Gomera


Gomera

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La Gomera
La Gomera von Teneriffa aus gesehen
La Gomera von Teneriffa aus gesehen
Gewässer Atlantischer Ozean
Inselgruppe Kanarische Inseln
Geographische Lage 28° 7′ 0″ N, 17° 14′ 0″ W28.116667-17.2333337Koordinaten: 28° 7′ 0″ N, 17° 14′ 0″ W
La Gomera (Kanarische Inseln)
DEC
La Gomera
Fläche 369,76 km²
Einwohner 22.259 (2007)
Hauptort San Sebastián de la Gomera
Felslandschaft bei Valle Gran Rey
Felslandschaft bei Valle Gran Rey
Lorbeerwald auf La Gomera
Los Organos. Hierbei handelt es sich um einen freigewitterten Vulkanschlot. Die typische sechseckige Struktur entstand durch Risse beim Abkühlen der Magma.
Freigewitterte Vulkanschlote im Zentrum der Insel

La Gomera ist nach El Hierro die kleinste der sieben Kanarischen Inseln im Atlantischen Ozean. Die Insel liegt rund eintausend Kilometer vom spanischen Festland entfernt und hat bei einer Fläche von 369,76 Quadratkilometern einen Flächenanteil an der Gesamtfläche aller Kanaren von 4,94 Prozent. La Gomera hat 22.259 Einwohner (1. Januar 2007)[1], was einer Bevölkerungsdichte von 60,2 Einwohnern pro km² entspricht.

Inhaltsverzeichnis

Verwaltung

La Gomera gehört zur spanischen Provinz Santa Cruz de Tenerife in der seit 1982 bestehenden Spanischen Autonomen Gemeinschaft Kanarische Inseln, und damit seit 1986 zur EU. Die Hauptstadt der Insel ist San Sebastián de la Gomera, die Landessprache ist Spanisch. La Gomera besitzt einen eigenen Inselrat, den cabildo insular, und ist in die sechs Gemeinden Agulo, Alajeró, Hermigua, San Sebastián de la Gomera, Valle Gran Rey und Vallehermoso gegliedert. Präsident des Inselrates ist seit 1991 Casimiro Curbelo Curbelo von der Partei PSOE (zuletzt 2007 wiedergewählt).

Allgemeines

La Gomera gehört mit etwa 12 Millionen Jahren zu den älteren der Kanarischen Inseln. Der vulkanische Ursprung ist noch sehr gut sichtbar. Die Entstehungsgeschichte ist im Artikel Kanarische Inseln ausführlich beschrieben. Inmitten der Insel gedeiht der größte noch zusammenhängende Lorbeerwald der Erde. Mit den eng zusammenstehenden Vulkanschloten gehört er zum Nationalpark Garajonay, der UNESCO-Weltnaturerbe ist. Höchste Erhebung der Insel ist der gleichnamige Garajonay mit 1.487 Metern Höhe.

Zu den Besonderheiten La Gomeras gehört die weltweit nur hier existierende Pfeifsprache der Gomeros, El Silbo. Sie hatte den Vorteil, über große Distanz verstanden zu werden, was den Gomeros zu einer einfachen Verständigung über ihre weiten Täler (Barrancos) verhalf.

Im bekanntesten Tal der Insel, dem Valle Gran Rey (Tal des großen Königs), gab es über viele Jahre Hippie-Kommunen, die zum Teil in Höhlen an einem Strand wohnten, der so genannten Schweinebucht. Heute wird die Schweinebucht noch zeitweise von einigen Aussteigern für einen günstigen Urlaub genutzt. Die "Hippies" der vergangenen Jahren haben sich wieder sozialisiert und sind heute im Tourismus tätig oder in Ihre Heimat zurückgekehrt. Bis in die 60er Jahre existierten zwischen den zumeist an der Küste gelegen Orten kaum eine Straßenverbindung. Alle Waren und Personen gelangten nur per Schiff in die Inselhauptstadt.

Landschaft und Natur

La Gomera besitzt mehrere Vegetationszonen. Aufgrund ihrer Höhenlage und ihres Mikroklimas sind diese sehr unterschiedlich.

Im Norden der Insel finden sich ab 500 Meter Höhe Lorbeerwälder und immergrüne Farne.

Oberhalb einer Höhe von 1000 Metern gehen sie fließend in die Fayal- Brezal- Formation über, einem Heidemischwald aus Gagelstrauch (Faya) und Baumheide (Brezo).

Im regenarmen Süden der Insel dominieren neben verschiedenartigen kargen Sträuchern der Phönizische Wacholder, Dickblattgewächse der Gattung Aeonium und die Kanarenpalme.

In Küstennähe befinden sich vorwiegend Pflanzen, die auf die salzhaltige Brise des Meeres angewiesen sind, zum Beispiel der Strandflieder, diverse Wolfsmilchgewächse, Agaven und Feigenkakteen.

Inmitten La Gomeras liegt der Nationalpark Garajonay auf circa 10 Prozent der Inselfläche. Sein Ökosystem steht seit 1986 als Weltnaturerbe unter dem Schutz der UNESCO.

Die Wälder im Park sind Lorbeerwälder, die aufgrund der fehlenden Eiszeit hier noch existieren. Das Herzstück des Nationalparks besteht aus immergrünem Nebelwald mit bis zu zwei Meter hohen Farnen, von den Bäumen hängenden langen Bartflechten, moosbewachsenen knorrigen Ästen und Bächen mit einigen wenigen Wasserfällen.

Geschichte

La Gomera war vermutlich schon den Phöniziern bekannt. Die Ureinwohner (Guanchen) der Kanarischen Inseln sollen mit den nordafrikanischen Berbern (Imazighen) kulturgeschichtlich verwandt sein. Es ist bekannt, dass sie eine Pfeifsprache verwendeten, um sich über lange Strecken zu verständigen. Der Name Gomera könnte auf den alten Berberstamm Ghomara zurückgehen. Eindeutige Belege gibt es allerdings nicht. Der Stamm der Ghomara war Teil der in Südmarokko ansässigen großen Berber-Föderation der Masmoudâ, diese Stammesföderation gründete zur Zeit der Islamisierung Marokkos den Staat Al-Barghwat'a und bildete später die ethnisch-kulturelle Basis der berberischen Dynastie der Almohaden. Die Almohaden regierten von Marrakesch aus ganz Nordafrika und Andalusien.

Die Spanier eroberten 1404 mit Jean de Béthencourt die Insel. Die Guanchen ergaben sich zunächst, reagierten aber auf ungerechte Behandlungen seitens der Eroberer mit zahlreichen Aufständen. Im weiteren Verlauf des 15. Jahrhunderts folgte der Graf Hernán Peraza, der als besonders grausam verschrien war, er herrschte von 1477 bis 1488. Nach seiner Ermordung durch aufständische Einheimische folgte ihm seine Frau Beatriz de Bobadilla, die auf die Hilfe des Feudalherren Pedro de Vera von Gran Canaria zählen konnte, nach.

Christoph Kolumbus machte hier seine letzte Zwischenstation, bevor er am 6. September 1492 zu seiner Reise nach Indien aufbrach, bei der er Amerika entdeckte. Gerüchte besagen, er sei in Beatriz de Bobadilla verliebt gewesen, weshalb er seine Abreise länger als notwendig hinausgezögert haben soll. Jedenfalls unterstützte sie ihn finanziell bei der Reparatur eines seiner Schiffe. Angeblich wurde außerdem für die spätere „Taufe“ des amerikanischen Kontinents Quellwasser aus einem Brunnen in San Sebastián de la Gomera verwendet.

Nach der Eroberung wurden viele Einheimische als Sklaven auf das spanische Festland verkauft oder innerhalb des Archipels umgesiedelt, um etwaigen Aufständen vorzubeugen.

Die übrigen Einheimischen arrangierten sich mit den Eroberern und übernahmen weitgehend deren Kultur und die spanische Sprache. Heute findet man nur noch wenige Reste der Ur-Sprache Guanche wieder.

1514 wurden die Einheimischem mit den Spaniern rechtlich gleichgestellt. Es etablierte sich ein Feudalsystem. Zuckerrohr und Wein waren im 16. Jahrhundert die wichtigsten Exportartikel.

1837 wurde die Insel anstelle der einheimischen Grafenfamilie direkt der spanischen Krone unterstellt. Die meisten Gomeros blieben weiterhin schlecht bezahlte Pächter oder Tagelöhner auf den grundherrschaftlichen Plantagen. 1852 wurden die Kanaren zur Freihandelszone erklärt und damit als internationaler Warenumschlagplatz interessant.

Die auf den Feigenkakteen lebenden Cochenille-Schildläuse lieferten begehrte und hoch gehandelte rote Farbstoffe. Mit der Erfindung synthetischer Farbstoffe brach kurze Zeit später die viel aufwendigere Cochenille-Produktion zusammen. Vor diesem Hintergrund wirtschaftlicher Not kam es Ende des 19. Jahrhunderts zur zweiten Auswanderungswelle, vor allem nach Kuba und Venezuela.

1974 gab es ersten regelmäßigen Fährverkehr zwischen Los Christianos auf Teneriffa und San Sebastian de la Gomera.

1975 kam es nach dem Tod des spanischen Diktators Francisco Franco zu einer Demokratisierung unter dem spanischen König Juan Carlos. Die Canarios wählten erstmals eine regionales Parlament und erhielten eine eigene regionale Regierung. Im Jahr 1982 erhielten die Kanaren den Autonomiestatus, unterteilt in die Provinzen Las Palmas und Santa Cruz de Tenerife, zu der La Gomera gehört.

Bei Spaniens Eintritt in die Europäische Gemeinschaft 1986 räumte man den Kanarischen Inseln einen Sonderstatus mit Absatzgarantie bei Bananen ein, der Ende 1995 auslief.

Die Inselregierung setzt heute vor allem auf die Wirtschaftszweige Tourismus, Landwirtschaft und Fischerei. Durch gezielte Förderprogramme werden die einzelnen Bereiche unterstützt.

Wirtschaft

In den flachen Gebieten der Küstenregionen herrschen Bananenplantagen vor, deren kleine, schmackhafte Früchte aber nicht für den Export bestimmt sind. Weitere Landwirtschaft war weit verbreitet, da in höheren Lagen die in den Wintermonaten häufigen Regenfälle genutzt werden konnten, und im Frühjahr geerntet wurde. Viele Anbauflächen liegen inzwischen brach, da in den 1960er und 1970er Jahren eine Landflucht stattfand. Auch einige entlegenere Dörfer sind teilweise völlig verlassen.

Heute spielt die Landwirtschaft für den Eigenbedarf in den Tälern und auf wenigen der Terrassen zwar noch eine Rolle, aber meist bringt der noch sanfte Tourismus, besonders in Form von Wandertouren, einen akzeptablen Wohlstand.

Klima

Klimatisch trennt sich die Insel in die trockene Süd- und die von Passatwinden mit feuchter Luft versorgte, fruchtbare Nordhälfte. Zur Wasserversorgung der in Treppen an den Berghängen angelegten Feldflächen wird der Regen und das per Kondensation entstehende Wasser in Reservoirs aufgefangen und an die Bewohner verteilt. Neben Kartoffeln werden auch Tomaten und Wein angebaut.

Klimatabelle
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Durchschnittliche Höchsttemperatur (°C) 21 21 22 23 24 25 27 29 28 26 24 22
Durchschnittliche Tiefsttemperatur (°C) 15 15 15 16 17 18 20 21 20 19 18 16
Durchschnittlicher Niederschlag (mm) 18 24 14 7 2 0 0 0 10 13 18 27
Durchschnittliche Anzahl Regentage 6 4 3 2 2 1 0 0 2 5 6 7
Durchschnittliche Wassertemperatur (°C) 19 18 18 18 19 20 21 22 23 23 21 20

Infrastruktur

Südküste Gomeras

Das Straßennetz der Insel ist sehr gut ausgebaut. Linienbusse, auf den Kanaren Guagua genannt, bieten eine preisgünstige Verbindung aller größeren Gemeinden mit der Hauptstadt San Sebastián de la Gomera. Die Busse fahren relativ selten, halten jedoch auf Handzeichen zum Ein- und Aussteigen an beliebigen Punkten entlang der Strecke. Dennoch sind viele Orte oft nur schwer per Bus zu erreichen: Direktverbindungen per Bus vom Valle Gran Rey z. B. nach Vallehermoso, Hermigua oder Agulo im Norden oder nach Playa Santiago bzw. Alajero im Süden gibt es nicht. Eine Fahrt per Bus vom Valle Gran Rey nach Hermigua dauert etwa 3 Stunden.

La Gomera kann mit der großen Schnellfähre der Reederei Fred. Olsen Express von Los Cristianos (Teneriffa-Süd) in ca. 40 Minuten oder einer Autofähre der Reederei Naviera Armas in 60 Minuten erreicht werden. Eine kleine Schnellfähre der Reederei Garajonay Expres S.L. verkehrte bis Anfang November 2008 zusätzlich dreimal täglich in etwa 110 Minuten zwischen Los Cristianos und Vueltas im Valle Gran Rey auf La Gomera, mit Zwischenstopps in San Sebastián de la Gomera und Playa Santiago im Süden von La Gomera. Der Betrieb musste nach einer erfolgreichen Klage des Mitbewerbers Fred. Olsen vor dem europäischen Gerichtshof eingestellt werden. Eine weitere Fährverbindung besteht zu der Nachbarinsel La Palma.

Der erst im Jahre 1999 neu eröffnete Flughafen La Gomera liegt bei Playa Santiago in der Gemeinde Alajeró. Die Landebahn ist zu klein für internationale Chartermaschinen, daher wird der Flughafen nur für den regionalen Verkehr, auch der Fluggesellschaft Binter Canarias, zwischen den Inseln benutzt. Es werden Direktflüge von und nach Teneriffa-Nord und Gran Canaria angeboten.[2] Der Plan der britischen Fluggesellschaft Flystar Astraeus, ab November 2007 eine Direktflugverbindung von London-Gatwick nach La Gomera anzubieten, scheiterte, da die Maschinen anscheinend nicht ausreichend für den Rückflug betankt werden konnten.

Weblinks

Quellen

  1. Instituto Canario de Estadística
  2. Flüge von und nach La Gomera mit der Fluglinie Binter Canarias. In: Urlaub auf den Kanaren. Finca Tropical. Abgerufen am 24. April 2009. (PDF, 63,4 KB)

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