abnehmen konnte, erreichte er zeitgleich mit Gutierrez die Ziellinie, der sich als schwerster Rivale von Basso positionierte. José Rujano, der ihn im Vorjahr auf dem Weg nach Sestriere in der Gesamtwertung fast noch überflügelte und fast ins Maglia Rosa fuhr, musste er dagegen nicht mehr fürchten, er gab die Rundfahrt in jämmerlichen Zustand auf der Abfahrt vom Colle San Carlo auf.

In Trento bei der Bergankunft auf seinem Hausberg, dem Monte Bondone, wollte er endlich seinen ersten Etappensieg feiern. Zum ersten Mal konnte er die Initiative ergreifen und versuchte Ivan Basso abzuhängen, doch dieser war bei diesem Giro einfach unbesiegbar. Simoni verlor als Zweiter weitere 1:37 auf Basso und kam sichtlich enttäuscht ins Ziel. In der Gesamtwertung hatte er sich aber schon knapp hinter Savoldelli auf Platz vier geschoben, auf Basso hatte er aber schon aussichtslose zehn Minuten Rückstand.

Die folgende Bergankunft auf der geschotterten Rampe zum Kronplatz sollte sein großer Tag werden. Als Mountainbiker, der die steilen Rampen liebt, schien er perfekte Voraussetzungen zu haben. Doch das Wetter, das bereits in den letzten Tagen für Regen sorgte, verhinderte eine Auffahrt zum Kronplatz, wo starker Schneefall eine Zielankunft verhinderte. Stattdessen beendete man die Etappe am nahe gelegenen Furkelpass. Während sein Teamkollege Piepoli die Etappe als Geschenk von Basso gewann, verlor Simoni als Achter knapp eine Minute, rückte aber trotzdem auf den dritten Gesamtrang vor.

Auf der 18. Etappe wurden erneut Gerüchte laut, dass Ivan Basso und Jan Ullrich Kunden beim kurz zuvor aufgeflogenen Dopingarzt Eufemiano Fuentes waren. Auch Gutierrez wurde mit dem Skandal in Verbindung gebracht, er war somit der bestplatzierte im Fall Fuentes unverdächtigte Teilnehmer.

Auf der 19. Etappe stand erneut eine schwere Bergankunft zum Passo di San Pellegrino auf dem Programm. Er erwischte einen guten Tag, griff Basso erneut an und konnte alle bis auf ihn abhängen, doch eine Ausreißergruppe verhinderte einen Etappensieg.

Vor der letzten schweren Etappe über den berüchtigten Mortirolopass hatte er auf den Vierten Cunego immerhin 2:24 Vorsprung, auf den Zweiten Gutierrez aber fast fünf Minuten Rückstand, so ging es also vor allem noch um einen Etappensieg. Bereits am Gaviapass ergriff sein Team auf der Königsetappe die Initiative und verkleinerte das Feld bereits dramatisch. Bereits weit unten am Mortirolo griff er mehrmals erfolgreich an. Lediglich Ivan Basso konnte sein Hinterrad halten. Wohl in Hoffnung in Aprica die Etappe zu gewinnen, arbeitete er mit Basso zusammen und vergrößerte den Vorsprung auf folgende Gruppe. Auf der technisch anspruchsvollen Abfahrt wartete er auf Basso, der bereits mehrmals bei dieser Rundfahrt auf Abfahrten Zeit verlor. Am nicht besonders schweren Schlussanstieg konnte Ivan Basso trotz des bereits mörderischen Tempos nochmals angreifen und hängte Simoni noch um über eine Minute ab. Kurz vor seinem Angriff war auf den Fernsehbilder eine kleine Diskussion zwischen Basso und Simoni zu sehen. Im Anschluss der Etappe entwickelte sich ein gewaltigen Wortgefecht zwischen Simoni und Basso. Simoni, der bereits vor zwei Jahren sich mit seinem jüngeren Teamkollegen Damiano Cunego anlegte, nannte Basso in Anspielung auf den brodelnden Fuentes Skandal, einen "Roboter". Außerdem warf er Basso vor für einen Etappensieg Geld verlangt zu haben, was er allerdings abgelehnt haben, was schließlich Basso zum Angriff veranlasst habe. Monate später nahm er in der Öffentlichkeit und vor dem CONI allerdings seinen Vorwurf zurück.

Er beendete den Giro d’Italia als Dritter und ging damit in die Geschichtsbücher ein, da er nun einer von drei Fahrern ist, die sieben Mal in Mailand auf dem Podium standen. Neben ihm schafften das nur seine Landsleute Fausto Coppi und Gino Bartali.

Schon in der ersten Woche nach Abschluss des Giro d'Italia 2006 verdichteten sich die Gerüchte um die Verwicklung von Basso und Gutierrez in den Fuentes-Skandal weiter; im Juli standen beide dann auf der von der spanischen Justiz veröffentlichten Liste der Radsportler, die mit Eufemiano Fuentes zusammen gearbeitet haben sollen. Basso gestand ein knappes Jahr später ein, Doping geplant und aus diesem Grunde Blut bei Fuentes lagern lassen zu haben; die Rolle von Gutierrez, der seit dem nur noch bei kleinen Mannschaften Verträge erhält, ist bis heute ungeklärt.

Im Herbst 2006 wechselte Gilberto Simoni vom Rennrad aufs Mountainbike und gewann die italienische Meisterschaft. Er nahm außerdem an weiteren MTB-Rennen teil. Simoni begründete den Schritt damit, dass er für seine Saisonvorbereitung neue Motivationsmöglichkeiten suche.

2007

In der Saison 2007 bestritt er erneut den Giro d’Italia als Kapitän von Saunier Duval. Er konnte in den Bergen zwar mithalten, konnte aber den Gesamtsieger Danilo Di Luca nur auf der 14. Etappe nach Bergamo, auf der er auf der Abfahrt des Passo di San Marco weit vor dem Ziel gelegen zusammen mit dem späteren Etappensieger Stefano Garzelli angriff und so Di Luca abhängen konnte, ernsthaft gefährden. Er gewann außerdem nach einem beeindruckenden "Teamzeitfahren" mit seinem treuen Helfer Leonardo Piepoli die 17. Etappe hinauf zum berüchtigten Monte Zoncolan, auf dem er schon 2003 triumphierte. Seinen dritten Platz der Gesamtwertung, den er vor dem abschließenden Zeitfahren am vorletzten Tag innehatte, verlor er nach einem schwachen Zeitfahren und belegte am Ende in der Gesamtwertung den undankbaren vierten Platz.

2008

Seit der Saison 2008 fuhr er als Kapitän für das venezolanische Zweitliga-Team Serramenti PVC Diquigiovanni. Auch in der Saison 2008 legte er seinen Saisonhöhepunkt auf den Giro d’Italia der durch die Teilnahme der Teams Astana, mit seinem spanischen Kapitän Alberto Contador, und dem Team Rabobank, mit seinem russischen Kapitän Denis Menchow, erstmals seit Jahren nicht nur durch italienische Fahrer geprägt wurde. Auch wenn Simoni im Vorfeld trotz seines Alters von 36 Jahren wieder mit zum erweiterten Favoritenkreis zählte, rechneten die Wenigsten damit, dass er einen so starken Giro fahren würde. Vor allem durch seine Leistungen in den Zeitfahren (10. Etappe Platz zehn, 16. Etappe Platz zwei) konnte er überraschen und nahm einigen Mitfavoriten sogar Zeit ab. Bis zur 18. Etappe lag er mit nur 1:21 Minuten Rückstand auf den Gesamtführenden und späteren Sieger Alberto Contador auf Rang drei. Im Dauerregen der schweren 19. Bergetappe von Legnano nach Presolana kühlte er nach eigener Aussage allerdings vollkommen aus und erlitt erstmals in seiner Karriere einen Hungerast. Er verlor an diesem Tag auf die Mitfavoriten zwischen sechs und acht Minuten, wodurch er in der Gesamtwertung auf Platz zehn zurück fiel und keine Möglichkeiten mehr hatte seinen achten Podiumsplatz zu erreichen. Auf der folgenden 20. Etappe von Rovetta nach Tirano versuchte er mit Angriffen am berüchtigten Passo del Mortirolo einen Etappenerfolg herauszufahren. Die Favoriten ließen ihn allerdings nicht ziehen, so dass Emanuele Sella durch eine Attacke am letzten Anstieg des Tages, dem Passo dell’Aprica, die Etappe für sich entscheiden konnte. Simoni, der als Einziger ernsthaft versuchte die Attacke von Emanuele Sella zu kontern, belegte auf dieser Etappe den zweiten Rang, konnte sich in der Gesamtwertung aber nicht mehr verbessern und schloss den Giro mit Platz zehn ab.

Seit seinem Umstieg auf das Mountainbike im Herbst 2006 war eines seiner großen Ziele die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking. Für das italienische Nationalteam starteten die Fahrer Marco Fontana (Platz 20) und Yader Zoli (Platz 32). Simoni erhielt keine Nominierung, startet aber bei den zuvor stattfindenden Mountainbike-Marathon-Weltmeisterschaften im italienischen Villabassa/Val di Sole und belegte dort mit einem Rückstand von 17:44 Minuten auf den Sieger Roel Paulissen Platz 12.

Rücktritt vom Radsport

Nach dem Giro 2010, den er als 69. mit 2:40:14 h Rückstand auf Gewinner Ivan Basso belegte, gab er seinen Rücktritt vom Radsport bekannt.

Erfolge

Weblinks

 Commons: Gilberto Simoni – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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