Hamburg-Barmbek-Süd


Hamburg-Barmbek-Süd
Wappen von Hamburg

Barmbek-Süd
Stadtteil von Hamburg

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Koordinaten 53° 34′ 48″ N, 10° 2′ 26″ O53.58007310.040672Koordinaten: 53° 34′ 48″ N, 10° 2′ 26″ O
Fläche 3,1 km²
Einwohner 30.772 (31. Dez. 2009)
Bevölkerungsdichte 9926 Einwohner/km²
Vorwahl 040
Bezirk Hamburg-Nord
Quelle: Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein

Barmbek-Süd ist ein Hamburger Stadtteil im Bezirk Hamburg-Nord nordöstlich der Stadtmitte. Bis 1951 bildete er zusammen mit Barmbek-Nord und Dulsberg den Stadtteil Barmbek.

Inhaltsverzeichnis

Nachbarstadtteile

Nördlich des Osterbekkanals: Barmbek-Nord
Östlich des S-Bahndamms: Dulsberg
Südlich der Eilbek: Eilbek
Westlich des Winterhuder Weges: Uhlenhorst
Nördlich des Osterbekkanals, westlich der Saarlandstraße: Winterhude

um 1800
Hamburger Straße 1903
U-Bahn-Station
„Hamburger Straße“

Geschichte

Das Zentrum des ursprünglichen Dorfes lag an der Hufnerstraße rund um die ehemalige Heiligengeistkirche. Der Name des Dorfes stammt vom Namen des Baches Barnebeke. Heimatforscher vermuten, dass ursprünglich die Berner Au in die heutige Osterbek floss, bei Anlage der Kupfermühle in Farmsen wurde diese in die Wandse umgeleitet, um ein höheres Gefälle zu erreichen.

Im Jahre 1867 wurde eine Pferdebahn entlang der Hamburger Straße angelegt. 1890 entstand das Depot am Mesterkamp (heute Busbetriebshof). 1895 nahm die S.E.G.H. (Straßen-Eisenbahn Gesellschaft Hamburg) den elektrischen Betrieb auf.

Als im Jahre 1883 der Bau der Hamburger Speicherstadt den Abriss eines großen Arbeiterviertels verlangte, wurde die nordöstlich gelegene Feldmark erschlossen und besiedelt, um neuen Wohnraum zu schaffen.

Im Jahre 1907 nahm die Hamburg-Altonaer Stadt- und Vorortbahn mit dem Bahnhof Barmbeck den Betrieb auf. Gleichzeitig begann der Bau der Hamburger U-Bahn, die im Jahre 1912 ihren Betrieb aufnahm.

Im Jahre 1894 wurde Eilbek, das zuvor zu Barmbek gehört hatte, Hamburger Stadtteil.

Barmbek (Süd) war eine Arbeitervorstadt mit dem Zentrum nördlich der von Raabe & Wöhlecke entworfenen Hochbahn-Haltestelle Mundsburg, die vor einigen Jahren in den Originalzustand zurückgebaut wurde. 1923 kam es zum Hamburger Aufstand, der von der KPD initiiert wurde und einen seiner Schwerpunkte in Barmbek-Süd hatte.

Mahnmal an die Kriegsopfer in der Hamburger Straße

In den Bombenangriffen im Juli 1943 während der Operation Gomorrha wurde dieses Zentrum weitgehend zerstört, allein in den Schutzräumen des Kaufhauses Karstadt starben 370 Menschen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebiet zwischen Bachstraße und Winterhuder Weg, das zuvor zur Uhlenhorst gehört hatte, Barmbek-Süd zugeschlagen. Der Name mehrerer Sportvereine in diesem Quartier weist noch auf die frühere Zugehörigkeit zur Uhlenhorst hin.

Religionen

Seit Einführung der Reformation durch Johannes Bugenhagen ist Hamburg lutherisch geprägt. Trotz einer hohen Zahl konfessionsloser Einwohner gehört noch ein Großteil der Einwohner von Barmbek-Süd der evangelisch-lutherischen Kirche an. Ursprünglich gehörte Barmbek zum großen Sprengel der Dreieinigkeitskirche im Hamburger Vorort St. Georg. Aufgrund des riesigen Einzugsbereiches fand kirchliches Leben in Barmbek mit Ausnahme des sonntäglichen Kirchgangs praktisch nicht statt. Mit Gründung der Kirchengemeinde St. Gertrud in Hohenfelde 1883 verbesserte sich die seelsorgerische Situation zwar etwas, aber um 1900 hatte auch die neue Gemeinde bereits über 100.000 Mitglieder. 1902 wurde mit der Heiligengeistkirche am alten Dorfplatz die erste Barmbeker Kirche erbaut. Der Bevölkerungszuwachs führte bald zu neuen Kirchenbauten: 1920 wurde die Auferstehungskirche in Barmbek-Nord geweiht, so dass die erst später durchgeführte Teilung Barmbeks in drei Stadtteile (Barmbek-Nord, Barmbek-Süd und Dulsberg) kirchlich bereits kurz nach dem Ersten Weltkrieg begann. 1929 folgte mit der Bugenhagenkirche am Schleidenpark die zweite lutherische Kirche für Barmbek-Süd. Dulsberg schied mit dem Bau der Frohbotschaftskirche Anfang der 1930er Jahre aus der Kirchengemeinde Barmbek aus und bekam eine eigene Gemeinde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde mit der Kreuzkirche an der Wohldorfer Straße eine dritte lutherische Kirche in Barmbek-Süd errichtet. Aufgrund des Rückgangs an Gemeindegliedern haben sich die drei Gemeinden in Barmbek-Süd inzwischen zusammengeschlossen. Die Heiligengeistkirche, die Keimzelle der Alt-Barmbeker Kirchengemeinde, wurde wegen Baufälligkeit bereits seit 2005 nicht mehr genutzt und musste dem Wohnungsbau weichen; der Abriss erfolgte im März 2008. Ein Teil des Kirchenschiffs wird in den Neubau integriert und soll gemeinschaftlichen Zwecken dienen.

Bereits 1900 wurde die erste römisch-katholische Kirche in Barmbek geweiht, sie steht schräg gegenüber der später erbauten Bugenhagenkirche. Die St.-Sophien-Kirche wurde vom Gründer der Deutsch-Amerikanischen Petroleumgesellschaft (jetzt Teil des Esso-Konzerns) Wilhelm Riedemann, dessen Frau Sophie hieß, gestiftet. Auch die Katholiken Barmbeks waren früher nach St. Georg eingepfarrt. Die dortige Marienkirche ist heute Domkirche des Erzbistums Hamburg. Seit 1962 ist ein Dominikanerkloster an die Sophienkirche angeschlossen.

Nachdem es bereits zuvor eine Haussynagoge in der Hamburger Straße gegeben hatte, eröffnete die Jüdische Gemeinde Hamburg 1920 in der Gluckstraße die Synagoge Schewes Achim (deutsch: Brüdereintracht). Hintergrund war wie bei den christlichen Kirchen, dass sich die Zahl der Gemeindemitglieder in Barmbek mit zunehmender Besiedlung deutlich erhöht hatte und man diesen den Weg in die Stadt ( zur Hauptsynagoge am Bornplatz im Grindelviertel) nicht mehr zumuten wollte. 1938 musste das Gebäude unter dem Druck der herrschenden Nationalsozialisten verkauft werden, es fiel 1943 dem Bombenkrieg zum Opfer. Aus Anlass des 50. Jahrestages der Reichspogromnacht wurde auf dem Gehweg vor dem Grundstück, das heute von einer protestantischen Freikirche genutzt wird, eine Gedenktafel des Ortsausschusses Barmbek-Uhlenhorst angebracht, die unter dem Motto des ersten Verses des 133. Psalms steht:

Siehe wie schön und lieblich ist es, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen.
Alster-City, rechts im Hintergrund die Bugenhagenkirche
Alster-City, vorn der Osterbekkanal

Alster-City

In den 1990er Jahren wurde auf dem Gelände der ehemaligen Gasanstalt mit der Alster-City ein modernes Büroareal gebaut. Zunächst plante die Volksfürsorge Versicherungsgruppe den Bau ihrer Hauptverwaltung auf diesem Areal. Dagegen gab es heftige Proteste von Anwohnern, die eine Zunahme des Verkehrs insbesondere zu den Hauptverkehrszeiten befürchteten und stattdessen den Bau günstigen Wohnraums dort forderten. Wegen der Altlasten der Gasanstalt zog sich die Volksfürsorge schließlich aus dem Projekt zurück. Der Hamburger Großinvestor Helmut Greve realisierte stattdessen die heutige Bebauung, musste aber als Zugeständnis an die Anwohner den Bau einer lange geforderten Fußgängerbrücke über den Osterbekkanal und eine Grünanlage auf dem gegenüberliegenden Osterbekufer in Hamburg-Winterhude finanzieren. Bis heute ist die Brücke jedoch nicht realisiert worden.

Komponistenviertel

Die Wagnerstraße wurde 1877 nach dem Grundeigentümer Hans Heinrich David Wagner (1816−1872) benannt. Wegen der parallel laufenden Richardstraße festigte sich in der Bevölkerung und bei Behörden mit der Zeit der Eindruck, es müsse sich bei dem Namensgeber um den Komponisten Richard Wagner (1813−1883) handeln. Deshalb benannte man neue Straßen in diesem Bereich nach weiteren Musikern: Gluckstraße, Marschnerstraße, Lortzingstraße, Volkmannstraße, Flotowstraße, Weberstraße, Spohrstraße, Schumannstraße. 1904 benannte man die neue Wagnerstraßenbrücke (führt über die Eilbek) nach dem „richtigen“ Richard Wagner, dem Komponisten. Auch die Bachstraße ist nicht nach dem Musiker benannt, sondern führt zur Brücke über den Bach (heute Osterbekkanal). In Immobilienanzeigen wird dieses Gebiet häufig als Komponistenviertel bezeichnet.

Politik

Für die Wahl zur Hamburgischen Bürgerschaft und der Bezirksversammlung gehört Barmbek-Süd zum Wahlkreis Barmbek-Uhlenhorst-Dulsberg. Die Bürgerschaftswahl 2011 führte zu folgendem Ergebnis[1]:

  • SPD: 51,3% (+13,1)
  • CDU: 15,6% (-21,4)
  • GAL: 14,8% (+3,3)
  • Die Linke: 6,9% (-0,1)
  • FDP: 4,5% (+0,6)
  • Übrige: 6,9% (+4,6)

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

Neben dem Einkaufszentrum Hamburger Meile und den daneben befindlichen drei weithin sichtbaren Hochhäusern des Mundsburg-Centers sind die Backstein-Wohnhäuser an der Flotowstraße aus den 1920er Jahren bemerkenswert.

Am Biedermannplatz steht die mächtige Bugenhagenkirche aus dunklem Klinker, die 1927 von Emil Heynen errichtet und 1929 geweiht wurde. Sie zeigt sehr schöne Klinkerplastiken unter anderem von Richard Kuöhl. Sie entstand als protestantische Antwort auf die gegenüber liegende katholische Sophienkirche, deren Größe im damals streng lutherischen Hamburg als Provokation empfunden wurde. Seit 2004 wird die Bugenhagenkirche nicht mehr für Gottesdienste genutzt. Sie beherbergt derzeit die Kultur Bühne Bugenhagen.

Die ehemalige Volksschule in der Von-Essen-Straße, heute beherbergt sie das Hansa-Kolleg, ist ein typisches Beispiel für die Backsteinschulen der 1920er Jahre in Hamburg.

Dorothea und Adolphine Keitel gründeten 1901 eine Stiftung, die das mietfreie Wohnen von armen, unbescholtenen, mindestens 45 Jahre alten Mädchen aus dem Handwerker- und Dienstbotenstande ermöglichen sollte. 1905 wurde das Gebäude auf dem von der Stadt zur Verfügung gestellten ehemaligen Kätner-Hof errichtet. Der pompöse Bau wurde von den Barmbekern als „Schloss von Barmbek“ bezeichnet. Durch Kriegseinwirkung ist der Turm heute verkürzt, einige Balkonbrüstungen zugemauert. Dennoch überstand das Gebäude den Krieg relativ unbeschadet, was seiner soliden Bauweise zu verdanken ist.

Am Alten Teichweg steht der Daniel-Bartels-Hof, ein 1928 nach Entwurf der Architekten Puls & Richter erbauter Wohnblock. Skulpturen und Brunnenschmuck stammen von Ludwig Kunstmann. Ein denkmalgeschützter Wohnblock mit reichlichem Bauschmuck ist der Heinrich-Groß-Hof am Pinelsweg.

Gedenkstätte

Als Weihnachten 1813 alle Hamburger, die für eine Belagerung keinen ausreichenden Proviant vorweisen konnten, aus der Stadt getrieben wurden, versuchte ein Teil von ihnen, in Barmbek Unterkunft zu finden. Nachdem sie den Strapazen von Hunger und Kälte erlegen waren, wurden sie in einem Massengrab beigesetzt. Ein Gedenkstein im Kraepelinweg erinnert heute an 50 Verstorbene aus dem Dorf Barmbek.[2]

Parks

„Schleidenpark“ (Biedermannplatz)

Einen kleinen Park gibt es am Schleidenplatz (heute: Biedermannplatz)(Gecu Park).
Seit 2011 gibt es außerdem den nach einem der Lübecker Märtyrer benannten Johannes-Prassek-Park. Dieser hat eine Größe von etwa 2,5 ha und liegt westlich der Alster-City zwischen Weide- und Osterbekstraße (→Lage53.58201610.025829).[3]
Der im benachbarten Winterhude liegende Hamburger Stadtpark ist gut zu erreichen.

Theater

Die Schaubühne wurde im II. Weltkrieg zerstört. 1956 eröffnete das Theater an der Marschnerstraße, ein Amateurtheater. Zeitweise war es die Spielstätte des Jungen Theaters, das heute an der Mundsburg (Ernst-Deutsch-Theater) spielt.

Sport

Bekanntester Sportverein in Barmbek-Süd ist der USC Paloma, der 2002 die erste Hauptrunde des DFB-Pokals erreichte. Weitere bekannte Sportvereine sind die Hamburger Turngesellschaft Barmbeck-Uhlenhorst e.V. von 1876 und der SV Uhlenhorst-Adler. Am Osterbekkanal befindet sich das Bootshaus des Ruderclubs Protesia von 1907, von dem sich 2008 der Tischtennisclub Protesia abgespalten hat.

Bildung

Persönlichkeiten

Lotto King Karl im Oktober 2004

Einzelnachweise

  1. http://wahlen-hamburg.statistik-nord.de/frameset.php?file=status_karte&wahl=77&frame=true
  2. Spurensuche. In: Hamburger Wochenblatt vom 8. Dezember 2010, S. 11
  3. Neuer Park in Barmbek soll an Lübecker Märtyrer erinnern In: Hamburger Abendblatt vom 23. Juni 2011

Literatur

  • Dieter Thiele: Textbuch Barmbeker Geschichtstafeln. Herausgegeben von der Barmbeker Geschichtswerkstatt, Hamburg 1995

Weblinks

 Commons: Hamburg-Barmbek-Süd – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

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