Gymnasium Ottweiler


Gymnasium Ottweiler
Gymnasium Ottweiler
GymnasiumOttweiler.JPG
Schulform Gymnasium
Gründung 1874
Ort Ottweiler
Land Saarland
Staat Deutschland
Koordinaten 49° 24′ 3,7″ N, 7° 9′ 39,7″ O49.4010327.161033Koordinaten: 49° 24′ 3,7″ N, 7° 9′ 39,7″ O
Träger Landkreis Neunkirchen
Schüler 604 (Oktober 2009)
Lehrer 51 (Oktober 2009)
Leitung Rebecca Spurk
Website www.gymnasium-ottweiler.de

Das Gymnasium Ottweiler ist ein neusprachliches Gymnasium mit mathematisch-naturwissenschaftlichem Zweig in der Trägerschaft des Landkreises Neunkirchen.

Inhaltsverzeichnis

Zur Geschichte der Schule

Die Tradition der Lehrerausbildung

1874 wurde in Ottweiler durch das „Decret des Königlichen Provinzial-Schul-Collegiums Coblenz“ vom 16. Juni 1984 das „Evangelische Lehrerseminar“ gegründet. Dieses Königlich-Preußische Lehrerseminar hatte zunächst, wegen der kurzfristigen Gründung, kein eigenes Gebäude zur Verfügung. Deshalb zog man behelfsweise in das Haus des Maurermeisters Kuntz (Ecke Goethestraße und Illinger Straße).

Gleichzeitig wurde der Grundstein gelegt für das 1876 fertiggestellte Hauptgebäude der Schule. Dieses Hauptgebäude – in Ottweiler „de Kaschde“ genannt – beherbergt, wenn auch um einen Seitenflügel amputiert, heute noch das Gymnasium Ottweiler. Seit 1876 gab es in Ottweiler eine Übungsschule, die dazu diente, dass die Seminaristen sich in der Praxis an Volksschülern erproben konnten. Diese zog 1911 in das neu errichtete Nebengebäude um, in dem heute noch einige Klassen des Gymnasiums untergebracht sind. Die Stadt Ottweiler war verpflichtet, ein bestimmtes Kontingent an Schülern an die Übungsschule zu überstellen. Somit konnten sich die Seminaristen in allen Klassenstufen bewähren. Die eigentliche Ausbildung für Seminaristen dauerte drei Jahre. In der Anfangsphase meldeten sich viele Seminaristen mit Unterrichtserfahrung, auch wenn sie keine Lehrerausbildung genossen haben. Andere Seminaristen kamen von songenannten Präparandenschulen, in denen eine einheitliche Grundausbildung für junge Männer mit abgeschlossener Volksschulbildung oder auch höherer Schulbildung vermittelt wurde.

1889 wurde das Lehrerseminar, zunächst probehalber für zwei Jahre, um eine eigene Präparandenschule erweitert, die 1891 dann offiziell etabliert wurde. Somit war die Lehrerausbildung nun komplett am Reiherswaldweg angesiedelt, und zwar zunächst mit zweijähriger, ab 1901 mit dreijähriger Präparandie. Die Präparanden wohnten allerdings privat bei Familien in Ottweiler, während die Seminaristen, wenn sie von außerhalb kamen, im Internat lebten.

Während des ersten Weltkrieges meldeten sich viele Seminaristen freiwillig an die Front, so dass sie ihren Abschluss in Notprüfungen erhielten. Natürtlich sank daraufhin auch die Zahl der Schüler, was allerdings teilweise dadurch aufgegangen wurde, dass die Ottweiler Anstalt zahlreiche Schüler aus dem zum Kriegslazarett umfunktionierten Lehrerseminar in Wetzlar aufnahm. Gegen Ende des Krieges musste allerdings der Lehrbetrieb zeitweise eingestellt werden, da das Schulgebäude als Truppenunterkunft gebraucht wurde.

1918 wurde das Seminar umbenannt in „Preußisches Lehrerseminar“, allerdings wurde der Lehrbetrieb erst am 4. Januar 1919 wieder aufgenommen. Es wurden auch Spezialkurse für Kriegsrückkehrer eingerichtet und bis 1920 betrieben. Im Zuge der Einrichtung des Saargebietes unter der Verwaltung des Völkerbundes und dem damit verbundenen Rückzug preußischer Institutionen wurde 1922 der Beschluss zur Auflösung des Lehrerseminars gefasst, und 1924 die letzte Prüfung abgenommen.

Die Tradition des Lehrerseminars fand ihre Fortsetzung in der Zeit des Dritten Reiches von 1941 bis 1945 mit der sogenannten Lehrerbildungsanstalt. Die Lehrerbildungsanstalt konnte oder wollte sich freilich den ideologischen Anforderungen des Nationalsozialismus nicht verschließen, dies um so mehr, als die Lehrer und die Lehrerausbildung bewusst als Transmissionsriemen der Ideologie missbraucht wurden. Der Konfirmitätsdruck wurde durch den strengen Uniformszwang während der Unterrichtszeit deutlich gemacht. Obendrein hatten alle Schüler vor ihrer Zulassung ein Musterungslager zu durchlaufen, in dem sie sowohl auf ihre körperliche als auch ihre geistige Haltung überprüft wurden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Schließung der Lehrerbildungsanstalt wurde bereits 1946 wieder ein Lehrerseminar gegründet. Während der Einzugsbereich des preußischen Lehrerseminars sogar bis hin zum Rheinland gereicht hatte, rekrutierte sich die Schülerschaft jetzt immerhin noch aus dem ganzen Saarland. Die revolutionäre Neuerung dieses Seminars war, dass hier erstmals in Ottweiler beide Geschlechter an einem Ort ihre Lehrerausbildung erhielten. Auch das Internat bot sowohl für die jungen Frauen als auch für die jungen Männer Wohnmöglichkeiten, wenn auch in getrennten Gebäuden: Man wollte dann doch nicht so revolutionär sein, beide Geschlechter unter einem Dach wohnen zu lassen. Deshalb waren die Frauen im Hauptgebäude untergebracht, die Männer hingegen im Gebäude der heutigen Landesakademie für musische Bildung.

Zunächst war dieses Seminar auch beiden großen christlichen Konfessionen zugänglich, bis dann 1948 die Regierung des Saarlandes unter dem Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann analog zur Einführung der Konfessionsschulen im Saarland auch die Lehrerausbildung konfessionell trennte. Die evangelischen Seminaristen gingen zur Vollendung ihrer Ausbildung nach Blieskastel, die katholischen nach Lebach.

Von 1948 bis 1962 existierte in Ottweiler das Staatliche Evangelische Lehrerseminar. Die Bedeutung des Seminars ist nicht groß genug einzuschätzen. Zum einen wurden hier praktisch alle saarländischen Junglehrer der Nachkriegszeit für die evangelischen Volksschulen ausgebildet. Damit konnte kein evangelischer Schüler den Ottweiler Absolventen entgehen. Zum anderen bot dieses Seminar, nicht zuletzt wegen des angeschlossenen Internats, für viele Saarländer die einzige Möglichkeit, in der schweren Nachkriegszeit eine höhere Ausbildung zu erhalten. Die Seminaristen erhielten hier, gerade wenn sie aus nicht begüterten Familien stammten, eine Chance zum sozialen Aufstieg.

Das Internat

Von Beginn an war das gleichzeitig mit dem Könliglich-Preußischen Lehrerseminar gegründete Schülerheim ein Eckpfeiler der Ausbildung. Anfangs war nur die Aufnahme von 90 Schülern geplant, was zunächst auch ausreichte. Mit der Gründung der Präparandenanstalt 1891 zeigte sich allerdings, dass diese Kapazität zu knapp bemessen war. Deshalb wurde es notwendig, für die Präparanden Unterkünfte in der Stadt zu suchen.

Für die Seminaristen bestand die Pflicht, im Internat zu wohnen, sofern sie nicht aus Ottweiler oder der direkten Umgebung stammten. Diese Ausnahmeregelung betraf allerdings nur 4,2% der Seminaristen. Der weitaus größere Teil stammte aus der preußischen Rheinprovinz, die aus den Regierungsberziken Trier, Koblenz, Düsseldorf, Köln, Aachen und Wetzlar Schüler entsandte. Auch die Provinz Hessen-Nassau und die Provinz Westfalen waren vertrete, sowie das preußische Hohenzollern-Sigmaringen. Von den nichtpreußischen Gebieten stellte das Fürstentum Birkenfeld die meisten Schüler, die Reichslande Elsass-Lothringen die zweitgrößte Gruppe. Auch aus der bayrischen Rheinpfalz kamen etliche Seminaristen, und einige wenige stammten aus Hessen, Hessen-Darmstadt, Mittel- und Ostdeutschland.

Eine besondere Bedeutung erlangte das Wohnheim aber in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Diese Einrichtung erlaubte vielen Seminaristen der damaligen Zeit überhaupt erst, eine solche Ausbildung zu absolvieren, da durch die Zerstörungen des Krieges ein Pendeln zwischen Wohn- und Schulort oft unmöglich gewesen wäre. Dies umso mehr, als 1948 Ottweiler das einzige saarländische Seminar für evangelische Lehrer war. Besonders pikant war die Internatsituation in dieser koedukativen Zeit, da beide Geschlechter auf dem Schulgelände untergebracht waren. Auch strengste Vorschriften konnten nicht verhindern, dass Schleichwege zu den verbotenen Unterkünften gefunden wurden. Es bleibt zu erwähnen, dass auch die ein oder andere Eheschließung aus dieser Wohnsituation resultierte.

1987 musste das Internat wegen mangelnder Nachfrage geschlossen werden.

Die Tradition der höheren Schulen

1922, nach dem Beschluss zur Schließung des Königlich-Preußischen Lehrerseminars, wurde in Ottweiler die Staatliche Evangelische Lehrstudienanstalt eingerichtet. Diese Landesstudienanstalt war ein Aufbaugymnasium, das 13- bis 14jährige begabte Jungen in sechs Jahren zum Abitur führen sollte. Nach dem Anschluss des Saargebietes 1935 und dem Ende der Konfessionsschulen wurde die Schule zunächst in „Staatliche Landesstudienanstalt“, 1937 in „Staatliche Aufbauschule“ und 1938 in „Staatliche Oberschule für Jungen in Aufbauform“ umbenannt. Diesen Namen behielt sie dann bis 1945 bei.

Seit 1941 gab es allerdings parallel zur Oberstufe auch wieder ein Lehrerseminar. Diese Struktur wurde dann auch nach dem Zweiten Weltkrieg beibehalten, als das Staatliche Realgymnasium (Aufbauschule) die Arbeit der Oberstufe fortsetzte. 1948 wurde dieses Gymnasium dann zur Bestürzung der Ottweiler Bürgerschaft auf Beschluss des Regierungspräsidiums Saar geschlossen, und die Schüler mussten nach Neunkirchen und St. Wendel ausweichen. Während die Lehrerausbildung weiter bestand, wurde erst nach der Rückgliederung des Saarlandes an die Bundesrepublik im September 1957 wiederum ein Aufbaugymnasium gegründet, das an die siebte oder achte Volksschulklasse anschloss und in sechs Jahren zum Abitur führte. Diese Schule trug bis 1960 den Namen „Staatliche Aufbauschule“, und von 1960 bis 1971 hieß sie „Staatliches Aufbaugymnasium“, wobei ab 1960 ausschließlich die Klasse 8 der Volksschule aufgebaut wurde.

Mit der Neugründung von 1957 wurde endlich auch Mädchen in Ottweiler die Möglichkeit gegeben, zum Abitur zu gelangen.

Ab 1971 wurde die sechsstufige Form des Aufbaugymnasiums um die Quarta zu einer siebenstufigen erweitert. Natürlich war mit der Änderung der Organisationsform wieder ein Namenswechsel fällig. Jetzt hieß die Schule „Staatliches Gymnasium im Aufbau“, mit dem Ziel, das Aufbaugymnasium durch jährliches anfügen einer weiteren Klassenstufe zur neunstufigen Schule aufzubauen. Drei Jahre später wurde die Schule abermals umbenannt in „Staatliches Gymnasium“, da nun die Stufen von Sexta mit Quarta komplett ergänzt waren.

Der Namenszusatz „Staatlich“ entfiel bei der Übernahme durch den Landkreis Neunkirchen 1992. Heute trägt die Schule den Namen „Gymnasium Ottweiler“.

In den Siebzigern wurde das neue Gymnasium vor größere Herausforderungen gestellt. Seit 1976 bot die Schule als eine der ersten im Lande eine dritte moderne Fremdsprache an. Zunächst wurden die Schüler in einer AG für Italienisch begeistert, seit 1977 besteht die Möglichkeit Italienisch als Zusatzfach zu wählen. Das Angebot als dritte Fremdsprache ab Klasse 9 besteht seit 1989. Die angebotenen Sprachenfolgen waren bisher Französisch, Englisch und Italienisch oder wahlweise Latein, Englisch, Französisch. Zusätzlich wird seit 1965 ein mathematisch-naturwissenschaftlicher Zweig, mit Französisch als erster Fremdsprache, Englisch ab Klasse 7 und erweitertem Physik- und Chemieunterricht angeboten.

Aufgrund der Initiative von Lehrern, welche heute nicht mehr an der Schule tätig sind, konnte eine zeitlang Spanisch ab Klasse 11 als Wahlfach gewählt werden und es bestand außerdem die Möglichkeit Altgriechisch in einer Arbeitsgruppe zu lernen.

Die Einführung der Reformierten Oberstufe 1976 stellte natürlich auch das Gymnasium Ottweiler vor eine große organisatorische Herausforderung. Dennoch gelang es, obwohl die Schule relativ klein ist und nicht über Kooperationsmöglichkeiten mit einem anderen Gymnasium verfügt, ein breites Angebot von Leistungskursen bereitzustellen.

Unterrichtsangebot und Unterrichtsorganisation

Das Gymnasium Ottweiler ist ein neusprachliches Gymnasium mit mathematisch-naturwissenschaftlichem Zweig.

Das Gymnasium Ottweiler bietet als einzige Schule im Landkreis Neunkirchen neben Englisch auch Latein als erste Fremdsprache an. Die Schülerinnen und Schüler haben somit die Möglichkeit, zum Ende der Klassenstufe 9 das Latinum und zum Ende der Klassenstufe 10 das große Latinum zu erhalten. Die Sprachenfolge ermöglicht es den Schülern, möglichst lange im Klassenverband zu verbleiben.

Für sportlich talentierte und engagierte Schülerinnen und Schüler besteht derzeit in den Klassenstufen 5 und 6 die Möglichkeit in Sportklassen zusammengefasst und besonders gefördert zu werden. Diese Förderung, die wir als Partnerschule der Talentförderung Saar anbieten, umfasst vier zusätzliche Wochenstunden Sport sowie das tägliche Angebot eines warmen Mittagessens.

Freiwillige Ganztagsschule und Nachmittagsbetreuung

Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Ottweiler können (von 13:00 bis 16:30 Uhr) die Nachmittagsbetreuung der „freiwilligen Ganztagsbetreuung“ in Anspruch nehmen. Die Möglichkeit des Mittagessens besteht unabhängig davon für alle Schülerinnen und Schüler.

Schulische Schwerpunkte, Aktivitäten und Projekte

Pädagogische Begleitung des Übergangs von der Grundschule zum Gymnasium

Elternseminare; Klassenleitertage; „Lernen lernen“ mit Methoden-, Kommunikations- und Koop„“erationstraining; „Lions Quest - Erwachsen werden“; Schülerpaten; Busschulungs- und Busbegleiterprojekt

Förderkonzept Klasse 5 - 10

Individuelle Beratung und Förderung von Schülerinnen und Schülern - zum Erwerb sozialer und emotionaler Kompetenzen - zum Aufbau von Lernrückständen (z.B. Rechtschreibtraining, Aufsatztraining Deutsch, „Coaching zum Erfolg“ - allgemeine Lernberatung) - zur Förderung besonders begabter, interessierter und motivierter Schülerinnen und Schüler (Vormittagsfördergruppe „Fibokanten“, Fremdsprachenzertifikate Englisch und Französisch)

Arbeitsgemeinschaften

Schulchor, Schulband, DELF-Sprachdiplom, SR-Leseclub, Schach, Robotik AG, Physik + Technik, Physikzirkel, American Sports, Basketball, Badminton, Handball, Volleyball, Tischtennis, Leichtathletik, Geräteturnen, Tanzsport, Voltigieren

Wettbewerbe

Vorlesewettbewerb, Jugend trainiert für Olympia, Schulschachmeisterschaft, Mathematik-Olympiade, Bundeswettbewerb Mathematik, Schüler experimentieren / Jugend forscht, Bundesweiter Wettbewerb Physik für die Sekundarstufe I, Physik-Olympiade, Bundeswettbewerb Fremdsprachen, Europawettbewerb

Beratungsangebote bei Konflikten

Schoolworker, Mediation

Schulverein und Elternvetretung

Der Schulverein am Gymnasium Ottweiler wurde im Februar 1968 gegründet. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Schule in ihren Bildungs- und Erziehungsaufgaben zu unterstützen und stellt dazu jährlich finanzielle Mittel zur Verfügung, um zum Beispiel zusätzliche Lehrmittel zu beschaffen oder die Schülerbibliothek besser auszustatten. Elternvertretung und Schulverein arbeiten am Gymnasium Hand in Hand - und das schon seit 40 Jahren mit Erfolg. Mit großem Engagement setzt sich die Elternvetretung für ein partnerschaftliches Verhältnis zwischen Schule, Schülern und Elternhaus ein.

Umgebung

In näherer Umgebung befinden sich das Amtsgericht Ottweiler und die erweiterte Realschule Ottweiler (Anton-Hansen Schule).


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