Gravure Idol

Gravure Idol

Ein japanisches Idol (jap. アイドル aidoru) ist eine Person, die in Japan große Popularität genießt, hauptsächlich wegen ihres Äußeren. Dieser Artikel befasst sich mit der spezifisch japanischen Form der Ikone bzw. des Sternchens.

Der Begriff Aidoru bezieht sich gewöhnlich auf weibliche Darsteller im Alter von etwa zwanzig Jahren, die als kawaii (hübsch, niedlich, auch mit einer Konnotation von sexuell begehrenswert) angesehen werden und die allein durch ihre Publizität in den Massenmedien Ruhm erlangen. Männliche Darsteller wie Masahiro Nakai (auch Nakai-kun) von der Gruppe SMAP werden auch als Idole bezeichnet (und bezeichnen sich auch selbst so). Japanische Idole sind vorwiegend Sänger und Schauspieler, aber auch Models (im Falle von Frauen) für Männermagazine wie Freitag und Shūkan Gendai. Manche von ihnen sind auch Fernsehdarsteller (Tarento).

Erotikmodelle werden als Gravure Idol (グラビアアイドル, gurabia aidoru, von engl. gravure = Tiefdruckverfahren für Fotos) und Pornodarstellerinnen als AV Idol (von Adult Video) bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das Phänomen der Idole kam in den frühen 1970er Jahren auf und spiegelte die zunehmend mehr auf materielle Werte ausgerichtete und vermögender werdende japanische Jugend wider. Teenager-Mädchen, meist zwischen 14 und 16, begannen zu Stars aufzusteigen. Besonders Momoe Yamaguchi war ein großer Star, bis sie sich 1980 aus dem Geschäft zurückzog, um zu heiraten. Idole dominierten die Popmusikszene der 1980er Jahre. Diese Zeit gilt als die „Goldene Zeit der Idole in Japan“. In einem einzigen Jahr konnten 40 oder 50 neue Idole erscheinen, um kurz danach wieder aus der öffentlichen Wahrnehmung zu verschwinden. Einige wenige Idole dieser Zeit, wie Seiko Matsuda, sind noch heute populär. In den 1990er Jahren begann der Einfluss der Idole zu schwinden, da sich die Musikindustrie mehr den Rockmusikern und -sängern zuwandte, für deren Verkaufszahlen eher die Musik als das Aussehen von Bedeutung war. Auch ging der Trend zu Genres wie Rap, die schwer mit konventioneller Schönheit zu vereinbaren waren. Das Phänomen der japanischen Idole hat stark auf die Popkultur in Hong Kong und Taiwan eingewirkt.

Es wird gewöhnlich gesagt, dass weibliche japanische Idole die perfekte weibliche Form in der japanischen Gesellschaft verkörpern. Sie sind Symbole der weiblichen Sexualität und oft erotisch gekleidet. Aus diesem Grunde werden sie oft sowohl von Männern als auch Frauen verehrt. Die Schwärmereien des männlichen Publikums werden von Detailinformationen zu Körpermaßen, Lieblingsfarben, Ernährung, Hobbys, Blutgruppe usw. beflügelt. Das weibliche Publikum imitiert ihren Stil, die Haarfarbe, Kleidung usw. Gute Beispiele für Idole als Vorbilder in Sachen Mode sind Ayumi Hamasaki, Noriko Sakai, Ryoko Hirosue und Namie Amuro.

Namie Amuro war das beliebteste Popidol der späten 1990er Jahre, wurde jedoch als sexier und reifer als andere Idole vermarktet. Sie begann ihre Karriere 1992 als Sängerin für die Gruppe Super Monkeys, aber die Gruppe floppte rasch. Doch die Produzenten mochten Amuro und 1995 startete sie eine Solokarriere mit riesigem Erfolg. Eine ihrer aktuellen CDs, Sweet 19 Blues, verkaufte sich bereits im Vorverkauf 3 Millionen Mal und war das meistverkaufte Album in der Geschichte Japans. Diese Zahl wurde seitdem nur von Ayumi Hamasaki und Hikaru Utada übertroffen.

Der Markt diversifizierte sich in den 1990er Jahren. Statt einiger weniger Idole, die sich um die Popularität stritten, teilte sich eine Anzahl von Idolen mit spezifischen Eigenschaften den Markt auf. Mitte der 1990er Jahre wurden die Idole viel jünger als zuvor, und Gruppen wie Speed und Morning Musume wurden vorherrschend. Ein neues Genre von Idolen, der Net-Idole, die nur auf Webseiten auftraten, wurde in den späten 1990er Jahren bekannt. 1997 erschien Kyoko Date, das erste „Cyberidol“ oder „virtuelle Idol“. Kyoko Date hat eine erfundene Geschichte und Statistik und ihre eigenen Lieder. Inzwischen zeigen sich Gravure Idols wie Yoko Matsugane, Rio Natsume und Eiko Koike zumeist spärlich bekleidet auf Pin-up-Fotos, einige wie Akira Fubuki, Natsuko Tohno und Sora Aoi auch nackt.

Früher hatte ein Idol sein Image aufrecht zu erhalten, bis es sich aus freien Stücken zurückzog oder zu alt für ein glaubwürdiges Idol geworden war. In den letzten Jahren haben sich jedoch einige Idole zu namhaften Schauspielerinnen, Sängerinnen oder Musikerinnen weiterentwickelt.

Kultur

Die Kultur der japanischen Idole hat sich über die Jahre geändert und es ist fraglich, ob die Idole der Vergangenheit heute den gleichen Erfolg hätten. Die meisten Idole haben Lieder aus dem Genre des J-Pop gesungen und waren niedlich.

In den 1970er Jahren hatten die Idole eine mystische Aura, die viel von ihrem Leben geheim hielt. Ihr öffentliches und „privates“ Leben war sorgfältig inszeniert – sie erschienen immer in allen Situationen perfekt und schienen einen verschwenderischen Lebensstil zu genießen, von dem die meisten Japaner nur träumen konnten. In der Realität jedoch standen sie unter ständiger Überwachung durch ihre Vermarkter und konnten nicht einmal das für sie erfundene „Privatleben“ genießen. Ihre Bezahlung war erstaunlich gering. Sie waren oft überarbeitet und auch wenn sich ihre Lieder gut verkauften, ging das meiste Geld an die Musiker und Liedtexter. Die Fans hatten wenig Gelegenheit, sie außerhalb der wenigen Minuten im Fernsehen oder Radio zu sehen, und es war daher schwer, ihre Interessen zu teilen. Magazine waren die beste Informationsquelle und viele Idole hatten offizielle Fanclubs, die regelmäßig die wenige Information, die es gab, an die Fans weitergaben.

In den 1980er Jahren näherten sich die Idole viel mehr dem durchschnittlichen Japaner an, da sich der durchschnittliche Lebensstil der Japaner verbesserte. Obwohl immer noch eng überwacht, wurde es den Idolen erlaubt, mehr von ihrer tatsächlichen Persönlichkeit zu zeigen und einige sorgfältig einstudierte Ausbrüche zu zeigen. Die Medien organisierten oft „Wettbewerbe“ zwischen zwei oder mehr Idolen um Dinge wie die Zahl der verkauften Schallplatten, die Zahl der Mitglieder im offiziellen Fanclub o.Ä.

In den späten 1980er Jahren startete man – anstatt sich auf Magazine und Fernsehen zu verlassen – einige Experimente mit neuen Medien und Technologien wie Videospielen – mit gemischten Ergebnissen. Die Arbeitsbedingungen der Idole verbesserten sich und sogar Idole mit begrenztem Erfolg konnten ein bescheidenes oder besseres Leben führen, obwohl sie auch heute nur einen kleinen Teil des Geldes erhalten, das mit ihnen gemacht wird.

In den 1990er Jahren wurden die Idole – anstatt sie als Menschen zu vermarkten, die besser lebten und besser waren als der Durchschnitt – Menschen die das „gewisse Etwas“ hatten, um populär zu werden. Während der Geschmack der Idole der Vergangenheit zuckersüß sein musste, war es nun für ein Idol akzeptabel, gern Ramen zu essen oder etwas anderes als ein Lächeln auszudrücken, z. B. zu lamentierten, etwas aus der Form geraten zu sein oder zuzugeben, auf Shoppingtour nach niedrigen Preisen zu suchen.

Idole wurden auch ein Fixpunkt in den zahllosen Anime, in denen sie Eröffnungs- und Schlusslieder singen, die kaum etwas mit dem Inhalt des Anime als solchen zu tun haben. Einige experimentierten damit, Seiyū zu sein und Seiyū wurden ihrerseits so etwas wie Idole und zunehmend populärer. Bis heute sind einige mit der Videospieleindustrie verbunden, meist nicht sehr erfolgreich. Die Geschichte davon ist aber ungeachtet dessen sehr populär.

Theorie

Dr. Hiroshi Aoyagi, Außerordentlicher Professor für Kulturanthropologie an der Kokushikan-Universität, meint, dass die japanischen Idole die moderne Version der Geisha seien; einer Frau, deren Art es ist, eine hoch stilisierte und künstlerische Interpretation der idealen weibliche Schönheit zu liefern. Er zieht auch Parallelen zu rituellen Praktiken in anderen Kulturen. Während traditionelle Institutionen im Ergebnis der Modernisierung und Industrialisierung wegbrechen, sagt Aoyagi, erfüllten zunehmend die Massenmedien diese Funktion. Die in ganz Japan bekannten Teenie-Idole spielten also tatsächlich eine wichtige Rolle, indem sie ihre Kultur für ihr Publikum darstellten.[1]

Liste von Japanischen Idolen

Literatur

  • Hiroshi Aoyagi: Islands of Eight Million Smiles. Idol Performance and Symbolic Production in Contemporary Japan. Harvard University Press, 2005, ISBN 978-0-674-01773-3

Einzelnachweise

  1. Justification for Anime Fandom. 11. Dezember 2000. Abgerufen am 25. Februar 2009. (Englisch)

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