Allium

Allium
Lauch
Bärlauch (Allium ursinum) zur Blütezeit

Bärlauch (Allium ursinum) zur Blütezeit

Systematik
Klasse: Einkeimblättrige (Liliopsida)
Unterklasse: Lilienähnliche (Liliidae)
Ordnung: Spargelartige (Asparagales)
Familie: Lauchgewächse (Alliaceae)
Unterfamilie: Allioideae
Gattung: Lauch
Wissenschaftlicher Name der Unterfamilie
Allioideae
Herb.
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Allium
L.
Illustration: Gekielter Lauch (Allium carinatum).

Die Lauch-Arten (Allium) bilden die einzige Pflanzengattung in der Unterfamilie der Allioideae innerhalb der Familie der Lauchgewächse (Alliaceae).

Die Gattung umfasst etwa 550 bis 700 Arten (davon 110 in Europa (Stand 1980[1]; seitdem sind aus Südeuropa zahlreiche weitere Arten beschrieben worden)), mit einigen bekannten Speise- und Würzpflanzen. Die größte Zahl der Arten findet sich im Mittelmeerraum, im Orient und von Turkestan bis Tibet. Verantwortlich für den charakteristischen Lauchgeruch der meisten Arten ist Allicin, das bei Verletzung der Pflanze durch ein Enzym aus einer schwefelhaltigen Aminosäure, dem Alliin, gebildet wird.

Es gibt im deutschsprachigen Raum 16 einheimische und 3 eingebürgerte wild wachsende Allium-Arten. [2]

Inhaltsverzeichnis

Nutzung

Folgende, häufig kultivierte Arten finden als Lebensmittel Verwendung: Zwiebel (Allium cepa), Winterzwiebel (Allium fistulosum), Knoblauch (Allium sativum), Schalotte (Allium ascalonicum), Schnittlauch (Allium schoenoprasum), Porree (Allium ampeloprasum). Wild wachsend, jedoch heutzutage auch oft in der Küche genutzt, ist der Bärlauch (Allium ursinum).

In der Gattung Allium gibt es viele Arten und Sorten, die schöne Zierpflanzen für den Garten sind. Ein Beispiel ist der Sternkugel-Lauch (Allium cristophii).

Beschreibung

Allium-Arten sind ausdauernde krautige Pflanzen. Oft haben sie Zwiebeln als Überdauerungsorgane, manche Arten bilden zusätzlich Rhizome. Die meisten Arten haben den typischen Zwiebelgeruch. Die einfachen, parallelnervigen Laubblätter sind meist ungestielt.

Die doldigen Blütenstände sind manchmal fast kugelrund. Manchmal werden Brutzwiebelchen in den Blütenständen gebildet. Oft ist ein großes Hochblatt vorhanden, das im knospigen Zustand die Blüten schützt. Die meist zwittrigen, meist radiärsymmetrischen Blüten sind dreizählig. Wenige Arten bilden eingeschlechtige Blüten und sind dann zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch). Die zwei mal drei Blütenhüllblätter sind bei den meisten Arten gleichgestaltig. Die Farbe der Blütenhüllblätter der Allium-Arten ist oft weiß, gelb, rosa, blau, violett oder rot. Es sind sechs Staubblätter vorhanden. Die drei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen Fruchtknoten verwachsen.

Es werden Kapselfrüchte gebildet. Die schwarzen Samen sind verkehrt eiförmig bis kugelig.

Systematik

Synonyme für Allium L. sind: Caloscordum Herb., Cepa Mill., Milula Prain, Nectaroscordum Lindl.. [3]

Die Gattung Allium ist die einzige Gattung der Unterfamilie der Allioideae innerhalb der Familie der Lauchgewächse (Alliaceae). Sie wird nach N.Friesen, R.M.Fritsch & F.R.Blattner 2006 in 15 Untergattungen und diese in Sektionen gegliedert [3]:

  • Untergattung Allium: Mit 15 Sektionen:
    • Sektion Allium
    • Sektion Avulsea
    • Sektion Brevidentia
    • Sektion Brevispatha
    • Sektion Caerulea
    • Sektion Codonoprasum
    • Sektion Costulatae
    • Sektion Crystallina
    • Sektion Eremoprasum
    • Sektion Kopetdagia
    • Sektion Longivaginata
    • Sektion Mediasia
    • Sektion Multicaulea
    • Sektion Pallasia
    • Sektion Spathulata
  • Untergattung Amerallium Traub: Mit zwölf Sektionen:
    • Sektion Amerallium (Traub) Kamelin in der Neotropis.
    • Sektion Arctoprasum Kirschl.
    • Sektion Briseis (Salesb.) Stearn
    • Sektion Bromatorrhiza Ekberg
    • Sektion Caulorhizideum Traub
    • Sektion Chamaeprason Hermann
    • Sektion Lophioprason Traub in der Neotropis.
    • Sektion Molium G.Don ex Koch
    • Sektion Narkissoprason Hermann
    • Sektion Rhophetoprason Traub in der Neotropis.
    • Sektion Rhynchocarpum Brullo
    • Sektion Triptera
  • Untergattung Anguinum: Mit einer Sektion.
  • Untergattung Butomissa: Mit zwei Sektionen:
    • Sektion Austromontana
    • Sektion Butomissa
  • Untergattung Caloscordum: Mit einer Sektion.
  • Untergattung Cepa: Mit fünf Sektionen:
    • Sektion Annuloprason
    • Sektion Cepa
    • Sektion Condensatum
    • Sektion Sacculiferum
    • Sektion Schoenoprasum
  • Untergattung Cyathophora: Mit drei Sektionen:
    • Sektion Coleoblastus
    • Sektion Cyathophora
    • Sektion Milula
  • Untergattung Melanocrommyum (Webb & Berth.) Rouy: Mit 15 Sektionen:
    • Sektion Acanthoprason Wendelbo
    • Sektion Acaule R.M.Fritsch
    • Sektion Acmopetala R.M.Fritsch
    • Sektion Aroidea Khass. & R.M.Fritsch
    • Sektion Brevicaule R.M.Fritsch
    • Sektion Compactoprason R.M.Fritsch
    • Sektion Kaloprason C.Koch
    • Sektion Megaloprason Wendelbo
    • Sektion Melanocrommyum Webb & Berth.
    • Sektion Miniprason R.M.Fritsch
    • Sektion Popovia Khass. & R.M.Fritsch
    • Sektion Pseudoprason (Wendelbo) K.Persson & Wendelbo
    • Sektion Regeloprason Wendelbo
    • Sektion Thaumasioprason Wendelbo
    • Sektion VerticillataKamelin
  • Untergattung Microscordum: Mit einer Sektion:
    • Sektion Microscordum Maxim.
  • Untergattung Nectaroscordum: Mit einer Sektion:
    • Sektion Nectaroscordum (Lindl.) Gren. & Godr. in der Neotropis.
  • Untergattung Polyprason: Mit vier Sektionen:
    • Sektion Daghestanica
    • Sektion Falcatifolia
    • Sektion Oreiprason
    • Sektion Scorodon
  • Untergattung Porphyroprason: Mit einer Sektion:
    • Sektion Porphyroprason Ekberg
  • Untergattung Reticulatobulbosa: Mit fünf Sektionen:
    • Sektion Campanulata
    • Sektion Nigrimontana
    • Sektion Reticulatobulbosa
    • Sektion Scabriscapa
    • Sektion Sikkimensia
  • Untergattung Rhizirideum: Mit fünf Sektionen:
    • Sektion Caespitosoprason
    • Sektion Eduardia
    • Sektion Rhizirideum
    • Sektion Rhizomatosa
    • Sektion Tenuissima
  • Untergattung Vvedenskya: Mit einer Sektion.

Arten (Auswahl)

Kulturgeschichte

Die Zwiebel des Allermannsharnisch (auch Siegwurz, wilder Alraun) wurde als Schutzmittel gegen Verwundung, Unglücksfälle, Zauberei für Menschen und Tiere benutzt und von Marktschreiern oft in menschenähnliche Gestalt gebracht, bekleidet und zu hohen Preisen verkauft.

Die Vorfahren der kultivierten Lauch-Arten sind zumeist im inneren Asien heimisch, aber als derbe Würzen schon in grauer Vorzeit verbreitet worden. Den Ägyptern galten die Laucharten sogar als heilig und geweiht und wurden daher von Priestern und Frommen nicht berührt.

Die Zwiebel von Askalon beschreibt schon Theophrast; Knoblauch und Zwiebeln spielten am persischen Hof eine große Rolle, und auch Homer kennt die Zwiebel und erwähnt sie als Beiessen zum Mischtrank des Nestor. Auch später blieben in Griechenland und Italien die Lauchgewächse beliebteste Volksnahrung; mit steigender kultureller Verfeinerung schlug jedoch bei den höheren gesellschaftlichen Schichten die Vorliebe in Widerwillen um, und Zwiebel- und Knoblauchgeruch verrieten den Mann aus dem niedrigsten Volk. Jemand „Zwiebel anwünschen“ bedeutete nichts Gutes, und Horaz wird nervös, wenn er des Knoblauchs gedenkt.

Dem scharfen Geruch und Geschmack verdankten die Laucharten anderseits abergläubische Anwendung gegen Gift und Zauberei, und eine bestimmte Art (Allium nigrum) galt als die bei Homer „Moly“ genannte Pflanze, durch welche Odysseus der Kirke widerstand.

Quellen

  • Dale W. McNeal Jr. & T. D. Jacobsen: Allium in der Flora of North America, Volume 26, S. 224: Online. (engl.)
  • Xu Jiemei & Rudolf V. Kamelin: Allium in der Flora of China, Volume 24, S. 165: Online. (engl.)

Literatur

  • Kurt Heyer: Die Alliumarten als Arzneimittel im Gebrauch der abendländischen Medizin, Kyklos 1 (1928), S. 64-102.
  • N. Friesen, Reinhard M. Fritsch & F. R. Blattner: Phylogeny and new intrageneric classification of Allium (Alliaceae) based on nuclear rDNA ITS sequences., in J. T. Columbus, E. A. Friar, C. W. Hamilton, J. M. Porter, L. M. Prince & M. G. Simpson: Monocots: Comparative Biology and Evolution I., 2006, Aliso 22, S. 372-395.
  • Reinhard M. Fritsch: Neue Ergebnisse zur Taxonomie und Evolution von Allium L. Online. (deutsch)

Einzelnachweise

  1. William T. Stearn: Allium L. S. 49-69 in: T.G. Tutin, V.H. Heywood, N.A. Burges, D.M. Moore, D.H. Valentine, S.M. Walters & D.A. Webb (Hrsg.) 1980: Flora Europaea. Volume 5: Alismataceae to Orchidaceae (Monocotyledons). - Cambridge: Cambridge Univ. Press, xxxviii + 452 S.
  2. Schmeil, O., Fitschen, J. (Begr.) & Seybold, S. (2003): Flora von Deutschland und angrenzender Länder. 93. Aufl. - 863 S.; Quelle & Meyer, Wiebelsheim.
  3. a b Eintrag bei GRIN.

Weblinks


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