Grabenstreiche


Grabenstreiche

Grabenstreichen sind Räume in Festungsbauwerken, von denen aus der Festungsgraben mittels Handwaffen und kleinkalibrigen Geschützen bestrichen werden kann.

Grabenstreiche im Schnitt
Grabenstreiche Draufsicht

Man unterscheidet (allerdings nur nominell) zwischen Front- und Kehlgrabenstreichen. Die Aufgabe der Grabenstreichen war die Verteidigung des Festungsgrabens gegen eingedrungene Feinde. In der Ära der Bastionärsbefestigungen und der Vaubanschen Befestigungsmanier wurden Grabenstreichen meist nicht verwendet, die italienische Manier kannte jedoch Geschützkasematten in den Bastionsflanken, aus denen heraus der Graben bestrichen wurde. Man begann damit erst nach der Änderung der Befestigungsweise hin zu den geschlossenen (verbunkerten)[1] und mit detachierten (selbstständigen) Vorwerken versehenen Befestigungsanlagen. Sie sind auch ein typisches Kennzeichen der neu-deutschen oder neu-preußischen Festungsmanier des 19. Jahrhunderts. Zur Bestreichung der Festungsräben wurden sie zunächst als Caponnieren auf der Innenseite des Grabens vor der Eskarpenmauer errichtet, ehe sie gegen Ende des 19. Jahrhunderts aufgrund der gesteigerten Wirkung der Artillerie zunehmend in die Contreescarpe auf der feindseitigen Grabenseite verlegt und mit dem Hauptwerk durch Poternen verbunden wurden. Die Bestreichung des Kehlgrabens erfolgte weiterhin aber oft von der Innenseite aus, beispielsweise im Fort Douaumont, wo sich die beiden Kehlgrabenstreichen in jeweils einem einspringenden Winkel der Kehlmauer (und somit im Hauptwerk selbst) links und rechts vom Eingangstor befanden. Aus Sicherheitsgründen und auch wegen der einfacher auszuführenden Bauweise und der damit verbundenen Kostenersparnis ging man ab etwa dem Ende des 19. Jahrhunderts dazu über, Kehlgrabenstreichen durch Kehlkoffer zu ersetzen und kehrte damit mehr oder weniger zu dem System der Kaponnieren zurück. Hierbei stand auch im Vordergrund, dass eine eroberte Grabenstreiche nur unter größten Schwierigkeiten zurückzuerobern war (evtl. nur durch die enge Poterne) und der Feind während seiner Okkupation zumindest einen Teil des Festungsgrabens beherrschte. Je nach Bauweise und Grundriss des zu verteidigenden Forts wurden mehrere (mindestens aber zwei) Grabenstreichen benötigt.

Anmerkungen

  1. Das heißt, die Abkehr vom System der frei über Bank liegenden und somit weitgehend ungeschützten Feuerlinie

Literatur

  • Kurt Mörz de Paula: Der österreichisch-ungarische Befestigungsbau 1820–1914, Wien, Stöhr 1997.
  • Hartwig Neumann: Festungsbaukunst und Festungsbautechnik, Bernard&Graefe 1994, ISBN 3-7637-5929-8

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