Grube Wohlfahrt (Bergwerk)


Grube Wohlfahrt (Bergwerk)

Das Besucherbergwerk Grube Wohlfahrt ist ein stillgelegtes Bleierzbergwerk bei Rescheid (Gemeinde Hellenthal), Kreis Euskirchen, Nordrhein-Westfalen.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Die Grube Wohlfahrt liegt an einem ca. 60 km langen "Streifen" (Bleialf-Rescheid-Mechernicher Gangzug) von Bleierzvorkommen in der Eifel, an dem - von Südwest nach Nordost - sechs Bergwerke tätig waren: Reuland auf belgischem Boden, Bleialf (Mühlenberger Stollen), Grube Wohlfahrt, Schmidtheim (Grube Silberberg), Kall (Grube Tanzberg) und Mechernich (Grube Günnersdorf, u.a.) in Deutschland. Mit der Schließung des Bergwerks in Mechernich im Jahre 1957 endete der Bleierzbergbau in der Eifel; aber noch heute liegen hier die größten Bleierzvorkommen Europas (geschätzt: 100 Mio. t).

Geschichte

Tiefer Stollen

Schon die Kelten und später die Römer haben Münzfunden zufolge in der Eifel Erze abgebaut. Blei wurde in der Eifel seit der Antike über das Mittelalter bis zur Neuzeit, als man um seine Giftigkeit noch nicht wusste, in vielfältiger Hinsicht gebraucht: Für Wasserrohrleitungen, für Geschosse (Schleuder-, Schrotkugeln und großkalibrige Munition), Glasuren für keramische Gefäße, Kirchenfenster und Dachabdeckungen wie etwa beim Kölner Dom.

Urkundlich bekannt ist das Bleierzbergwerk bei Rescheid seit 1543. Die ersten Erzgräber hinterließen Pingen. Dann arbeitete man sich mit Schlägel und Eisen in die Tiefe vor, bis das Grundwasser die Arbeit so erschwerte, dass man nicht weiter kam. Deshalb wurde vom Haupteingang aus nach und nach ein Entwässerungsstollen (so genannter Tiefer Stollen) angelegt, was abschnittsweise geschehen musste mittels 21 enger senkrechter Schächte (so genannter Lichtlöcher), über die man bis zum jeweiligen nächsten Teilstück voran kam. Der Tiefe Stollen liegt an seinem Ende nach 2,4 km ca. 100 m unter der Erdoberfläche, wo er mit dem Schacht des Nachbarbergwerks (Schwalenbacher Stollen) zusammentrifft; dieses Ende wurde 1893 erreicht. Das abgeschlagene Gestein transportierten die Bergleute mit Karren durch den Tiefen Stollen über das Mundloch am Haupteingang ins Freie.

Nachdem die Grube seit 1815 zunächst unter preußischer Verwaltung stand, wurde ab 1839 die Bergwerkkonzession an kompetente Industrieunternehmer vergeben. So erwarb als Erster der Brite John Cockerill diese Konzession, der zuvor bereits unter anderem in Seraing, Aachen, Stolberg tätig war. Nach Cockerills plötzlichem Tod nur ein Jahr später übernahm Barthold Suermondt die Konzession und setzte 1849 die erste Dampfmaschine ein. Noch im gleichen Jahr gründete Suermondt die Commandit-Aktien-Gesellschaft von „Wohlfahrt und Glücksanfang“. Erst jetzt wurde so der Tiefbau im großen Stil möglich, d.h. das Fördern von Bleierzen unterhalb des Niveaus des Tiefen Stollens. Denn vor Einsatz der Dampfmaschine hätte man die großen Wassermengen aus diesen Tiefen nicht heben können, obwohl die Alten im Schwalenbacher Revier bereits lange vorher hölzerne Pumpen eingesetzt hatten. Mittels Pferdegöpel wurde das Haufwerk (Erz und Gestein) zu Tage gefördert. Später installierte man am Schacht eine Fördermaschine , die ebenfalls von der Dampfmaschine angetrieben wurde, um das Haufwerk bis auf das Niveau des Tiefen Stollens zu heben. Statt der von Hand geschobenen Grubenhunte wurde eine Druckluftlokomotive für den Transport ins Freie eingesetzt (ab 1907 Elektrolok).

Die tiefen Bleierze förderte man entlang so genannter Magmablasen - Störzonen, in denen das reine Bleierz, das nur in ca. 10 km Erdtiefe bei einer Temperatur von ca. 200°C natürlich vorkommt, durch Risse und Spalten unter hohem Druck nach oben getrieben wurde. 4 Hauptgänge wurden auf diese Weise ausgebeutet: Der Astert-Gang (500 m seitliche Ausdehnung), der Eiserne-Thür-Gang (bis 1000 m), der Bärwurzel-Gang und der Gang Nr. 4 (ca. 1300 m). Andere Versuchsgänge wurden aufgegeben, weil sie unergiebig waren.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts hat man in der Grube Wohlfahrt mit Schlägel und Eisen gearbeitet; ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde mit Schwarzpulver gesprengt (so genanntes Schießen). Gemessen am Erfindungszeitraum dieser Technik (16. Jahrhundert in Venetien) wurde sie in der Eifel erst sehr spät eingesetzt.

Der Bergbau wurde zunächst bis 1920 betrieben; dann galt es als ausgebeutet, denn die Gewinnung der Erze aus noch größeren Tiefen wurde unrentabel. 1936 bis 1941 wurde das Werk wegen des erhöhten Bleibedarfs in der Rüstungsindustrie im Nationalsozialismus noch einmal reaktiviert, dann aber endgültig aufgegeben. 1967 wurden das Mundloch des Tiefen Stollens, durch den einst die Grubenbahn verkehrte, und auch die meisten Lichtlöcher verfüllt; vom Bergwerk war nur noch wenig zu erkennen, und es geriet in Vergessenheit.

Ab 1985 begannen Mitglieder des Heimatvereins Rescheid e.V. zusammen mit Wissenschaftlern der RWTH Aachen das ehemalige Bergwerk wieder freizulegen. Nach einer Restaurierung wurde es 1993 wieder zugänglich gemacht. Der Zugang für die Besucher liegt 150 m vom früheren Eingang entfernt, und auch ein Förderturm ist neu.

Noch nicht für den Besucher restauriert ist das Außengelände mit Halden und (zugeschütteten) Klärteichen, wo die Aufbereitung des Gesteins (d.h. die Trennung der Bleierze von wertlosem Gestein) stattgefunden hat. Im Grubenhaus (Museumstrakt) sind jedoch noch Modelle und historische Fotos ausgestellt.

Das Besucherbergwerk

Seit 1993 dient "Grube Wohlfahrt" als Besucherbergwerk. Täglich finden Führungen (11.00, 14.00 und 15.30 Uhr) in die Welt unter Tage statt.

Dafür werden ca. 800 m des Tiefen Stollens befahren (zu Fuß) und u.a. folgende markante Punkte erläutert:

  • Eines von 6 erhaltenen Lichtlöchern,
  • Oberleitung der ehemaligen elektrifizierten Grubenbahn,
  • Versteinerte Schalentiere (Brachiopoden) und wellenförmige Abdrücke im Gestein (Rippelmarken) dokumentieren, dass das Gestein im Devon vor ca. 400 Millionen Jahren einmal Meeresboden war.
  • Ein Kohleflöz (Brandschiefer) unter Tage, das aus den ältesten Landpflanzen im Devon entstammt.
  • Störzone im Gestein, die auf einen Erzgang hoffen ließ; Fehleinschätzung (der angefangene Gang wurde aufgegeben)
  • Grubenlampe mit Fimmel; den Besuchern wird demonstriert, dass es stockfinster wird im Stollen, wenn dieses Licht verlöscht. Deshalb ging niemals ein Bergmann alleine in einen Gang.
  • 43 Meter tiefe Bohrung (Bundeswehr-Bohrloch)
  • Arbeitsprobe mit Schlägel und Eisen
  • Kuriosum und Attraktion bei der Führung insbesondere für Kinder: Historische Graffiti, mit denen sich die Arbeiter in Pausen die Zeit vertrieben: Figuren, Köpfe, Tiere, Wörter und Zahlen.

Literatur

  • Bernd Hübinger: Geschichte des Bleierzbergwerks Gruben Wohlfahrt und Schwalenbach bei Rescheid/Eifel 1543 bis 1940, 1991 (Dissertation)
  • Brunemann, Kasig, Katsch: Der geologisch-montanhistorische Lehr - und Wanderpfad in der Gemeinde Hellenthal, Heimatverein Rescheid e.V. (Hg.), 1994
  • Knauf,Norbert / Reger, Karl: Dem Eifeler Blei auf der Spur ..., hrsg. vom Heimatverein Rescheid e.V., Hellenthal 2004 (auch für Kinder und Jugendliche), ISBN 3-00-014502-8

Weblinks

50.4346376.4550469444444

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