Gustav Zeuner (Kettendampfer)


Gustav Zeuner (Kettendampfer)
Kettenschlepper Gustav Zeuner

Der Kettendampfer Gustav Zeuner ist ein Relikt der Kettenschifffahrt auf der Elbe. Sein Antrieb mittels eines Turbinenpropellers mit Kontraktor beruht auf einer Erfindung des deutschen Ingenieurs Gustav Zeuner.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Mit fortschreitender Industrialisierung nahm der Massengutverkehr auf der Elbe schnell zu. Die bis dahin verwendeten Radschleppdampfer mit Niederdruckdampfmaschine waren zu leistungsschwach. Um das Transportsystem Schleppschifffahrt zu verbessern, wurden nun neue Schleppdampfer gesucht. Die erforderliche Leistung konnte seinerzeit nur von Kettenschleppern erbracht werden.

Konkrete erste Schritte zur Einführung der Kettenschifffahrt in Deutschland wurden seit 1862/1863 an Rhein und Elbe unternommen. Der erste, reguläre Schleppdienst mit einem Kettendampfer wurde in Magdeburg auf der Elbe im Teilstück Magdeburg-Neustadt und Buckau realisiert.Die Realisierung des Streckenausbaus bis Hamburg dauerte bis zum Jahr 1874. Im Jahr 1871 war auch die Strecke bis zur Oberelbe, bis zur Ortschaft Kreinitz, ausgelegt. Bis zum Jahr 1873 verfügte die KSO (Kettenschleppschifffahrt Oberelbe) über 13 Kettendampfer. Auch in der Saale wurden von der Mündung bis nach Halle bis zum Jahr 1903 105 km Kette verlegt.

Der letzte verbliebene Kettendampfer von der Elbe lag lange im Bereich Magdeburg Süd am Westufer der Elbe. Es handelt sich um den Kettendampfer Gustav Zeuner. Derzeit wird er restauriert.

Technische Daten

Modell des Kettenschleppers Gustav Zeuner, fotografiert bei der Schifferfastnacht in Wehlen 2007
  • Bauwerft: Dresden Übigau
  • Baujahr: 1894
  • Länge über Deck: 52,24 m
  • Breite über alles: 10,34 m
  • Tiefgang leer: 0,70 m
  • Tiefgang voll: 0,90 m
  • Höhe: 2,36 m
  • Hauptmaschine: 2 stehende Verbundmaschinen, Einspritzkondensation
  • Leistung: 180 PS
  • Kessel: 1 Zweiflammrohr-Zylinderkessel mit rückkehrenden Heizrohren
  • Druck: 10 at
  • Heizfläche: 84 m²

Ausrüstung

Eiserner Boden, Greifrad nach Bellingrath (2320 mm Durchmesser), unten umschlungen, Turbinenpropeller mit Rückstrahler nach Zeuner, über lösbare Kupplungen mit Hauptmaschine verbunden, Dampfwinde für Schlepptaue unter dem Steuerstand, nach 1918 wurde das Greifrad durch Kettentrommeln ersetzt.

Heutiger Zustand

Die Gustav Zeuner wurde 1931 außer Dienst gestellt und an P. Michaelis in Magdeburg-Fermersleben verkauft, an Land gesetzt, mit hölzernen Decksaufbauten versehen und als Sportbootschuppen und Gaststätte verwendet. 1988 wurde sie unter Denkmalschutz gestellt. Sie ist in ruinösem Zustand noch vorhanden. Nach Zeitungsberichten in der Magdeburger Volksstimme vom 9. und 14. Juli 2005 soll die Gustav Zeuner durch eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme und verschiedene andere Mitwirkende geborgen und schwimmfähig gemacht werden. Die Gustav Zeuner soll im Magdeburger Handelshafen, in dem schon ein historischer Eimerkettenschwimmbagger und ein Taucherschacht liegen, untergebracht werden. Im Rahmen dieser Arbeitsbeschaffungsmaßnahme wurde nach einem aktuellen Zeitungsbericht am 5. Juli 2006 die Restaurierung begonnen; diese soll bis 2010 abgeschlossen sein. Der dann dauerhafte Ausstellungsort wird neben dem Hafenbecken am Handelshafen Magdeburg sein, in unmittelbarer Nachbarschaft zu weiteren historischen, schwimmenden Geräten und Bauwerken. Außerdem finden sich hier neben vielen verschiedenen Waggons und Lokomotiven verschiedener Baujahre auch eine historische Hubbrücke und Speichergebäude. Unter der Abdeckplane ist die gewölbte Kontur des Oberdecks der bereits zusammengebauten Sektionen zu erahnen. (Stand 2008)

Weblinks

Wissenschaftshafen: Europas letzter Kettendampfer beim "Probeankern"


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