Haarfrösche


Haarfrösche
Haarfrösche
Scotobleps gabonicus

Scotobleps gabonicus

Systematik
Reihe: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Klasse: Lurche (Amphibia)
Unterklasse: Lissamphibia
Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Neobatrachia
Familie: Haarfrösche
Wissenschaftlicher Name
Astylosternidae
Noble, 1927

Haarfrösche bzw. Haarfroschverwandte (Astylosternidae) bilden eine Familie der Froschlurche. Sie kommen im westlichen Afrika innerhalb der tropischen Regenwaldzone vor (etwa von Sierra Leone im Westen bis zur Demokratischen Republik Kongo im Südosten).

Es handelt sich um kleinere Frösche mit senkrechten oder waagerechten Pupillen. Namensgebend für die Familie ist der Haarfrosch (Trichobatrachus robustus, Syn.: Astylosternus robustus), dessen Männchen zur Paarungszeit an den Flanken und Hinterbeinen dicht beieinanderstehende, fädige, zehn bis fünfzehn Millimeter lange Hautlappen („Haare“) entwickeln. Über den Sinn dieser stark durchbluteten, drüsigen Ausstülpungen wird gerätselt – verschiedene Funktionen wie Tast- oder Atmungsorgane (Hautatmung) wären zwar denkbar, erscheinen aber nicht zwingend notwendig. Auch über eine Hilfsfunktion beim Anheften der Eier an Steine in schnell fließenden Gewässer wurde spekuliert („Laichpinsel“), über eine Tarnfunktion (Nachahmung von Algen) oder eine Balzfunktion dieses sekundären Geschlechtsmerkmales. Ein Hintergrund als Geschlechtssignal ist wohl tatsächlich am wahrscheinlichsten – möglicherweise sollen dabei aber auch durch Berührungsreize andere Männchen von Fehlpaarungsversuchen abgehalten werden.

Eine auffällige Besonderheit der meisten Vertreter der Familie ist die Fähigkeit, die Endglieder der Fingerknochen durch die Haut treten zu lassen, so dass sie kleine Krallen bilden. Diese dürften in erster Linie der Verteidigung gegenüber Fressfeinden dienen. [1] Ergreift ein Mensch einen solchen Frosch, windet sich dieser so, dass er empfindliche Kratzverletzungen beibringen kann. Bei der Gattung Leptodactylodon sind die Fingerspitzen zu kleinen Scheiben verbreitert.

Taxonomie

Nachdem früher eine Unterfamilie Astylosterninae entweder zu den Echten Fröschen (Ranidae) oder auch zu den Riedfröschen (Hyperoliidae) gestellt wurde, wird nun manchmal eine separate Familie Astylosternidae mit fünf Gattungen und etwa 29 Arten gebildet. Manche anderen Übersichten zählen diese allerdings mit zur Familie der Langfingerfrösche (Arthroleptidae).

Haarfrosch (Trichobatrachus robustus), getrocknetes Museumsexemplar
  • Gattung Astylosternus Werner, 1898
    • Art Astylosternus batesi (Boulenger, 1900)
    • Art Astylosternus diadematus Werner, 1898
    • Art Astylosternus fallax Amiet, 1978
    • Art Astylosternus laurenti Amiet, 1978
    • Art Astylosternus montanus Amiet, 1978
    • Art Astylosternus nganhanus Amiet, 1978
    • Art Astylosternus occidentalis Parker, 1931
    • Art Astylosternus perreti Amiet, 1978
    • Art Astylosternus ranoides Amiet, 1978
    • Art Astylosternus rheophilus Amiet, 1978
    • Art Astylosternus schioetzi Amiet, 1978
  • Gattung Leptodactylodon Andersson, 1903
    • Art Leptodactylodon albiventris (Boulenger, 1905)
    • Art Leptodactylodon axillaris Amiet, 1971
    • Art Leptodactylodon bicolor Amiet, 1971
    • Art Leptodactylodon blanci Ohler, 1999
    • Art Leptodactylodon boulengeri Nieden, 1910
    • Art Leptodactylodon bueanus Amiet, 1981
    • Art Leptodactylodon erythrogaster Amiet, 1971
    • Art Leptodactylodon mertensi Perret, 1959
    • Art Leptodactylodon ornatus Amiet, 1971
    • Art Leptodactylodon ovatus Andersson, 1903
    • Art Leptodactylodon perreti Amiet, 1971
    • Art Leptodactylodon polyacanthus Amiet, 1971
    • Art Leptodactylodon stevartsi Rödel & Pauwels, 2003
    • Art Leptodactylodon ventrimarmoratus (Boulenger, 1904)
    • Art Leptodactylodon wildi Amiet & Dowsett-Lemaire, 2000
  • Gattung Nyctibates Boulenger, 1904
    • Art Nyctibates corrugatus Boulenger, 1904
  • Gattung Scotobleps Boulenger, 1900
    • Art Scotobleps gabonicus Boulenger, 1900


Siehe auch: Systematik der Amphibien, mit Referenzen für die hier gebräuchliche Taxonomie der Amphibien.
Ferner Informationen zu einem völlig neuen, phylogenetisch basierten Systematik-Modell.

Einzelnachweise

  1. http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/291761.html Artikel auf wissenschaft.de

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