Glockenmuseum (Herrenberg)


Glockenmuseum (Herrenberg)

Das Glockenmuseum Herrenberg befindet sich in der evangelischen Stiftskirche zu Herrenberg.

Die Gloriosa ist die größte läutbare Herrenberger Glocke.

Das Museum zeichnet sich vor anderen dadurch aus, dass ein Großteil Ausstellungsstücke nicht ausgedient haben, sondern ihre hergebrachte Aufgabe erfüllen. Die Armsünderglocke gilt als die älteste erhaltene Glocke in Württemberg.[1] Die Besucher können beobachten, wie die Glocken dem Uhrenschlag dienen und wie sie zu verschiedenen Tages- und Kirchenjahreszeiten nach einer festgelegten Läuteordnung schwingend geläutet werden. Aufbauend auf der Gloriosa mit dem Nominal b0 bildet die Nominalfolge der Glocken eine Tonleiter über zweieinhalb Oktaven.

Die Glockensammlung umfasst neben dem ursprünglichen Herrenberger Geläut und verschiedenen neu gegossenen Glocken auch Einzelstücke aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten. Besonders beachtenswert sind zwei gotische Zuckerhutglocken und der Nachguss einer über 800 Jahre alten Bienenkorbglocke aus Thüringen, aber auch einige hervorragende Exemplare neuerer Glockengießerkunst. Die elf neuen Glocken des Zimbelgeläutes wurden von acht verschiedenen Glockengießern in Deutschland, Österreich und der Schweiz gegossen. Historisch gesehen kann die ganze deutsche Glockengeschichte in Beispielen gezeigt werden, insgesamt ist das Geläut mit 34 läutbaren Glocken das größte in Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

Glockenbestand

Hauptgeläut

Nr. Bezeichnung Gussjahr Gießer Gussort Gewicht
(kg)
Ø
(mm)
Nominal
(16tel)
Funktion
1 Gloriosa 1965 Emil Eschmann Rickenbach (Schweiz) 3628 1830 b0 +3 Erstläuten und Abendläuten (Festtage)
2 Dominika 1999 Gießerei Bachert Heilbronn 3095 1640 c1 +4 Erstläuten und Abendläuten (Sonntage)
3 Gulden 1602 Martin & Hans Miller Esslingen 2476 1570 d1 –3 Vaterunser
4 Bet 1949 Anton Gugg Straubing 1300 1310 es1 ±0 Abendläuten (Werktage, 18:00)
5 Reformation 1783 Benjamin Körner Görlitz 1268 1340 es1 +5
6 Mittag vor 1483 Hans Eger Reutlingen 1250 1250 f1 +4 Mittagsläuten, 12:00
7 Kreuz 1954 Gießerei Kurtz Stuttgart 823 1080 g1 +5 Gedächtnisläuten (Werktage, 11:00/15:00)
8 Osanna um 1300 unbez. in Schlesien 320 850 as1 +3
9 Tauf 1954 Gießerei Kurtz Stuttgart 563 960 a1 +3 Taufhandlung
10 Zeichen 1569 Franziscus Voillard Lothringen 528 930 b1 –1 Zweitläuten (Sonn-/Festtag)
11 Predigt 1752 Paulus Strobel Speyer 450 890 b1 +6
12 Angelus 1962 Friedrich Wilhelm Schilling Heidelberg 310 770 c2 +5 Werktag, nach 18:00
13 Schied um 1490 Horne Stargard (Pommern) 285 800 c2 +7 Werktag, nach 11:00/15:00
Apollonia 1875 Carl Rosenlaecher Konstanz 347 810 des2 ±0 Arbeitsbeginn Bauhütte
14 Prim 1877 Kirchdörfer Schwäbisch Hall 180 670 d2 +3 Morgenläuten Werktags, 09:00
15 Wacht 1924 Wieland-Werke Ulm 130 610 es2 +9 Marktläuten (Di/Sa, 08:00)
Feuer 1909 Gebr. Grassmayr Feldkirch (Österreich) 150 640 e2 +3
16 Heiliggeist 1997 Gießerei Bachert Kochendorf 117 580 f2 +6 Segen
Rat 1855 Martin Bachert Dallau 82 530 ges2 +4
17 Armsünder um 1230 unbez. in Württemberg 132 560 f2 +7/g2 Sabbatläuten (Sa, 17:55)

Teilgeläute der Glocken 13+10+6+3 (c2+b1+f1+d1)

Zimbelgeläut

Zimbelgeläut

Auffallend sind die sehr verschiedenen Glockenformen, Joche und Klöppel der einzelnen Gießereien. Das Zimbelgeläut erklingt samstags um 12 Uhr (Wochenendläuten) und am Sonntag um 15 Uhr (Sonntagsläuten).

Nr. Bezeichnung Gussjahr Gießer Gussort Gewicht
(kg)
Ø
(mm)
Nominal
(16tel)
1 Adorate 1998 Glocken- und Kunstgießerei Rincker Sinn 112 550 g2 +5
2 Magnificate 2000 Petit & Gebr. Edelbrock Gescher 54 500 as2 +6
3 Laudate 1998 Gebr. Rüetschi Aarau (Schweiz) 88 510 a2 +6
4 Rogate 1999 Gießerei Bachert Heilbronn 67 460 b2 +7
5 Cantate 2000 H. A. Mark Brockscheid 59 430 c3 +7
6 Benedicate 1998 Gießerei Metz Karlsruhe 55 400 d3 +4
7 Glorificate 2001 Gießerei Perner Passau 29 340 d3 +6
8 Jubilate 1998 Gebr. Grassmayr Innsbruck (Österreich) 45 380 es3 +7
9 Audite 2002 Gießerei Perner Passau 41 350 e3 +6
10 Exultate 1998 Gießerei Metz Karlsruhe 34 340 f3 +8
11 Minima 1999 Gießerei Rincker Sinn 26 310 g3 +7

Sonstige Glocken

Bezeichnung Gussjahr Gießer Gussort Gewicht
(kg)
Ø
(mm)
Nominal
(16tel)
Bemerkung
Maxima 2000 H. A. Mark Brockscheid 6370 2210 f0 ±0 vor der Kirche abgestellt
Gussstahlglocke 1948 Bochumer Verein Bochum 2200 c1 vor der Kirche abgestellt
Aschara 1996 Gießereien Rincker und Lauchhammer Sinn 193 620 es2 +9 läutbar
Schlag 1687 Lorentz Kokeritz Stettin 100 610 des2 ±0 Stundenvorschlag
Segen 1964 Gießerei Rincker Sinn 46 440 b2 +4 künftig im Dachreiter
Karolinger Nachguss Gießerei Rincker Sinn 48 440  ? läutbar
Haithabu 2004 Nachguss 29 420 b2 +7 läutbar

Carillon

Geplant ist für Sommer 2010 die Fertigstellung eines Carillons. Mit ca. 50 Glocken soll dieses Musikinstrument in der Zwiebel des Turmes eingebaut werden. Der „Rahmen“ steht bereits, einzig die Glocken fehlen noch zur Montierung.

Literatur

  • Dieter Eisenhardt, Klaus Hammer, Martin Zeller: Museumsführer Glockenmuseum Stiftskirche Herrenberg. 2003.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Armsünderglocke, abgerufen 11. April 2010
48.596858.87102

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