Guilherme Gonçalves

Guilherme Gonçalves

Dom Guilherme Maria Gonçalves (* 1919; † 1999)[1] war der letzte Koronel bote (Tetum: Liurai, timoresische Kleinkönig) von Atsabe. 1974 war er ein Mitbegründer der pro-indonesischen Partei APODETI. Zwischen 1978 und 1982 war er indonesischer Gouverneur von Timor Timur. Gonçalves war Angehöriger der Ethnie der Kemak.

Gonçalves hatte starke familiäre Bindungen innerhalb des ehemaligen Atsabe-Reichs und dessen alten Verbündeten. Dies schloss auch Bindungen zu Kemak in den Distrikten Ainaro und Bobonaro und nördlichen und südliche Tetum und Bunak beiderseits der Grenzen ein. Er war extrem anti-portugiesisch eingestellt und hatte eine große Anzahl traditioneller Krieger. Gonçalves stammt von mehreren Liurai ab, die gegen die Portugiesen rebellierten. Eine Ausnahme bildete nur Gonçalves Vater Dom Siprianu. Gonçalves aber hasste die künstliche Kolonialgrenze, die seine Familie teilte und den Osten Timors vom spirituellen Zentrum Laran in Wehale trennte, weswegen er eine Vereinigung der Insel anstrebte. Als ein Abzug Portugals aus Portugiesisch-Timor 1974/75 abzusehen war, strebte die APODETI einen Anschluss an Indonesien an. Der Partei wurden enge Kontakte mit indonesischen Geheimagenten nachgesagt.

Als die linksorientierte FRETILIN am 28. November 1975 die Unabhängigkeit Osttimors ausrief, wurde in Indonesien die Balibo Deklaration veröffentlicht, in der angeblich osttimoresische Oppositionspolitiker den Anschluss des Landes an Indonesien forderten. Indonesien nutzte die Deklaration als Legitimation für den endgültigen Einmarsch nach Osttimor am 7. Dezember 1975. Die Deklaration wurde jedoch vom indonesischen Geheimdienst ausgearbeitet und auf Bali und nicht in Balibo unterzeichnet. Gonçalves, der die Deklaration mit unterzeichnete, bestätigte dies später.[2][3] Viele der osttimoresischen Partisanen, die die Indonesier beim Einmarsch unterstützten, wurden von Gonçalves ausgerüstet.[4]

Gonçalves war 1976 Vorsitzender der von den Indonesiern einberufenen Volksversammlung (DPRD), die am 31. Mai den Anschluss Osttimors an Indonesien beantragte.[5] Ab 1978 war Gonçalves Gouverneur der nun Timor Timur genannten annektierten Provinz. 1982 musste er allerdings vorzeitig abtreten, nachdem es mit Oberst Paul Kalangi, dem Sekretär der Regionalverwaltung (Sekretaris Wilayah Daerah, Sekwilda), zum Disput über den Anteil der Kaffeesteuer für die örtliche Regierung kam.[4] 1999 mussten sich die Indonesier schließlich nach dem verlorenem Referendum und auf internationalem Druck abziehen. Gonçalves hatte sich bereits zuvor von den Besatzern distanziert und setzte sich für die Unabhängigkeit von Osttimor im portugiesischen Exil ein.

Einer der Sohn von Guilherme Gonçalves, Tomás Gonçalves war unter der indonesischen Besatzung Administrator des Distrikts Ermera und Chef der 400 Mann starken Miliz Railakan. Er wurde bereits Anfang 1975 im westtimoresischen Atambua durch die Indonesier als Partisan ausgebildet. [6][5]

Siehe auch

Quellen

Einzelnachweise

  1. Peter Carey: Challenging Tradition, Changing Society : the Role of Women in East Timor' s Transition to Independence
  2. UNHCR: LE DROIT DES PEUPLES A DISPOSER D'EUX-MEMES ET SON APPLICATION AUX PEUPLES ASSUJETTIS A UNE DOMINATION COLONIALE OU ETRANGERE OU A L'OCCUPATION ETRANGERE
  3. Joseph Oenarto: Can East Timor survive independence?, North Australia Research Unit
  4. a b Kapitel 4 Regime of Occupation der CAVR-Untersuchungskommission von 2006
  5. a b CAVR-Report von 2005: Part 3: The History of the Conflict (PDF)
  6. ‘Operasi Sapu Jagad’ - plano dos militares indonésios contra a independência.

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