Grand-Prix-Saison 1939

Grand-Prix-Saison 1939

Die Grand-Prix-Saison 1939 stand unter zunehmendem Einfluss des heranziehenden Zweiten Weltkriegs. Mussolini verbot den italienischen Fahrern, in Frankreich zu starten. Darüber hinaus wurden einige Rennen (wie der GP von Tripoli oder die Coppa Acerbo in Pescara) in die hubraumschwächere Voiturette-Klasse verlegt, weil in dieser die Übermacht der deutschen Teams Mercedes-Benz und Auto Union nicht so stark war. Dennoch beherrschten die beiden Marken das Geschehen. Durch den Ausbruch des Krieges wurde die Saison abrupt gestoppt, der GP von Italien und der GP von Donington wurden abgesagt. Unklarheit herrscht auch, wer in dieser Saison Europameister wurde.

In diesem Artikel werden nur die wichtigsten Motorsport-Grand-Prix der Saison 1939 erwähnt, daneben fanden noch einige kleinere, nationale Rennen statt.

Inhaltsverzeichnis

Rennergebnisse

Grand Prix von Pau

Platz Fahrer Team Zeit
1 Hermann Lang Mercedes-Benz 3:07,25.2
2 Manfred von Brauchitsch Mercedes-Benz + 16.8
3 Philippe Étancelin Talbot + 2 Runden

Beim Grand Prix im französischen Pau am 2. April 1939 durften die Italiener gemäß einer Order Mussolinis nicht starten, auch nicht Auto Unions Top-Fahrer Tazio Nuvolari. Daher ließ Auto Union das Rennen ganz aus. Mercedes-Benz dominierte den Saisonauftakt und feierte einen Doppelsieg.

Eifelrennen

Platz Fahrer Team Zeit
1 Hermann Lang Mercedes-Benz 1:40,57.1
2 Tazio Nuvolari Auto Union + 11.2
3 Rudolf Caracciola Mercedes-Benz + 31.3

Für viele Teams war das Eifelrennen auf dem Nürburgring am 21. Mai 1939 ein Vorbereitungsrennen für den Grand Prix von Deutschland. Nuvolari und Lang lieferten sich einen packenden Kampf um den Sieg, den Lang schließlich gewann, weil Nuvolari seine Reifen schonen musste.

Grand Prix von Belgien

Platz Fahrer Team Zeit
1 Hermann Lang Mercedes-Benz 3:20,21.0
2 Rudolf Hasse Auto Union + 16,9
3 Manfred von Brauchitsch Mercedes-Benz + 1,53.0

Der im Regen stattfindende Grand Prix von Belgien in Spa-Francorchamps am 25. Juni 1939 wurde von einem schweren Unfall überschattet. Der britische Mercedes-Pilot Richard Seaman lag eine halbe Minute vorn, als er mit seinem Auto gegen einen Baum fuhr und das Fahrzeug Feuer fing. Sein Teamkollege Hermann Lang fuhr an die Boxen und wollte aufgeben, doch Mercedes-Rennleiter Alfred Neubauer schickte ihn zurück ins Rennen und Lang gewann.

Noch am gleichen Abend erlag Seaman, der beste britische Rennfahrer der Zwischenkriegszeit, seinen schweren Verletzungen – 60 % seiner Haut waren verbrannt.

Grand Prix von Frankreich

Platz Fahrer Team Zeit
1 Hermann Paul Müller Auto Union 2:21,11.8
2 Georg „Schorsch“ Meier Auto Union + 1 Runde
3 René Le Bègue Talbot + 3 Runden

Der Grand Prix von Frankreich in Reims am 9. Juli 1939 verlief ungünstig für das Mercedes-Team. Unfälle und Motorschäden ließen keinen seiner Fahrer ins Ziel kommen, sodass die Auto Union einen Doppelsieg erzielte.

Georg „Schorsch“ Meier, der Zweitplatzierte, lenkte seinen Wagen mit nur einer Hand ins Ziel: die andere war ihm bei einem Boxenstopp durch austretendes Benzin verbrannt worden.

Grand Prix von Deutschland

Platz Fahrer Team Zeit
1 Rudolf Caracciola Mercedes-Benz 4:08,41.8
2 Hermann Paul Müller Auto Union + 57.8
3 Paul Pietsch Maserati + 1 Runde

250.000 bis 300.000 Zuschauer sahen beim Grand Prix von Deutschland auf dem Nürburgring am 23. Juli 1939 ein ausfallreiches Rennen. Regen setzte ein, und der „Regenmeister“ Caracciola konnte trotz zwischenzeitlichen Rückfalls auf den 3. Platz nach einem langen Boxenstopp das Rennen gewinnen.

Grand Prix der Schweiz

Platz Fahrer Team Zeit
1 Hermann Lang Mercedes-Benz 1:24,47.6
2 Rudolf Caracciola Mercedes-Benz + 3.1
3 Manfred von Brauchitsch Mercedes-Benz + 1,09.9

Beim Grand Prix der Schweiz in Bremgarten am 20. August 1939 starteten Autos der Voiturette-Klasse gemeinsam mit den Grand-Prix-Autos. Dadurch kam es zu einiger Verwirrung. Caracciola wurde lange von einem langsamen Auto aufgehalten und konnte trotz intensiver Bemühungen und schneller Runden den führenden Lang nicht mehr einholen.

Grand Prix von Belgrad

Mitten im Training des Grand Prix von Belgrad im Kalemegdan Park erreichte die Fahrer die Nachricht vom Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Um ein finanzielles Debakel zu vermeiden, bat der Veranstalter die Teams, das Rennen dennoch am 3. September 1939 durchzuführen. So gewann Nuvolari das letzte Rennen der Zwischenkriegszeit. Kaum waren die Teams nach Deutschland zurückgekehrt, beschlagnahmte die Wehrmacht ihre Lastwagen. Die Rennställe hörten auf zu existieren.

Europameister

Es gab nie einen offiziellen Europameister der Saison 1939. Durch den Krieg konnte die veranstaltende Organisation AIACR nicht mehr zusammentreten. Im Dezember 1939 erklärte die ONS, die Oberste Nationale Sportbehörde Deutschlands, Hermann Lang zum Europameister. Nach dem Punktesystem, das 1935 bis 1938 verwendet wurde, hatte allerdings Hermann Paul Müller weniger Punkte und wäre damit Europameister gewesen. (Damals gab es für bessere Plätze weniger Punkte, und Müller hätte 12 gegenüber Langs 14 Punkten gehabt). Während der Saison wurde jedoch ein neues Punktesystem diskutiert, das dem in der Formel 1 nach 1950 verwendeten ähnelte, und nach diesem hatte Lang 23 Punkte. Warum die Nationalsozialisten das neue Punktesystem verwendeten und ob sie Lang gegenüber Müller bevorzugen wollten, ist bis heute nicht geklärt.

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