Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft


Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft

Die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft war eine um 1930/31 von Waldemar Raemisch entworfene, deutsche Auszeichnung. Sie besteht aus einer silbernen, nicht-tragbaren Medaille (62 bzw. nach 1938 69,5 mm Durchmesser), die von Reichspräsident Paul von Hindenburg zum Gedenken an Goethes 100. Todestag am 22. März 1932 gestiftet worden war. Sie ist nicht zu verwechseln mit der Goldenen Goethe-Medaille der Weimarer Goethe-Gesellschaft (51 Verleihungen seit 1910, Stand: 2005) oder der Goethe-Medaille des Goethe-Instituts, die seit 1955 an 312 Persönlichkeiten aus 57 Ländern verliehen worden ist (Stand: 2007). Mit mehr als 600 Empfängern – mehr als dem Goethepreis der Stadt Frankfurt, der seit 1927 erst jährlich, später alle drei Jahre verliehen wird (41 Verleihungen seit 1927, Stand: 2005 – keine Medaille), der Goetheplakette der Stadt Frankfurt am Main (136 Verleihungen seit 1949) oder der Goethe-Plakette des Landes Hessen (211 Verleihungen seit 1952) – ist die „Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft“ die meistverbreitete nach Johann Wolfgang von Goethe benannte Auszeichnung.

1932–1934

Ursprünglich gedacht als Anerkennung für Personen, die sich um die Goethe-Gedenkfeier in Weimar 1932 verdient gemacht hatten, wurde die „Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft“ in Hindenburgs Namen ab April 1932 auch an andere Goetheforscher, Künstler, Wissenschaftler, Beamte und Politiker verliehen. Zwischen dem 18. März 1932 und dem 19. Juni 1934 wurden knapp 200 Personen mit der Medaille ausgezeichnet, 159 vor dem 30. Januar 1933. Unter den ersten 55 Empfängern der Medaille waren u.a. Reichskanzler Heinrich Brüning und die Nobelpreisträger Gerhart Hauptmann und Thomas Mann. Ab April 1932 folgten Max Planck und die damaligen oder späteren Nobelpreisträger Nicholas Murray Butler, André Gide, Knut Hamsun, Verner von Heidenstam, Guglielmo Marconi, Albert Schweitzer, Fritz Haber, Albrecht Penck und Richard Willstätter. Andere Empfänger waren Benito Mussolini, José Ortega y Gasset, Wilhelm Furtwängler, Otto Klemperer, Franz Lehár, Carl Friedrich Goerdeler, Paul Ernst, Hans Grimm und Erwin Guido Kolbenheyer. Etwa ein Viertel der bis Juni 1934 mit der „Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft“ Ausgezeichneten waren Ausländer. Frauen wurden kaum berücksichtigt; nur Ricarda Huch, Agnes Miegel, Ina Seidel, Feodora, Großherzogin von Sachsen-Weimar, Enrica von Handel-Mazetti und die türkische Schriftstellerin Seniha Bedri wurden der Medaille für würdig befunden. Die letzte Verleihung der Medaille in Hindenburgs Namen ist datiert auf den 19. Juni 1934.

1934–1944

Ab November 1934 begann Adolf Hitler in seiner Eigenschaft als deutsches Staatsoberhaupt, die „Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft“ zu verleihen. Bisher sind 405 von den ungefähr 410 Empfängern der Medaille zwischen November 1934 und Dezember 1944 namentlich bekannt, darunter die Nobelpreisträger Hans von Euler-Chelpin, Johannes Stark, Heinrich Wieland, Max Laeuger und Adolf Windaus, und fünf Frauen: Anna Bahr-Mildenburg, Hedwig Bleibtreu, Agnes Bluhm, Isolde Kurz und Lulu von Strauß und Torney. Ab 1934 wurde die Verleihung der Medaille im allgemeinen auf hohe Geburtstage oder sonstige wichtige Gedenktage beschränkt. Mindestens dreizehn Empfänger waren zur Zeit der Verleihung 90 Jahre alt. Viele der Empfänger nach 1933 standen der nationalsozialistischen Weltanschauung nahe. Jüdische Kandidaten wurden nicht mehr berücksichtigt (bis Januar 1933 waren mindestens elf Deutsche jüdischer Herkunft von Hindenburg mit der Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet worden; allerdings wurde Albert Einstein „übersehen“). Die letzte Verleihung fand im Dezember 1944 statt.

Literatur

  • Kurt Gerhard Klietmann: Staatlich-Zivile Auszeichnungen: Weimarer Republik und Drittes Reich. 1. Auflage. Motorbuch-Verlag, 1990, ISBN 978-3-6130130-0-1.

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