Hatoyama Ichiro


Hatoyama Ichiro
Hatoyama Ichirō

Hatoyama Ichirō (jap. 鳩山 一郎; * 1. Januar 1883 in Ushigome, Tokio (heute: Shinjuku); † 7. März 1959 in Tokio) war ein japanischer Politiker und von 1954 bis 1956 der Premierminister von Japan. Er gründete nach dem Zweiten Weltkrieg die Liberale Partei, die Demokratische Partei und 1955 an der Fusion der beiden zur Liberaldemokratischen Partei (LDP) beteiligt. Hatoyama war Vorsitzender der drei Parteien.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Familie

Hatoyama kam aus einer Samuraifamilie im Katsuyama-han. Sein Vater Hatoyama Kazuo studierte Rechtswissenschaften und gehörte zu den ersten japanischen Studenten im Ausland. Er wurde anschließend Beamter im Außenministerium und Unterhausabgeordneter der Meiji-Zeit. Seine Mutter Hatoyama Haruko war am Aufbau christlicher Bildungseinrichtungen in Japan beteiligt. Als ältester Sohn folgte Hatoyama Ichirō seinem Vater und studierte wie er Rechtswissenschaften an der Kaiserlichen Universität Tōkyō, wo er 1907 graduierte. 1908 heiratete er die älteste Tochter eines Unterhausabgeordneten der nationalistischen Gruppe Gen’yōsha.

Abgeordneter vor dem Zweiten Weltkrieg

Hatoyama wurde nach dem Tode seines Vaters 1911 auf dessen Sitz im Rat der Stadt Tōkyō gewählt. 1915 wurde er Unterhausabgeordneter für die Partei Rikken Seiyūkai (立憲政友会, dt. „Freunde der konstitutionellen Regierung“). Von 1927 bis 1929 war er Chefsekretär des Kabinetts (damals: 内閣書記官長, Naikaku Shokikanchō) im Kabinett von Tanaka Giichi. Von 1931 bis 1934 war Hatoyama Bildungsminister. Auch wenn er grundsätzlich für die Parteienherrschaft eintrat, tolerierte er die zunehmende Militarisierung und Entdemokratisierung Japans; die japanische Invasion Chinas 1937 verteidigte Hatoyama als Schritt im Interesse der „Zufriedenheit des chinesischen Volkes“[1]. Erst nach dem Angriff auf die USA distanzierte er sich stärker von den Militaristen. Nachdem er das Kriegskabinett von Tōjō Hideki kritisiert hatte, zog sich Hatoyama 1943 nach Karuizawa zurück.

Aufbau der bürgerlichen Parteien

Nach dem Krieg kehrte Hatoyama nach Tōkyō zurück und gründete dort die Liberale Partei, wurde ihr erster Vorsitzender und machte sie in den Unterhauswahlen 1946 zur stärksten Partei. Noch im selben Jahr, 1946, musste er während der Säuberung der Verwaltung durch die Besatzungsbehörden (Supreme Commander for the Allied Powers, abgekürzt „SCAP“) wegen Kollaboration mit der Militärregierung während des Krieges alle Ämter niederlegen und überließ das Amt des Premierministers seinem Parteifreund Yoshida Shigeru. Kurz vor der Aufhebung des Ämterverbots 1951 erlitt Hatoyama einen Schlaganfall.

Hatoyama distanzierte sich zunehmend von der ausschließlich auf die USA ausgerichteten Außenpolitik Yoshidas. Da Yoshida nicht bereit war, sein Amt Hatoyama zu überlassen, gründete Hatoyama 1954 mit seinen Anhängern die Demokratische Partei Japans und stürzte Yoshida durch ein Bündnis mit den Sozialisten im Unterhaus – dieser trat vor der drohenden Abstimmungsniederlage zurück – und wurde selbst Premierminister.

Regierungszeit

Kurz nach seiner Wahl löste Hatoyama das Parlament auf, um nicht so stark auf die Stimmen der Sozialisten angewiesen zu sein. Wie der Baptist Hatoyama formulierte, hatte er zuvor „die Stimme des Himmels vernommen“ (天の声を受けた). Seine Demokratische Partei wurde bei den Unterhauswahlen 1955 stärkste Kraft.

Außenpolitisch setzte Hatoyama sich für die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zur Sowjetunion ein und reduzierte die einseitige Ausrichtung auf die USA, ohne die grundsätzliche Linie der Yoshida-Doktrin zu verlassen. Er leitete die defensive Wiederbewaffnung Japans in Form der Selbstverteidigungsstreitkräfte ein. Außerdem begnadigte Hatoyama eine Reihe von Kriegsverbrechern der Klasse A, die in den Tokioter Prozessen zu lebenslanger Haft verurteilt worden waren.

1955 erfolgte auch in Reaktion auf die Vereinigung von rechtem und linkem Flügel der Sozialistischen Partei die „Konservative Fusion“ (保守合同, Hoshu Gōdō) von Demokratischer und Liberaler Partei zur Liberaldemokratischen Partei, die Japan im Wesentlichen in ein Zweiparteiensystem transformierte. Hatoyama wurde Parteivorsitzender der neuen Partei.

Nachkommen

Hatoyamas ältester Sohn Iichirō wurde ebenfalls LDP-Politiker und war von 1976 bis 1977 japanischer Außenminister. Dessen Söhne Yukio (Generalsekretär der Demokratischen Partei) und Kunio (Justizminister) sind ebenfalls Politiker.

Einzelnachweise

  1. Time, 20. Dezember 1954: The Man Who Came Back. S. 2

Weblinks

Anmerkung: Bei diesem Artikel wird der Familienname vor den Eigennamen der Person gesetzt. Dies ist die übliche Reihenfolge im Japanischen. Hatoyama ist hier somit der Familienname, Ichirō ist der Eigenname.

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