Alice Guy

Alice Guy

Alice Guy-Blaché (* 1. Juli 1873 in Saint-Mandé; † 24. März 1968 in Mahwah, New Jersey) war eine Pionierin des Films und die erste Filmregisseurin. Ihren ersten Film, La Fée aux Choux, drehte sie 1896, wodurch sie als eine der ersten Regisseure überhaupt einen fiktionalen Film schuf. Sie wurde später auch ihre eigene Produzentin.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Alice Guy-Blaché wurde unter dem Namen „Alice Guy“ als Kind französischer Eltern, die in Chile lebten, geboren. Ihr Vater besaß dort eine Buchhandelskette. Ihre Mutter kehrte nach Paris zurück, um dort ihre Tochter zur Welt zu bringen. Ihre ersten Lebensjahre verbrachte sie bei ihrer Großmutter in der Schweiz bis sie ihre Mutter mit nach Chile nahm, wo sie zwei Jahre lebte. Sie wurde dann auf ein Internat nach Frankreich geschickt und war ein Teenager, als ihre Eltern aus Chile zurück kehrten. Kurz darauf starben ihr Vater und ihr Bruder.

Seit ihrem 17. Lebensjahr verdiente Alice Guy ihren Lebensunterhalt als Stenotypistin, 1894 wurde sie von Léon Gaumont als Sekretärin bei dem Comptoir général de la Photographie eingestellt. Im März 1895 besuchte sie erstmals eine öffentliche Filmvorführung der Gebrüder Lumière. Ihr Arbeitgeber ging bald bankrott, aber der Prokurist Gaumont gründete im Juli 1895 die neue Firma L. Gaumont et compagnie. Dort machte Alice Guy ihrem Chef den Vorschlag selbst einen Film mit einer Spielhandlung zu drehen. Gaumont nahm den Vorschlag an und so begann die Regiekarriere von Alice Guy, die über 25 Jahre dauern sollte. In dieser Zeit führte sie bei über 700 Filmen Regie oder produzierte sie.

Von 1897 bis 1906 leitet Alice Guy die Produktion bei Gaumont und war die erste Filmememacherin der Welt, die systematisch den Spielfilm entwickelte. Im Pariser Stadtteil Belleville wurde ein Studio eingerichtet. 1906 drehte sie ihren ersten langen Spielfilm mit dem Titel La vie du Christ - für seine Zeit eine Großproduktion, bei der über 300 Statisten mitwirkten. Im selben Jahr drehte sie auch den Film La Fée Printemps, einen der ersten Filme in Farbe. Sie leistete auch Pionierarbeit bei der Produktion von Tonaufnahmen auf Wachswalzen, die die Filme begleiteten. Sie benutzte Doppelbelichtungen und andere Effekte.

1907 heiratete Alice Guy den Kameramann Herbert Blaché, der bald darauf die Leitung der Tochterfirma der Gaumont in den USA übernahm. Nach ihrer Eheschließung hatte Alice Guy zunächst ihre Berufstätigkeit aufgegeben, die sie aber nach rund drei Jahren wieder aufnahm. 1910 gründete sie eine eigene Produktionsfirma, die Solax. Ihr Mann übernahm die geschäftliche Leitung und sie wurde Künstlerische Leiterin. Bis 1914 wurden über 300 Filme produziert, bei mehr als 40 führte Alice Guy Regie. Besonders erfolgreich waren Abenteuerfilme. Die Firma war so erfolgreich, dass innerhalb von zwei Jahren über 100.000 US-Dollar in die Produktionsstätten in Fort Lee, New Jersey investiert werden konnten. Fort Lee wurde damals rasch zu einem der Zentren der Filmproduktion in den USA.

Mit ihren Produktionen machte sie sich in den Vereinigten Staaten einen guten Ruf. Zu dieser Zeit begann sie an der Columbia University Film zu unterrichten. 1914 wird Solax in Blaché Features umbenannt, wobei Herbert Blaché die Präsidentschaft übernimmt. Da er sich aber vermehrt dem Kunstfilm zuwandte arbeitete Alice Guy nun vor allem für die Players & Plays, für die sie weiterhin erfolgreich Abenteuerfilme wie The Adventurer (1917) inszeniert. Nachdem ihr Mann die Blaché Features heruntergewirtschaftet hatte ging er nach Hollywood - seine Frau folgte ihm später nach um ihm zu assistieren. Mit dem Niedergang der Produktion an der Ostküste unter dem Druck der Motion Picture Patents Company und der Verlagerung der Produktion an die Westküste, endete auch die geschäftliche Zusammenarbeit mit ihrem Mann.

1918 produzierte sie mit The Great Adventure ihren ersten Misserfolg; mit Tarnished Reputations folgte 1920 ein weiterer Flop. Sie wandte sich vom Film ab und ließ sich zudem 1922 von ihrem Mann scheiden. Alice Guy arbeitete kurz für William Randolph Hearst's International Film Service und kehrte dann mit ihren beiden Kindern nach Frankreich zurück. Obwohl sie nie wieder einen Film drehte, gab sie Vorlesungen über Film und schrieb Drehbücher. Dass ihre Pionierleistung lange Zeit vergessen blieb, war auch männlichen Filmhistorikern zu 'verdanken', die ihre frühen Filme einfach männlichen Regisseuren zuschrieben. 1952 erschienen ihre Memoiren und 1953 wurde sie für ihre Verdienste um den Film in die Ehrenlegion aufgenommen.

Alice Guy-Blaché heiratete nicht wieder. 1964 kehrte sie in die USA zurück, um bei einer ihrer Töchter zu leben. Sie starb 1968 in einem Pflegeheim in Mahwah, New Jersey.

1995 drehte Marquise Lepage einen Film Le Jardin oublié: La vie et l'oeuvre d'Alice Guy-Blaché (Der verlorene Garten: Das Leben und das Werk von Alice Guy-Blaché).

Filme

  • 1896: La Fée aux Choux (The Cabbage Fairy)
  • 1905: La Esmeralda (nach Victor Hugos Roman Der Glöckner von Notre Dame)
  • 1912: Algie the Miner
  • 1912: Algie Making an American Citizen
  • 1913: A House Divided
  • 1913: The Pit and the Pendulum
  • 1913: Shadows of the Moulin Rouge
  • 1913: Matrimony's Speed Limit
  • 1914: The Woman of Mystery
  • 1915: My Madonna
  • 1917: House of Cards
  • 1918: The Great Adventure
  • 1920: Vampire

Literatur

  • Alice Guy: Autobiographie einer Filmpionierin 1873-1968. Münster: tende 1981.(épuisé)
  • Victor Bachy: Alice Guy-Blaché: 1873-1968. La première femme cinéaste du monde. Perpignan: Institut Jean Vigo, 1993.
  • Alison Mcmahan: Alice Guy Blaché: Lost Visionary of the Cinema. 2002.

Weblinks


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