Gustav Kühn (Agronom)


Gustav Kühn (Agronom)

Gustav Kühn (* 20. Januar 1840 in Paris; † 2. April 1892 in Leipzig) war ein deutscher Agrikulturchemiker. Sein Forschungsschwerpunkt war die Tierernährungs- und Fütterungslehre.

Leben und Wirken

Gustav Kühn war der Sohn eines Philologen, der wegen seiner Aktivitäten als Leipziger Burschenschafter 1824 verhaftet wurde und nach seiner Freilassung 1826 nach Paris auswanderte. 1848 kehrte er mit seiner Familie nach Leipzig zurück, weil er seine beiden Söhne als gute Deutsche erziehen wollte. Gustav Kühn besuchte deshalb ab Ostern 1849 das Sankt Nicolai-Gymnasium in Leipzig und legte dort 1857 die Reifeprüfung ab. Anschließend studierte er ab dem Wintersemester 1857 Naturwissenschaften an den Universitäten Leipzig, Göttingen und ab Ostern 1860 in Greifswald, wo er ein Jahr später promovierte (Ueber die Einwirkung des trocknen Chlorwasserstoffs auf Hydrobenzamid bei erhöhter Temperatur). In Greifswald wurde er Mitglied der Burschenschaft Rugia.

Ab 1862 arbeitete Kühn als wissenschaftlicher Assistent bei dem Agrikulturchemiker Wilhelm Henneberg an der Landwirtschaftlichen Versuchsstation Weende bei Göttingen. 1866 übernahm er die Leitung der Landwirtschaftlichen Versuchsstation Braunschweig. Von 1867 bis zu seinem frühen Tode leitete er die Landwirtschaftliche Versuchsstation Möckern bei Leipzig, die sich unter seiner Ägide zu einer hochangesehenen Forschungsstätte entwickelte.

Das zentrale Arbeitsgebiet von Kühn war die Tierernährung. Zu den Schwerpunkten seiner experimentellen Forschungstätigkeit gehörten dabei Fütterungsversuche bei Haustieren, Fragen der Verdaulichkeit von Futtermitteln, Grundlagen der Fettbildung im Tierkörper und der Einfluss unterschiedlicher Fütterung auf die Milchproduktion des Rindes. Die Ergebnisse seiner Experimente hat er vor allem in der Zeitschrift "Die landwirthschaftlichen Versuchs-Stationen", im "Journal für Landwirthschaft" und in der "Sächsischen Landwirthschaftlichen Zeitschrift" veröffentlicht. 1871 wurde ihm der Titel (außerordentlicher) Professor und 1877 der Sächsische Albrechtsorden I. Klasse verliehen. Im Sommer 1884 wurde er ordinierter Professor und 1892 zum Geheimen Hofrat ernannt. In Leipzig-Möckern wurde die Gustav-Kühn-Straße nach ihm benannt.

Publikationen (Auswahl)

  • Was hat die landwirthschaftliche Praxis von den agrikulturchemischen Versuchsstationen nach dem gegenwärtigen von diesen eingenommenen Standpuncte zu erwarten? In: Journal für Landwirthschaft Bd. 14, 1866, S. 114-123.
  • Versuche über den Einfluß wechselnder Ernährung auf die Milchproduktion sowie über die Ausnutzung des Rauhfutters (Wiesenheu) und deren Veränderung durch Zugabe leichtverdaulichen Beifutters, von Gustav Kühn u. Moritz Fleischer, Chemnitz, 1869.
  • Versuche über den Einfluß der Ernährung auf die Milchproduction des Rindes in den Jahren 1870 - 1873 auf der landwirthsch. Versuchsstation Möckern, Göttingen, 1874.
  • G. Kühn und O. Neubert: Versuche über die Verdaulichkeit der Weizenkleie und deren Veränderung durch verschiedene Arten der Zubereitung und Verabreichung, sowie über die Verdaulichkeit des Wiesenheues in trockenen und angefeuchteten Zustande. In: Die landwirthschaftlichen Versuchs-Stationen Bd. 29, 1883, S. 1-214.
  • Fütterungsversuche mit Grünklee, von Gustav Kühn, 1888.

Literatur

  • F. Nobbe: Gustav Kühn †. In: Die landwirthschaftlichen Versuchs-Stationen Bd. 41, 1892, S. 1-9 (mit Bild vor S. 1 und Schriftenverzeichnis).
  • Carl LeisewitzKühn, Gustav. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 51, Duncker & Humblot, Leipzig 1906, S. 428–430.
  • W. Böhm: Gustav Kühn, in Biographisches Handbuch zur Geschichte des Pflanzenbaus, München 1997, S. 172-173.

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Gustav Kühn — ist der Name folgender Personen: Gustav Kühn (Buchdrucker) (1794–1868), deutscher Buchdrucker und Verleger Gustav Kühn (Agronom) (1840–1892), deutscher Agrikulturchemiker Diese Seite ist eine Begriffsklärung zur Untersch …   Deutsch Wikipedia

  • Kühn (Familienname) — Kühn (= tapfer, auch ohne Umlaut in der Schreibung Kuehn) ist ein im deutschen Sprachraum (vor allem in Deutschland und Österreich) verbreiteter Familienname. Bekannte Namensträger Inhaltsverzeichnis A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Biografien/Kuh — Biografien: A B C D E F G H I J K L M N O P Q …   Deutsch Wikipedia

  • Burschenschaft Rugia — Wappen Basisdaten Hochschulort: Greifswald, Deutschland Erstgründung: 5. April 1856 Verband: Deutsche Burschenschaft (DB) …   Deutsch Wikipedia

  • Burschenschaft Rugia Greifswald — Wappen Basisdaten Hochschulort: Greifswald, Deutschland Erstgründung: 5. April 1856 Verband: Deutsche Burschenschaft (DB) …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Träger des Ordens Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste — Dies ist die Liste der Träger des Ordens Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste nach Aufnahmedatum. „Der Orden Pour le mérite für Wissenschaften und Künste, den König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, beraten durch Alexander von Humboldt,… …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Biografien/Str — Biografien: A B C D E F G H I J K L M N O P Q …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Straßennamen von Wien/Döbling — Straßen in Wien I. Innere Stadt | II. Leopoldstadt | III. Landstraße | IV. Wieden | V. Margareten | VI. Mariahilf | VII.  …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Rektoren der Universität Leipzig — Siegel der Universität Leipzig: SIGILLUM UNIVERSITATIS STUDII LIPSIENSIS Die Rektoren der Universität Leipzig wurden in der Regel semesterweise gewählt. Das Sommersemester (nachfolgend SS bezeichnet) begann im Regelfall am 23. April und das… …   Deutsch Wikipedia

  • Persönlichkeiten Wittenberg — Hier sind alle Persönlichkeiten der Lutherstadt Wittenberg erfasst, deren Wirken eng mit der Lutherstadt und der Universität Wittenberg verbunden ist. Dies berührt ausschließlich Persönlichkeiten, bei denen der Bezug zu Wittenberg im Lebenslauf… …   Deutsch Wikipedia