Großwardein


Großwardein
Oradea
Großwardein
Nagyvárad
Wappen von Oradea
Oradea (Rumänien)
DEC
Basisdaten
Staat: Rumänien
Historische Region: Kreischgebiet
Kreis: Bihor
Koordinaten: 47° 3′ N, 21° 56′ O47.05138888888921.940277777778142Koordinaten: 47° 3′ 5″ N, 21° 56′ 25″ O
Zeitzone: OEZ (UTC+2)
Höhe: 142 m
Fläche: 115,56 km²
Einwohner: 205.077 (1. Juli 2007)
Bevölkerungsdichte: 1.775 Einwohner je km²
Postleitzahl: 3700
Telefonvorwahl: (+40) 02 59
Kfz-Kennzeichen: BH
Struktur und Verwaltung (Stand: 2008)
Gemeindeart: Stadt
Gliederung: 16 Stadtbezirke
Oberbürgermeister: Ilie Bolojan (PNL)
Postanschrift: Piata Unirii Nr.1
410100 Oradea
Webpräsenz:
Oradea (rotes Viereck) - Rumänien - Nachbarorte: Cluj-Napoca, Debrecen (Ungarn)

Oradea (deutsch: Großwardein, ungarisch: Nagyvárad, Latein: Magnovaradinum) ist eine Stadt in Rumänien. Geografisch gesehen liegt sie im ungarischen Tiefland, an der Grenze zu Siebenbürgen (Transsilvanien), an der Schnellen Kreisch (Sebes Körös, Crişul Repede) und ist 13 km von der ungarischen Grenze entfernt. Das durchschnittliche jährliche Bevölkerungswachstum beträgt -1,2 %. 54 % Erwerbstätige, 6 % sind erwerbslos, 16 % der Bevölkerung sind unter 15 Jahren, 3 % sind über 75 Jahre alt.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Die Burg und damit auch die Stadt befindet sich strategisch vorteilhaft an der Öffnung des Kreischtales entgegen dem Pannonischem Tiefland auf einer durchschnittlichen Höhe von 126 m. Der Fluss fließt nahezu mittig durch die Stadt. Der Bahnhof befindet sich nördlich der Schnellen Kreisch, die Burg am südlichen Ufer. Das Gebiet ist eine Übergangszone zwischen hügeligem Relief und Ebene. Teile der Stadt liegen bis auf ca. 300 m Höhe auf den Varadienser Hügeln nördlich des Hauptbahnhofes.

Aus geologischer Sicht bemerkenswert sind die teilweise bis unter die Stadt reichenden Höhlen, deren Thermalquellen in Felix einen gewissen Ruhm erlangt haben.

Stadtgliederung

Oradea gliedert sich in die Stadtteile Sub Cetate (Stadtmitte), Rogerius, Ioşia, Ioşia Nord, Oraşul Nou (Neustadt), Olosig, Cantemir, Velenţa, Seleuş, Salca, Nufărul, Tokai, Eminescu, Episcopia Bihor, Ion Bogdan und Iorga.

Klima

Überwiegend von Westwinden bestimmt, weist die Stadt ein gemäßigt-kontinentales Klima mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 10,4 °C auf. Die gemittelte durchschnittliche Temperatur im Juli geht nicht über 21 °C hinaus und beträgt im Januar -1,4 °C. Die durchschnittliche Jahresniederschlag beträgt 585,4 mm, was für eine Lage in der Ebene erhöht ist und sich durch die Lage vor den hügeligen Gebieten im Osten erklärt. Die West- und Südwesthänge werden seit der Römerzeit für die Vitikultur benutzt.

Geschichte

Rathaus in Oradea

Die Geschichte Varadinums beginnt mit der Gründung einer Siedlung Salca durch die Römer. Ladislaus I. von Ungarn machte die Stadt 1080 zum römisch-katholischen Bischofssitz. Urkundlich erwähnt wird Stadt im Jahr 1113 in einer Urkunde der Benediktiner-Abtei Zobor, in der ein Bischof Syxtus Varadiensis (Sixtus aus Oradea) genannt wird.

Am 24. Februar 1538 wurde hier der Friede von Großwardein zwischen Ferdinand I. von Österreich und Johann Zápolya geschlossen. Die Stadt war kaiserlich und nur vorübergehend an Siebenbürgen gekommen. Im Herbst 1598 wurde sie von einer kleinen Besatzung unter der Führung des aus Reichenberg stammenden Feldherrn Melchior von Redern gegen über 100.000 Türken erfolgreich verteidigt, 1660 dann aber eingenommen und ihnen im Frieden von Vasvár überlassen. Erst 1692 fiel sie wieder an Ungarn. Als in den Jahren 1848–49 die ungarische Regierung nach Debrecen flüchtete, wurden Archive, Banknotenpresse etc. nach Oradea gebracht.

Die Stadt erlebte insbesondere am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts einen großen wirtschaftlichen Aufschwung, nicht zuletzt dank ihrer emsigen, talentierten und relativ zahlreichen jüdischen Einwohnerschaft, die kurz vor dem Zweiten Weltkrieg fast ein Drittel der damals 100.000 Einwohner stellte. Noch heute zeugen prachtvolle, teilweise heruntergekommene Jugendstilpaläste von der glorreichen Vergangenheit.

Oradea war um 1890 Sitz des ungarischen Komitats Bihar und Knotenpunkt von sieben Bahnlinien. Die Stadt hatte damals 17 Kirchen und sechs Klöster, darunter zwei Kathedralen, zwei bischöfliche Palais, ferner Domherrenhäuser und viele prächtige öffentliche und private Gebäude (ein Theater und Rathaus wurden um 1890 neu erbaut, 1892 wurde ein St.-Ladislaus-Monument enthüllt). Die Einwohner (um 1890: 38.557) waren meist Magyaren, außerdem 2.527 Rumänen, gehörten verschiedenen Religionen an: römisch-katholisch 12.030, reformiert 10.880, Israeliten 10.115.

Nach dem Ersten Weltkrieg musste Ungarn im Vertrag von Trianon das Kreischgebiet und damit auch Oradea an das neue Groß-Rumänien abtreten. Durch den Zweiten Wiener Schiedsspruch fiel Oradea 1940 an Ungarn zurück. Schon am 12. Oktober 1944 wurde die Stadt durch rumänische und sowjetische Truppen eingenommen und gehört seither wieder zum rumänischen Staatsgebiet.

Religionen

Die Verteilung der Religionen der heutigen Bewohner ist wie folgt:

Ethnologische Zusammensetzung der Stadt (ohne umliegende Ortschaften)

Jahr Einwohner  % Rumänen  % Ungarn
1538 20.000 (geschätzt) n.a. n.a.
1720 216 (Türken, Griechen, Serben) n.a. n.a.
1787 9790 n.a. n.a.
1870 28.698 n.a. n.a.
1880 34.231 6.1% 85.5%
1890 42.042 6.07% 85.5%
1900 54.109 6.4% 89.5%
1910 69.000 5.6 % 91.10 %
1920 72.000 5 % 92 %
1930 90.000 25 % 67 %
1966 122.634 46 % 52 %
1977 170.531 53 % 45 %
1992 222.741 64 % 34 %
2002 206.527 70 % 27 %


Wappen

Die erste noch erhaltene Abbildung des Varadiner Stadtwappens stammt aus dem Stadtsiegel. Sie zeigt (heraldisch) den Bischof mit dem Stab im früh- und hochgotischen Dreieckschild. heutiges Wappen


Kultur und Sehenswürdigkeiten

Hotel Vulturul Negru ("Schwarzer Adler") in Oradea
Staatstheater in Oredea

Bauwerke

Sehenswert sind mehrere Kirchenbauten, darunter die Kathedrale aus dem 18. Jahrhundert - der größte Barockbau Rumäniens, die Mondkirche, die Überreste der Burg, Jugendstilpaläste wie der Schwarze Adler, sowie die in der Innenstadt befindliche Einkaufspassage Vulturul Negru.

Mineralbäder

In der Nähe der Stadt liegen die Bäder Bischofsbad (ungarisch Püspökfürdö) und Baile Felix. Letzteres war früher durch eine Zweigbahnlinie mit Oradea verbunden. In den Parkanlagen mit alkalischen Schwefelquellen gedeiht in deren Abfluss die seltene Thermenseerose. Es ist eine endemische Art. Der neuere Stadtteil Nufărul ist seinerzeit nach der Pflanze benannt worden.

Theater

  • Staatstheater

Musik

Musikgeschichte

Johann Michael Haydn (1737-1806), der jüngere Bruder Joseph Haydns (1732-1809), war von 1757 an bis zu seiner Verpflichtung als Hofkomponist und Konzertmeister der Salzburger Hofkapelle 1762/1763 Violinist und Kapellmeister des Bischofs von Großwardein, Adam Freiherr von Patácic (Patachich) von Zajezda. Nach seinem Weggang blieb die Stelle zwei Jahre lang vakant, bis Karl Ditters von Dittersdorf (1739-1799), aus Wien kommend, 1765 die Nachfolge Michael Haydns antrat und das Orchester auf 34 Musiker vergrößerte. Er fügte dem Orchester die bis dahin nicht übliche Klarinette hinzu und folgte überdies dem Wiener Vorbild, indem er die Musiker im Sitzen spielen ließ. Dittersdorf blieb bis 1769, als das Orchester nach einem Verweis der Kaiserin Maria Theresia gegenüber Bischof Patácic wegen zu weltlichen Verhaltens während der Fastenzeit aufgelöst wurde.


  • Philharmonie

Wirtschaft und Infrastruktur

Um 1890: Brennereien (Destillerien, sechs Fabriken), Mühlenindustrie (drei Dampfmühlen), Ziegelbrennereien, Fabrikation von Öfen, weiterhin Viehzucht, Obst- und Weinbau (siehe: Weinbau in Rumänien). Oradea hatte damals eine eigene Wasserleitung, ein großes Bad, eine Straßenbahn und zahlreiche Lehr- und Bildungsanstalten (Rechtsakademie, Prämonstratenser Obergymnasium, zwei theologische Seminare, eine Landeshebammenschule, sechs Spitäler etc.), ein archäologisches Museum und ein Kunstmuseum, eine Szigligeti-Gesellschaft, einen biharer Karpatenverein, weiterhin war die Stadt damals Sitz eines Gerichtshofes, einer Finanzdirektion, einer Post- und Telegraphendirektion und einer Handels- und Gewerbekammer.

Um 2005: Die Stadt ist ein Verkehrsknotenpunkt und Wirtschaftszentrum im Verwaltungsbezirk Bihor. Sie stellt, direkt auf der Grenze zwischen ungarischem Tiefland, siebenbürgischem Hochland und an der E 60 gelegen, das Tor nach Siebenbürgen dar.

Es werden Textilien, Schuhe, Lebensmittel, Glas, Werkzeuge und Landmaschinen produziert. Das rumänische Stromversorgungsunternehmen Transelectra betreibt in der Nähe der Stadt eine Schaltanlage, die über eine Freileitung nach Ungarn das Land an das europäische Stromverbundnetz anschließt.

Verkehr

Die Stadt verfügt über drei Bahnhöfe, den Hauptbahnhof, dem einzigen Personenbahnhof, den Westbahnhof im Stadtteil Ioşia und den Ostbahnhof in Velenţa. Der Nahverkehr umfasst mehrere Trambahnlinien sowie Busverbindungen und wird durch die OTL (Lokaltransport Oradea) verwaltet. In den 1990er-Jahren wurden die alten Trambahnen rumänischer Fertigung durch die Modelle T4D der deutschen Städte Magdeburg und Dresden bzw. KT4D aus Berlin ausgetauscht. Seit 2008 sind auch Straßenbahnen vom Typ ULF (Ultra Low Floor) in Betrieb. Der kleine Flughafen Oradea bietet Flüge nach Bukarest-Otopeni, Verona und Timişoara. Des Weiteren gibt es mittlerweile Direktflüge nach Stuttgart und Berlin.

Universitäten und Hochschulen

Persönlichkeiten

Bekannte Söhne und Töchter

Geboren in Oradea

(Folgende Persönlichkeiten sind in Oradea (Grosswardein) geboren. Die Auflistung erfolgt chronologisch nach Geburtsjahr. Ob sie ihren späteren Wirkungskreis in Oradea (Grosswardein) hatten oder nicht ist dabei unerheblich)

  • Péter Váradi (um 1450–1503), Erzbischof von Kalocsa
  • Péter Pázmány (1570–1637), Erzbischof von Esztergom
  • Zsigmond Báthory (1572–1613), Fürst von Siebenbürgen
  • Gábor Báthory (1589–1613), Fürst von Siebenbürgen
  • Graf Ferenc Rhédey (1610–1667) , Fürst von Siebenbürgen
  • Mihály Teleki (1634–1690), Kanzler von Siebenbürgen
  • Ödön Beöthy ((1796–1854), Regierungsbeauftragter für Siebenbürgen im Jahre 1848, Vizegespan des ungarischen Komitats Bihar
  • Emanuil Gojdu (1802–1870), Anwalt und rumänischer Patriot sowie Freiheitskämpfer für die Rechte der Rumänen in Transsilvanien
  • József Nagysándor (1804–1849), ungarischer Landwehrgeneral, “Arader Märtyrer
  • Antal Csengery (1822–1880), Historiker
  • Moritz Rosenthal (1883–1889), österreichischer Neurologe
  • Laurenzius Schlauch (1883–1902), Kardinal
  • Pal (Paul) Böhm (1839–1905) , Kunstmaler
  • Szilágyi Dezső (1840–1901), Anwalt, Justizminister
  • Iosif Vulcan (1841–1907), Akademiker, Publizist und Schriftsteller
  • Freiherr Arthur von Hübl (1853–1932), österreichischer Feldmarschallleutnant, Chemiker und Kartograf
  • Gusti Zimmermann (1863–...), Schauspielerin und Komponistin
  • Diósy Ödönné Adél Brüll (1872–1934), Muse von Endre Ady
  • Károly Bakonyi (1873–1926), Schriftsteller
  • Ernő Osvát (1877–1929), Gründer der Zeitschrift Nyugat
  • Friedrich Schorr (1888–1953), ungarisch-jüdischer Bassbariton
  • Egri Erbstein (1898–1949), ungarischer Fußballspieler und -trainer
  • Zsigmond Széchenyi (1898–1967), Afrika-Reisender
  • Georges Politzer (1903–1942), französischer Philosoph und marxistischer Theoretiker
  • Lajos Steiner (1903–1975), ungarisch-australischer Schachspieler
  • Boris Palotai (1904–1983), Schriftstellerin, mit dem Attila-József-Preis ausgezeichnet
  • Endre Kabos (1906–1944), ungarischer Säbelfechter und Widerstandskämpfer
  • Margit Dajka (1907–1986), Schauspielerin, mit dem Kossuth-Preis ausgezeichnet
  • László Halmos (1909–1997), ungarischer Komponist
  • Szabolcs Fényes (1912–1986), Komponist, mit dem Erkel-Preis ausgezeichnet
  • Brúnó Straub (1914–1996), Akademiker, Staatsoberhaupt von Ungarn 1988–1989
  • Stephanus Dászkál (1919–2003), Ordinarius ad nutum sanctis sedis
  • Nándor Wagner (1922–1997), Bildhauer
  • Mircea Maliţa (* 1927), Mathematiker, Essayist, Diplomat, Bildungsminister, Universitätsprofessor
  • Julia Varady (* 1941), deutsch-ungarische Opernsängerin
  • Şerban-Dan Costa (* 1955), Mediziner, Universitätsprofessor an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
  • Asteris Koutoulas (* 1960), deutsch-griechischer Musikproduzent, Publizist, Übersetzer und Autor
  • Daniel Lascau (* 1969) deutscher Judoka

Gestorben in Oradea

  • László Hosszú (1912-1983), vikarius generalis, ordinarius röm.kath.Kathedral.

Literatur

  • Nagyvárad - A Vér Városa, 1992 Debrecen, Robotos Imre

Siehe auch

Weblinks


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