Grabbeigaben


Grabbeigaben
Grabbeigaben (Glasperlen und Ohrring) in einer frühmittelalterlichen Körperbestattung

Eine Grabbeigabe ist ein Objekt, das einem Toten absichtlich mit ins Grab gelegt wird.

Inhaltsverzeichnis

Beigabenarten

Zu unterscheiden ist zwischen echten und unechten Grabbeigaben. Unechte Grabbeigaben sind Trachtbestandteile, Waffen oder Gebrauchsgegenstände des Verstorbenen, die er zu seinen Lebzeiten benutzte. Dagegen sind echte Grabbeigaben speziell für die Bestattung gefertigte oder benutzte Gegenstände wie Totenschmuck oder spezielle Grabkeramik. Manchmal wurden Tote nicht nur mit ihrem persönlichen Hab und Gut, sondern auch mit solchen Beigaben bestattet, die als notwendig für die Reise ins Jenseits galten. Kulturgeschichtlich von Beigaben zu unterscheiden sind z. B. Reste von Opfern, die anlässlich der Bestattung vollzogen wurden und ins Grab gerieten oder spezielle Bräuche wie z. B. die Totenfolge, bei der Angehörige oder Gefolgsleute mit bestattet werden. Auch zufällig in die Grabverfüllung geratene Gegenstände sind keine intentionellen Beigaben. Heute liefern Grabbeigaben wertvolle Hinweise für die zeitliche und kulturelle Zuordnung von Funden und geben einen Einblick in einen Ausschnitt der damaligen Sachkultur.

Beigaben in vor und frühgeschichtlichen Kulturen Europas (Beispiele)

Steinzeit

Bereits in der jüngeren Altsteinzeit sind Gräber mit Beigaben ausgestattet worden, so das Doppelgrab von Oberkassel bei Bonn. Gräber aus der Altsteinzeit und der Mittelsteinzeit sind insgesamt aber nur wenige bekannt. Jungsteinzeitliche Gräber sind bereits häüfig mit Beigaben ausgestattet. In der bandkeramischen Kultur gehören Waffen, Geräte und Schmuck zu den nachgewiesenen Beigaben. Sowohl im Bestattungsbrauch wie bei den Beigabenausstattungen sind in einigen jungsteinzeitlichen Kulturen Ansätze einer Normierung erkennbar, so enthielten reiche Männerbestatungen der Glockenbecherkultur regelhaft außer dem Glockenbecher aus Keramik einen Kupferdolch, eine Armschutzplatte und Pfeilspitzen.

Bronzezeit

Seit der ausgehenden Jungsteinzeit und der frühen mitteleuropäischen Bronzezeit gehörten zu den Beigaben auch Objekte aus Metall. Bei der Bestattung wurde das mühsehlig gewonnene Metall der Gemeinschaft der Lebenden entzogen. Die so genannte Urnenfelderkultur ist nach ihren charakteristischen Gräberfeldern benannt, in denen ein Keramikgefäß als Behälter für den Leichenbrand diente.

Eisenzeit

In der früheisenzeitlichen Hallstattkultur ist ein ausgeprägtes Beigabenbrauchtum nachzuweisen. Gerade aus der jüngeren Hallstattkultur sind "Fürstengräber" bekannt; große Grabhügel wichtiger Persönlichkeiten, die mit hochwertigen Prestigegütern ausgestattet wurden. Dazu gehören neue und teilweise nicht gebrauchsfertige Gegenstände (z. b. Goldobjekte), die extra für die Bestattung angefertigt wurden, aber auch Wagen, Dolche und hochwertige Importgegenstände aus dem Mittelmeerraum: Bronzegefäße, griechische Keramik, ja sogar Stoffe. Bekannte Fundplätze sind etwa das Fürstengrab von Hochdorf, das Fürstinnengrab von Vix (Frankreich) und Gräber aus der Nähe der Heuneburg an der Donau. In der späteisenzeitlichen Latènekultur lässt der die Sitte der reichen Grabausstattungen regional nach, sehr gur ausgestattet sind etwa noch Bestattungen der Hunsrück-Eifel-Kultur

Antike: Griechenland und Rom

Die Sitte, Beigaben in die Gräber zu legen, wird in der griechischen und römischen Antike sowohl durch archäologische Funde wie durch Schriftquellen fassbar.

Der griechische Kulturkreis

Bereits Homer beschreibt, dass zur Bestattung auch Beigaben (z. B. Waffen) mit dem Toten verbrannt werden (Oyssee XI, 74; XII, 13). In griechischen Jenseitsvorstellungen wurzelt auch der Glaube, der Fährmann Charon verlange eine Münze, um den Toten über den Unterweltsfluss Styx ins Schattenreich zu bringen. Möglicherweise gehen Münzbeigaben auf den Augen, im Mund oder in der Hand auf diese Vorstellung zurück. Bei Vergina wurden 1977–1978 sehr reiche Gräber entdeckt, von denen das größere vom Ausgräber versuchsweise Philipp II., dem Vater von Alexander dem Großen zugeschrieben wird. Das Grab enthielt unter anderem einen goldverzierten eisernen Körperpanzer, einen Helm, ein Schwert, vergoldete Beinschienen, einen goldenen Köcherbeschlag, ein vergoldetes Silberdiadem und einen Goldkasten mit der Leichenasche.

Rom und die römischen Provinzen

Die Bestattungen in Rom und den römischen Provinzen sind je nach Zeit bzw. Region sehr unterschiedlich mit Beigaben ausgestattet. Aus der Stadt Rom selbst sind nur relativ wenige Gräber mit reichen Beigaben bekannt. In den Katakomben ist - falls überhaupt - häufig nur ein Schmuckstück, eine Lampe, ein kleines Salbfläschchen oder eine Münze beigeben. Reichtum in Gräbern Roms wurde anders sichtbar gemacht, wichtig ist hier ein aufwändiger Sarkophag und Grabbau. Britannien gehört zu den Provinzen, in denen in der Spätantike die Beigabenhäufigkeit stark nachlässt. So finden sich in einem spätantiken Gräberfeld von Colchester hunderte beigabenlose Bestattungen. In den germanischen Provinzen und der angrenzenden Belgica sind deutliche regionale Unterschiede feststellbar. So halten sich auf ländlichen Bestattungsplätzen am Niederrhein traditionelle "germanische" Beigabensitten (etwa in einem Gräberfeld bei Tönisforst mit Keramik oder Scherenbeigaben in einheimischer Tradition) bis in die Kaiserzeit. In Köln und dem Kölner Umland bilden sich regionale Beigabensitten wie die Mitgabe von meist drei kleinen Einhenkelkännchen heraus. Im generell "beigabenreichen" römischen Rheinland und in den westlich angrenzenden Gebieten bleibt die Mitgabe von Geschirr für Speise und Trank bis in die Spätantike üblich. Im Vergleich dazu geht z. B. in den Provinzen an der Donau die Beigabe von Geschirr in der Spätantike zurück.

Frühmittelalter

Im europäischen Frühmittelalter wurden den Verstorbenen wichtige Teile der Habe mit in das Grab gegeben. Bei den Frauen gehört dazu die Kleidung, von der sich meist nur Metallbestandteile wie Gewandnadeln (Fibeln), Schnallen, Schuhschnallen oder Wadenbinden erhalten haben. Außerdem Schmuck, also etwa Ohrringe, Perlenketten oder Ringe; außerdem Kästchen oder Spinnwirtel. Zur Ausstattung der Männer gehören oft Waffen wie Spatha, Sax, Axt, Schild oder Pfeil und Bogen; von der Kleidung sind oft die Gürtelschnallen erhalten. Zu den Beigaben, die Frauen und Männern gemeinsam sind, gehören Utensilien für die Körperhygiene wie Kämme, Waschschüsseln aus Bronze sowie Keramik- und Glasgefäße für Speise und Trank. In alamannischen Gräberfeldern von Oberflacht und Lauchheim sind durch günstige Überlieferungsbedingungen auch Holzobjekte erhalten geblieben, dazu gehören neben den Särgen etwa Kerzenleuchter, Gefäße (Schalen, Flaschen, Eimer), eine Leier, Truhen und Betten.

Mittelalter und Neuzeit

Im Zuge der Christianisierung wurden Beigaben unüblich. In Klerikergräbern werden jedoch Würdezeichen und (miniaturisierte) Gegenstände für das Abhalten einer Messe gefunden. Grabbeigaben aus Bischofsgräbern sind in der Regel Ringe, Bischofsstäbe, Kelche und Patenen.


Außereuropäische Kulturen (Beispiele)

Ägypten

Bereits die prädynastischen jungsteinzeitlichen Kulturen Ägyptens kannten ein ausgeprägtes Beigabenbrauchtum. Der Beigabenreichtum der Pharaonen lässt sich am Grab des jung verstorbenen Tut-anch-Amun ablesen, das im Ägyptischen Museum Kairo aufbewahrt wird.

Karibik

Im karibischen Raum werden sogenannte Zemi als Grabbeigaben genutzt.

Grabraub

Antiker Grabraub

Häufig wurden Gräber bereits in antiker Zeit ausgeraubt. In römischer Zeit galten Gräber als sakrosankt, durften also nicht beschädigt und beraubt werden. Auch in frühmittelalterlichen Gesetzen wird der Grabraub durch Gesetze, z. B. in der Lex Salica untersagt. Der antike Grabraub ist nicht zwangsläufig auf rein materielle Gesichtspunkte zu beschränken. Im Frühmittelalter werden etwa Gräber so gezielt aufgesucht, dass wahrscheinlich die Angehörigen (die die Lage der Beigaben genau kannten), als "Täter" in Frage kommen. Diese Angehörigen können Beigaben auch aus anderen Gründen aus der Erde geholt haben, z. B. um einen für die Gemeinschaft wichtigen Gegenstand wieder nutzbar zu machen, oder im Falle eines Wegzuges um Besitztümer der Ahnen zu bergen.

Moderner Grabraub

Der wissenschaftliche Aussagewert von Gegenständen aus Raubgrabungen ist oft gleich null, da relevante Informationen zu den Fundumständen nicht zu erschließen sind. Ungenehmigte Ausgrabungen und die Ausfuhr von Bodenfunden sind in sehr vielen Ländern (auch in Urlaubsländern wie der Türkei und Ägypten) verboten, teilweise drohen drakonische Strafen.

Literatur

  • Dieter Planck (Red.): Der Keltenfürst von Hochdorf. Ausstellungskatalog Stuttgart 1985.
  • Karlheinz Fuchs (Red.): Die Alamannen. Ausstellungskatalog Stuttgart 1997.

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