Haka


Haka
Kriegstanz der Māori (ca. 1845)

Haka ist der Ritualtanz der Māori. Er dient der Einschüchterung des Gegners, die durch die Präsentation von Gesichts- und Körpernarben noch verstärkt werden soll. Der Tanz wird dabei von dramatisch vorgebrachtem Sprechgesang der Krieger begleitet. Allerdings bedeutet "haka" nichts anderes als Tanz oder "Lied mit Tanz" und ist daher ein allgemeiner Begriff für alle Arten der Māori-Tänze. Der Legende nach ging ein Stammeshäuptling in eine Falle; um Hilfe zu rufen sprach er den unten genannten Text, als eine Frau ankam und ihn befreite. In der heutigen Zeit ist er ein Teil des Tanzes, bei dem die Männer vor der Gruppe das Lied körperlich ausführen, während im Hintergrund die Frauen sie stimmlich begleiten.

Der Haka ist allerdings mehr als nur ein Tanz. Traditionell ist er auch ein fester Teil der Willkommens- und Unterhaltungszeremonie für Gäste. Er war außerdem ein Mittel, um für einen bevorstehenden Kampf Mut zu machen und Angst bei den Gegnern hervorzurufen.

Man betrachtet den Haka als eine Art Symphonie, bei der die verschiedenen Körperteile die vielen Instrumente darstellen. Die Hände, Arme, Beine, Füße, Stimme, Augen, Zunge und der Körper als Ganzes vereinigen ihre individuellen Expressionen zu einer Aussage. Mut, Ärger, Freude, oder welche Gefühle auch immer, werden durch die Bewegungen der einzelnen Körperteile ausgedrückt. Das Äußere drückt das Innere aus.

Inhaltsverzeichnis

Haka-Arten

Darstellung eines Haka (ca. 1890)

Für viele ist der Haka nur eine Art Kriegstanz, was nicht das Wesentliche bei vielen Arten des Haka ist. Es gibt auch etliche andere Tänze, die in der Māori-Kultur ihre Bedeutung haben. Der am meisten aufgeführte Haka ist der "Haka Taparahi". Dieser Tanz war immer ein zeremonieller Tanz und in keiner Weise ein Kriegstanz. Daher wird er auch ohne Waffen aufgeführt.[1]

Die drei Haupthakas, die niemals Kriegstänze sind, heißen „Whakatu Waewae“, „Tutu Ngarahu“ und „Peruperu“. Jeder dieser Hakas hat Eigenschaften, die ihn von den anderen unterscheidet. Sie sind alle furchterregende Schauspiele, um die physische Überlegenheit und Verfassung der Krieger zu zeigen, sowie dem Gegner Angst einzujagen. Diese Ritual-Hakas beinhalten alle das Tragen von Waffen. Der „Peruperu“ zeichnet sich durch die hohen Sprünge, bei denen die Beine unter den Körper gedrückt werden, aus. Beim „Tutu Ngarahu“ wird zwar auch gesprungen, aber eher von Seite zu Seite, während beim „Whakatu Waewae“ überhaupt nicht gesprungen wird.

Eine andere Haka-Art ist der „Ngeri“. Bei ihm kommt es darauf an, die Krieger psychologisch zu motivieren. Die Choreographie ist sehr frei, so dass ihm jeder Tänzer selbst Ausdruck verleihen kann. Dieser Haka wird in der Regel ohne Waffen getanzt.

Der „Manawa Wera“-Haka wird normalerweise bei Beerdigungen oder bei anderen Gelegenheiten, die um den Tod kreisen, getanzt. Ähnlich wie der „Ngeri“ hat er keine Choreographie und wird ohne Waffen aufgeführt.

Um Hass über einen anderen Māori-Stamm auszudrücken, gibt es den „Kaioraora“. Jeder Stamm hat über einen anderen Stamm solch einen Haka entworfen, wobei dieser auch der Grund dafür war. Im Prinzip ist es fast eine Ehre, der Grund für einen „Kaioraora“ zu sein. Über die Jahre hinweg wurde ein Haka, in dem es über einen bestimmten Stamm geht, Bestandteil des Repertoires genau eben dieses Stammes.

Frauen und der Haka

In der traditionellen Kultur der Māori spielen die Frauen eine wichtige Rolle in der Darbietung des Haka. Sie treten sowohl im Haka, als auch solo auf. Es gibt sogar Hakas, die nur von Frauen aufgeführt werden. Sie spielen eine große Rolle in den Zeremonien und in der Unterhaltung im traditionellen Stammesalltag. Die Reputation eines Stammes basierte auf der Aufführung eines Hakas. Die Frauen waren ein integraler Bestandteil und daher auch fähige Darsteller.

In der modernen Māori-Kultur besteht die weibliche Rolle bei einem Haka hauptsächlich aus dem unterstützenden Gesang im Hintergrund. Die Männer stehen meist im Vordergrund, während die Frauen im Hintergrund mehrstimmig singen. Dennoch ist es nicht ungewöhnlich, auch Frauen in vorderster Reihe zu sehen, besonders wenn es sich um ein spontanes Haka handelt.

Haka und Rugby

Die neuseeländische Rugby-Union-Nationalmannschaft, die All Blacks, führt vor jedem Länderspiel einen Haka auf. Erstmals geschah dies 1884, als eine neuseeländische Auswahl nach New South Wales reiste. Benutzt werden zwei verschiedene Versionen. Bis 2005 wurde ausschließlich der Haka mit dem Titel „Ka Mate“ benutzt, seitdem existiert eine alternative Version in dem neugeschriebenen „Kapa o Pango“.

Die ausführende Mannschaft wird von den eigenen Fans unterstützt, die gegnerische Mannschaft und ihre Anhänger verfolgen oft eine Gegenstrategie, um den angeblichen psychologischen Vorteil, den die All Blacks durch den Haka gewinnen, zunichte zu machen. Die Reaktionen reichen vom Singen der eigenen Nationalhymne über Ignorieren des Haka bis zum aggressiven Entgegengehen.

Auch die neuseeländische Rugby-League-Nationalmannschaft hat einen eigenen Haka, und sogar im Schulsport wird der Haka in Neuseeland bei manchem Rugby-Spiel zelebriert. Einige Mannschaften haben ihren eigenen Haka und es gibt ein lautstarkes Spektakel, wenn die gegnerischen Teams, unterstützt von ihren jeweiligen Fans, nacheinander ihren Haka vorführen.

Ka Mate

Haka der All Blacks vor dem Spiel gegen Frankreich (November 2006)

Der „Ka-Mate“-Haka wurde 1810 durch Te Rauparaha komponiert, dem Häuptling des Stammes Ngāti Toa. Der Legende nach wurde Te Rauparaha von Feinden verfolgt. Er versteckte sich in einer Grube, in der Nahrung gelagert wurde, unter dem Rock einer Frau. Da ein solches Verhalten bei einem Häuptling undenkbar war, fühlte er sich sicher. Als er wieder aus der Grube stieg, wurde er schließlich nicht von seinen Verfolgern entdeckt, sondern von einem anderen Häuptling, der ihm freundlich gesinnt war. Aus Erleichterung führte Te Rauparaha den Ka-Mate-Haka auf, der heute mit den gleichen Worten von den All Blacks getanzt wird.

Der Haka beginnt mit fünf vorbereitenden Anweisungen eines einzelnen Anführers (gewöhnlich ein Māori aus dem Team), danach stimmt die ganze Mannschaft ein.

Ka Mate
Anführer: Ringa pakia! Schlagt die Hände auf die Schenkel!
Uma tiraha! Drückt die Brust nach vorne!
Turi whatia! Beugt die Knie!
Hope whai ake! Und die Hüften!
Waewae takahia kia kino! Stampft mit den Füßen, so fest ihr könnt!
Anführer: Ka mate, ka mate Das ist Tod, das ist Tod (oder: Ich werde sterben)
Mannschaft: Ka ora, ka ora Das ist Leben, das ist Leben (oder: Ich werde leben)
Anführer: Ka mate, ka mate Das ist Tod, das ist Tod
Mannschaft: Ka ora, ka ora Das ist Leben, das ist Leben
Alle: Tēnei te tangata pūhuruhuru Dies ist der haarige Mann…
Nāna nei i tiki mai whakawhiti te rā …der die Sonne brachte und sie scheinen ließ!
Ā upane, ka upane Ein Schritt nach vorne, und noch einer!
Ā upane, ka upane Ein Schritt nach vorne, und noch einer!
Whiti te rā, hī! Die Sonne scheint!

Kapa o Pango

Vor einem Tri-Nations-Spiel gegen Südafrika am 28. August 2005 im Carisbrook-Stadion von Dunedin führten die All Blacks überraschenderweise einen komplett neuen Haka auf. „Kapa o Pango“, verfasst von Derek Lardelli vom Stamm Ngāti Porou, beinhaltete eine längere und aggressivere Einleitung durch den damaligen Kapitän Tana Umaga und fand seinen Höhepunkt in einer umstrittenen, an das gegnerische Team gerichteten Geste des Hals-Durchschneidens. Die All Blacks gewannen das Spiel mit 31 zu 27.

Der neue Haka soll über mehr als ein Jahr und in Zusammenarbeit mit vielen Experten für die Kultur der Māori entwickelt worden sein. Er wird den traditionellen Haka „Ka Mate“ nicht ersetzen, sondern nur bei besonderen Gelegenheiten angewandt werden. „Kapa o Pango“ hat allerdings im Gegensatz zu „Ka Mate“ einen Text, der sich speziell auf die neuseeländische Nationalmannschaft bezieht, indem die All Blacks und das Symbol der Mannschaft, der Silberfarn, erwähnt werden.

Im Jahr 2006 wurde „Kapa o Pango“, besonders in Hinblick auf die umstrittene Geste am Schluss, noch einmal einer Überprüfung durch den neuseeländischen Rugby-Union-Verband (NZRFU) unterzogen. Die Untersuchung kam zum Schluss, dass die Geste in der Māori-Kultur eine völlig andere Bedeutung hat, so Derek Lardelli: „Die Worte und Bewegungen repräsentieren das Ziehen lebenswichtiger Energie in die Herzen und Lungen.“ [2]

„Kapa o Pango“ wurde vor dem ersten Tri-Nations-Spiel im Juli 2006 gegen Australien erneut aufgeführt.

Kapa O Pango
Kapa o Pango kia whakawhenua au i ahau! All Blacks, lasst mich eins mit dem Land werden!
Hī aue, hī!
Ko Aotearoa e ngunguru nei! Das ist unser Land, das poltert!
Au, au, aue hā! Das ist meine Zeit, mein Augenblick!
Ko Kapa O Pango e ngunguru nei! Das macht uns aus als die All Blacks!
Au, au, aue hā! Das ist meine Zeit, mein Augenblick!
I āhahā!
Ka tū te ihiihi Unsere Dominanz
Ka tū te wanawana Unsere Überlegenheit wird triumphieren
Ki runga ki te rangi e tū iho nei, tū iho nei, hī! Und hoch angesehen werden!
Ponga rā! Silberfarn!
Kapa o Pango, aue hī! All Blacks!
Ponga rā! Silberfarn!
Kapa o Pango, aue hī, hā! All Blacks!

Literatur

  • Murdoch Riley: Neuseelands Maori Abc: Geschichte, Sitten und Handwerk, Viking Sevenseas NZ, Limited, 1995, ISBN 978-0-85467-098-7

Einzelnachweise

  1. A. H. McLintock, ed (1966). "Haka". An Encyclopaedia of New Zealand. Haka (engl. eingesehen am 15. März 2011)
  2. Planet-Rugby.com: Kapa o Pango gets green light, 8. Juli 2006 (englisch)

Weblinks

 Commons: Haka – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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