Handwerkskammer Hamburg


Handwerkskammer Hamburg
Handwerkskammer Hamburg am Holstenwall

Die Handwerkskammer Hamburg ist die auf dem Gebiet der Freien und Hansestadt Hamburg zuständige Handwerkskammer als Interessenvertretung und Dienstleister für das ansässige Handwerk, handwerksähnlicher Betriebe und deren Mitarbeiter und Lehrlinge. Sie vertritt damit über 13.500 Betriebe mit etwa 146.000 Beschäftigten in den 89 handwerklichen und 41 handwerksähnlichen Gewerken, die in Hamburg vertreten sind.

Das Gewerbehaus ist der Hauptsitz der Handwerkskammer Hamburg. Ein zusätzliches Gebäude der Kammer steht in unmittelbarer Nachbarschaft Bei Schuldts Stift 3 mit der Zufahrt in die Tiefgarage. Seit 2008 verfügt die Handwerkskammer (nach dem Verkauf der GFA in Altona) mit dem „Elbcampus“ über ein neues Weiterbildungszentrum nahe dem Harburger Bahnhof. Im gleichen Gebäude sind auch die mehrzahl der Hamburger Innungen und die Vereinigte Innungsgeschäftsstelle untergebracht. In den 52 Hamburger Innungen sind die meisten selbständigen Handwerker als freiwillige Mitglieder vertreten. Die Innungen sind im Gegensatz zur fachübergreifenden Aufgabe der Handwerkskammer für die fachliche Aufgaben des jeweiligen Handwerks zuständig.

Inhaltsverzeichnis

Organe

Das Logo der Handwerkskammer Hamburg

Die Handwerkskammer ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und organisierte Selbstverwaltungseinrichtung des gesamten Handwerks in Hamburg. Aufgabe der Handwerkskammer ist es, die Interessen des Gesamthandwerks zu vertreten und die Belange des Handwerks im Zuge der Selbstverwaltung selbst zu regeln. Die Handwerkskammer übt die Rechtsaufsicht über die Innungen aus. Zur Handwerkskammer gehören die Inhaber eines Handwerksbetriebes (unterschieden in zulassungspflichtige Handwerke und zulassungsfreie Handwerke) und des handwerksähnlichen Gewerbes sowie die Gesellen, Arbeitnehmer mit abgeschlossener Berufsausbildung und die Lehrlinge.

Die Organe der Handwerkskammer sind gemäß § 92 der Handwerksordnung [1]
1. die Mitgliederversammlung (Vollversammlung),
2. der Vorstand,
3. die Ausschüsse.

"Die Vollversammlung wählt aus ihrer Mitte den Vorstand. Ein Drittel der Mitglieder müssen Gesellen oder andere Arbeitnehmer mit abgeschlossener Berufsausbildung sein. (2) Der Vorstand besteht nach näherer Bestimmung der Satzung aus dem Vorsitzenden (Präsidenten), zwei Stellvertretern (Vizepräsidenten), von denen einer Geselle oder ein anderer Arbeitnehmer mit abgeschlossener Berufsausbildung sein muß, und einer weiteren Zahl von Mitgliedern." § 108 HWO
"Präsident und Hauptgeschäftsführer vertreten die Handwerkskammer gerichtlich und außergerichtlich".(§ 109 HWO)
Die Vollversammlung besteht aus 39 Mitgliedern. Ein Drittel davon, also 13, sind Arbeitnehmer, zwei Drittel sind Arbeitgeber.
Die Vollversammlung vertritt mehr als 15.000 Betriebe und circa 130.000 Beschäftigte.
Die Amtszeit eines Präsidenten der Handwerkskammer Hamburg ist seit einer Satzungsänderung in den 80er Jahren auf zwei fünfjährige Perioden begrenzt.
Seit dem 4. Mai 2009 ist Josef Katzer, der Inhaber einer Gebäudereinigungsfirma [2], Präsident der Handwerkskammer.[3]


Die Präsidenten nach 1945

1945 - 1953 Paul Wilken, Baumeister
1954 Heinrich Wulff, Bäckermeister
1954 - 1965 Richard Sörensen, Baumeister
1966 - 1979 Edmund Helbig, Fleischermeister
1979 - 1989 Franz Eble, Kfz-Mechaniker-Meister
1989 - 1999 Dieter Horchler, Baumeister
1999 Erwin Wolkenhauer, Kfz-Mechaniker-Meister
1999 - 2009 Peter Becker, Bäckermeister
ab 2009 Josef Katzer, Gebäudereinigermeister

Geschichte der Handwerkskammer

Als Vorläufer von Innungen und Kammer gelten die im Mittelalter entstandenen Zünfte. 1873 vereinigten sich alle Handwerke in Hamburg in der Gewerbekammer, aus der später die Handwerkskammer hervorging.

Die Handwerkskammer Hamburg wurde als „Gewerbekammer“ 1873 gegründet. Erster Kammersekretär war Dr. Justus Brinckmann (1843-1915), der spätere Gründer des Museums für Kunst und Gewerbe. Die Gewerbekammer war damals eine Organisation für Industrie und Handwerk. Die Industrie wird heute von der Handelskammer vertreten.
Ihren Sitz hatte die Gewerbekammer in den ersten Jahren Bei den Pumpen 38 und auf den Großen Bleichen 61/63.

Das Gewerbehaus von Fritz Schumacher am Holstenwall

Für den Neubau des Gewerbehauses wurde 1910 nach langer Suche ein Grundstück in der Neustadt innerhalb des alten Stadtbefestigungsringes gefunden. Der Straßenname „Holstenwall“ erinnert an das „Holstenthor“, das zu Zeiten der Torsperre als Kontrollpunkt im Bereich des heutigen Sievekingplatzes entstanden war. Die Aufhebung der Torsperre 1860 in Verbindung mit der wirtschaftlichen Entwicklung Hamburgs und dem großen Bevölkerungswachstum hatte für die Hamburger Stadtentwicklung innerhalb und außerhalb der Wallanlagen große Bedeutung.

Die Innenseite des Walles wurde zu einer breiten Ringstraße ausgebaut, tw. mit Straßenbahn-Streifen. Seit dem späten 19. Jahrhundert wurden am Wallring (Klosterwall, Steintorwall, Glockengießerwall, Lombardsbrücke, Esplanade, Stephansplatz, Gorch-Fock-Wall, Holstenwall) verschiedenartige repräsentative Gebäude errichtet: Kunsthalle 1869 / 1912-21, Hauptpostamt 1883-87, Verbreiterung der Lombardsbrücke 1902, Hauptbahnhof 1902-06, Hühnerposten 1902-06, Gebäude des deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbandes (Brahmskontor) 1903-04 / 1931, Musikhalle (Laeiszhalle) 1904-08, Gewerbehaus 1912-15 und Museum für Hamburgische Geschichte 1914-22.

Der Neubau der Gewerbekammer wurde 1912-15 errichtet, aber erst 1917 im Innenausbau ganz fertig gestellt. Damaliger Leiter der Hochbauabteilung der Baubehörde und damit zuständig für alle Staatsbauten war Fritz Schumacher (1869-1947). Nach seinen Entwürfen wurde das Gewerbehaus gebaut. Ebenfalls unterstand ihm die künstlerische Leitung der Durchführung. Das umfangreiche Raumprogramm sah neben den Räumen der Gewerbekammer und der Aufsichtsbehörde für die Innungen u. a. Innungsbüros, Innungskrankenkassen, den Arbeitsnachweis, eine Bibliothek mit Lesezimmer, Ausstellungsräume, Sitzungszimmer, Versammlungssäle, Räume für Schulungszwecke und Werkstatträume vor. Die Stadt stellte das Grundstück und errichtete das Gewerbehaus auf Staatskosten; sie war Hausherr und vermietete die einzelnen Räumlichkeiten.

Das Gewerbehaus hat heute als Kulturdenkmal einen besonderen Stellenwert in Hamburg, denn im Vergleich zu anderen Schumacher-Bauten ist es das am vollständigsten erhaltene und gilt deshalb als besonderer Glücksfall für die Fritz-Schumacher-Forschung. Es entstand in der frühen Zeit Schumachers in Hamburg, zwei Jahre nach dem Bau der "Kunstgewerbeschule" am Lerchenfeld (Fertigstellung 1913). Im Unterschied zu anderen Schumacher-Bauten aus dieser Zeit wurde es trotz des ausgebrochenen Ersten Weltkrieges zu Ende gebaut, wenn auch mit kriegsbedingten Zeitverzögerungen.

Das Äußere des Gewerbehauses strahlt eine besondere Ruhe und repräsentative Würde aus. Die Fassadengliederung lässt nicht auf den Rang der dahinterliegenden Räume schließen.

Durch die unterschiedlichen Nutzungszwecke der Räume ergaben sich schwierige und vielteilige Grundrisse. Die Symmetrie der Außenfassade des Kammergebäudes mit den beiden geschweiften Giebeln auf der Straßenseite entspricht nicht dem inneren Aufbau des Gebäudes. Auch zur Hofseite mit dem großen Mittelgiebel und der Fensteranordnung, die dem Treppenverlauf folgt, erscheint das Gebäude symmetrisch. Jedoch wurden unter dem großen Dach zwei getrennten Häuser und mit zwei Treppenhäusern unterschiedlichen Charakters gebaut. Dies ist heute wenig spürbar, da der Zugang ins Souterrain des Innungsflügels, durch den die Arbeitsuchenden das Haus betreten hatten, nicht mehr geöffnet ist. Heute wird nicht mehr selektiert, wer durch den Haupteingang mit seinen gemauerten romanischen Bogenreihen das Haus betreten darf.

Die Anordnung der beiden Giebel erinnert an das Gewerbehaus in Bremen, einem Bauwerk aus dem 17. Jahrhundert und Sitz der ältesten deutschen Handwerkskammer. Bremen ist die Geburtsstadt Fritz Schumachers. Für die Oberschulbehörde baute Fritz Schumacher 1911-13 in der Dammtorstraße 25 ein neues Verwaltungsgebäude - ebenfalls mit zwei straßenseitigen Giebeln. Für die tragende Konstruktion wurde eisenbewehrter „Stampfbeton“ als Sichtbeton verwendet, der wie Naturstein steinmetzmäßig bearbeitet (scharriert) worden war. Die Art dieser Bearbeitung der Betonoberfläche ruft eine repräsentative Wirkung hervor, ohne edle Verkleidungsmaterialien zu verwenden. Durch diese Konstruktion wurden weite Spannweiten ermöglicht und dadurch die Chance geschaffen, Zwischenwände als nichttragende Wände auszubilden, so dass die Räume entsprechend den sich ändernden Erfordernissen leicht angepasst werden konnten.

Von dem Haupteingang in der Mittelachse erschlossen und den zurückgesetzten Mittelteil und die linke Giebelseite umfassend war der repräsentative Teil des Gewerbehauses. Hier waren die staatlichen Büros, die Büros der Gewerbekammer und die der Allgemeinheit dienenden Einrichtungen. Im 2. und 3. OG wurden elf Sitzungssäle in verschiedenen Größen und für verschiedene Anlässe eingerichtet. Das Spektrum reicht von Sitzungsräumen für 15 Personen bis zum großen Festsaal 450 Personen (über zwei Stockwerke).

In der dreiteiligen Fassade werden die modernen Elemente des Kontorhauses mit (erkerartigen) Bay-Windows über dem Haupteingang und geschweiften Barockgiebeln alter Bürgerhäuser miteinander verbunden.

Die Eingangshalle mit einem großen Brunnen führt durch zwei Geschosse. Eine doppelläufige offene Treppe ist der Fensterseite vorgelagert. Durch die Mittelachse führte ursprünglich der Zugang zu einer angegliederten 180 m² großen Ausstellungshalle zur Präsentation für technische Neuheiten, für Gesellenstücke und für Meisterstücke. In den oberen Geschossen waren die Räume für Meisterkurse, die Bibliothek mit Leseraum und zwei kleine Wohnungen für Hausbedienstete untergebracht. Im Keller gab es Werkstätten, aber auch eine Trinkstube, den „Remter“.

Hinter dem rechten Giebel, im „Innungsflügel“ des Gewerbehauses, ist über sieben Ebenen eine offene Galerie mit freiliegender doppelläufiger Treppe vorhanden. Die Belichtung erfolgte vor allem über ein offenes Oberlicht - ähnlich der ehem. Hauptkassenhalle in der Finanzbehörde (1926) und der Grundbuchhalle des Ziviljustizgebäudes (1930). Der Zugang von der Straße führte im Tiefparterre in die Wartehalle für Arbeitssuchende, denn hier gab es den wichtigen Arbeitsnachweis durch die Innungen. Dieses klassische Kontorhaus für die 32 Räume der Innungen und Innungskrankenkassen war ursprünglich ohne Verbindungen zum repräsentativen Hauptgebäude vorgesehen. Die Verzierung des stabilen schmiedeeisernen Geländers mit den integrierten harten Bänken ist der einzige Schmuck dieser kühnen Treppenhausarchitektur Fritz Schumachers und steht im Kontrast zum Haupttreppenhaus.

Der „Arbeitsnachweis“ war ein sozialpolitisch hochbrisantes Instrument, das von Arbeitgebern (u. a. von den Innungen) wie auch von den Gewerkschaften im Gewerkschaftshaus genutzt wurde. Ein paritätischer Arbeitsnachweis - gekoppelt mit der Arbeitslosenversicherung - trat erst mit dem „Gesetz über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung“ 1927 in Kraft.

Chronologie beim Bau des Gewerbehauses

28. April 1910 Antrag in der Bürgerschaft zum Bau eines Gewerbehauses
23. Sept. 1911 Entscheidung der Finanzdeputation
21. Juni 1912 Senatsantrag an die Bürgerschaft zur Bebauung des Grundstücks am Holstenwall
10. Juli 1912 Bürgerschaftsbeschluss und Freigabe von 911 300 Mark
im Dez. 1912 Baubeginn
im Herbst 1915 Einzug der ersten Innungen in den Innungsflügel
Anfang 1916 Gewerbekammer und Aufsichtsbehörde ziehen ein
4. Sept. 1917 offizielle Übergabe
1937 Übertragung der Eigentumsrechte an die Gewerbekammer für 75 Jahre (bis 2012)
1989 Kauf des Grundstücks und des Gebäudes durch die Handwerkskammer

Die Finanzdeputation der Finanzbehörde hatte 1911 nur Mittel für eine einfache Grundausstattung des Neubaus in Aussicht gestellt: Bei der Ausstattung des Gewerbehauses sollten „unter Vermeidung jeglichen Aufwandes ausschließlich die Nutzzwecke des Gebäudes“ berücksichtigt werden. Deshalb waren zahlreiche Geld- und Sachspenden erforderlich, um ein angemessenes repräsentatives Ambiente zu schaffen. Infolge des erfolgreichen Spendenaufrufs konnten zahlreiche Besonderheiten im Gewerbehaus eingebaut werden, die unter der Federführung von Fritz Schumacher einen würdigen Platz erhielten. Das Hamburger Gewerbe konnte sich auch dadurch voll mit seinem neuen großen „Rathaus“ identifizieren.

Die Außenfassaden zur Straße und zum Hof sind aus rotbraunen gebrannten Handstrichziegeln von der Porta Westphalica gemauert. Die Verzierungen im Verbund der des Mauerwerks ohne Formsteine erinnern an die Ausmauerung von Fachwerkhäusern. Im Unterschied zu den hohen verspielten Doppelgiebeln vorne ist der flache Giebel zum Innenhof sehr streng und korrespondiert mit den schrägen Fensterbändern entlang des Treppenhauses. Straßenseitig sind die Fenster im 1. Stock mit Schmuckelementen aus grauem Naturstein eingefasst. Das hohe Walmdach besteht aus schwarz-grauen holländischen Pfannen und fünf halbrunden Fledermaus-Gauben zur Straßenseite. Unter dem hohen Dach befanden sich ursprünglich die voluminösen Installationen für die Niederdruckdampfheizung mit der damals hochmodernen Technik der Firma Rud. Otto Meyer (heute Imtech) zur Lüftung der Säle und Arbeitsräume durch die Zuführung vorgewärmter und filtrierter Frischluft mittels elektrisch betriebener Ventilatoren.

Die sechs großen Skulpturen aus Muschelkalk auf dem Mittelteil der Fassadenloggia sind von dem Bildhauer und Steinmetzmeister Oscar E. Ulmer (1888–1963) geschaffen worden. Die drei Männerfiguren verkörpern einen herkulesartig kraftvollen Typ, die weiblichen Skulpturen sind klassische Venusdarstellungen nachgebildet. Anhand ihrer beigefügten Attribute sind sie eindeutig keinem speziellen Handwerk zuzuordnen.

Im 2. Stock sind außen am Balkongeländer sechs Medaillons mit vergoldeten Schiffsmotiven von Ludwig Kunstmann angebracht. Sie wurden jedoch in den 1990er Jahren weiß überstrichen.

Als Bauschmuck dienen die beiden Fische an den Seiten der Fassade (an mittelalterliche Wasserspeier erinnernd) und die drei großen Natursteinelemente an den beiden Giebeln. An der Giebelspitze befindet sich rechts eine Wassernixe und links ein Nöck, das männliches Pendant.

In der Eingangshalle und im Haupttreppenhaus und in den Eingangsbereichen zu den Veranstaltungssälen ist ein Terrazzofußboden gelegt worden. Im Haupttreppenhaus befinden sich drei Trinkbrunnen:

In der Eingangshalle im Terrazzo-Oktogon balanciert eine weibliche Figur von Artur Storch (1870–1947) mit einem Füllhorn im Arm auf einer Kugel. Der Brunnen wurde gestiftet von der Hamburger Fettschmelze (Schlachthof St. Pauli). Nachdem er in den 60er Jahren beseitigt worden war, wurde er anhand alter Fotografien 1996 rekonstruiert mit Hilfe von Stiftungen, insbesondere der Hamburger Kraftfahrzeuginnung und des Fleischgroßemarktes Hamburg (Realisierung durch Steinmetzmeister Alfred Karbenk und die Bergedorfer Metallgießerei Josef Ritter).

Auf dem Treppenabsatz im 2. Obergeschoss steht der Katzenbrunnen von Alphons Ely (1886–1955), gestiftet vom Bund der Maurer- und Zimmermeister in Hamburg.

Im 3. Stock: steht ein Wandbrunnen mit der Maske eines Fauns, Schildkröten und Vögeln von Hans Waetcke (* 1864) gestiftet vom Hamburger Gewerbeverein.

Fritz Schumacher hatte die meisten Details der Innenausstattung selber vorgegeben: Hierzu gehörten die Vertäfelung im Großen Saal (Firma H. V. A. Grimme) und im Plenarsaal (Firma Wilh. Zürner), die verschiedenartigen Wanduhren, zahlreiche Deckenleuchten und Tische, ebenso wie das mit Tieren verzierte schmiedeeiserne Gitter über der großen Haustür bis hin zu Türgriffen und Heizungsverkleidungen, Garderobenständern, u.a.m. Zeichnungen hiervon sind im Staatsarchiv bzw. im Fritz-Schumacher-Institut archiviert.

Der Große Saal im 3. Stock hatte ursprünglich eine farbige Kunstverglasung, die von Carl Otto Czeschka entworfen worden war. Mit diesem vielseitigen Künstler aus Wien, der 1907 als Lehrer zur Kunstgewerbeschule nach Hamburg berufen wurde, hatte Fritz Schumacher bereits 1913 beim Neubau der heutigen HfBK am Lerchenfeld zusammengearbeitet. Dort schuf Carl Otto Czeschka die fünf großen Jugendstil-Fenster in der hohen Eingangshalle.

Zum Thema „Die Handwerke“ erhielt er den Auftrag, ganzfigürliche Darstellungen von beispielhaften Vertretern der Innungen und Berufsvereinigungen mit den entsprechenden Attributen wie Werkstück, Handwerkszeug und Innungszeichen zu schaffen. Die handwerkliche Umsetzung der Fenster erfolgte durch die Bau- und Kunstglaserei Gebr. Kuball.

Die große Fensterfront „Die Handwerke“ zeigte in den 15 Mittelfenstern jeweils zwei gegenständige männliche Figuren. Zwischen ihnen stand eine hohe Werkzeugkiste mit spezifischen Attributen der jeweiligen Gewerke. Unten und oben waren die Mittelfenster eingerahmt durch große und kleine Ornamentfenster mit mittig angeordneten handwerks- und Hamburg-bezogenen Einsatzstücken. Die Fenster waren während des Zweiten Weltkrieges nicht rechtzeitig ausgebaut worden. Sie wurden durch die Druckwellen in den Bombennächten 1943 zerstört. Die großformatigen Vorlagen (Kartons) der Fenster sind in Czeschkas umfangreichen Nachlass im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg am Steintorplatz archiviert.

Carl Otto Czeschka gliederte die 15 figürlichen Fenster „Die Handwerke“ entsprechend der Architektur des Großen Saals in fünf Dreiergruppen:

(1) Schlachter und Bäcker ••• Schneider und Kürschner ••• Juweliere und Gold- und Silberschmiede

(2) Böttcher und Tischler ••• Glaser und Tapezierer ••• Sattler und Wagenbauer

(3) Prinzipalverein Senefelder (Lithographen) ••• Buchdrucker ••• Buchbinder und verwandte Gewerbe

(4) Maschinenbauer und Schlosser ••• Klempner und Feinmechaniker/Optiker ••• Schmied und Kupferschmied

(5) Töpfer und Schornsteinfeger ••• Tiebauunternehmer, Steinhauer/ Steinsetzer ••• Bauhütte zu Hamburg, Zimmermann und Maurer

Die Wandmalereien im Großen Saal und in mehreren kleinen Sitzungssälen sowie die ovalen Gemälde mit Hamburg-Motiven des Malers Otto Fischer-Trachau (1878–1958) sind nicht erhalten.

Das Rednerpult des Großen Saals wurde vom Verband Hamburgischer Gewerbevereine gestiftet. Die Holzfigur verkörpert die Muse des Handwerks - eine junge Frau gestützt auf einen Vorschlaghammer. Sie war 1915 von Heinrich Walldorf (* 1872) geschaffen worden.

Für die Ausgestaltung des Bauhüttensaals (Raum 203) spendete die Baugewerksinnung 10.000 Mark und bestimmte für die Durchführung den Architekten H. E. August Meyer. Mit Ausnahme der Glasmalerei (1943 zerstört) und der Deckenlampen ist der Saal unverändert erhalten mit den besonderen Maurer-, Zimmerer- und Holzschnitzarbeiten.

Derselbe Architekt hat auch die „Trinkstube“ im Untergeschoss gestaltet. Die Ausstattung des „Remter“ ist jedoch nur teilweise erhalten und zwar die farbigen bleiverglasten Fenster mit Brauerei-Themen und über dem runden Tisch der kunstgeschmiedeten Kronleuchter. Er wurde vom Brauereiverband gestiftet und zeigt acht Figuren: Hans Hummel, die Zitronenjette, den Piepenreimer, den Aalweber, Vetter Kirchhoff, die Köksch und ein Paar aus den Vierlanden. Heute hängt unter dem Kronleuchter eine der Deckenlampen, die Fritz Schumacher für den Plenarsaal (Raum 205) und für den „Bannersaal“ der Innungen (Raum 207) mit unterschiedlichen kleinen Handwerkszeichen entworfen hatte.

Im Sitzungszimmer der Töpferinnung (Raum 201) befindet sich ein nach einem alten Vorbild ausgeführter Kachelofen mit Wandnische in „Hamburger Blaumalerei“ mit Motiven von der Stadt Hamburg. Dies war 1915 ein Geschenk des damaligen Obermeisters der Töpferinnung, Albert Krüger. Es ist eine Nachbildung eines Ofens aus dem 18. Jahrhundert, der seit 1911 im Museum für Kunst und Gewerbe zu sehen ist. Dort sind die Metamorphosen von Ovid das Thema der Blaumalerei.

Wesentliche bauliche Veränderungen in den vergangenen Jahrzehnten:

1935: Die Wand zwischen dem Großen und dem Kleinen Saal mit den kleinen Verbindungstüren wurde durchbrochen und mit einer breiten Falttür versehen, so dass die beiden Säle miteinander verbunden werden konnten.

1976: Die beiden Paternoster wurden außer Betrieb gesetzt. Im Haupttreppenhaus wurden stattdessen zwei kleine Aufzüge eingebaut. Der Innungsflügel bekam erst im Zuge des Tiefgaragenbaues 1990 einen neuen Aufzug.

1984: Der Dachgeschossausbau durch den Architekten Dieter Langmaack ermöglichte zusätzliche Schulungsräume und Büros. Allerdings wurde dafür das Oberlicht über dem Innungsflügel geschlossen.

1990: Die im Innenhof vorhandene ehemalige große Ausstellungshalle war inzwischen zur Garage umfunktioniert worden. Sie wurde abgerissen und durch einen Büropavillon über einer zweigeschossigen Tiefgarage mit 87 Stellplätzen ersetzt. Dies war erst möglich, nachdem die Handwerkskammer 1989 das Grundstück und das Gebäude von der Stadt Hamburg gekauft hatte.

1995: Das Souterrain des Innungsflügels, der ehemalige Warteraum für Arbeitsuchende, wurde für Ausstellungen umgebaut zur „Galerie“. Der Terrazzoboden wurde neu verlegt.

Neue Glaskunstfenster: In den 1960er Jahren wurden im unteren Abschnitt des Haupttreppenhauses farbige Glasfenster mit den Handwerkszeichen von Glasermeister Ewald Kerlin gestaltet.

Seit den 1990er Jahren befinden sich im Eingangsbereich zur Kammerleitung im 1. Obergeschoss Elemente alter Kirchenfenster. Sie gehörten zu den rechtzeitig ausgebauten Fenstern der großen neogotischen Hamburger Kirche von St. Nikolai, die in den Bombennächten 1943 weitgehend zerstört worden war.

2011 - Beginn der Rekonstruktion der Hellglasfenster "Die Handwerke" von Carl Otto Czeschka für den Großen Saal im 3. Stock.

Elbcampus Kompetenzzentrum in Harburg

Zwischen 2006 und 2008 wurde auf einem Gelände auf der Stadtteilgrenze von Hamburg-Neuland/Harburg der Elbcampus mit 23.000 Quadratmeter Gesamtfläche für 600 Werkstatt- und 500 Seminarplätze errichtet (PFP Architekten, Prof. Jörg Friedrich, Hamburg/Henning Scheid). Durch das Gebäude führt ein Lehrpfad für Lernende und Besucher, der die Technologie des mit innovativen Gebäudetechniken und Gestaltungskonzepten ausgestatteten Hauses, erfahrbar machen soll.

"ELBCAMPUS - Kompetenzzentrum Handwerkskammer Hamburg" ist ein Bildungs- und Dienstleistungszentrum für Aus- und Weiterbildung des Handwerks und des Mittelstands. Das Gebäude des Elbcampus liegt in der Nähe des Bahnhofes Hamburg-Harburg im Bezirk Harburg und vereinigt dort unter einem Dach:

  • die Bildungseinrichtungen der Handwerkskammer Hamburg
  • das Zentrum für Energie-, Wasser- und Umwelttechnik (ZEWU)
  • die Akademie für Zahntechnik der Handwerkskammer Hamburg (AZHH)
  • die Berufsakademie Hamburg
  • die Schweißtechnische Lehr- und Versuchsanstalt Nord
  • die Lehrbackstube der Bäcker-Innung Hamburg
  • das Schulungszentrum der Landesinnung der Gebäudereiniger
  • das Norddeutsche Ausbildungszentrum der Maler- und Lackierer-Innung Hamburg

Einzelnachweise

  1. http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/hwo/gesamt.pdf
  2. http://www.katzer.biz/index.php?set_language=ka&cccpage=firmengeschichte
  3. http://www.welt.de/die-welt/article3675836/Feierlicher-Stabwechsel-in-der-Handwerkskammer.html

Weblinks

 Commons: Handwerkskammer Hamburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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