Gough Whitlam


Gough Whitlam
Edward Gough Whitlam, 1955

Edward Gough Whitlam (Aussprache: [ˈedwəd ɡɒf ˈwɪtləm]; * 11. Juli 1916 in Melbourne, Victoria) war der 21. Premierminister Australiens. Seine Amtszeit dauerte vom 5. Dezember 1972 bis zum 11. November 1975. Vom 8. Februar 1967 bis zum 5. Dezember 1972, sowie vom 11. November 1975 bis zum 22. Dezember 1977 war er der Oppositionsführer. Bislang ist er der einzige australische Premierminister, welcher vom Generalgouverneur seines Amtes enthoben wurde.

Gough Whitlam ist bis heute eine der umstrittensten politischen Persönlichkeiten der australischen Geschichte. Auch rückblickend führt dies immer noch zu hitzigen Debatten zwischen Befürwortern und Gegnern seiner Politik. Eine emotionsfreie Betrachtung seiner Amtszeit als Premierminister sowie der Umstände seiner Amtsenthebung scheint weiterhin in weiter Ferne zu liegen.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Bevor er Premierminister wurde (bis Dezember 1972)

Gough (spr. goff) Whitlam wurde in Kew, einem wohlhabenden Stadtteil Melbournes als Sohn von Frederick und Martha Whitlam, geb. Maddocks, geboren. Aufgewachsen ist er allerdings in Sydney und ab dem 12. Lebensjahr in Canberra.

Im Alter von 19 Jahren nahm er, wiederum in Sydney, ein Kunststudium auf, welches er 1938 abschließen konnte. Hernach begann er sein Jurastudium, das er allerdings von 1941 bis 1945 unterbrochen hat, um bei der Königlich Australischen Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg zu dienen. Er wurde in dieser Zeit als Navigator in einer im Northern Territory stationierten Staffel eingesetzt. Noch während des Krieges heiratete er 1942 Margaret Dovey, mit der er später drei Söhne und eine Tochter haben sollte. Nachdem er sich schon während seiner Dienstzeit für die Australian Labor Party (ALP) aktiv engagierte, trat er ihr nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst im Jahre 1945 offiziell bei. Er beendete nun auch sein Jurastudium und wurde 1947 als Anwalt bei Gericht zugelassen.

Im Jahr 1947 trat er erstmals auf lokaler und auf Landesebene zu Wahlen in New South Wales an, konnte sich als Kandidat allerdings nicht durchsetzen. Erst bei Nachwahlen gewann er am 29. November 1952 den Wahlbezirk Werriwa und somit einen Sitz im Landesparlament. Bald darauf, am 17. Februar 1953 zog er dann erstmals in das australische Repräsentantenhaus ein.

Inzwischen war er auch, seit Schulzeiten schon bekannt für Gelehrtheit, Redegewandtheit und seinen messerscharfen Verstand zu einer herausragenden Persönlichkeit der ALP geworden. Zudem war er als einer der besten damaligen politischen Redner und Debattierer anerkannt, der es als einer der Wenigen aus der Opposition im parlamentarischen Schlagabtausch problemlos mit dem gewieften Premierminister Robert Menzies aufnehmen konnte.

So wurde er am 7. März 1960 zu stellvertretenden Parteivorsitzenden der ALP. 1963 kandidierte er erfolglos gegen Arthur Calwell um den Parteivorsitz. Nachdem dieser im Jahre 1966 erneut nach 1961 und 1963 als Oppositionskandidat die Parlamentswahlen, nunmehr gegen Harold Holt verlor, konnte Gough Whitlam ihn 1967 im Parteivorsitz beerben.

Nachdem er 1966 aufgrund seiner Ablehnung von wichtigen programmatischen Punkten der ALP, wie beispielsweise der Verstaatlichung der Industrie, der Verweigerung staatlicher Gelder für kirchlich geleitete Schulen, oder der Politik eines „Weißen Australien“ beinahe aus der Partei ausgeschlossen wurde, konnte er nun tiefgreifende innerparteiliche Reformen durchführen und Positionen, wie die gerade genannten fallenlassen. Mit diesen Reformen, welche naturgemäß Kontroversen innerhalb der Partei verursachten, konnte er seine Partei und ihr Programm letztlich neben den bisherigen Wählern aus der Arbeiterklasse nunmehr auch Wählern aus der Mittelschicht näherbringen.

Als einer der ersten australischen Politiker nutzte er die Möglichkeiten die sich durch die Nutzung des Fernsehens als Kommunikationsmedium bietet, für sich und seine Wahlkämpfe voll aus. Zunächst gewann er zwei Nachwahlen und dann bei den Parlamentswahlen von 1969 weitere 17 Sitze, so dass er den Wahlsieg über Harold Holt nur um 4 Sitze verfehlte. Als Oppositionsführer setzte er sich unter anderem für die Abschaffung der Wehrpflicht, sowie den Rückzug der australischen Streitkräfte aus dem Vietnamkrieg ein. Auch besuchte er 1971 die Volksrepublik China und versprach dort, sich für deren staatliche Anerkennung durch Australien einzusetzen.

Als Premierminister (Dezember 1972 bis November 1975)

Nach Harold Holts unaufgeklärtem Tod 1967 folgten noch John Gorton und William McMahon als Premierminister, bevor Gough Whitlam die Wahlen vom 2. Dezember 1972 für sich entscheiden konnte und am 5. Dezember 1972 als Premierminister Australiens vereidigt wurde. Dies war der erste Wahlsieg der ALP nach 1946 unter Premierminister Ben Chifley.

Gough Whitlam begann sofort damit, seine Reformen umzusetzen. In der Zeit vom 5. Dezember 1972 bis 18. Dezember 1972 stellte er zusammen mit Lance Barnard die komplette Regierung. Beide leiteten jeweils 13 der insgesamt 26 Ministerien. Diese Zeit ist gemeinhin bekannt als „The Ministry of two“. Dass er nicht sogleich ein vollzähliges Kabinett anführen konnte, lag an dem zeitraubenden parteiinternen Wahlverfahren, dem sich traditionell die Minister der ALP unterziehen müssen. Erst ab 19. Dezember 1972 regierte er mit einem vollständigen Kabinett.

Während seiner Regierungszeit hatte er zwar immer eine komfortable Regierungsmehrheit im Repräsentantenhaus, nicht aber im Senat, wo er immer auf eine Oppositionsstimme aus der Liberal Party (LP), der Country Party (CP) oder der Democratic Labor Party (DLP) angewiesen war. Hinzu kam, dass nach 23 Jahren in der Opposition, Verwaltung und Beamtenapparat sich gegenüber der neuen Regierung von Gough Whitlam nicht unbedingt als hilfreich erwiesen. Auch wurden noch viele Landesparlamente von seinen politischen Gegnern kontrolliert. Letzten Endes war diese Situation ein wesentlicher Faktor, wenn auch bei weitem nicht der einzige, der zu seiner Amtsenthebung führte.

Dennoch konnte Gough Whitlam in den knapp drei Jahren als Premierminister viele Veränderungen und Reformen durchsetzen:

  • Abschaffung der Todesstrafe auf Bundesebene
  • Endgültige Abschaffung der White Australia Policy
  • Einberufung des National Aboriginal Consultative Committee
  • Stärkung der Gleichberechtigung von Frauen, sowie Berufung von Frauen in hohe Verwaltungs- und juristische Positionen
  • Verbesserung der Arbeitslosenhilfe sowie die Einführung von Hilfen für alleinerziehende Eltern
  • Einführung von Sprachlernprogrammen für nicht englischsprechende Australier
  • Erhöhung von Staatszuschüssen für Bildungs- und Kunsteinrichtungen
  • Reduzierung der Wahlberechtigung auf das Alter von 18 Jahren
  • Abschaffung des britischen Systems des Ordenswesens
  • Zusammenführung der unterschiedlichen Wehrbehörden in einem Ministerium
  • Abschaffung der Wehrpflicht
  • Entlassung des Treuhandgebiets Papua-Neuguineas in die Unabhängigkeit von Australien am 15. September 1975
  • Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit der Volksrepublik China

Weitere Veränderungen und Reformvorhaben wurden allerdings wiederholt vom Senat abgelehnt und konnten nicht durchgeführt werden. Diese Konstellation und zwei große Skandale, welche seine Regierung direkt betrafen, führten im Oktober 1975 dazu, dass die Opposition unter ihrem neuen Anführer Malcolm Fraser ihre Weigerung rechtfertigen konnte, einen neuen Haushalt durch den von ihr kontrollierten Senat zu verabschieden. Diese Blockade machte die Regierung Whitlam handlungsunfähig. Trotzdem entschied sich Gough Whitlam gegen Neuwahlen, um politische Klarheit zu schaffen. Andere politische Lösungen schienen nicht möglich, so dass sich die Lage zementiere.

Am 11. November 1975 schließlich enthob der damalige Generalgouverneur Sir John Kerr, Gough Whitlam des Amtes und setzte den Oppositionsführer Malcolm Fraser bis zur Abhaltung von Neuwahlen als provisorischen Premierminister ein. Zudem erlaubte er es Malcolm Fraser, zwecks Neuwahlen sowohl das Repräsentantenhaus, wie auch den Senat aufzulösen. Beides, die Amtsenthebung und die Ermächtigung zur Auflösung beider parlamentarischer Kammern werden bis heute als verfassungsrechtlich höchst fragwürdig eingestuft. Ein derartiges Vorgehen hatte es vorher und danach nicht mehr gegeben. Welche Beweggründe den Generalgouverneur zu diesem Vorgehen veranlasst haben, ist bis heute ungeklärt.

Noch am selben Tag billigte der Senat den Haushalt und einen Tag später wurde die Minderheitsregierung unter Malcolm Fraser eingesetzt. Die folgenden Wahlen am 13. Dezember 1975 führten zu einer überwältigenden Mehrheit für Malcolm Fraser.

Nachdem er Premierminister war (ab November 1975)

Gough Whitlam war nun wiederum Oppositionsführer und führte die ALP zu den Parlamentswahlen am 10. Dezember 1977. Da er und seine Partei bei diesen Wahlen eine ähnlich vernichtende Niederlage gegen Premierminister Malcolm Fraser hinnehmen musste wie im Jahre 1975, trat er am 22. Dezember 1977 als Parteivorsitzender zurück. Am 31. Juli 1978 gab er schließlich auch sein Mandat für das Repräsentantenhaus auf.

Ab 1978 hatte er mehrere Gastprofessuren inne bis er 1983 von Premierminister Bob Hawke zum australischen Botschafter bei der UNESCO in Paris berufen wurde. Dieses Amt übte er insgesamt drei Jahre aus. Ab 1985 war er auch Mitglied in diversen Kommissionen, bzw. gründete und führte unterschiedliche Stiftungen. Seit 2000 beteiligt er sich aktiv an der Einrichtung eines Whitlam-Instituts an der University of Western Sydney.

Gough Whitlam ist auch ein Anhänger der Bewegung, welche die Republik Australien zum Ziel hat. Für dieses Ziel setzte er sich 1999 im Vorfeld des entsprechenden Referendums vom 6. November 1999 zusammen mit seinem alten Widersacher Malcolm Fraser aktiv, wie prominent ein.

Werke

  • The truth of the matter. 3. Auflage. Melbourne University Publishing, Carton, Vic, 2005, ISBN 978-0-522-85212-7.

Literatur

  • Graham Freudenberg: A certain grandeur: Gough Whitlam's life in politics. Penguin Books, Camberwell, Vic, ISBN 978-0-670-07375-7.
  • Jenny Hocking: Gough Whitlam: A Moment in History. Melbourne University Publishing, Carton, Vic, 2008, ISBN 978-0-522-85511-1.
  • Michael Sexton: The Great Crash: The Short Life and Sudden Death of the Whitlam Government. Überarbeitete Auflage. Scribe Publications, Carton North, Vic, 2005, ISBN 978-1-920769-69-7.

Weblinks

 Commons: Gough Whitlam – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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