Haude und Spener

Haude und Spener

Die Haude & Spenersche Verlagsbuchhandlung ist ein deutscher Verlag mit Sitz in Berlin der auf eine 1614 gegründete Buchhandlung zurückgeht, die schon 1615 ein erstes Werk verlegte. Er ist damit der älteste Berliner Verlag.

Geschichte

Am 10. Mai 1614 erteilte Kurfürst Johann Sigismund den Brüdern Hans und Samuel Kalle ein Privileg zur Errichtung einer Buchhandlung. Beide waren keine gelernten Buchhändler, sondern gehörten der Buchbinderzunft an. Eigentlicher Gründer der Buchhandlung war Hans Kalle, während Samuel Kalle bei der Buchbinderei blieb. Die Buchhandlung lag damals An der Stechbahn, dort, wo das 1866 erbaute, nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissene „Rote Schloss“ stand. Eines der ersten Werke, die Kalle herausgab, war das 1615 erschienene Buch:

  • »Der Chur-Brandeburg Reformation-Werck, das ist: I. des Durchleuchtigsten Hochgebornen Fürsten und Herrn Johann Sigmunds, Marggraffen zu Brandenburg etc.; Bekändniß von jetzigen unter den Evangelischen schwebenden und in streit gezogenen punkten... durch einen Liebhaber der Wahrheit trewlich zusammengetragen und in Druck bracht, Anno 1615. Gedruckt zu Berlin durch George Rungen. In Verlegung Johann Kallen Buchhändlern und Buchbindern doselbst«.

Bis 1632 sind 37 Kallesche Verlagswerke verzeichnet. 1659 verkaufte Kalle die Buchhandlung an Rupert Völcker, und 1697 ging sie an seinen Sohn Johann Völcker über. Dieser konnte sie jedoch nicht halten und verkaufte 1700 an Johann Christoph Papen, der das Geschäft wiederum 1723 an Ambrosius Haude abtrat. Haude starb am 17. Mai 1748, und die Handlung ging auf seine Witwe über, die ihren Bruder, Johann Carl Spener, als Teilhaber in die nun Haude & Spener genannte Handlung aufnahm. Das in Lagergewölben der Petrikirche aufbewahrte Verlagsarchiv wurde im Jahr 1809 bei einem Brand vernichtet.[1]

Haude & Spener gab unter anderem den „Historisch-Genealogischen Calender oder Jahrbuch der merkwürdigsten neuen Welt-Begebenheiten“ sowie „Büchmanns geflügelte Worte“ und die „Berlinischen Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen“ heraus, eine Zeitung die seit 1872 „Spenersche Zeitung“ hieß und 1874 in der Nationalzeitung aufging.

1823 stellte der Verlag eine der ersten Schnellpressen Deutschlands auf.

Literatur

  • Rudolf Schmidt: Deutsche Buchhändler. Deutsche Buchdrucker. Beiträge zu einer Firmengeschichte des deutschen Buchgewerbes. 6 Bände. Verlag der Buchdruckerei Franz Weber, Berlin (ab Bd. 4, 1907: Verlag von Rudolf Schmidt, Eberswalde) 1902-1908.
  • Konrad Weidling: Die Haude & Spenersche Buchhandlung in Berlin in den Jahren 1614–1890, Haude und Spener, Berlin 1902.

Einzelnachweise

  1. Thomas Bürger: Aufklärung in Zürich. Die Verlagsbuchhandlung Orell, Gessner, Füssli & Comp. in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. In: Archiv für Geschichte des Buchwesens 48 (1997), S. 1-278, hier S. 56 (Eingeschränkte Vorschau in der Google Buchsuche).

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