Guide Michelin


Guide Michelin
Der Hotel- und Restaurantführer „Michelin“ Edition Deutschland 2006

Der Guide Michelin ist ein Hotel- und Reiseführer, der jährlich in unterschiedlichen Länderversionen erscheint. Die französische Ausgabe wird von der Michelin Editions des Voyages in Paris herausgegeben. Der bekannte „Rote Michelin“ ist ein Führer für Restaurants und Hotels, der „Grüne Michelin“ ein allgemeiner touristischer Führer.

Inhaltsverzeichnis

Der Gastro-Michelin

Der „Guide Michelin“ wurde erstmals im Jahre 1900 in einer Auflage von 35.000 Exemplaren und zunächst ausschließlich auf Frankreich begrenzt herausgegeben. Gestaltet von der Touristikabteilung des Reifenherstellers Michelin war er als ein Werkstatt-Wegweiser für die weniger als 3.000 Autofahrer gedacht, die es damals in Frankreich gab. Die Initiatoren André und Édouard Michelin stießen in eine Marktlücke und gaben unter anderem Tipps zum Umgang mit dem Auto und den Reifen sowie die Namen von Werkstätten, Batterieladestationen und Benzindepots.

1904 brachte Michelin mit dem Band Belgien die erste ausländische Ausgabe heraus. 1910 erschien der erste deutschsprachige Guide Michelin für Deutschland und die Schweiz. 1920 wurde der Führer kostenpflichtig, er kostete sieben Francs. 1923 erschienen erstmals Hotel- und Restaurantempfehlungen. Ab 1926 gewann der Guide Michelin für die Gastronomie einen noch höheren Stellenwert, weil er erstmals Sterne für eine gute Küche vergab. In den Folgejahren verfeinerte der Reiseverlag seine Bewertung und verlieh 1931 erstmals zwei und drei Sterne für eine herausragende Küchenleistung. Zunächst galt dieses Mehrsternesystem nur für die französische Provinz; ab 1933 weitete Michelin es auf Paris aus. 1936 wurden die bis heute gültigen Definitionen zu den Sternen eingeführt: „Eine sehr gute Küche: verdient besondere Beachtung“ (ein Stern), „Eine hervorragende Küche: verdient einen Umweg“ (zwei Sterne), „Eine der besten Küchen: ist eine Reise wert“ (drei Sterne).

Zu den ersten Sterneköchen zählen Eugénie Brazier, Marie Bourgeois, Fernand Point, André Terrail, Joseph Barattero, Francis Carton und François Pernollet. Zum unangefochtenen Rekordhalter wird später das Restaurant L’Auberge du Pont de Collonges von Paul Bocuse in Collonges au Mont d’Or bei Lyon, das von 1965 bis heute jedes Jahr drei Michelin-Sterne erhielt.

Wie schon im Ersten Weltkrieg erschien auch im Zweiten Weltkrieg kein Guide Michelin. Dennoch machte das Buch Karriere im Dienst der Alliierten. Während sich die britischen und amerikanischen Truppen im Frühjahr 1944 in England formieren, um nach Frankreich überzusetzen, befürchtete das alliierte Hauptquartier, dass sie sich nach der Landung nur mühsam orientieren können, da Wegweiser und Beschilderungen weitgehend zerstört oder abmontiert worden sein könnten. Nach akribischen Recherchen und unterstützt durch die Michelin-Direktion beschlossen die Alliierten, den letzten Vorkriegsband des Guide Michelin neu aufzulegen und seine zahlreichen Stadtpläne als Informationsquelle zu nutzen. Dazu wurde der Guide Michelin France von 1939 in Washington nachgedruckt und den Offizieren der amerikanischen Armee übergeben. Zu erkennen ist der Nachdruck an dem Vermerk „For official use only“ auf dem Bucheinband. Mit dem Guide Michelin im Gepäck landen die amerikanischen Truppen am 6. Juni 1944 in der Normandie (D-Day).

Seit 1964 gibt es eine deutsche und seit 1994 eine schweizerische Ausgabe. Von 2005 bis 2009 gab es auch eine Ausgabe für Österreich[1], wobei im letzten Jahr 49 Betriebe vom Guide mit einem oder zwei Sternen ausgezeichnet wurden. In Österreich wurde nie ein Lokal mit drei Sternen ausgezeichnet.[2] Inzwischen hat der Guide Michelin seine Beschränkung auf Europa aufgegeben, es existieren auch Restaurantführer für ausgewählte Destinationen in den USA (beispielsweise New York City und San Francisco), Japan (Tokio) und China (Hongkong, Macao).

Erscheinungsbild

Der rote Bucheinband, der sich zum typischen Erkennungszeichen für diesen Gastroführer entwickelte, wurde für alle Ländereditionen erst 1950 eingeführt. Bis 1999 hatte der Führer seinen Einband in der Aufmachung nicht erkennbar verändert. Mit der Jubiläumsausgabe 2000 hat der Guide fast jährlich sowohl seine Umschlaggestaltung wie auch die darauf erklärende Bezeichnung verändert. Die jeweilige Jahresausgabe ist in der Umschlagausstattung für alle Länder − bis auf die Sprache − identisch.

Herausgabe und Vertrieb

Seit Januar 2004 werden von der Travel House Media GmbH, München, einem Unternehmen der Ganske-Verlagsgruppe, die Länderausgaben Deutschland, Schweiz und Frankreich sowie sämtliche anderen Länderversionen im deutschsprachigen Raum vertrieben. Herausgeber der deutschen und schweizerischen Länderausgabe ist der Michelin Reiseverlag in Karlsruhe. [3]

Die französische Redaktion wird von der Deutschen Juliane Caspar geleitet, die schon bis Ende 2008 die Länderausgaben Deutschland, Schweiz und Österreich als Chefredakteurin betreute. Ihr Nachfolger wurde Anfang 2009 Ralf Flinkenflügel. Der 43-jährige Koch und Hotelfachmann arbeitete in Hotellerie und Betrieben der Spitzengastronomie, bevor er 1992 als Restaurantinspektor zu Michelin kam und 2000 stellvertretender Chefredakteur wurde.

Bewertungsmodalitäten

Nach Unternehmensangaben beschäftigt der Guide Michelin in Europa für die zwölf europäischen Restaurant- und Hotelführer insgesamt 85 Kritiker, die grenzüberschreitend eingesetzt werden können. Bewertungskriterien für die Michelin-Sterne sind hier die gleich bleibende Qualität der Zutaten und deren Frische, ihre fachgerechte Zubereitung, die Harmonie der geschmacklichen Verbindung sowie die Innovation und Einzigartigkeit der Gerichte, die sich in Kreativität und persönliche Note widerspiegelt. Die Auszeichnung „Bib Gourmand“ steht für sorgfältig zubereitete und preiswerte Mahlzeiten.

Im Schnitt werden die 3.800 Restaurants und 5.000 Hotels alle 18 Monate besucht, mit Stern ausgezeichnete häufiger. Bei mehr als 1.500 Restaurants wurden differenzierte Empfehlungen ausgesprochen.

2005 geriet der Guide Michelin in die Kritik, weil im Benelux-Führer das Brüsseler Restaurant Ostend Queen positiv bewertet wurde, das beim Erscheinen des Restaurantführers aber noch nicht eröffnet war. Die 50.000 bereits gedruckten Exemplare der Ausgabe wurden daraufhin vernichtet.

Die Sterne des Michelin

Besonders die Vergabe der Sterne, die seit 1926 für die Küche vergeben werden, interessiert die Feinschmecker.

In der deutschen Ausgabe des Führers wird die Bedeutung der Sterne wie folgt beschrieben:

  • ein Stern − „Eine sehr gute Küche, welche die Beachtung des Lesers verdient
  • zwei Sterne − „Eine hervorragende Küche - verdient einen Umweg
  • drei Sterne − „Eine der besten Küchen - eine Reise wert

Ausgezeichnete Restaurants

2010 war die Stadt mit den meisten ausgezeichneten Restaurants Tokio mit insgesamt 191 Sternen: acht Mal wurden drei Sterne vergeben, 25 Mal zwei Sterne und 117 Mal ein Stern.[4] Tokio besitzt damit fast doppelt so viele Sterne wie Paris, wo sich allerdings neun mit drei Sternen ausgezeichnete Restaurants befinden; in ganz Frankreich sind es 26 Drei-Sterne-Restaurants.[5]

In Deutschland gibt es in der Ausgabe 2012 (November 2011) unverändert neun Restaurants mit drei Sternen, 32 (Vorjahr 23) mit zwei Sternen und 208 (Vorjahr 205) mit einem Stern. Die Stadt mit den meisten Sternen im deutschsprachigen Raum ist 2011 Berlin (16 Sterne), gefolgt von München mit 13 und Hamburg mit elf Sternen [6]. Die Höchstwertung drei Sterne wurde in Deutschland erstmals 1980 dem Restaurant Aubergine unter Eckart Witzigmann verliehen. 15 Restaurants wurden bisher in Deutschland mit drei Sternen ausgezeichnet [7][8]. Als einziges Restaurant in Deutschland wird das Restaurant des Schwarzwald Hotel Adler seit der Erstausgabe im Jahr 1966 durchgängig mit einem Stern ausgezeichnet [9].

Drei Sterne

Deutschland 2012
Schweiz 2011

Zwei Sterne

Deutschland 2012
Schweiz 2011

Mitbewerber

Weitere bedeutende deutsche Mitbewerber des Michelin im Bereich der Restaurant- und Hotelführer sind die ebenfalls jährlich erscheinenden Publikationen wie:

Der Touristik-Michelin

Typisches Kennzeichen der touristischen grünen Führer („Guide Vert“) ist ihr grüner Einband sowie das schmale Format. Sie wurden erstmals 1926 von André Michelin herausgegeben, der darin die zuvor von ihm einzeln an Automobilisten versandten Wegbeschreibungen bündelte. Zielgruppe sind kulturinteressierte Individualtouristen, für die in den grünen Führern die Sehenswürdigkeiten einer Region komprimiert beschrieben und – ähnlich wie im Baedeker-System – durch Hervorhebungen klassifiziert werden.

Derzeit erscheint der grüne Führer für folgende Regionen in deutscher Sprache:

Frankreich: Französische Atlantikküste (2 Bände), Auvergne-Berry, Bretagne, Burgund-Französische Jura, Champagne, Côte d’Azur, Dordogne-Perigord, Elsass-Lothringen, Französische Alpen, Korsika, Languedoc-Roussillon, Normandie, Paris, Paris-Île de France, Picardie, Provence, Pyrenäen, Rhonetal-Ardeche-Lyon, Schlösser an der Loire

Übriges Europa: Andalusien, Baskenland, Berlin, Brüssel, Budapest (mit Ungarn), Deutschland, Elsass (mit Schwarzwald), Florenz (und Toskana), Großbritannien, Italien, Polen, Portugal, Rom, Schottland, Schwarzwald (mit Elsass), Schweiz, Toskana (mit Florenz), Spanien, Ungarn (mit Budapest)

USA: New York City, USA (Osten)

Einzelnachweise

  1. http://www.nikos-weinwelten.de/home/beitrag/archive/2009/june/03/guide_michelin_oesterreich_eingestellt/
  2. Gourmetführer "Guide Michelin" nimmt Österreich ab 2010 aus Wertung in der Kleinen Zeitung vom 2. Juni 2009 abgerufen am 27. Juli 2011
  3. http://www.sueddeutsche.de/leben/guide-michelin-die-chefin-der-chefs-1.3488-2
  4. BBC News: Tokyo ‘top city for good eating’
  5. Tagesanzeiger: Pariser Gourmet-Tempel verliert Stern
  6. Michelin 2012 in Zahlen
  7. 14 Drei-Sterne-Restaurants bis 2011
  8. Dritter Stern für Bühner im Michelin 2012
  9. 185 Jahre Schwarzwald Hotel Adler

Weblinks


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