Hanföl


Hanföl

Hanföl ist ein fettes Pflanzenöl, das aus den Samen des Hanf (Cannabis sativa) gewonnen wird. Es ist damit abzugrenzen gegenüber dem ätherischen Öl des Hanf, welches durch Destillation aus Blättern und Blüten des Hanfs, und Haschischöl, welches als Harzextrakt aus dem Harz des Hanfs gewonnen wird. Hanfsamen enthalten – anders als das Harz der Pflanze – keine nennenswerten Mengen an THC und haben daher auch keine Rauschwirkung; gleiches gilt dementsprechend für das daraus produzierte Öl.

Inhaltsverzeichnis

Herstellung

Da der industrielle Hanfanbau im Regelfall zur Gewinnung von Hanffasern geschieht, stellen die Samen und damit auch das Hanföl nur ein Nebenprodukt des Anbaus dar. Die Samen werden bei der Aufbereitung der geernteten Hanfpflanzen gewonnen und weiterverarbeitet. Will man aus den Hanfsamen ein hochwertiges Hanföl gewinnen, so sind eine schonende Ernte und Ölgewinnung unabdingbar. Durch seine feste Schale ist der Samen vor Umwelteinflüssen wie Sauerstoff und Sonnenlicht geschützt. Will man Öl aus den Samen gewinnen, so müssen sie in einer Ölmühle gepresst werden. Am besten eignet sich hierfür die Kaltpressung, da hier die Presstemperatur etwa zwischen 40 °C bis 60 °C liegt, und somit die wertvollen Inhaltsstoffe des Hanföls nicht durch Hitze geschädigt und reduziert werden. Bei 30–35 % Ölgehalt ergibt sich ein Ölertrag von etwa 180 bis 350 Liter pro Hektar.

Allgemeine chemische Struktur von Ölen, wie Hanföl. Darin sind R1, R2 und R3 Alkylreste (≤ 20%) oder Alkenylreste (≥ 85%) mit einer meist ungeraden Anzahl von Kohlenstoffatomen). Hanföl ist, wie andere Öle, ein Gemisch von Triestern des Glycerins.

Eigenschaften, Zusammensetzung und Haltbarkeit

Die Farbe unterscheidet sich je nach Herstellungsart. So ist kaltgepresstes Hanföl grün-gelblich, warm gepresstes dagegen eher dunkelgrün. Hanföl riecht krautig und aromatisch und besitzt einen grün-nussigen Geruch. Der Geschmack schwankt von nussig zu krautig.

Der Flammpunkt liegt zwischen 170 und 220 °C, der Schmelzpunkt etwa bei -25 bis -15 °C. Hanföl setzt sich neben diversen anderen Pflanzenstoffen, wie zum Beispiel Chlorophylle, Carotinoide und Vitaminen, zum größten Teil aus Fettsäuren (über 80 % sind ungesättigte) zusammen. Für eine gesunde Ernährung sind vor allem die in dem Öl enthaltenen mehrfach ungesättigten Fettsäuren von größerer Bedeutung, insbesondere Linolsäure und Alpha-Linolensäure, die beiden für den Menschen essenziellen Omega-n-Fettsäuren sowie Gamma-Linolensäure, eine in Speiseölen seltene Omega-6-Fettsäure.

Angaben je 100 g

Fett ~ 90 g (ungesättigte Fettsäuren ~ 80 g), Brennwert ca. 800 kcal (= 3350 kJ), Cholesterin < 1,00 mg

Fettsäurezusammensetzung pro 100 g:

Daneben enthält Hanföl auch diverse andere Pflanzenstoffe, die durch das Pressen mit herausgelöst werden, so z. B. Chlorophylle, Carotinoide und Vitamine, die auch für seine Färbung mitverantwortlich sind.

Wird das Hanföl in einer dunklen Flasche gekühlt gelagert, so beträgt die Haltbarkeit etwa sechs bis neun Monate.

Verwendung[1]

Die Verwendung des Hanf als Nutzpflanze ist bis weit in die Geschichte zurückzuverfolgen, die frühesten Seile aus Hanffasern stammen dabei aus der Zeit um 2.800 v. Chr. aus China und die Nutzung als Textilfaser ist durch Funde aus der Chou-Dynastie (1.122 bis 149 v. Chr.) belegt. Die früheste Nutzung von Hanföl als Nahrungsmittel oder für andere Verwendungen ist dagegen heute nicht zu datieren.

Da der Anbau von Hanf in vielen Nationen aufgrund der Nutzung als Rauschmittel (Marihuana, Haschisch) in den letzten Jahrzehnten weitgehend verboten war und teilweise auch heute noch ist, geriet die Nutzung von Hanfprodukten in Vergessenheit und wird vor allem in den letzten Jahren nach und nach wieder entdeckt und etabliert.

In der Küche

Aufgrund seines Fettsäurespektrums, das alle für den Menschen wichtige essentielle Fettsäuren enthält, zählt Hanföl zu einem der besten und ernährungsphysiologisch sehr hochwertigen Pflanzenöle und wird gerne in der Küche gebraucht. Einsatz findet es vor allem wegen seines nussigen Geschmacks als Speiseöl bei der Zubereitung von Salaten, Dressings, Soßen, Marinaden und Brotaufstrichen. Wegen seines relativ niedrigen Rauchpunktes bei etwa 165 °C sollte es jedoch nicht zum Braten oder Frittieren verwendet werden, da sich sonst die Fettsäuren bei einer höheren Temperatur zersetzen würden und sich so auch der Geschmack des Öls ändern würde. Unbedenklich ist dagegen die Nutzung von Hanföl zum Dünsten und Dämpfen.

Medizinische Verwendung

Aufgrund seines hohen Anteils an einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren wird Hanföl auch gerne in der Medizin und Pharmazie angewandt. So wird es beispielsweise erfolgreich gegen zu hohe Cholesterinspiegel, Allergien und Arteriosklerose angewandt. Wegen seines hohen Gehalts an wichtigen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren, besonders an α-Linolensäure und der seltenen γ-Linolensäure, kann es auch bei einer Diät eingesetzt werden, um dem Körper trotz fettreduziertem Essen die essentiellen Fettsäuren zuzuführen. Außerdem kommt es auch therapeutisch zum Einsatz, um beispielsweise Gefäßerkrankungen zu heilen, da die mehrfach ungesättigten Fettsäuren die Zellmembrane und damit die Elastizität der Gefäße und die Fließfähigkeit des Blutes positiv beeinflussen. Es stärkt also das Gefäßsystem und verhindert schädliche Ablagerungen. Daneben verhindert es die Bildung von Blutgerinnseln. Außerdem hat die im Hanföl enthaltene γ-Linolensäure eine wichtige Bedeutung für die entzündungshemmende Prostaglandinbildung und wirkt auch gegen Neurodermitis, Hauterkrankungen, Psoriasis. Weiter trägt sie zur Verminderung von Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen und verschiedenen chronischen Entzündungen bei und auch zur Reduzierung eines Herzinfarkt-Risikos.

Verwendung als technisches Öl

Ein weiteres Einsatzgebiet findet Hanföl als technisches Öl in der Industrie. Hier dient es wegen seines hohen Gehalts an Triacylglycerinen als Rohstoff für die Erzeugung von Reinigungsmitteln. Durch verschiedene chemische Verfahren (Verseifung, Ethoxylierung und Sulfatierung) können aus Hanföl verschiedene Rohstoffe (u.a. Seifen, Emulgatoren, Lösungsmitteln, Pflegestoffe oder Tenside) für die Reinigungsindustire erzeugt werden, welche den Vorteil haben, dass sie leicht biologisch abbaubar sind. Des Weiteren dient Hanföl wegen seiner hohen Gleitfähigkeit zur Produktion von Druckertinte, Farben und Lacken und kommt auch bei der Herstellung von Holzschutzmitteln, Schmiermitteln und Wachsmalstiften zum Einsatz. Speziell im Orient wird es bis heute als Lampenöl verwendet, weil es besonders hell brennt und in Verbindung mit ätherischem Hanföl den für Hanf typischen Geruch entwickelt.[2]

Verwendung in Kosmetika

Der Hohe Anteil an ungesättigten Fettsäuren, v. a. der Linolsäure und α-Linolensäure, bewirkt eine hohe Gleiteigenschaft, die das Hanföl sehr haut- und haarfreundlich macht, weshalb es gerne in Kosmetikprodukten eingesetzt wird. So wird es vor allem bei Produkten für raue, entzündliche oder schuppende Haut eingesetzt, da die darin enthaltenen speziellen Fettsäuren des Hanföls Austrocknung und Hautrisse vermeiden und zudem einen übermäßigen Feuchtigkeitsverlust verhindern. Darüber bildet dieses Öl einen sehr guten Weichmacher für Haut und Haare, weshalb es auch bei der Entwicklung von Massageöl, Salben, Cremes, Seifen und auch Shampoos Verwendung findet. Auch in der Naturkosmetik wird dieses Öl eingesetzt, da es wegen seines Anbaus ohne Pflanzenschutzmittel keine giftigen Rückstände enthält. Die Marktanteile von hanfölbbasierten Kosmetika sind allerdings bislang gering.[3]

Hanföl als Biokraftstoff

Hanföl wird bis heute nicht zur Energiegewinnung genutzt. Obwohl es beispielsweise als Grundlage für pflanzenölbasierte Kraftstoffe (Biodiesel, Pflanzenöl-Kraftstoff) verwendet werden könnte, besteht aktuell weder der Bedarf noch die technische Reife, das als hochwertig eingestufte Hanföl für energetische Zwecke zu nutzen.

Literatur

  • Michael Carus et al.: Studie zur Markt- und Konkurrenzsituation bei Naturfasern und Naturfaser-Werkstoffen (Deutschland und EU). Gülzower Fachgespräche Band 26, Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. 2008

Quellen

  1. Hanföl. Abgerufen am 7. September 2010..
  2. Ivan Bócsa, Michael Karus, Daike Lohmeyer: Der Hanfanbau – Botanik, Sorten, Anbau und Ernte, Märkte und Produktlinien. Landwirtschaftsverlag, 2000, S.178-179, ISBN 3-7843-3066-5.
  3. Stichwort Kosmetika In: nova-Institut (Hrsg.): Das kleine Hanf-Lexikon. Verlag Die Werkstatt, Göttingen, 2. Auflage, 2003; Seiten 63–64. ISBN 3-89533-271-2.

Weblinks


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